Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/starcraft-2-3-0-im-test-grandioses-finale-mit-den-protoss-1511-117555.html    Veröffentlicht: 20.11.2015 13:59    Kurz-URL: https://glm.io/117555

Starcraft 2 3.0 im Test

Grandioses Finale mit den Protoss

Der Kampf zwischen Terranern, Zerg und Protoss geht in den galaktischen Endkampf: Im dritten Teil des Echtzeit-Strategiespiels Starcraft 2 erleben Spieler eine glänzend in Szene gesetzte Kampagne. Außerdem bietet Legacy of the Void ein erstklassiges Multiplayer-Komplettpaket.

Prälat Zeratul ist nicht mehr der jüngste - ein paar Hundert Jährchen hat der Dunkle Templer der Protoss mittlerweile auf seinem außerirdischen Buckel. Trotzdem muss er in der Kampagne des dritten Teils von Starcraft 2 erneut an die Front. Zeratul, seine Gefolgsleute und Untergebenen schlagen in den rund 20 Missionen von Legacy of the Void die finalen Schlachten der Trilogie, und damit in einigen der besten Missionen, die es im Genre der Echtzeit-Strategiespiele in den vergangenen Jahren gab.

Neben Zeratul spielt natürlich auch Artanis, der militärische Anführer der Protoss, eine zentrale Rolle in der Handlung. Dasselbe gilt für andere bekannte und liebgewonnene Figuren der Serie, darunter die Zerg-Anführerin Kerrigan und der knorrige Terraner Jim Raynor. Wer mit diesen Figuren wenig anfangen kann, hat in Legacy of the Void übrigens ein kleines Problem.

Während der Einstieg in die Spielmechaniken auch dank eines kurzen Tutorials durchaus für Neulinge machbar ist, dürfte die Story mit ihren vielen Figuren und unzähligen Verweisen auf frühere Ereignisse selbst für erfahrene Spieler der Serie schwer zu verfolgen sein, wenn sie sich nicht regelmäßig und intensiv mit der Welt von Starcraft beschäftigt haben. Da helfen auch die von Blizzard bereitgestellten "Was früher geschah..."-Texte und -Videos nicht viel.

Für die eigentliche Kampagne ist das aber gar nicht so wichtig, denn die macht vor allem dank ihrer abwechslungsreichen Missionen viel Spaß. Ähnlich wie schon in Wings of Liberty und Heart of the Swarm gibt es kaum noch Momente, in denen der Echtzeit-General in Ruhe seine Basis aufbauen und dann eine Einheit nach der anderen herstellen - oder im Falle der Protoss: herbeiwarpen - kann.

Stattdessen steuert der Spieler mal eine kleine Truppe etwa mit Zeratul als Anführer einer Handvoll Gefolgsaußerirdischer, die eine feindliche Siedlung nach der anderen dem Erdboden gleichmachen. Gleich im nächsten Einsatz gilt es dann, eine riesige Armee zu befehligen und sich mit entsprechend großen Gegnermassen herumzuschlagen.

Galaktische Countdowns

Teilweise wechselt mitten im Einsatz unvermittelt die Perspektive und der Spieler steuert nicht mehr die kleine Gruppe, die er bislang mühsam am Leben erhalten hat. Stattdessen bekommt er in einem anderen Abschnitt der Karte - die sich teilweise auch deutlich ändert - einen anderen Verband unter sein Kommando gestellt.

Solche überraschenden Wendungen gibt es vor allem im späteren Teil der Kampagne regelmäßig. Dazu kommen immer wieder unbarmherzig herunterzählende Countdowns und Extras wie Erdbeben, die die Karte erschüttern; in Legacy of the Void gibt es nur wenige Gelegenheiten, mal in Ruhe nachzudenken, und dafür viel Tempo. Die meisten Spieler dürften für die rund 20 Missionen der Kampagne rund 15 Stunden benötigen.

Allerdings hängt diese Zeitangabe auch vom gewählten Schwierigkeitsgrad ab: Die beiden niedrigeren Stufen können auch unerfahrene Spieler gut bewältigen, die beiden höheren sind dagegen bockschwer und nur für Profis geeignet. Der Wiederspielwelt ist sehr hoch: Wer alle Nebenziele schaffen und damit möglichst viele Erfolge haben möchte, macht das am besten in mehreren Anläufen.

