Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/akamais-state-of-the-internet-die-schnellsten-leitungen-gibt-es-in-suedkorea-1512-118211.html    Veröffentlicht: 28.12.2015 12:00    Kurz-URL: https://glm.io/118211

Akamais State of the Internet

Die schnellsten Leitungen gibt es in Südkorea

Einer der größten CDN-Anbieter, Akamai, hat seinen Bericht zum Stand der IPv4-Internet-Verbindungen veröffentlicht. Die Bandbreite steigt auf Nutzerseite teils erheblich an. In Europa liegen vor allem Skandinavier und Schweizer vorn. Doch selbst 4 MBit/s sind weltweit noch lange kein Standard.

Laut dem aktuellen Bericht State of the Internet zum dritten Quartal 2015, der Mitte Dezember 2015 veröffentlicht wurde, bietet Südkorea seinen Internetnutzern im Durchschnitt die schnellsten Leitungen. 20,4 MBit/s hat das Content Delivery Network (CDN) Akamai bei IPv4-Verbindungen in dem ostasiatischen Land vermessen. Zwar ist die Datenrate in dem Land im Vergleich zum letzten Jahr erheblich gesunken (-19 Prozent), doch der Abstand zu den Plätzen zwei und drei ist immer noch groß.

Schweden erreicht 17,4 MBit/s, Norwegen 16,4 MBit/s. In beiden Ländern hat sich über das Jahr gesehen die Bandbreite mit 23 beziehungsweise 44 Prozent erheblich gesteigert. Auf Platz vier liegen die Schweizer. Auch sie konnten im Jahresvergleich mit rund 12 Prozent auf nun 16,2 MBit/s zulegen. Deutschland liegt in der weltweiten Statistik mit 11,5 MBit/s auf Platz 22. Österreich erreicht mit 11,4 MBit/s den Folgeplatz.

Interessanter als die reinen Durchschnittswerte ist die statistische Verteilung der Mindestgeschwindigkeit der Internetverbindung. Zwar ist das Angebot von sehr schnellen Leitungen per VDSL (Vectoring) oder Kabelverbindungen mit Werten zwischen 50 und 100 MBit/s sehr hoch, doch aus Sicht des CDN finden sich solche Leitungen im Durchschnitt kaum. Inhalteanbieter sind also angehalten, möglichst auch auf geringe Bandbreiten hin zu optimieren. Das geht so weit, dass Akamai für eine Mindestgeschwindigkeit von 25 MBit/s derzeit nur 44 Länder erfasst und eine unvollständige Statistik präsentiert.

Nur wenigen deutschen Nutzern stehen 15 MBit/s und mehr zur Verfügung

Deutschland liegt beispielsweise mit 11,5 MBit/s zwar in der weltweiten Statistik recht weit oben, doch der Blick auf die Verteilung von Anschlüssen mit 15 MBit/s und mehr zeigt, dass nur 19 Prozent der deutschen Anwender im dritten Quartal 2015 diese Bandbreite zur Verfügung hatten. In Österreich sind es nur 17 Prozent. Besonders viele schnelle Anschlüsse gibt es in der Schweiz mit 36 Prozent. Das ist fast auf dem Niveau von Norwegen (37 Prozent) und Schweden (38 Prozent). In Südkorea liegt die Rate bei 45 Prozent und ist weltweit Spitze.

Akamai betrachtet auch eine Mindestgeschwindigkeit von 10 MBit/s. Hier sieht die Statistik besser aus, von einer flächendeckenden Verbreitung kann allerdings nicht die Rede sein. In Österreich erreichen 33 Prozent der Nutzer diese Mindestgeschwindigkeit, in Deutschland 37 Prozent. In der Schweiz erreicht der überwiegende Teil der Internetanschlüsse diese Geschwindigkeit, nämlich 61 Prozent. Damit liegt das Land weltweit auf Platz zwei hinter Südkorea mit 68 Prozent.

4 MBit/s sind weltweit noch lange kein Standard

Richtig zuverlässig erreicht ein Inhalteanbieter über Akamai seine Kunden mit einer Mindestgeschwindigkeit von 4 MBit/s. In Deutschland, Österreich und der Schweiz wird die Geschwindigkeit bei 87, 90 und 93 Prozent der Anschlüsse erreicht. Südkorea ist hier interessanterweise auf Platz zwei, denn die Führung bei der flächendeckenden Verbreitung liegt in diesem Geschwindigkeitssegment in Bulgarien. Aber nur knapp, denn Akamai gibt für beide 96 Prozent an.

Weltweit betrachtet sind diese 4 MBit/s allerdings immer noch ein sehr schwer zu erreichender Wert. In Bolivien, Paraguay oder Venezuela erreicht man so nur zwei bis drei Prozent der Anschlüsse. Selbst große Schwellenländer wie Brasilien haben nur bei 32 Prozent der Nutzer eine derartige Geschwindigkeit. Da werden schon die Verteilung von Betriebssystem-Updates im GByte-Bereich und insbesondere Updates für moderne Spielekonsolen zu einer stunden- bis tagelangen Angelegenheit.

Bevölkerungsreiche Länder mit langsamen Internetanschlüssen

Das gilt auch für bevölkerungsreiche Länder im asiatischen und pazifischen Raum. In Indien liegt der Wert bei 14 Prozent, Indonesien erreicht 17 Prozent und China 33 Prozent. Auch in Australien erreichen nur 72 Prozent der Anschlüsse 4 MBit/s als Mindestgeschwindigkeit, während es in Neuseeland 87 Prozent und Thailand sogar 96 Prozent sind.

Einige besonders schnell an das Akamai-CDN angebundene Länder verzerren also die Gesamtstatistik. Weltweit sieht Akamai für das dritte Quartal nämlich 5,1 MBit/s als durchschnittlich erreichbare Bandbreite. Recht viele Länder sind von dem Wert sowohl nach unten als auch nach oben weit entfernt.

Der rund 60 Seiten fassende Bericht kann von Akamai direkt als PDF bezogen werden. Die Zahlen sind natürlich aus der Sicht von Akamai und durch die eigene Infrastruktur beeinflusst. Dazu gehört auch, dass Märkte, in denen Akamai nicht aktiv ist, nicht erfasst werden. Insgesamt betreibt Akamai sein Geschäft in 110 Ländern. Zum Vergleich: in den Vereinten Nationen sind derzeit 193 Länder organisiert.

Zudem basieren die Messungen auf IPv4-Adressen, tendenziell laut Akamai schnellere IPv6-Verbindungen fehlen noch. Einflüsse der Infrastruktur der Netzbetreiber verzerren ebenfalls die Statistiken. Allerdings gehört Akamai zu den größten Content Delivery Networks und ist damit ein praktisches Szenario für effektiv erreichbare Bandbreiten. Akamai selbst gibt an, für 15 bis 30 Prozent des weltweiten Traffics verantwortlich zu sein.  (ase)


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