Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/studie-onlinesucht-bei-kindern-und-jugendlichen-weit-verbreitet-1511-117719.html    Veröffentlicht: 30.11.2015 17:01    Kurz-URL: https://glm.io/117719

Studie

Onlinesucht bei Kindern und Jugendlichen weit verbreitet

Rund elf Prozent der Kinder und Jugendlichen haben schon mehrfach erfolglose Versuche unternommen, ihre Internetnutzung in den Griff zu bekommen: Das ist eines der Ergebnisse einer neuen Studie über Online- und Computerspielsucht.

Rund 4,7 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland leiden unter den Folgen einer krankhaften Internet- und Computernutzung: Das ist das Ergebnis einer neuen Studie, die im Auftrag der Krankenkasse DAK durchgeführt wurde. Damit sei nicht nur gemeint, dass sie ein bisschen zu lange online seien, sondern dass sie eine "Einengung des Verhaltensspielraums" erlebten, so Rainer Thomasius, Leiter des Deutschen Zentrums für Suchtfragen an der Hamburger Universitätsklinik Eppendorf, die an der Studie beteiligt war.

"Die Betroffenen verausgaben über eine längere Zeitspanne den größten Teil des Tageszeitbudgets" an Onlineaktivitäten oder Computerspiele, so Thomasius. Und zwar auch dann, wenn sie sich eigentlich mit etwas anderem beschäftigen möchten. Das äußere sich etwa darin, dass 49 Prozent der über die Computernutzung ihres Nachwuchses befragten Eltern angegeben habe, dass ihr Kind länger online bleibe, als es sich das eigentlich vornehme. 22 Prozent der Eltern hätten angegeben, dass ihr Kind sich niedergeschlagen oder gereizt fühle, wenn es versuche, seine Internetnutzung zu vermindern oder ganz damit aufzuhören.

Elf Prozent der Eltern geben laut der Studie an, dass ihr Kind schon mehrfach erfolglose Versuche unternommen hat, seine Internetnutzung in den Griff zu bekommen und sie etwa sie zu vermindern. Zwölf Prozent der Eltern sagten, dass ihr Kind das Internet nutzt, um Problemen zu entfliehen oder schlechte Stimmungen (Hilflosigkeit, Angst oder Niedergeschlagenheit) zu beenden. Und ebenfalls zwölf Prozent der Eltern hatten den Eindruck, dass ihr Kind immer mehr Zeit im Internet verbringen muss, um zufrieden zu sein.

Tipps für Eltern

Die DAK und das Deutsche Zentrum für Suchtfragen empfehlen, dass Eltern beispielsweise Alternativen für die Freizeitgestaltung anbieten, Interesse für die Internetnutzung ihrer Kinder zeigen und Grenzen etwa über die Surf-Dauer setzen.

Für die Studie hat das das Forsa-Institut im Auftrag der DAK und des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf im August 2015 per Telefon 1.000 Mütter und Väter zwischen 30 und 75 Jahren befragt, wie sie die Computer- und Internetnutzung ihrer zwölf- bis 17-jährigen Kinder einschätzen. Laut dem Meinungsforschungsinstitut ist die Befragung repräsentativ.  (ps)


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