Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/auto-roboter-park-mal-meine-karre-aber-lass-sie-heil-1602-119239.html    Veröffentlicht: 19.02.2016 12:02    Kurz-URL: https://glm.io/119239

Auto

Roboter, park mal meine Karre - aber lass sie heil!

Einem anderen das Parken überlassen - eine herrliche Vorstellung! In Aarhus, Düsseldorf oder Miami übernimmt das der Roboter. Doch nicht jeder Fahrer bekommt das Auto so wieder, wie er es abgegeben hat.

Wohin mit dem Auto? In Städten auf der Straße einen Parkplatz zu suchen, hat etwas von einem Lotteriespiel. Parkhäuser sind eine Alternative. Aber sie sind ungemütlich - viele, vor allem Frauen, fühlen sich in den Betongewölben unwohl. Und sie sind eng - schwarze Streifen an den Wänden deuten an, dass so mancher Fahrer Probleme hat, Kurvenradien und Entfernungen richtig einzuschätzen. Und so mancher findet bei der Rückkehr an seinem Auto eine Beule dort, wo vorher noch keine war.

Reisende, die vom Flughafen in Düsseldorf abfliegen, haben das Problem nicht. Sie geben ihr Auto ab und lassen parken - vom Roboter. Auch in anderen Städten sind bereits ganz verschiedene robotische Parksysteme im Einsatz. Sie haben große Vorteile für Fahrer und Parkhausbetreiber - wenn sie denn funktionieren. In Miami etwa wären die Besitzer einiger Wagen noch froh über einen kleinen Blechschaden gewesen.

Ray hebt das Auto an

Das Düsseldorfer System immerhin funktioniert bisher unfallfrei. Ray, der Roboter, parkt nicht nur Luxuslimousinen, sondern jedes Auto, das nicht mehr als 3 Tonnen wiegt - vom 2,5 Meter langen Smart mit einem Radstand von 1,8 Metern bis zur 5,3 Meter langen Limousine. Und er verlangt dafür nicht einmal Trinkgeld. Ray wurde von dem bayerischen Unternehmen Serva Transport Systems entwickelt. Er hat die Form eines Rechtecks, das an einer Seite offen ist. In dem Rechteck sind zwei Gabeln, ähnlich wie die eines Gabelstaplers.

Der Roboter fährt neben das Auto und vermisst es. Er passt die beiden Gabeln an den Radstand des Autos an und fährt seitlich, bis das Auto in dem Rechteck steht. Dabei schiebt er die Gabeln unter die Vorder- und Hinterräder und hebt das Fahrzeug an. Mit seiner Fracht fährt Ray dann zu einem freien Parkplatz und stellt das Auto bei anderen vergleichbarer Größe ab.

Das Auto steht bei der Rückkehr bereit

Der Flugpassagier gibt, bevor er zum Gate entschwindet, am Terminal noch den Zeitpunkt seiner Rückkehr an. Ray verbindet die Daten mit dem Kennzeichen von dessen Auto. Der Reisende kann dann gleich nach seiner Rückkehr sein Fahrzeug an der Übergabestelle abholen und nach Hause fahren.

Robotisches Parken hat aber nicht nur Vorteile für den Fahrer. Auch der Parkhausbetreiber gewinnt: nämlich Stellplatz. Die Autos können enger gestellt werden. Es müssen weniger Fahrwege freigelassen werden. Es reicht ja, wenn die Roboter durchkommen. Die wissen, wo sie ein Auto abgestellt haben und wann es verfügbar sein muss. Anders als in einem normalen Parkhaus bleibt das Auto in dem robotischen auch nicht auf einem Platz stehen. Die Roboter parken es immer wieder um. Damit die Autos, die abgeholt werden, verfügbar sind, werden die anderen auf die hinteren Plätzen verfrachtet.

Für den Betreiber bedeutet das eine bessere Auslastung seiner Fläche: 15 Quadratmeter weniger Stellplatzbedarf pro Fahrzeug, sagt Serva. Auf dieselbe Fläche passten so 60 Prozent mehr Autos. Vorteil von Ray: Der Roboter fährt auf Rädern und auf dem Betonfußboden. Er kann also in bestehenden Parkhäusern eingesetzt werden.

Anders sind die Systeme von Lödige Industries aus Warburg in Nordrhein-Westfalen: Hier wird das Parkhaus schon gleich als robotisches System geplant und gebaut.

Dänische Leser lassen parken

Das Parkhaus in der Stadtbücherei, dem Urban Media Space, in Aarhus in Dänemark wurde direkt als robotisches System geplant. Es ist seit Juni 2015 in Betrieb. Auf drei Stockwerken unter der Erde ist Platz für 1.000 Autos, die von einem automatischen System abgestellt werden. Damit ist es laut Lödige das größte derartige Parkhaus in Europa. Die Systeme können aber auch in bestehende Parkhäuser integriert werden.

Ein Besucher stellt sein Auto in einer garagengroßen Box ab und löst einen Parkschein. Die vermeintliche Garage ist ein Fahrstuhl, der das Auto in den Untergrund auf das Parkdeck befördert. Dort angekommen, fährt auf einer Schiene ein zweiteiliges Transportsystem heran, der Shifter. Er hat ein ähnliches System wie Ray, um das Auto anzuheben. Der große Unterschied: Das Transportsystem fährt mit dem Auto auf ein Verteilfahrzeug. Das fährt in einer eigenen Spur hin und hier und bringt das Auto zu einem freien Parkplatz, in den das Shifter es hineinbugsiert.