Das liegt auch daran, dass Spieler ab einer bestimmten Stelle im Spiel sogar jenseits der eigentlichen Missionen Entscheidungen treffen können: Sobald sie das Flaggschiff der Protoss wieder unter ihrer Kontrolle haben, können sie vor jedem Einsatz bestimmte Einheiten selbst auswählen und sich etwa für Boden- oder Luftspezialisten entscheiden, oder ein paar Spezialfähigkeiten auswählen, was im Einsatz dann beides spürbare Auswirkungen hat.

Bei der Grafik hat sich nichts Grundlegendes gegenüber den beiden Vorgängern getan. Legacy of the Void punktet weniger mit toller Technik, sondern vielmehr mit der liebevollen, detailreichen Aufbereitung von Einheiten, Spezialeffekten, Landschaften und nicht zuletzt auch den Menüs.

Nicht ganz so schön ist die Art, wie die Story erzählt wird, weil Blizzard auf einen wilden Mix aus einem erstklassig gerenderten Video und zahlreichen, teils ganz netten und teils nicht so aufwendigen Ingame- und Zeichentricksequenzen setzt.

Multiplayer und Fazit

Neben der Kampagne bietet Legacy of the Void natürlich einen äußerst umfangreichen Multiplayermodus. Spieler können in einer ganzen Reihe von Modi antreten, das Angebot reicht von der ungewerteten Partie gegen Kumpel bis hin zum automatisch generierten Turnier. Jedes der drei Völker bekommt zwei neue Einheiten, bei den Terranern etwa gibt es eine Drohne, die mit ihren Raketen sowohl Luft- als auch Bodenziele attackieren kann.

Wer lieber mit anderen Spielern zusammen gegen die computergesteuerten Armeen kämpfen möchte, kann das vor allem im Koop-Modus; dort ist sogar die Option vorhanden, eine Armee zu zweit zu steuern. Derzeit gibt es fünf mittellange Koop-Einsätze - nicht sehr viel, aber Blizzard hat bereits angedeutet, dass es früher oder später Nachschub geben wird. Überhaupt dürfen sich Spieler mittelfristig auf weitere kostenpflichtige Inhalte einstellen; so etwas wie einen Season Pass gibt es allerdings nicht.

Starcraft 2 - Legacy of the Void ist für Windows-PC und OS X erhältlich und kostet je nach Edition ab rund 40 Euro. Das alleine lauffähige Spiel basiert grundsätzlich auf der gleichen Technik wie die Vorgänger, die Systemanforderungen sind entsprechend moderat. Die Lokalisierung macht einen sehr guten Eindruck, auch die Stimmen der deutschen Sprecher sind aufwendig nachbearbeitet. Von der USK hat das Spiel eine Altersfreigabe ab 12 Jahren erhalten.

Fazit

Was für ein Finale! Mit der Kampagne von Legacy of the Void hat Blizzard nicht nur einen würdigen Abschluss für Starcraft 2 entwickelt. Der letzte Teil der Trilogie ist auch eines der besten Echtzeit-Strategiespiele der vergangenen Jahre. Wer im Laufe der Zeit das Interesse an diesem Genre verloren hat, sollte den Protoss eine Chance geben - es lohnt sich.

Ständig gibt es neue Herausforderungen in den spannend und abwechslungsreich gestalteten Missionen. Wir haben uns sogar ab und zu mal eine Verschnaufpause in Form eines gemütlichen Einsatzes mit Basisbau pur und Armee zusammenstellen gewünscht. Und dann hat uns die Kampagne doch wieder mitgerissen, den Protoss bei ihrem Kampf zu helfen. Auch die Upgrades etwa der Einheiten sind klasse gemacht und stellen den Spieler vor knifflige Entscheidungen.

Unser einziger Kritikpunkt ist die verworren und mit allzu viel Pathos erzählte Story. Davon abgesehen ist Legacy of the Void ein später Meilenstein im Genre. Von der Sprachausgabe über die vielen wunderbaren Animationen, von der Musik bis zu den Multiplayer- und Koopmodi sind ein extrem hoher Produktionsaufwand und viel Liebe zum Detail spürbar. Hoffentlich entwickelt Blizzard auch künftig solche Spiele!  (ps)


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