Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/asus-strix-soar-im-test-wenn-die-soundkarte-vom-pixelbeschleuniger-bespielt-wird-1602-118693.html    Veröffentlicht: 01.02.2016 12:04    Kurz-URL: https://glm.io/118693

Asus Strix Soar im Test

Wenn die Soundkarte vom Pixelbeschleuniger bespielt wird

Eine Soundkarte für Gamer, die ausgerechnet in Spielen Störgeräusche produziert: Asus' Strix Soar überzeugt uns zwar prinzipiell, die Audiowiedergabe hängt aber stark von der Grafikkarte ab.

Dedizierte Soundkarten gehörten in Spiele-PCs einst zum guten Ton: Creatives Audigy- und die späteren X-Fi-Modelle steckten vor rund einem Jahrzehnt in vielen Gaming-Systemen. Bedingt durch die oft mangelnde Treiberqualität und Microsofts Entscheidung, mit Windows Vista keinen Hardware-beschleunigten Sound wie Creatives EAX mehr zu unterstützen, starben dedizierte Karten weitgehend aus. Eine der wenigen Neuvorstellungen der vergangenen Monate sind Asus' Strix-Modelle. Wir haben die Soar-Variante getestet und geprüft, ob sie ein würdiger Ersatz für unsere defekte X-Fi Music ist.

Bei der Strix Soar handelt es sich um das günstigste von drei Modellen, weshalb sich der Lieferumfang auf die Soundkarte und eine Treiber-CD beschränkt. Asus stellt online aktuelle Software bereit, unterstützt werden ausschließlich Windows 7 und neuere Versionen. Bevor wir uns dem Treiber zuwenden, einige Details zur technischen Ausstattung: Die Strix Soar ist eine PCIe-x1-Karte mit 6-Pol-Stromanschluss. Bleibt der unbestückt, funktioniert die Hardware nicht.

Hintergrund der 12-Volt-Energievorsorgung ist die theoretisch bessere Signalqualität, da die über den PCIe-Slot bereitgestellte Leistung weniger sauber ist als per dediziertem Stromanschluss. Wohlgemerkt theoretisch, da unserer Ansicht nach durch heutige Kondensatoren und Spannungsregler auch bei einer Versorgung über den PCIe-Steckplatz kaum bis keine Spannungsschwankungen auftreten sollten. Die Praxis sieht allerdings anders aus, dazu später mehr.

Asus verbaut einen 6632A-Chip von Cmedia, der über einen USB-Host-Controller (ASM1042A) mit dem restlichen System kommuniziert. Wichtiger für die Klangqualität ist der DAC, hier kommt ein Sabre 9006AS von ESS zum Einsatz, ein Modell der Mittelklasse und angemessen für den Preis der Soundkarte. Der Sabre schafft 24 Bit bei 192 KHz und einen Rauschabstand von 110 dB - für das meiste Quellmaterial, insbesondere Spiele, mehr als genug. Wir möchten ohnehin nicht die Diskussion beginnen, wer bei dieser Sample-Breite und -Rate einen Unterschied zu CD-Qualität (16 Bit bei 44,1 KHz) hören kann.

Ein TPA6120A2 von Texas Instruments agiert als Kopfhörerverstärker, ein Bauteil, das der X-Fi Music fehlt. Hinzu kommt ein einzelner gesockelter TI-Operationsverstärker vom Typ LME49720NA. Wir haben die Strix Soar mit einem Beyerdynamic MMX300 getestet, ein älteres 300-Euro-Headset mit der bei PC-Kopfhörern weit verbreiteten Impedanz von 32 Ohm. Die Asus-Soundkarte treibt dieses Headset anständig an, Modelle mit höherem Widerstand büßen laut der PC Games Hardware (Ausgabe 02/16) an Klangqualität ein.

Die Klangqualität überzeugt uns zwar, in Kombination mit dem Beyerdynamic MMX300 allerdings bereiten dedizierte Grafikkarten der Strix Soar gewaltige Probleme, was uns ziemlich überrascht hat.

Störgeräusche durch die Grafikkarte

Vor der Beurteilung der Klangqualität noch eine Anmerkung: Die technische Ausstattung der Strix Soar ähnelt stark dem Ausstattungsniveau, das einige Mainboard-Hersteller ihrem Onboard-Sound angedeihen lassen. MSIs Z170A Gaming A9 Ack etwa verwendet ebenfalls eine Kombination aus CM6632A und Sabre 9006AS und einen OP1652-Operationsverstärker von Texas Instruments. Allerdings kostet die MSI-Platine fast 400 Euro und damit so viel wie die Asus Strix Soar und der Beyerdynamic MMX300 zusammen. Wer nur die Hälfte ausgeben möchte, kauft eine Strix Soar und ein Mittelklasse-Mainboard.

