Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/dell-latitude-und-das-e-dock-vom-klassischen-docking-hin-zum-fummeligen-kabel-1601-118640.html    Veröffentlicht: 20.01.2016 13:11    Kurz-URL: https://glm.io/118640

Dell Latitude und das E-Dock

Vom klassischen Docking hin zum fummeligen Kabel

Das E-Dock hat ausgedient. Die robusten Dockstations von Dell werden ein letztes Mal mit Skylake unterstützt. Die Zukunft liegt in USB-C-Alternate-Mode-Boxen mit Thunderbolt oder Displayport. Das hat einige Vorteile, aber auch Nachteile und ist nicht gerade billig.

Mit seiner neuen Latitude-Serie hat Dell seine letzte Serie vorgestellt, die noch mit einem Dockingport auf der Bodenseite ausgestattet ist. Diese robusten, breiten, aber auch proprietären Anschlüsse haben ausgedient. Erste Geräte ohne den Anschluss gibt es beispielsweise schon. Das neue, auf Intels Core M basierte Latitude 13 7000 hat beispielsweise nur noch USB-C für Docks.

Der alte E-Dock-Mechanismus, der über Jahre unverändert blieb, würde mit so einem Gerät nicht mehr funktionieren. Es braucht im Boden eine gewisse Tiefe, die das Latitude 13 nicht mehr hat. Das Notebook ist die professionelle Version des von uns getesteten XPS 13 mit ein paar Unterschieden. So ist die Bodenplatte etwa mit Kreuzschlitzschrauben befestigt, was die Wartung erleichtert. Der Akku ist zwar prinzipiell kein Bauteil mehr, das der Kunde austauschen kann, allerdings gilt dieser als Field Replaceable. Sprich: Ein Dell-Techniker kommt vorbei und tauscht den Akku aus, damit das Gerät im Zweifelsfall nicht ausfällt. Und das mit Serviceoptionen, die drei bis fünf Jahre abdecken. Das ist bei der Latitude-Serie allerdings auch üblich.

Ein Latitude-Notebook ohne eigenen Netzteilanschluss

Zudem hat das Notebook keinen Netzteilanschluss mehr, sondern wird per USB-C aufgeladen. Der typische Dell-Netzteilanschluss im Geschäftskundensegment fehlt dem Latitude 13 7000. Als Prozessor kommt in dem lüfterlosen Gerät ein Core M3, M5 oder M7 zum Einsatz statt eines Core i wie beim XPS 13. Außerdem gibt es eine LTE-Option, eine Tastaturbeleuchtung und im Gehäuse ist sogar ein Smartcard-Reader eingebaut.

Doch alles andere geht tatsächlich nur noch über ein USB-C-Dock. Davon bietet Dell zwei verschiedene an, die jeweils mit externem und bekanntem Dell-Netzteil ausgeliefert werden: das flache Dell-Dock WD15 und das erstaunlich voluminöse Thunderbolt-Dock.

Zwei Boxen statt des E-Docks

Das WD15 genannte Dock setzt dabei auf USB-C sowie im Alternate Mode auf den Lanes auf Displayport. In der Box wird dann in Richtung HDMI, analogem VGA oder auch direkt per Displayport und Mini-Displayport das Videosignal ausgegeben. Über den USB-Teil des USB-C-Anschlusses wird USB 3.0, USB 2.0, Audio und Gigabit-Ethernet über die Box geleitet. Für die Energieversorgung kann ein 130- oder 180-Watt-Netzteil genutzt werden. Dabei wird nicht nur das Notebook versorgt, sondern auch Peripherie am Dock.

Beim Thunderbolt-Dock geht es sogar bis 240 Watt, was möglicherweise die enorme Größe erklärt. Auf Nachfrage konnte uns Dell nicht sagen, warum das Dock ein Volumen hat, das so manchem Mini-PC im Geschäftskundenumfeld entspricht. Dafür gibt es aber auch viele Anschlüsse, die per Alternate Mode und USB bereitgestellt werden. Das Thunderbolt-Dock unterstützt laut Dell auch einen Displayport-Alternate-Mode per USB-C, so dass ein eingedocktes Notebook nicht zwingend Thunderbolt bieten muss. Zwei 4K-Displays mit 60 Hz lassen sich allerdings nur dann anbinden, wenn das Dock per Thunderbolt im Alternate Mode aktiv ist. So lassen sich maximal 5.120 x 2.880 Pixel anbinden. Das wäre eher etwas für High-End-Arbeitsplätze.

