Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/drive-px-2-angeschaut-hinter-den-kulissen-von-nvidias-automodul-1601-118418.html    Veröffentlicht: 08.01.2016 09:16    Kurz-URL: https://glm.io/118418

Drive PX 2 angeschaut

Hinter den Kulissen von Nvidias Automodul

Das Drive PX 2 ist Nvidias Lösung für autonom fahrende Autos. Das Hardwaremodul hat genügend Rechenleistung, um die komplexen Sensordaten auszuwerten und Fahrwege zu berechnen. Wie diese Daten verwertet werden, hat sich Golem.de genauer angeschaut.

Nvidia konzentriert sich bei der diesjährigen Consumer Electronics Show (CES) komplett auf das Thema intelligentes und autonomes Fahren: Das Highlight der Pressekonferenz war das Hardwaremodul Drive PX 2, das, in ein Fahrzeug eingebaut, die Sensordaten auswerten und die für das autonome Fahren notwendigen komplexen Berechnungen durchführen soll.

Das Modul ist für das, was es leistet, sehr klein: Es ist ungefähr so groß wie eine Zigarrenkiste und passt daher unauffällig in den Kofferraum. Im Drive PX 2 laufen die Daten der Kameras, die in die Karosserie des autonom fahrenden Wagens eingebaut sind, und die Lidar-Daten zusammen und werden für die Berechnungen des Fahrtweges verwendet.

In verschiedenen Videos hat uns Nvidia gezeigt, wie aus diesen Daten in Echtzeit permanent mögliche Routen berechnet werden. Auf der Autobahn beispielsweise ermittelt Nvidias System permanent die Bewegungen der anderen Verkehrsteilnehmer und berechnet ständig neue Trajektorien für das Fahrzeug.

Ausweichrouten werden ständig berechnet

Sobald eine der möglichen Wegberechnungen nicht mehr durchführbar ist - etwa weil ein anderes Auto den Weg versperrt -, wird die Berechnung verworfen und eine neue begonnen. Bildlich werden diese verworfenen Trajektorien rot dargestellt; da die Berechnungen permanent laufen, gehen vom eigenen Wagen in der Darstellung immer mindestens zehn rote Linien aus - das Drive PX 2 ist ständig am Berechnen von neuen Wegen.

Die Latenz bei der vom System ausgeführten Bewegung des Wagens beträgt Nvidia zufolge 20 Millisekunden. Dieser Zeitrahmen muss möglichst kurzgehalten werden, damit das System im Ernstfall schnell reagieren kann. Die ständigen Berechnungen sollen dafür sorgen, dass immer ein Ausweichweg bei plötzlichen Hindernissen verfügbar ist. Mit den zahlreichen Kameras und Lidar-Sensoren sowie der niedrigen Latenzzeit können derartig autonom pilotierte Fahrzeuge theoretisch schneller und sicherer reagieren als ein menschlicher Fahrer.

Die Datenflut muss verständlich dargestellt werden

Ein Fahrer - beziehungsweise Nichtfahrer - eines autonom gesteuerten Wagens muss über den möglichen Weg des Wagens informiert sein, um bei einem Fehler notfalls noch eingreifen zu können und von plötzlichen Ausweichmanövern nicht überrascht zu werden. Laut Danny Shapiro, Nvidias Senior Director of Automotive, ist sich der Hersteller bewusst, dass die zahlreichen Sensordaten so visualisiert werden müssen, dass sie den Fahrer nicht verwirren, sondern aufklären.

Daher wäre es nicht sinnvoll, die Daten so, wie wir sie gezeigt bekommen haben, auch im Cockpit anzuzeigen. Auf dem Nvidia-Stand hat der Hersteller eine mögliche Darstellung präsentiert: Wie bei einem Navigationssystem wird der eigene Wagen auf einer leicht erhöhten Perspektive von hinten dargestellt. Der aktuelle Fahrweg ist mit einer dicken Linie gekennzeichnet, zusätzlich werden noch zwei mögliche Ausweichrouten angezeigt.

Fahrer muss über mögliche Wege verständlich informiert werden

Der aktuelle Verkehr wird ebenfalls in Echtzeit in der Grafik gezeigt. So erkennt der Fahrer, welchen Ausweichweg das Fahrzeug zur Not nehmen wird und wird daher nicht von unerwarteten Bewegungen überrascht. Der Informationsgehalt ist zwar geringer als bei einer vollständigen Darstellung aller Sensordaten, für den Fahrer dürften die Informationen aber ausreichen.

So klein und unscheinbar das Drive PX 2 wirkt: Im Hintergrund erledigt die kleine Box einen hohen Rechenaufwand. Die Miniaturisierung der nötigen Hardware dürfte das autonome Fahren weiter voranbringen - ein Kofferraum voller Computer ist mit dem Drive PX 2 oder auch Audis zFAS nicht mehr nötig. Hersteller wie Nvidia sowie zahlreiche klassische Automobilhersteller sind stark daran interessiert, das autonome Fahren weiterzuentwickeln.

Automotive ist das Thema auf der CES 2016

Das zeigt auch die CES 2016: An Automotive kommt man als Besucher nicht vorbei, die Präsenz des Themas ist weitaus stärker als noch im vergangenen Jahr. Die rechtliche Situation von autonomem Fahren insbesondere in Europa bleibt hiervon allerdings unangetastet: Nach der Wiener Konvention dürfen weiterhin keine Autos vollautonom am Straßenverkehr teilnehmen.  (tk)


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