Direkt nach dem Einbau und der Treiberinstallation der Strix Soar fiel uns ein leises - aber dennoch nerviges - Zirpen auf dem linken Ohr auf, wenn wir den Mauszeiger bewegen. In Spielen tritt dieses Störgeräusch nicht auf, dafür dringt bei 3D-Last ein deutlich hörbares, hochfrequentes Fiepen aus der linken Ohrmuschel. Mit unserer Radeon R9 Nano ist das Störgeräusch besonders fies, da die Grafikkarte ihre Frequenz und Spannung im Millisekundenbereich ändert. Mit einer mit bis zu 1 GHz taktenden Radeon R9 290X ist das Fiepen geringer, in ruhigen Spielpassagen aber immer noch hörbar. Mit 800 MHz wird das Störgeräusch dumpfer und viel leiser, da weniger Lastspitzen auftreten.

Mit diesem Problem stehen wir nicht alleine dar: Bei Amazon gibt es gleich mehrere solcher Aussagen. Was genau mit der Strix Soar nicht stimmt, haben wir einzugrenzen versucht. Der Wechsel auf ein dediziertes Stromkabel, einen anderen PCIe-Slot und eine Abschirmung per Alufolie halfen nicht, wir tippen auf ein suboptimales Platinen-Layout. Auch mit einem Logitech-G633-Headset, einem Silverstone- anstelle eines Seasonic-Netzteils, einer Geforce GTX 970 und Skylake- statt Ivy-Bridge-Mainboard trat das Fiepen auf.

Die Problematik ließ sich auf Grafikkarten und Netzteile eingrenzen, was Asus nach Rücksprache mit dem R&D-Team in Taiwan bestätigte: Der Hersteller rät zu Energieversorgern mit Ferrit-Kernen zur Störungsunterdrückung an den PCIe-Kabeln, zudem sollen die Stränge physikalisch möglichst weit voneinander entfernt sein, um eine Intermodulation zu verringern. Die Grafikkarte aus der Rechnung zu nehmen, ist unmöglich: Prinzipiell sollte die Leistungsaufnahme möglichst wenig schwanken, was bei heutigen Modellen jedoch massiv der Fall ist - innerhalb einer Millisekunde treten oft ein Dutzend Lastspitzen auf.

Im Büro ließ sich leider kein funktionierendes Netzteil mit Ferrit-Kernen auftreiben, einzig ein altes und defektes Modell befand sich im Testlabor. Ist der Spiele-Sound laut genug und die Impedanz im Sonic Studio genannten Treiber auf die dritte von drei Stufen gestellt, klingt die Strix Soar sehr gut. Höhen, Mitten und Tiefen werden klar und detailliert dargestellt, der Bass ist knackig. In Shootern wie Battlefield 4 überzeugt die Räumlichkeit, wir können Gegner problemlos orten und die Sprachqualität ist sauber. Für Titel wie Elder Scrolls Online, bei denen eher die Atmosphäre als der kompetitive Gedanke zählt, empfinden wir die Surround-Simulation als empfehlenswert.

Nennenswert anders als CMSS 3D klingt Asus' Implementierung nicht, subjektiv ist sie aber besser als Razers kostenlose Surround-Lösung. Die Strix Soar unterstützt laut digitalem Handbuch (PDF) Dolby Digital Live und DTS, ausprobiert haben wir das allerdings nicht. Der Treiber verfügt unter anderem einen Bass-Boost, eine Dynamik-Kompression, einen Equalizer, diverse Hall-Effekte und (Pseudo-)Stimmverbesserungen. Für Hörgeschädigte nützlich ist das Sonic Radar, das den Spiele-Sound in Form eines Radars visualisiert.



Fazit und Verfügbarkeit

Asus verkauft die Strix Soar für rund 90 Euro. Für etwa 140 Euro ist die Strix Raid Pro mit kabelgebundener Tischfernbedienung erhältlich, technisch sind beide Soundkarten allerdings identisch. Bessere Bauteile gibt's erst bei der 200 Euro teuren Strix Raid DLX - beispielsweise einen kräftigeren Verstärker.

Fazit

Theoretisch ist Asus' Strix Soar gerade für den Preis eine empfehlenswerte Soundkarte. Sie bietet etwas mehr Bühne und Räumlichkeit als die üblichen Onboard-Realtek-Lösungen ohne Kopfhörer- und kräftige Operationsverstärker; erst sehr teure Mainboards liefern eine ähnliche technische Basis. Die Strix Soar klingt ausgewogen und präzise, detailliert und mit straffem Bass.

Der Treiber ist ein bisschen überfrachtet, dafür sind fast alle Funktionen wie der simulierte Surround-Klang in einem einzigen Fenster abrufbar. Ärgerlich ist die Grafikkarten/Netzteil-Problematik: Im dafür gedachten Umfeld - Spielen - patzt die Strix Soar und produziert leichte bis deutlich hörbare Störgeräusche, die wir auch durch Hardware-Wechsel nicht beheben konnten.

Wer sich für die Karte interessiert, dem bleibt nichts anderes übrig, als die Strix Soar auszuprobieren und bei Problemen wieder zurückzuschicken. Wir haben uns schlussendlich eine gebrauchte X-Fi Music zugelegt: Die produziert keine Störgeräusche und bietet EAX für ältere Spiele, der fehlende Kopfhörerverstärker ist beim Beyerdynamic MMX300 zu verschmerzen.  (ms)


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