Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/security-ransomware-kann-jetzt-webkit-1601-118301.html    Veröffentlicht: 04.01.2016 13:25    Kurz-URL: https://glm.io/118301

Security

Ransomware kann jetzt Webkit

Malware-Entwickler sind ständig dabei, neue Versionen ihrer Schadsoftware zu programmieren. Eine neue Ransomware erinnert an Cryptolocker, ist aber komplett in NW.js umgesetzt. Damit könnte die Malware auch Linux- und Mac-Systeme befallen.

Eine neue Ransomware mit dem Namen Ransom32 basiert auf einer Java-Script-Implementation und ist ungewöhnlich groß, wie die Sicherheitsfirma Emsisoft schreibt. Die Malware versteckt sich offenbar in einem selbstextrahierenden Rar-Archiv und ist durch die Integration der Node-Webkit-Technologie theoretisch auch für Linux- und Mac-Rechner gefährlich.

Das SXF-Archiv enthält zahlreiche Dateien, unter anderem eine in "rundll32.exe" umbenannte Version des Tor-Clients, außerdem die Lizenzvereinbarungen für GNU und GPL sowie eine als chrome.exe getarnte NW.js-Anwendung, die das Gerüst zum Ausführen der Malware bildet. Außerdem sind Scripts für die Anzeige der Erpressungsmeldung dabei. Die Rar-Datei ist mit 22 MByte relativ groß, die meisten Ransomeware-Pakete benötigen weniger als 1 MByte.

Die Malware nutzt den eingebauten Tor-Client

Wird das Archiv geöffnet, entpackt sich die Malware in das Verzeichnis "%AppData%\Chrome Browser". Außerdem wird eine Autostart-Verknüpfung unter dem Namen Chromeservice erstellt, um die Malware mit dem Betriebssystem zu laden. Das Programm verbindet sich dann über den eigenen Tor-Client mit dem Command-and-Control-Server, der Port 85 nutzt, um sich die zur Verschlüsselung der Dateien benötigten Schlüssel herunterzuladen. Außerdem wird die Bitcoin-Adresse ermittelt, an die die Erpressungszahlungen gerichtet werden sollen.

Die Verschlüsselung selbst erfolgt nach Angaben von Emisoft mit einem 128-Bit-AES-Schlüssel im CTR-Modus. Alle Dateien bekommen einen eigenen Schlüssel. Der AES-Schlüssel selbst wird schließlich mit RSA verschlüsselt abgelegt. Das Programm verspricht den Zugriff auf einige wenige Dateien, um zu beweisen, dass sich die Verschlüsselung umkehren lässt. Angreifer können dem Nutzer eine Zahlungsfrist setzen und ansonsten mit der Zerstörung der Daten drohen.

Durch die Implementation in NW.js, früher unter dem Namen Node-Webkit bekannt, könnte die Malware vermutlich auch für Mac- und Linux-Systeme implementiert werden - bislang scheinen jedoch keine entsprechenden Samples vorzuliegen. Der derzeitige Infektionsweg über eine SXF-Datei müsste für eine Adaption in jedem Fall angepasst werden.

Kriminelle, die die Malware nutzen wollen, können dies recht einfach tun. Denn sie wird auf einer .onion-Domain vorkonfiguriert angeboten. Kriminelle müssen nur ihre Ziel-Bitcoin-Adresse und einige Parameter angeben. Außerdem müssen sie den Malware-Machern 25 Prozent der Einnahmen abtreten, ebenfalls an eine Bitcoin-Adresse. In dem Konfigurationsfeld geben die Kriminellen ihren Kunden noch einen Hinweis mit auf den Weg: "Sei nicht zu gierig, sonst wird niemand zahlen".  (hg)


Verwandte Artikel:
Not Petya: Maersk erneuerte IT-Infrastruktur in zehn Tagen   
(26.01.2018, https://glm.io/132407 )
T-Online-Adressen: Telekom hat aktuelle Spamwelle mitverschuldet   
(06.04.2017, https://glm.io/127184 )
Erpressungstrojaner: Kaspersky erklärt Coinvault und Bitcryptor für tot   
(02.11.2015, https://glm.io/117241 )
BSA-Studie: Deutschland ist favorisierter Standort für die Cloud   
(06.03.2018, https://glm.io/133175 )
Ransomware: Kostenloser Dienst entschlüsselt Cryptolocker   
(07.08.2014, https://glm.io/108407 )

© 1997–2018 Golem.de, https://www.golem.de/