Das Auto ist in gut drei Minuten abholbereit

Die Tiefgarage in Aarhus besteht aus drei Decks. Jedes davon hat vier Spuren, in denen jeweils zwei Verteilungsfahrzeuge unterwegs sind. Vorteil bei diesem System ist, dass ein Auto einen festen Platz hat und nicht umgeparkt werden muss. Das sorgt für eine kurze Wartezeit: In "weniger als 200 Sekunden" hat der Fahrer laut Lödige sein Auto wieder.

Weiterer Vorteil dieses Systems: Zu der Tiefgarage haben keine Menschen Zugang. Es kommt also auch keiner an die Autos heran, um sie aufzubrechen oder zu beschädigen. Wer seinen Laptop oder seine Geldbörse auf dem Sitz hat liegenlassen, muss nicht darum bangen. Auch für den Platzbedarf ist es von Vorteil, dass das Parkhaus menschenleer ist. Es benötigt nicht nur weniger Fläche, sondern auch weniger Volumen: Da keine Menschen Zutritt haben, sind die Stockwerke niedriger.

Es gibt schließlich noch die Möglichkeit, das Auto zu parken, ohne es zu bewegen.

Chaotisches Schiebepuzzle mit Autos

Dabei wird das Auto auf einer Palette abgestellt. Ein flaches robotisches Fahrzeug fährt unter die Palette und bringt sie zu einem freien Parkplatz. Das Auto wird dabei überhaupt nicht berührt. Der Fahrer erhält es genau so wieder, wie er es auf der Palette abgestellt hat.

Die Fahrzeuge können in dichten Reihen geparkt werden, ohne dass ein Fahrweg frei bleiben muss. Soll ein Auto aus einer der hinteren Reihen geholt werden, kommen mehrere Transporteinheiten und verschieben die Paletten so lange, bis für das betreffende Auto die Bahn zum Aufzug frei ist - wie in einem Schiebepuzzle.

480 Autos sollen in 13 Stockwerke passen

Solche Paletten-Parksysteme kommen beispielsweise von dem US-Unternehmen Boomerang Systems. Eines wurde im Brickell House in Miami im US-Bundesstaat Florida installiert: ein Vorzeigeprojekt in einem Hochhaus mit Luxusappartements im schicken Stadtteil Brickell. Nach Angaben von Boomerang können in dem dazugehörigen 13-stöckigen Parkhaus 480 Autos untergebracht werden - in einem konventionellen würden so viele in 25 Stockwerke passen.

Das sei alles ganz einfach, wirbt Boomerang in einem Video: Der Fahrer fährt in eine von mehreren Garagen und überlässt dem Parkhaus seinen Porsche oder Mercedes. Will der Fahrer wieder wegfahren, bestellt er sein Auto mit Hilfe einer App. Die zeigt ihm an, wann und hinter welchem Tor er sein Gefährt abholen kann. Die Wartezeit soll nur wenige Minuten betragen.

Das System ist überfordert

Zumindest in der Theorie. Die Praxis bei Boomerang sah anders aus. Bei Andrang war das System mit dem Schiebepuzzle reichlich überfordert. Würden zu viele Fahrer gleichzeitig ihr Auto holen, spiele "das System verrückt", sagte ein Bewohner des Brickell House der New York Times. An den Wochenenden dauere es oft eine Dreiviertelstunde bis eine Stunde, bis das Auto verfügbar sei, klagte der Bewohner und kündigte an, auszuziehen.

Dabei hatten die Bewohner des Brickell House sogar noch Glück: Im Parkhaus in der Collins Avenue, wo ebenfalls ein System von Boomerang Systems im Einsatz war, fielen Autos von den Plattformen oder wurden in den Fahrstuhlschächten zerquetscht. Da verwundert es kaum, dass Boomerangs System im August vergangenen Jahres Konkurs angemeldet hat.

Das Auto sucht sich selbst einen Parkplatz

Vielleicht hätten die Nutzer der Parkhäuser in Miami besser den Autos das Parken überlassen: Der französische Zulieferer Valeo präsentierte vor einigen Jahren auf der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt (IAA) das autonome Fahrsystem Park4U, das eigens auf automatisches Parken ausgerichtet ist.

Das Auto wird mit verschiedenen Sensoren und Aktoren ausgestattet, die das Auto autonom fahren lassen. Gestartet wird die Funktion per Smartphone. Das Auto fährt selbstständig die Reihen entlang. Mit einem Ultraschallsensor erkennt es eine Parklücke, in die es sich souverän hineinstellt.

Der Fahrer ruft sein Gefährt per App

Will der Fahrer wegfahren, fordert er sein Gefährt ebenfalls per Smartphone dazu auf. Unfälle sind nahezu ausgeschlossen: Die Sensoren reagieren sehr schnell auf ein Hindernis, das in den Weg des Fahrzeugs gerollt wird, die Aktoren bringen es abrupt zum Stehen.

Einige Hersteller integrieren das System schon in ihre Autos, darunter Volvo und Audi. Das funktioniert aber nur, wenn der Fahrer im Auto sitzt. Denkbar wäre aber auch, die Autos in einem abgeschlossenen Parkhaus sich selbst zu überlassen. Das Auto stellt sich dann selbst ab, während sich der Fahrer Wichtigerem widmen kann als der Parkplatzsuche.  (wp)


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