Der Vorteil dieser Docks ist die hohe Flexibilität. Sie lassen sich hersteller- und geräteunabhängig verwenden. Gerade für Arbeitsplätze, bei denen nicht klar ist, wer an diesen arbeitet, bietet das Thunderbolt-Dock Vorteile. So dürfte auch ein Mitarbeiter mit einem Lenovo- oder HP-Notebook in der Theorie diesen Arbeitsplatz nutzen können. Ein Beispiel wäre HPs neues Elitebook Folio mit nur zwei USB-C-Buchsen mit Thunderbolt. Zudem lassen sich auch Tablets so docken, denen typischerweise der Platz für einen klassischen Dockingport fehlt. Besonders aufgeräumt dürfte so ein Arbeitsplatz auch nicht aussehen.

Die neue USB-C-Docking-Welt kostet zwischen 250 und 400 Euro

Zudem sind diese Dockingboxen ein enormer Kostenaufwand. Allerdings muss dazugesagt werden, dass die E-Dock-Listenpreise ebenfalls sehr hoch sind. Für das Thunderbolt-Dock werden rund 400 Euro fällig, was vergleichbar mit den High-End-E-Docks ist, die zwischen 330 und 370 Euro kosten. Das kleine USB-C-Displayport-Dock liegt bei rund 250 Euro. Das verlangt Dell ungefähr auch für seine Displaylink-Dockingstations.

Bei der Stromversorgung gibt es zudem ebenfalls Limitierungen mit den neuen Docks. Zwar können damit alle Dell-Notebooks betrieben werden, verspricht Dell. Doch gerade bei mobilen Workstations kann es knapp werden, mit dem USB Power Delivery Standard sowohl den kräftigen Prozessor und die Grafikhardware zu betreiben als dabei auch noch den Akku gleichzeitig zu laden. Dell empfiehlt dann die Verwendung von zwei Netzteilen, um eine Drosselung oder langsames Aufladen des Akkus zu verhindern.

Unklarheiten zu kommenden Displayport-Standards

Noch unklar ist zudem, wie zukunftssicher die Docks sind. Theoretisch müssten die kommenden Displaymöglichkeiten über USB-C, über die wir im Detail schon vor einem Jahr berichteten, einfach weitergeleitet werden können. Sprich: Hat der Anwender ein Notebook mit USB-C und einem neueren Displayport-Standard, wie etwa 5K-Unterstützung per Displayport 1.3A/V oder gar 8K-Unterstützung, was zunächst als eDP 1.4a kommen soll, müsste das Signal einfach nur durchgeleitet werden. So genau wusste Dell allerdings auch nicht, ob die Boxen das können werden. USB-C, diverse Alternate-Modi und Optionen machen den Standard nicht gerade überschaubar. Was allerdings definitiv nicht funktionieren würde, wären neue Signale, die erst erzeugt werden müssten wie etwa bessere HDMI-Modi.

Im nächsten Schritt sind nach den Boxen dann unter anderem auch Monitore angedacht, die als Dock mitfungieren. Konkrete Ankündigungen seitens Dell gibt es allerdings noch nicht. Klassische Docks, die etwa USB-C per Führungsschiene in das Gerät führen, soll es jedoch nicht geben. Der USB-C-Stecker ist laut Dell robust genug, um regelmäßige Dockingvorgänge zu übernehmen.

Das E-Dock bleibt noch für die aktuelle Notebookgeneration

Der alte Dockingmechanismus wird zwar aufgegeben, doch wenn der Platz da ist, dann bieten auch aktuelle Latitude-Modelle noch Docking an. Eine der Neuvorstellungen war beispielsweise das Latitude 12 E5270 mit Skylake-Prozessor (Core i 6. Generation). Das ist als 12,5-Zoll-Notebook noch recht flach und kann trotzdem bodenseitig gedockt werden. Wobei dieses Notebook, dank der klugen Positionierung von Gigabit-Ethernet im Scharnier, nicht so dringend ein Dock braucht wie das neue Latitude 13 7000. Mit Kaby Lake ist dann aber voraussichtlich Schluss mit dem E-Dock bei Dells Geschäftskundennotebooks der Precision- und Latitude-Kategorie.

Die neuen Docks sowie das Latitude 12 E5270 werden laut Dell ab Ende Januar 2016 verfügbar sein. Das Latitude 13 7000 wird erst im Laufe des März bestellbar sein.  (ase)


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