Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/microsofts-surface-pro-4-im-test-das-surface-sagt-hallo-1511-117457.html    Veröffentlicht: 23.11.2015 12:04    Kurz-URL: https://glm.io/117457

Microsofts Surface Pro 4 im Test

Das Surface sagt Hallo

Microsofts Surface Pro 4 ist samt Type Cover ein gutes Detachable, denn die neue Anstecktastatur ist nahe dran an einer regulären. Zudem ist die Leistung dank Skylake-Chip und cleverer Kühlung höher als beim Vorgänger. Besonders gut gefällt uns Windows Hello.

Jedes Jahr veröffentlicht Microsoft ein neues Surface Pro und entwickelt das Tablet mit ansteckbare Tastatur mit jeder Version weiter. Das aktuelle Surface Pro 4 ist auf den ersten Blick von seinem Vorgänger nicht zu unterscheiden, erst eine genaue Betrachtung zeigt, was neu ist. Microsoft hat das Gehäuse überarbeitet, die Hardware verbessert und die optionale Tastatur umgestaltet. Wir haben die i5-Variante mit einer 256-GByte-SSD getestet.

Mit Maßen von 292 x 201 x 8,5 mm ist das Surface Pro 4 einen halben Millimeter flacher als das Surface Pro 3, das Gewicht fällt mit 786 statt 800 Gramm einen Tick geringer aus. Die Änderungen am Barebone fallen in der Praxis nicht auf, auch ohne Datenblatt lässt sich die flachere Bauweise aber zumindest erahnen. Offensichtlich hingegen ist das Microsoft-Logo statt des Surface-Schriftzugs auf der Rückseite. Das Magnesiumgehäuse des neuen Tablets ist exzellent verarbeitet, absolut verwindungssteif und immun gegen Fingerabdrücke.

Was auf der Vorderseite auffällt, ist das größere Touch-Panel: Das misst 12,3 statt 12 Zoll und wird ergo von einem schlankeren Rahmen umfasst. Microsoft nutzt die gewonnene Fläche, um die Auflösung des Surface Pro 4 von 2.160 x 1.440 (216 ppi) auf 2.736 x 1.824 Bildpunkte (267 ppi) zu steigern. Hierbei kommt eine klassische RGB-Matrix zum Einsatz. Das Seitenverhältnis beträgt weiterhin 3:2 und ist deutlich angenehmer für Office-Anwendungen als ein 16:9-Display.

Das Display hat eine durchschnittliche maximale Helligkeit von sehr guten 397 cd/m² und damit etwas mehr als der Vorgänger. Das ist wichtig, denn das Display spiegelt stark. Oberhalb des blinkwinkelstabilen IPS-Panels sitzen eine 5-Megapixel-Kamera und ein Infrarotmodell, beide zusammen dienen der biometrischen Authentifizierung per Windows Hello. Die rückwärtige 8- statt 5-Megapixel-Kamera hat nun einen Autofokus.

Das Surface Pro 4 ist das erste Gerät der Reihe mit einer Unterstützung für das neue Windows Hello - einer Funktion, die uns gut gefällt: Nach der Vergabe eines Passworts und einer PIN können wir unser Gesicht scannen lassen. Das klappt innerhalb weniger Sekunden. Auch zwei Gesichter - etwa mit und ohne Brille - merkt sich Windows Hello. Danach sucht auf dem Lockscreen ein stilisiertes Auge nach seinem Besitzer. Es reicht bereits, das Gesicht kurz dem Surface zuzuwenden, um sich in Sekundenschnelle einzuloggen.

Bei der Hardware gibt es auf den ersten Blick - nämlich Skylake statt Haswell - wenig Neues, bei der praktisch erreichbaren Leistung hingegen schon.

Mehr Leistung dank neuer Kühlung

In der aktuellen Surface-Pro-Generation verbaut Microsoft Prozessoren aus Intels Skylake-Generation. Das uns vorliegende Gerät ist mit einem Core i5-6300U ausgestattet. Der Chip verfügt über zwei CPU-Kerne, zwei weitere virtuelle steuert Hyperthreading bei. Die thermische Verlustleistung beziffert Intel mit 15 Watt, darin enthalten sind die CPU-Kerne, die Grafikeinheit HD Graphics 52 und der Low-Power-Chipsatz (der Platform Controller Hub, ein Sunrise Point LP).

