Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/star-wars-battlefront-im-test-mit-skywalker-und-darth-vader-an-die-multiplayerfront-1511-117473.html    Veröffentlicht: 17.11.2015 06:01    Kurz-URL: https://glm.io/117473

Star Wars Battlefront im Test

Mit Skywalker und Darth Vader an die Multiplayerfront

Kurz vor dem Start des siebten Kinofilms können Spieler mit Luke Skywalker, Han Solo und Imperator Palpatine ins Gefecht ziehen. Star Wars Battlefront bietet Onlinegefechte in schicker Grafik und mit mächtig stimmiger Sternenkrieger-Atmosphäre.

Verdammt! Gleich der erste Schuss streckt uns zu Boden. Gerade sind wir aus dem Hangar getreten, sehen im gleißenden Licht von Tatooine noch etwas schlecht - und schon müssen wir einen Volltreffer von einem imperialen AT-AT einstecken, den wir in unserer Rolle als wackeres Mitglied der Rebellion eigentlich stoppen wollen. Im nächsten Anlauf machen wir es bei unserer Partie Star Wars Battlefront besser: Während unsere Y-Wings den Schutzschild des riesigen Walker ausschalten, feuern wir aus allen Kanonenrohren auf Feinde und natürlich auf das riesige Metallmonster.

Zum Glück schwingt auf unserer Seite auch Luke Skywalker das Lichtschwert. Aber: Per Funk werden wir mitten im Kampf gewarnt, dass sich Boba Fett in unserer Nähe aufhalten soll - und der kämpft natürlich auf Seiten des Imperiums. Soweit eine typische Szene aus Walker Assault, dem wichtigsten Modus von Battlefront, in dem wir mit und gegen bis zu 39 andere Sternenkrieger kämpfen

Wer sich übrigens noch an den megaschweren Einsatz aus der Beta des Spiels erinnert: Im fertigen Spiel ist es immer noch herausfordernd, die AT-AT aufzuhalten - aber es ist machbar. Außerdem sind nicht auf allen vier derzeit verfügbaren Walker-Assault-Maps gleich zwei AT-AT unterwegs, sondern teils nur einer, was die Sache vereinfacht.

Von allen Star-Wars-Spielen, die rund um den Kinofilm Das Erwachen der Macht erscheinen, ist das beim schwedischen Entwicklerstudio Dice entwickelte Battlefront das mit Abstand aufwendigste. Allerdings konzentriert sich Battlefront derzeit noch auf die klassische Trilogie. Wir können die Schlacht auf dem Eisplaneten Hoth nachspielen, sind auf Tatooine unterwegs und in einem spektakulär schönen Dschungel auf Endor. Neu ist ein Vulkanplanet namens Sullust, dessen Bewohner bislang allerdings nur als Randfiguren in den Filmen aufgetaucht sind.

Eine Kampagne bietet Battlefront nicht und auch sonst gibt es für Einzelspieler nur ein paar nett inszenierte Trainingsmissionen sowie sogenannte Battles und Survival-Einsätze. Hier treten wir alleine, wahlweise auch mit einem Kumpel (sogar im Splitscreen) an und bekämpfen ihn oder KI-Feinde. Das ist durchaus unterhaltsam, aber nach spätestens zwei bis drei Stunden hat man alles gesehen - übrigens wahlweise aus der Ich-Perspektive oder der Schulteransicht.

Stattdessen setzt Battlefront auf Multiplayergefechte. In denen kämpft sogar die galaktische Prominenz aus den drei Filmen mit: Auf Seiten des Imperiums können wir mit Palpatine höchstpersönlich über das Schlachtfeld springen und unsere Gegner mit Elektroblitzen grillen. Wahlweise treten wir auch mit Darth Vader sowie mit Boba Fett an.

Jetpack und weitere Extras

Auf Seiten der Rebellen haben wir die Wahl zwischen Luke Skywalker, Han Solo und Prinzessin Leia. Auch diese Helden verfügen über jeweils drei Spezialkräfte, Solo etwa über einen besonders schnellen Schussmodus und Leia über eine erhöhte Regeneration von Lebenspunkten. Allerdings stehen die sehr mächtigen Star-Wars-Stars nur in einigen Spielmodi zur Verfügung - im Normalfall treten wir in Battlefront als mehr oder weniger namenloser Rebell oder Stormtrooper an.

Für beide Seiten lassen sich nach und nach immer mehr Ausrüstung und Waffen freischalten. Um Zugriff auf alle Extras zu erhalten, müssen übrigens auch gute Spieler mindestens 20 bis 30 Stunden investieren. Eine Besonderheit sind die 13 Gegenstände, von denen wir drei in jedes Gefecht mitnehmen und die sich per Schnellzugriff (mit Abklingzeit) verwenden lassen. Darunter sind ein fast schon obligatorisches Jetpack, aber auch Granaten, ein Schutzschild und eine zielsuchende Rakete.

