Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/router-lockdown-erster-hersteller-soll-alternative-firmware-blockieren-1602-119231.html    Veröffentlicht: 18.02.2016 15:38    Kurz-URL: https://glm.io/119231

Befürchteter Router-Lockdown

TP-Link-Router weiterhin für Freifunk nutzbar

In der Freifunk-Community werden neue Router-Regulierungen aus den USA und der EU wild diskutiert - angeblich droht das Ende alternativer Firmwares. Der Hersteller TP-Link gibt nach verschiedenen Berichten jetzt Entwarnung.

Erst kürzlich haben wir über die Gefahr für Freifunk durch die neue EU-Funkanlagenrichtlinie berichtet - jetzt schien es so, als ob sich die Befürchtungen der Kritiker bestätigen. Heise.de berichtet unter Bezugnahme auf einen in einem Forum veröffentlichten Support-Chat mit TP-Link-Mitarbeitern, das Unternehmen habe begonnen, bestimmte alternative Firmware auf einigen Router-Modellen auszusperren. Der Routerhersteller widerspricht dieser Darstellung jetzt auf Nachfrage von Golem.de

Eine Sprecherin von TP-Link schreibt, dass das Unternehmen neuerdings länderspezifische Firmwares anbieten müsse, um mit den jeweiligen Regularien konform zu sein. Diese neue Firmware könne unter Umständen Probleme mit älteren Versionen freier Alternativen wie DD-WRT machen. Doch, so schreibt die Sprecherin weiter: "Das Aufspielen wird weiterhin möglich sein. [...] Basierend auf den neuesten Source Codes kann die Open-Source-Community weiterhin alternative Firmware entwickeln. Es wurden keine weiteren Sicherheitsmechanismen seitens TP-Link implementiert." Die Anpassungen der Firmware sollen daher nur die Sendefunktion der Geräte beeinflussen: "So sind bei der Firmware für den deutschen Markt die hierzulande erlaubten Sendeleistungen und WLAN-Frequenzen ab sofort voreingestellt."

Ein Support-Mitarbeiter gab falsche Informationen

Laut dem ursprünglichen Bericht sollten nach Aussage eines TP-Link-Supportmitarbeiters mittelfristig alle TP-Link-Router von einer Firmware-Sperre betroffen sein. Es wäre dann nicht mehr ohne weiteres möglich gewesen, auf den Geräten DD-WRT oder ähnliche quelloffene Alternativ-Firmware zu installieren. Der TP-Link-Mitarbeiter bezog sich in dem Support-Chat mit einem Kunden vor allem auf eine US-Regulierung durch die Federal Communications Commission (FCC).

Die von Freifunkern kritisierte EU-Funkanlagenrichtlinie ist derzeit schon in Kraft, aber noch nicht in deutsches Recht umgesetzt. Das zuständige Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) teilte auf Anfrage von Golem.de Folgendes mit: "Die Arbeiten an der Umsetzung der EU-Funkanlagenrichtlinie dauern nach wie vor an. Es gibt keinen neuen Sachstand." Unser Überblick über die Situation behält also weiterhin Gültigkeit.

Unterdessen arbeitet das European Telecommunications Standards Institute (ETSI) daran, einen DRM-Schutz für Software-Defined-Radios zu standardisieren, wie eine Sprecherin uns bestätigte. Damit lässt sich das Aufspielen alternativer Firmware verhindern oder zumindest deutlich erschweren.

Nachtrag vom 19. Februar 2016, 14:56 Uhr

Wir haben den Artikel auf Basis einer neuen Faktenlage grundlegend überarbeitet. TP-Link hatte einen anderslautenden Bericht auf Anfrage von Golem.de dementiert. Dort hieß es, dass die Router künftig keine alternative Firmware mehr akzeptieren würden.  (hg)


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