Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/time-machine-vr-angespielt-wir-tauchen-mit-den-monstern-der-tiefe-1602-118939.html    Veröffentlicht: 05.02.2016 14:03    Kurz-URL: https://glm.io/118939

Time Machine VR angespielt

Wir tauchen mit den Monstern der Tiefe

Seite an Seite mit einem Pliosaurus durch die Meere der Vergangenheit schwimmen: Time Machine VR ist mehr interaktive BBC-Doku als Spiel und macht uns gerade deshalb richtig viel Spaß.

Wer meint, dass Dinosaurier und andere prähistorische Kreaturen nur etwas für Kinder sind, der hat Time Machine VR noch nicht gespielt: Der für HTCs Vive und Oculus VRs Rift entwickelte Titel macht die Vergangenheit wieder lebendig - und mit ihr all die friedlichen, gefährlichen und kuriosen Monster der Tiefe, die einst in den urzeitlichen Ozeanen gelebt haben. Wir sind mit einem Rift Dev Kit 2 und einem High-End-Rechner in die Early-Access-Version abgetaucht.

Am ehesten ist Time Machine VR mit der BBC-Dokumentation Monster der Tiefe vergleichbar, in der Nigel Marven in der Zeit zurückreist, um in den Weltmeeren zu tauchen. Genau das machen wir im Spiel auch: In einer Art amphibischem Hovercraft werden wir 155 Millionen Jahre in die Vergangenheit katapultiert. Ziel ist das Jura, wo wir einen Fisch näher untersuchen sollen, den Leedsichthys, einen friedlichen und planktonfressenden Giganten.

Bevor wir den aber finden, wird unsere Unterwasserzeitmaschine kalibriert, die Steuerung erfolgt per Xbox-Gamepad und weniger komfortabel per Tastatur. Vor dem Einsatz erklärt ein Briefing, welche Kreatur das Ziel der Mission ist und verrät interessante Details - der Leedsichthys ist der längste bekannte Fisch, der je im Meer schwamm. Alleine beim dargestellten Größenvergleich mit einem Taucher wird uns da schon ein bisschen mulmig, da wir zu Untersuchungszwecken ganz nah an den Riesen heran schwimmen sollen.

Alle Missionen werden von einem Stützpunkt in Norwegen aus gestartet: Die Geschichte rund um eine Gruppe Forscher, welche die Menschheit zu retten versucht, ist zumindest in der Early-Access-Version noch etwas lahm - wir sehen sie bisher eher als Mittel zum Zweck. Egal, auf geht's ins Jura. Unsere Zeitreise-U-Boot-Kapsel schwebt in einem idyllischen Unterwassertal voller Felsen mit buntem Pflanzen- und Korallenbewuchs und Lichtstrahlen durchbrechen die Wasseroberfläche. Auch die paddelnde Schildkröte sieht schick aus, eine Probe verrät uns die Art: Es ist eine Solnhofia, rund einen halben Meter lang.

Das Entwicklerstudio Minority verwendet die Unreal Engine 4 und beherrscht sein Handwerk: Animationen, Grafik und Sound bilden ein überzeugendes Gesamtwerk. Time Machine VR fühlt sich tatsächlich so an, als würden wir in prähistorische Welten abtauchen. Dazu trägt die Cockpit-Perspektive samt Körper und Details wie Schubdüsen einen wichtigen Teil bei. Gelegentliche Clipping-Fehler, das noch zu starke Kantenflimmern und manchmal auf dem Kopf schwimmende Meeresechsen stören das Gefühl von Präsenz.

Informationen und Viecher sammeln

Zurück zur Schildkröte: Die schwimmt davon, wir folgen ihr zu einer Gruppe Artgenossen und beobachten einige Minuten lang, wie die Panzertiere im sonnendurchfluteten Meer ihre Kreise ziehen - da werden sie plötzlich nervös. Aus dem Hintergrund nähert sich ein Pliosaurus, 14 Meter lang und hungrig. Wir ziehen uns zurück, während der mächtige Jäger eine Schildkröte nach der anderen mit seinen dolchartigen Zähnen knackt. Nichts wie weg hier zum nächsten Marker auf der Suche nach dem Leedsichthys.

Sterben oder ballern können wir in Time Machine VR nicht. Wer sich dem Pliosaurus zu sehr nähert, wird attackiert und schlussendlich ein paar Meter weiter hinten wieder abgesetzt. Unsere Waffe ist die Option, die Zeit für wenige Sekunden nahezu stillstehen zu lassen - so entgehen wir dem riesigen Reptil. Unser flugs aktivierter Bewegungstracker spürt schließlich den Leedsichthys auf - was ein Gigant! Umso absurder wirkt unsere Aufgabe: Wir sollen in das Maul des Fisches schwimmen, um ihn zu scannen. Mit einem mulmigen Gefühl wagen wir uns hinein und schnell wieder hinaus, das Kribbeln hält aber noch einige Minuten an. Und das war erst der Anfang unserer Forschungen.

Im Verlauf des Spiels erkunden wir weitere Zeitabschnitte in der Vergangenheit: Eine Mission führt uns in die Oberkreide, wo wir pinguinartige Hesperornise beim Fischfang beobachten und per Echolot die Halswirbel eines Elasmosaurus zählen. Der hat satte 72 Stück - Menschen und Giraffen nur sieben. Im Jura legen wir uns mit einem als Köder präparierten Kadaver auf die Lauer, um krokodilähnliche Dakosaurier bei ihrem Fressverhalten zu studieren. Die Biester knacken mit ihren enorm starken Kiefern sogar das steinharte Gehäuse eines Titaniten, einem Kopffüßer.

Schlussendlich wagen wir uns wieder in die Kreidezeit, wo wir einem Mosasaurus in tiefes Wasser folgen - keine gute Idee bei einem fleischfressenden Meeresreptil mit fast 20 Metern Länge. Wer nach diesem Abenteuer tief Luft geholt hat, kann noch ein paar weitere Kreaturen erforschen und sie danach in der Dinodex genannten Übersicht in Ruhe betrachten. Insgesamt beschäftigt der Early Access drei Stunden und doppelt so lange, wenn alles erkundet wird. Die Story wird dadurch aber nicht vorangetrieben.

Für das finale Spiel plant Minority zusätzliche Meere der Vergangenheit und natürlich ihre Bewohner. Beispielsweise verraten Screenshots, dass ein Megalodon-Hai auf dem Forschungsplan steht. Time Machine VR soll im Frühling bei Steam erscheinen, derzeit kostet der Early Access 20 Euro. Wir empfehlen die kostenlose Demo, denn eine interaktive BBC-Doku mit prähistorischen Kreaturen ist nicht jedermanns Sache - unsere aber definitiv.  (ms)


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