Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/raumfahrt-philae-antwortet-nicht-1601-118476.html    Veröffentlicht: 12.01.2016 10:24    Kurz-URL: https://glm.io/118476

Raumfahrt

Philae antwortet nicht

Der Weckruf blieb ohne Antwort: Das Landefahrzeug Philae auf dem Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko hat nicht auf ein Kommando von der Erde reagiert. Es gibt wenig Hoffnung, noch einmal etwas von dem Lander zu hören.

Keine Antwort vom Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko: Der Versuch, das Landefahrzeug Philae zu reaktivieren, ist offensichtlich gescheitert. Am 10. Januar hatte das Philae-Team am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) noch einmal versucht, Kontakt mit Philae aufzunehmen.

Die Wissenschaftler hatten Philae ein Kommando geschickt, das dessen Drallrad in Bewegung setzen sollte. Dadurch sollte sich Philae entweder anders ausrichten oder der Staub sollte von seinen Solarpaneelen abgeschüttelt werden, so dass die Paneele mehr Licht bekommen und wieder Strom produzieren können.

Es gab keinen Kontakt

Das hat aber nicht funktioniert. "Es ist zu keiner Kontaktaufnahme gekommen", sagte Philae-Projektleiter Stephan Ulamec der Deutschen Presseagentur (dpa). "Man sollte nicht zu enttäuscht sein. Wir wussten, dass die Chancen gering waren. Aber wir wollten diese Chance nutzen, bevor man zu weit von der Sonne weg ist."

Es ist allerdings möglich, dass Philae das Kommando nicht empfangen hat oder nicht darauf antworten konnte: Die DLR-Wissenschaftler vermuten, dass einer der beiden Empfänger von Philae ausgefallen ist, ebenso einer von zwei Sendern. Die beiden anderen funktionieren wahrscheinlich auch nicht mehr einwandfrei.

Philae driftet über Tschuri

Philae ist Teil der europäischen Rosetta-Mission zum Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko, auch kurz Tschuri genannt. Am 12. November 2014 wurde der Lander von der Sonde abgetrennt und stieg zu dem Kometen ab. Er setzte auf dem Kometen auf. Dann aber driftete er über dessen Oberfläche und stoppte an einem Ort, wo er nicht genug Sonnenlicht bekam, um seine Akkus zu laden. Deshalb ging ihm nach zweieinhalb Tagen der Strom aus.

Als sich der Komet der Sonne näherte, änderte sich der Einfallswinkel des Sonnenlichts, so dass Philaes Solarmodule wieder Strom produzieren konnten. Im Juni 2015 konnte der Lander deshalb wieder einige Daten zur Erde funken.

Es wird kalt auf dem Kometen

Der Komet 67P/Tschurjumow-Gerassimenko ist über 300 Millionen Kilometer weit von der Sonne entfernt. Auf seiner Oberfläche wird es deshalb immer kälter. Fällt Philaes Betriebstemperatur unter minus 51 Grad, kann das Landefahrzeug nicht mehr aktiviert werden.

Bis Ende Januar wolle das DLR-Team noch auf Signale von Philae achten, sagte Ulamec. "Aber dann muss man irgendwann auch mal realistisch sein, dass wir vermutlich nichts mehr von dem Lander hören werden." Die Sonde Rosetta wird voraussichtlich noch bis September Daten über Tschuri sammeln und zur Erde senden.  (wp)


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