Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/gear-360-im-hands-on-samsung-bringt-den-rundumblick-aufs-smartphone-1602-119263.html    Veröffentlicht: 21.02.2016 19:00    Kurz-URL: https://glm.io/119263

Gear 360 im Hands on

Samsung bringt den Rundumblick aufs Smartphone

Mit der Gear 360 hat Samsung seine erste 360-Grad-Kamera vorgestellt, die sich einfach mit einem Smartphone verbinden lässt. Im ersten Test gefallen uns die Ergebnisse und die technischen Möglichkeiten der kleinen Kugel.

Samsung hat auf dem Mobile World Congress (MWC) 2016 eine Kamera vorgestellt, mit der 360-Grad-Videos und -Fotos aufgenommen werden können. Insbesondere im Videobereich sind derartige Rundum-Aufnahmen interessant: Mit Hilfe eines Betrachters wie der Gear VR oder auch einem Cardboard-Modell lassen sich die Aufnahmen im Nachhinein wieder so anschauen, als wäre man dabei.

Die Gear 360 hat die Form und Größe eines Tennisballs und lässt sich dank eines gewöhnlichen Stativ-Gewindes mit zahlreichem Fotozubehör verbinden. In einem ersten Kurztest konnte sich Golem.de die Kamera bereits genauer anschauen.

Auf zwei gegenüberliegenden Seiten hat die Gear 360 jeweils ein großes Objektiv, das Fotos im Winkel von 195 Grad aufnimmt. Die Anfangsblende der beiden Linsen liegt bei f/2.0, die beiden Sensoren haben jeweils 15 Megapixel. Aus den gleichzeitig gemachten Aufnahmen wird dann das Rundumpanorama errechnet, das je nach verwendetem Aufnahmemodus ein Foto oder auch ein Video sein kann.



Zusammengesetzt werden die Aufnahmen nicht auf der Gear 360, sondern auf einem per WLAN verbundenen Smartphone oder Tablet - dafür funkt die Gear 360 nach 802.11/ac, also auf den Frequenzen 2,4 und 5,0 GHz. Die Kamera kann auch als Stand-alone-Gerät verwendet werden: Alle wichtigen Informationen werden auf einem kleinen Display an der Oberseite angezeigt. Direkt daneben befindet sich der Auslöseknopf. An der einen Seite sind der Einschalter und ein Menü-Button angebracht, auf der anderen Seite eine Klappe und dahinter der wechselbare Akku, die Micro-SD-Karte und der Micro-USB-Anschluss zum Laden.

Komfortabler finden wir es allerdings, wenn ein Smartphone mit der Kamera verbunden ist. In unserem Testszenario bei Samsung war dies ein Galaxy S7 Edge, laut Aussage eines Samsung-Mitarbeiters soll die Gear 360 aber auch mit anderen Android-Smartphones und iPhones kompatibel sein. Der Vorteil eines verbundenen Smartphones liegt darin, das Sucherbild live sehen zu können.

Dies ist tatsächlich etwas gewöhnungsbedürftig: Als Nutzer kennt man es, ein statisches Bild auf dem Sucher zu sehen, das für die Komposition des Fotos verwendet wird. Bei einer 360-Grad-Kamera wie der Gear 360 hingegen lässt sich das Sucherbild auf dem Smartphone bewegen, da das fertige Foto oder Video ja alles abbildet, was gerade um einen herum passiert. Dies erfordert ein komplettes Umdenken der Art und Weise, wie Fotos aufgenommen werden.

360-Grad-Videos mit guter Qualität

Ist dieser Schritt erst einmal vollzogen, lassen sich mit der Gear 360 tolle Fotos und vor allem Videos aufnehmen. Dank des mitgelieferten Mini-Stativs, das gleichzeitig auch als Haltegriff dient, können schnell beeindruckende Rundum-Videos angefertigt werdeb. Die Qualität ist deutlich besser als etwa bei der Ricohs Theta: Die Gear 360 nimmt Videos mit einer Auflösung von 3.840 x 1.920 Pixeln auf, was für die Betrachtung in einem Viewer ausreicht - vorausgesetzt, das verwendete Smartphone hat ebenfalls eine hohe Auflösung. Fotos werden mit 30 Megapixeln aufgenommen, was zu scharfen Ergebnissen führt.

Nach der Aufnahme lassen sich die Fotos und Videos nicht direkt auf dem Smartphone anschauen. Vorher müssen sie importiert werden; dabei setzt das Smartphone die Einzelbilder der beiden Kameras zu einem Panorama zusammen und beseitigt Verzerrungen und Bildfehler. Anschließend können sich Nutzer ihre Werke anschauen - beispielsweise auf einem Betrachter. Aber auch auf einem Smartphone lohnt es sich, die Panorama-Aufnahmen anzusehen: Während etwa ein Video läuft, lässt sich der Betrachtungsausschnitt durch Wischen auf dem Display verändern.

Beim Stitchen - also dem Zusammenbau der Einzelbilder - unterlaufen der Samsung-App auf dem verbundenen Smartphone keine auffälligen Fehler. Wir konnten bei unseren Aufnahmen keine nennenswerten Überlappungen entdecken, lediglich, wenn wir bei der Betrachtung nach unten schauten - also dahin, wo sich etwa die Hand befindet, die die Gear 360 festhält - sind einige wenige Unstimmigkeiten zu sehen. Dies ist bei derartigen Panorama-Kameras aber normal.

Neben dem 360-Grad-Modus erlaubt die Gear 360 dem Nutzer zudem, auch Fisheye-Aufnahmen mit den Objektiven der Kamera zu machen. Sowohl die vordere als auch die hintere Linse lassen sich einzeln auswählen, um dann Fotos oder Videos zu machen, die denen einer weitwinkligen Action Cam ähneln. Praktischerweise wird anhand von kleinen, roten LEDs direkt angezeigt, welche Objektive gerade aktiviert sind. Das ist besonders dann hilfreich, wenn die Kamera ohne verbundenes Smartphone verwendet wird.

Fazit

Samsungs erste 360-Grad-Kamera hat uns im ersten kurzen Test gut gefallen. Von der Bildqualität her liefert die Kamera gute Ergebnisse ab, über die App ist sie intuitiv zu bedienen. Aber auch als Stand-alone-Gerät fanden wir die Handhabung unkompliziert.

Die zusammengesetzten Bilder und Videos zeigten in unseren Versuchen keine nennenswerten Stitching-Fehler, im Gegenteil: Das Material wurde ausgesprochen gut vom Smartphone zusammengesetzt. Gelungen finden wir die Möglichkeit, die Objektive der Gear 360 auch einzeln zu verwenden. Das erweitert die Kamera um Bildgestaltungsmöglichkeiten.

Wichtig für den Erfolg der Kamera dürfte die Kompatibilität sein: Samsung zufolge soll die Gear 360 nicht nur mit Galaxy-Smartphones, sondern auch mit weiteren Android-Geräten und iPhones funktionieren. Sollte dann noch der Preis nicht zu hoch sein, könnte die Gear 360 auch für Nutzer interessant sein, die bisher noch nicht viel mit 360-Grad-Fotografie und -Videografie zu tun hatten.  (tk)


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