Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/digitalstrom-wenn-die-kueche-zuhoert-und-die-kaffeemaschine-augen-hat-1601-118386.html    Veröffentlicht: 07.01.2016 11:07    Kurz-URL: https://glm.io/118386

Digitalstrom

Wenn die Küche zuhört und die Kaffeemaschine Augen hat

Der Smart-Home-Anbieter Digitalstrom bietet eine Vernetzung gewöhnlicher Haushaltsgeräte mit nachrüstbaren, intelligenten Klemmen an. Noch interessanter wird dieser Ansatz durch die neue Sprach- und Gestensteuerung, wie wir beim Ausprobieren festgestellt haben.

"Alexa, bitte sag James, er soll mir ein Glas Wasser eingießen." Wer jetzt erwartet, dass ein zauseliger älterer Herr mit einem Glass Wasser angeschlurft kommt, täuscht sich. Stattdessen fließen aus einem vernetzten Wasserhahn genau 200 Milliliter Wasser in ein Glas. Möglich wird das durch die Smart-Home-Bausteine von Digitalstrom und Amazons mithörendem Lautsprecher Echo.

Auf der CES (Consumer Electronic Show) 2016 hat Digitalstrom die neuen Funktionen seines Smart-Home-Systems vorgestellt: die Steuerung per Spracheingabe und Gesten. Das Digitalstrom-System unterscheidet sich von den meisten anderen am Markt befindlichen Smart-Home-Systemen dadurch, dass damit herkömmliche Haushaltsgeräte smart gemacht werden können.

Digitalstrom-Klemmen machen Geräte smart

Erreicht wird dies durch spezielle Klemmen, die in den Stromkreislauf montiert werden. Bei einer Stehlampe wird die Klemme beispielsweise in das Kabel zwischen der Lampe selbst und deren Stecker gebaut; die Lampe hat dann eine fixe Adresse und ist im System von allen anderen Komponenten, die sich im selben Kabelnetz befinden, auffind- und ansteuerbar. Die Signale werden direkt über das Stromnetz übertragen.

Die Digitalstrom-Klemmen lassen sich auch nachträglich in Wandtaster montieren und können dann andere, mit Klemmen versehene Geräte steuern. Auch multiple Eingaben sind dann möglich - ein einfacher Druck kann beispielsweise eine Lampe anschalten, ein doppelter Druck eine andere. Gesteuert wird das System über sogenannte Digitalstrom-Meter, kleine Steuerzentralen, die sich direkt in herkömmlichen Sicherungskästen einbauen lassen.

Steuerung des Smart Home per Sprachkommandos

Bisher ließ sich das Digitalstrom-System außer durch Taster auch durch eine App steuern - neu ist jetzt die Bedienung mit Sprachkommandos und Gesten. Dies ist immer dann praktisch, wenn der Nutzer Dinge nebenbei bedienen will - etwa bestimmte Lampen - oder schlicht die Hände voll hat. Praktischerweise beschränkt sich Digitalstrom nicht auf Lampen, sondern zeigt uns die neuen Benutzungsmöglichkeiten direkt in einer Küche - womit wir beim eingangs genannten Beispiel sind.

Wasser Marsch

Mit der Bitte nach einem Glas Wasser schaltet das Digitalstrom-System den Wasserhahn ein, die Verzögerung beträgt wenige Sekunden. Die Menge lässt sich programmieren - ganz so, wie es den verwendeten Gläsern entspricht. Der im Testszenario verwendete Hahn verfügt über Motoren, die in das Digitalstrom-Netz eingebunden sind.

Die Auswertung und Weiterleitung des Sprachkommandos übernimmt Amazons zuhörender Bluetooth-Lautsprecher Echo, der in Deutschland noch nicht erhältlich ist. Über ihn wird James, der virtuelle Hausbutler, mit Aufträgen versorgt. Auf die gleiche Weise lässt sich auch das Licht in der Küche einschalten. Die Umwandlung der erkannten Schlagworte in Steuersignale übernimmt das Digitalstrom-System selbst.

Viele unterschiedliche Nutzungsszenarien sind denkbar

Andere mögliche Nutzungsszenarien sind Befehle wie "Mach mir Frühstück", die etwa einen Wasserkocher und einen Toaster einschalten können. Dank der Programmierbarkeit sind die Möglichkeiten vielfältig. Alternativ lassen sich die Sprachkommandos auch mit einem Tablet oder Smartphone nutzen. Hier muss allerdings immer erst die Digitalstrom-App geladen werden - was länger dauert als das direkte Ansprechen des Amazon Echo. Die Spracherkennung funktioniert auch in der lauten Messehalle gut, für die Umsetzung der Befehle benötigt das Digitalstrom-System wenige Sekunden.

Auch bei der Gestensteuerung nutzt Digitalstrom ein Eingabegerät eines Fremdherstellers: Verwendet wird eine Realsense-3D-Kamera von Creative. Realsense-3D-Kameras können neben einem normalen Bild auch Tiefeninformationen erfassen und somit Gesichter erkennen sowie unterscheiden. Microsoft nutzt diese Technik für seine Entsperrfunktion Hello.

Gestensteuerung dank Realsense-3D-Kamera

Digitalstrom setzt die Kamera ein, um eine Kaffeemaschine zu steuern. Diese wurde vorher mit einer Digitalstrom-Klemme in das Smart-Home-Netz eingebunden - und ist dadurch von der ebenfalls eingebundenen Kamera steuerbar. Ein Lächeln veranlasst die Maschine, einen Kaffee zuzubereiten, einen Espresso bekommt derjenige, der der Kamera die Zunge herausstreckt.

Diese eher etwas unsinnigen Gestenbefehle sollen nur verdeutlichen, was mit dieser Technik eigentlich möglich ist: das Erkennen des Nutzers. So kann die Kaffeemaschine unterschiedliche Kaffeespezialitäten zubereiten, je nachdem, wer vor dem Gerät steht.

Sprach- und Gestensteuerung funktioniert gut

Uns überrascht, wie gut sowohl die Sprachsteuerung als auch die Bedienung mit Gesten funktioniert. Die Geschwindigkeit der Erkennung von Sprachbefehlen hängt dabei natürlich auch von der Umgebungslautstärke ab - in der lauten Messehalle müssen wir das Amazon Echo schon etwas ruppig anbrüllen, damit es reagiert. Die Umsetzung der Befehle funktioniert in den meisten Fällen aber gut.

Wann Amazon Echo in Deutschland verfügbar sein wird, ist aktuell noch nicht bekannt - viele dürften hier Bedenken haben, weil die kleine Lautsprechersäule ständig nach Schlagworten lauscht. Was mit einer derartigen Technik schon jetzt möglich ist, zeigt Digitalstrom mit seinem System aber gut.

Da der Hersteller sich nicht an spezifische Hardwarepartner bindet, ist nicht auszuschließen, dass in Zukunft auch andere Eingabegeräte für die Sprachsteuerung zuständig sein könnten. Wer Amazon Echo nicht vertraut, kann alternativ auch die Sprachsteuerung über die App verwenden.  (tk)


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