Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/bombendrohung-per-cock-li-staatsanwaltschaft-beschlagnahmt-festplatte-bei-hetzner-1512-118169.html    Veröffentlicht: 23.12.2015 11:28    Kurz-URL: https://glm.io/118169

Bombendrohung per Cock.li

Staatsanwaltschaft beschlagnahmt Festplatte bei Hetzner

Wegen einer anonymen Bombendrohung mussten kürzlich alle Schulen in Los Angeles schließen. Nun haben deutsche Behörden offenbar Amtshilfe bei der Suche nach dem Urheber der Drohmails geleistet.

Die angebliche Bombendrohung an US-amerikanischen Schulen kam von der E-Mail-Adresse "madbomber@cock.li". Nun haben deutsche Behörden offenbar eine Festplatte des Anbieters Cock.li beschlagnahmt, über dessen Dienst in der vergangenen Woche die Drohung verschickt worden war. Gehostet wird Cock.li demnach vom Provider Hetzner in dessen Rechenzentrum im vogtländischen Falkenstein. Die zuständige Staatsanwaltschaft Zwickau wollte entsprechende Berichte weder bestätigen noch dementieren. "Bei uns werden keine Ermittlungen geführt, ich kann dazu nichts sagen", sagte deren Sprecherin Ines Leonhardt am Mittwoch auf Anfrage von Golem.de.

Der Betreiber von Cock.li, Vincent Canfield, hatte am Montag über die Beschlagnahmung der Daten berichtet. In einem Videostatement informierte er seine Nutzer, dass eine Festplatte mit allen Daten von deutschen Behörden konfisziert worden sei. Dazu gehörten auch SSL-Schlüssel, private Schlüssel, gehashte Passwörter, Registrierungsdaten, Login-Daten der vergangenen sieben Tage sowie der komplette Inhalt der Mails. Da Hetzner die Daten nach eigenen Angaben mit einem Raid1-System sichert, konnte der Dienst weiterlaufen. Während eine Festplatte entnommen wurde, konnte die zweite Platte mit den gespiegelten Daten weiter genutzt werden. Inzwischen wurde auch die Registrierung für den Dienst wieder freigeschaltet.

Der Mail-Anbieter für 8Chan-Nutzer

Cock.li existiert seit 2013 und hat nach Angaben Canfields inzwischen 64.500 Nutzer. Dazu zählen auch Unterdomains wie horsefucker.org, 8chan.co, loves.dicksinmyan.us oder national.shitposting.agency. Der anonyme Dienst wird laut US-Medienberichten häufig von Nutzern des Imageboards 8chan verwendet. Canfield engagierte als juristischen Beistand in seinem Fall die prominente Anwältin Jesselyn Radack, die auch die US-Whistleblower Edward Snowden und Thomas Drake vertritt. Canfield hatte bereits am Dienstag vergangener Woche eine Anordnung der New Yorker Polizei veröffentlicht, mit der er zur Herausgabe aller ihm bekannter Daten des verdächtigen Nutzers aufgefordert worden war.

In Los Angeles waren am 15. Dezember nach einer als glaubhaft eingeschätzten Drohung sämtliche öffentlichen Schulen und Vorschulen geschlossen worden. In New York war eine ähnliche Drohung eingegangen. Jedoch hatten die Behörden diese als Hoax ignoriert.  (fg)


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