Die Extras stehen uns in fast allen der vielen Spielmodi zur Verfügung. In der Verkaufsversion gibt es neun Multiplayermodi, darunter Klassiker wie Blast (Team Deathmatch) oder Cargo (Capture the Flag), aber auch mehr oder weniger neue Spielweisen - für 6 bis 40 Teilnehmer. Nicht alle Modi finden wir gelungen. Im eigentlich spannenden Hero Hunt müssen etwa sieben Infanteristen einen Helden besiegen. Wer den finalen Schuss abgibt, darf als nächster in die Rolle von Skywalker oder Fett schlüpfen. Klingt spannend, aber unserer Auffassung nach sind die Maps zu groß, sodass wir den Großteil der Zeit mit der Suche nach unserem Gegner verbringen. Übrigens sind wir generell der Meinung, dass Dice einen Hang zu etwas sehr großzügig bemessenen Umgebungen hat.

Eine Besonderheit ist ein Modus namens Fighter Squadron. Die bis zu 20 Teilnehmer kämpfen auf Seiten der Rebellen in X- oder A-Wings sowie in imperialen Raumschiffen vom Typ TIE Fighter oder Interceptor gegeneinander über Planetenoberflächen. Wer Glück hat und als erster durch ein verstecktes Symbol fliegt, saust sogar im Millennium Falcon durch die Luft. Das ist für ein paar Stunden erstaunlich kurzweilig und sehr spaßig - auf Dauer fehlt es aber an Abwechslung.

Angriff auf die Walker

Auf der anderen Seite der Komplexitätsskala steht das schon angesprochene Walker Assault, das sich zeitweise wie eine Art Battlefield Light spielt. Wir treten grundsätzlich zu Fuß an, dürfen aber auch in Raumschiffe steigen und im zweibeinigen AT-ST über das Schlachtfeld stapfen. Uns hat Walker Assault richtig viel Spaß gemacht - und das, obwohl wir nicht mit allen Designentscheidungen von Dice einverstanden sind. So finden wir es nervig, dass wir nur über Symbole an Raumschiffe gelangen, die irgendwo zufällig im Level auftauchen. Wer Pech hat, erwischt die nie...

Nach Angaben von Dice enthält Battlefront rund 40 Maps. In der Praxis wirkt das aber ganz anders: Die hohe Zahl kommt vor allem dadurch zustande, dass jede der vier Umgebungen an alle Modi angepasst wurde. So gibt es in der Walker-Assault-Fassung von Endor etwa einen langen Pfad durch den Wald, durch den der AT-AT marschiert - in anderen Modi taucht die Schneise so nicht auf. Unterm Strich bedeutet das, dass Spieler im Grund ständig in den gleichen vier Umgebungen kämpfen: Eis, Wüste, Wald und Lava.

Auflösung und mächtige PC-Hardware

Immerhin sehen die Landschaften klasse aus. Battlefront bietet schöne Umgebungen mit detailreichen Oberflächen, schicken Licht- und Explosionseffekten, sowie viele aufwendige Animationen. Wenn sich mehrere Dutzend Bodentruppen auf dem Schlachtfeld tummeln und man irgendwo in der Ferne Skywalker oder seinen Papa mit dem Laserschwert herumwirbeln sieht, wirkt das imposant!

Battlefront basiert auf der Frostbite-3-Engine von Dice. Das Spiel wird auf der Playstation 4 mit einer nativen Auflösung von 1.600 x 900 Pixeln berechnet, auf der Xbox One mit 1.280 x 720 Pixeln - anschließend wird die Grafik natürlich auf 1080p hochskaliert. Damit berechnen beide Konsolen die Grafik nicht in der eigentlich optimal möglichen Auflösung, in der Praxis fällt das aber kaum auf. Die Bildrate liegt laut den Entwicklern bei 60 fps, in unseren sehr vielen Spielstunden in allen Modi und auf allen Maps sind uns keine Ruckler aufgefallen.

PC-Sternenkrieger müssen relativ schnelle und aktuelle Hardware haben. Sie sollten für optimale Grafik über einen Rechner mit 16 GByte RAM und eine Nvidia Geforce GTX 970 oder eine AMD Radeon R9 290 mit jeweils 4 GByte Videospeicher verfügen, so Publisher Electronic Arts. Beim Hauptprozessor sollte es sich den offiziellen Empfehlungen zufolge um einen Intel Core i5-6600 mit Skylake-Technik handeln.

Auch die Mindestanforderungen sind nicht ganz ohne. Spieler benötigen mindestens 8 GByte RAM und eine Geforce GTX 660 oder eine Radeon HD 7850 2GB mit 2 GByte Videospeicher. Als Hauptprozessor sollte mindestens ein Intel Core i3-6300T verbaut sein.

