Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/turok-im-test-i-am-turok-1512-118162.html    Veröffentlicht: 26.12.2015 12:00    Kurz-URL: https://glm.io/118162

Turok im Test

I am Turok!

Fast zwei Jahrzehnte nach dem Original für den N64 ist der Dinosaur Hunter zurück: Turok macht auch heute noch Spaß, trotz oder gerade wegen des schnellen Oldschool-Gameplays. Die antiquierte Optik wurde zwar dezent überarbeitet, bleibt aber reine Nostalgie.

Ein Fiesling (Campaigner), eine legendäre Waffe (Chronos-Zepter) und ein zeitreisender Indianer (Turok) - fertig ist die Hintergrundgeschichte von Dinosaur Hunter, so der Untertitel von Turok. Das erschien 1997 für den Nintendo 64 und gilt neben einem James-Bond-Spiel als einer der besten Shooter seiner Zeit: Flottes Gunplay und Movement ähnlich Quake, weitläufige Level mit schicker Grafik, vielfältige Gegner und Waffen und eine tolle Sound-Kulisse. Wir haben die Remaster-Version der Night Dive Studios getestet. Genau genommen handelt es sich allerdings um ein Remake: Das neue alte Turok läuft unter Windows 7 oder neuer, egal ob 32 oder 64 Bit. Die damals exzellente Optik war nur möglich, weil nach wenigen Metern Nebel einsetzte, der beim Remaster fehlt. Die Sichtweite beträgt somit nicht mehr nur ein paar Meter, was zwar die Übersicht verbessert, dem Spiel aber ein wenig Charme nimmt. Zu den weiteren Änderungen zählen Breitbild-Auflösungen bis hoch zu Ultra-HD, eine Einstellung für das Field of View, ein Vsync-Schalter (ohne Triple Buffering), eine Shader-Kantenglättung, Blob-Schatten, Bloom-Effekte, statische Wasserspiegelungen, Lichtbrechungen, God Rays und ein Fadenkreuz.

Alle Überarbeitungen, abgesehen von der gesteigerten Distanzdarstellung, sind optional zuschaltbar. Das Spiel läuft somit selbst auf alten Ultrabooks mit Intel-Grafikeinheit in 720p-Auflösung flüssig. Wer auf verbesserte Texturen oder mehr Polygone hofft - die gibt es nicht. Turok sieht aus wie 1997, sprich: Pixeltapeten wiederholen sich durchweg und die Spielabschnitte sind für heutige Verhältnisse äußerst kahl. Damals war der Shooter technisch jedoch wegweisend, was sich noch angesichts der Motion-Capturing-Animationen erahnen lässt.

Praktisch finden wir die frei konfigurierbare Steuerung und die Option, einen Xbox-Controller zu verwenden. Spielerisch hat sich nahezu nichts geändert: Turok kombiniert äußerst flotte Shooter-Abschnitte mit vielen Schalter- und Teleporter-Rätseln und teils nervigen Hüpfpassagen; in späteren Levels findet das Gunplay gerne auch in der Vertikalen statt. Ziel ist es, in jedem Level mehrere Schlüsselsteine für die nächsten Bereiche zu finden, was aufgrund der verschachtelten Maps und der nur bedingt hilfreichen Karte (wie gehabt kein Zoom!) immer noch ganz schön langwierig und frustrierend sein kann.

Die Night Dive Studios haben zwar an einigen Stellen Objekte umgesetzt oder hinzugefügt, weitestgehend entsprechen die Abschnitte jedoch dem Original: Turok durchwandert einen Dschungel, eine antike Stadt, die darunterliegenden Katakomben, verfallene Tempelruinen, eine Baumhaussiedlung, das verlorene Land und eine Art futuristische Festung. In allen Leveln gibt es seltene Checkpoints und noch rarere Speichersteine, die einzelnen Teile des Chronos-Zepters sind besonders gut versteckt. Die Ideen reichen hierbei von geheimen Höhlen bis zu gigantischen Wassersäulen oder Labyrinthen.

Wer Dornen- und Feuerfallen und herabpolternde Steine überlebt hat, muss Energie, Rüstung und Munition aufsammeln und möglichst viele Dreiecke für weitere Leben finden. Ab und zu bekommt Turok sogar die spirituelle Unbesiegbarkeit in die Finger und ballert kurz in Bullet Time um sich. Durch die hohe Sichtweite und die außer bei Pfeilen nicht vorhandene Ballistik fällt der Schwierigkeitsgrad moderater aus als früher, in späteren Levels wird's etwas knackiger: Die strunzdoofen Gegner spawnen gerne in unserem Rücken.

Dazu zählen Dinosaurier wie Dimetrodons, Rudel von Raptoren und mechanische Triceratopse, heranstürmende Skelettkrieger und Söldner, Flammenbälle werfende Hohepriester oder Mumien, in Schwärmen auftretende Käfer, fleischfressende Pflanzen, mutierte Krabben, kolossale Aliens mit Raketenwerfern, Monster-Libellen, hüpfende Kletter-Amphibien und säurespuckende Würmer. Seltene Boss-Gegner wie eine zähe Gottesanbeterin und ein T-Rex mit Giftatem und Laser-Zielvorrichtung haben es in sich.

Den Viechern erwehrt sich Turok mit Waffengewalt: Vom Skalpmesser, diversen Pfeilen samt Bogen über eine Kalaschnikow, eine automatische Shotgun und eine Plasma-Wumme bis zum vierschüssigen Raketenwerfer, der Atompilze feuernden Fusionskanone und dem legendären Chronos-Zepter ist alles dabei, was ein Pixelindianer auf seinen nackten Rücken schnallen kann. Das ziemlich schnelle Movement ohne Auto-Aiming finden wir sehr launig.

Fazit

Turok war damals ein grandioses Spiel, das heute noch viel Spaß macht, denn das grundlegende Gameplay und das Setting sind unserer Ansicht nach kaum gealtert. Klar: Die prähistorische Optik des Dinosaur Hunter stammt aus der Kreidezeit der Videospiele, da helfen auch die kleinen Aufwertungen wenig. Der Nostalgie tut das aber keinen Abbruch. Turok ist als englische, unzensierte Version für 20 Euro bei GoG und Steam erhältlich.  (ms)


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