In jedem Fall braucht der Spieler ein 64-Bit-Windows (ab Windows 7). Das System muss Direct3D 11 oder besser noch Direct3D 11.1 unterstützen, die Internetverbindung mindestens 512 KBit/s schaffen. Auf der PC-Festplatte belegt das Programm rund 27 GByte, auf der Xbox One sind es 19 GByte und auf der Playstation 4 rund 23 GByte.

Vier kostenpflichtige Erweiterungen

In den kommenden Wochen und Monaten steigt der Platzbedarf noch weiter: Entwickler Dice plant für die nächsten Monate zahlreiche Erweiterungen. Anfang Dezember 2015 soll es kostenlose Missionen auf dem Planet Jakku aus Das Erwachen der Macht geben. Wer den rund 50 Euro teuren Season Pass kauft, bekommt außerdem vier größere Erweiterungen mit 16 weiteren Multiplayerkarten, die an neuen Schauplätzen spielen - wie viele ganz neue Arten von Umgebungen es geben wird, ist allerdings noch nicht bekannt.

Außerdem sollen die Add-ons vier weitere Modi und vier Helden sowie mehr Waffen, Fahrzeuge und Sternenkarten bieten. Wer den Season Pass kauft, erhält die Erweiterungen zwei Wochen vor den Spielern, die separat kaufen. Die ersten Erweiterungen sollen Anfang Dezember 2015 zum Download bereitstehen.

Verfügbarkeit und Fazit

Star Wars Battlefront erscheint am 19. November 2015 für Windows-PC (rund 60 Euro) sowie für Xbox One und Playstation 4 (jeweils rund 70 Euro). Die deutsche Sprachausgabe ist gelungen, inhaltliche Schnitte gegenüber der englischen Version gibt es nicht, allerdings ist das Programm sowieso nicht sehr martialisch in Szene gesetzt. Die USK hat eine Freigabe ab 16 Jahren erteilt.

Fazit

Wer Battlefront tatsächlich spielen und die Packung nicht einfach in den Schrein mit dem Plüsch-Darth-Vader und der Skywalker-Kaffeetasse stellen will, sollte sich vor dem Kauf über eines im Klaren sein: Battlefront will in die Mitte, in den Platz zwischen Hardcore-Battlefield-Zockern und Casual-Lichtschwert-Schwingern.

Für die Profis bietet die Action in Battlefront etwas zu wenig taktische Möglichkeiten bei Waffen und sonstiger Ausrüstung. Für viele Einsteiger ist das hohe Tempo zu anspruchsvoll. Allerdings: Dank der Star-Wars-Lizenz greift bestimmt auch der ein oder andere Midcore-Spieler zu - und der dürfte richtig viel Spaß haben. Battlefront sieht klasse aus, die Atmosphäre ist wunderbar umgesetzt und die Spielmodi und Helden bieten Feierabend-Sternenkriegern mehr als genug kurzweilige Action.

Eine große Stärke sind Elemente wie die Spezialfähigkeiten der Helden: unkompliziert zu steuern, schick anzuschauen und fast wie im Kino. Wir sind langfristig viel lieber mit dem Imperator oder mit Han Solo angetreten als mit normaler Infanterie. Aber auch die große Bandbreite an Modi macht Spaß. Nicht alle sind gelungen, aber eine Partie Team Deathmatch kann uns ebenso begeistern wie der Angriff auf AT-AT in Walker Assault, das sich fast wie eine Art Battlefield Light spielt.

Als momentan größtes Problem empfinden wir die geringe Anzahl an Umgebungen. Mag sein, dass Battlefront fast 40 Maps enthält - wir hatten trotzdem das Gefühl, ständig auf den vier gleichen Karten anzutreten. Auch wenn Hoth und vor allem der Wald von Endor toll aussehen: Irgendwann hatten wir dann doch genug davon.

Für die kommenden Erweiterungen hoffen wir auf mehr Vielfalt bei den Umgebungen, sowie auf mehr Walker Assault und ähnlich komplexe Modi. Und wenn Dice schon an Walker Assault arbeitet, wünschen wir uns auch kleine Änderungen an den Spawn-Punkten etwa von Raumschiffen und anderen Vehikeln. Immerhin, mit den Verbesserungen der Spielbalance seit der Beta sind wir sehr einverstanden.

Ob sich Battlefront langfristig etablieren kann, hängt vor allem vom weiteren Map- und Modi-Nachschub durch Dice ab. Zum jetzigen Zeitpunkt stimmen Qualität, Atmosphäre und Spielspaß jedenfalls. Auf unserer Festplatte wird das Programm die nächsten paar Monate bleiben.  (ps)


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