Unter Last darf der Prozessor kurzzeitig mehr als 15 Watt Leistung aufnehmen und die thermische Trägheit der Kühlung ausnutzen. Wir messen Spitzen von bis zu 19 Watt. Im direkten Vergleich mit dem Core i5-4300U des Surface Pro 3 schneidet der neue Core i5-6300U besser ab, als es die offiziellen Taktraten vermuten lassen. Der 4300U ist ein Haswell-Modell mit 22-nm-Fertigung und einem Takt von 1,9 bis 2,6 GHz. Der 6300U mit Skylake- und 14-nm-Technik kommt auf 2,4 bis 2,9 GHz bei Last auf beiden Kernen. Das macht eine Differenz von 11 Prozent, im Cinebench R15 trennen aber beide Chips 20 Prozent.

Schon im Test des Surface Pro 3 kritisierten wir, dass der Core i5-4300U unter Last gedrosselt wird, damit er nicht überhitzt. Der neue Core i5-6300U hingegen ist dank 14-nm-Fertigung nicht von diesem Problem betroffen und hält unter Last auf beiden Kernen konstant 2,9 GHz. Erst wenn wir zusätzlich die Grafikeinheit nutzen, in unserem Beispiel per OpenCL im Luxmark, drosselt der Skylake-Chip auf 1,3 GHz und die iGPU auf 700 statt 1.000 MHz.

Erst passiv, dann leicht hörbar

Für Käufer bedeutet dies, dass das Surface Pro 4 bei Aufgaben wie Bildbearbeitung oder dem Rendern eines kurzen Videos deutlich zügiger arbeitet als das Surface Pro 3 von vergangenem Jahr. Die Kühlung ist erst nach einigen Minuten Last überhaupt hörbar, denn bevor der Lüfter anspringt, wird die Hardware lautlos von einer großen Kupferplatte auf Temperatur gehalten. Die Rückseite des Surface-Tablets heizt sich auf und wird handwarm.

Windows Hello provoziert im Dauerbetrieb übrigens eine recht hohe Hitzeentwicklung, so dass der Lüfter ständig läuft. Im Akkubetrieb sollte also eingestellt werden, dass sich das Display nach einigen wenigen Minuten abschaltet und mit ihm die biometrische Authentifizierung. Ein Knopfdruck reicht dann, um Windows Hello zu reaktivieren.

Gute Akkulaufzeit, aber Treiber-Pfusch

Bei der Akkulaufzeit gibt es zwei interessante Aspekte: Einerseits hat Microsoft die Displayauflösung verglichen mit dem Vorgänger erhöht, andererseits einen effizienteren Prozessor verbaut und die Akkukapazität leicht von 42,2 auf 38,2 Wh reduziert. Wir erreichen im Productivity-Test des Futuremark Powermark und einer normierten Helligkeit von 150 cd/m² eine Laufzeit von sechseinhalb Stunden und damit genauso viel wie beim Surface Pro 3.

Der Productivity-Test simuliert eine leichte Browserlast ohne Videos oder aufwendige Webseiten und stoppt, wenn die Akkukapazität bei 20 Prozent angekommen ist. Die lokale 720p-Version des H.264-codierten Films Sintel können wir im Flugzeugmodus rund zehn Stunden betrachten.

Das Firmware-Update vom 18. November 2015, was unter anderem den ACPI-Compliant Control Method Battery Driver betrifft, änderte an der Akkulaufzeit nichts. Im Redaktionsalltag mit Bildbearbeitung sowie Videodownloads und -uploads schaffte unser Microsoft-Testmuster zwischen vier und fünf Stunden. Nachmittags musste es also immer an die Steckdose. Das 31-Watt-Netzteil lädt das Surface Pro 4 in rund zweieinhalb Stunden wieder vollständig auf. Auf Reisen ist der im Netzteil integrierte USB-Typ-A-Port sehr praktisch, beim Surface mit Core M3 fehlt er aber.

Einen Fauxpas hat sich Microsoft beim neuen Surface Pro 4 allerdings geleistet: Die verbaute Samsung-SSD, eine PM951 in M.2-Kärtchenbauart, wird über die PCIe-Schnittstelle und mit dem NVMe-Protokoll angesprochen. Allerdings ist nur der generische Windows-Treiber installiert, weshalb es vorkommen kann, dass 4-KByte-Dateien extrem langsam gelesen und geschrieben werden. Der Samsung-Treiber für die 950 Pro schafft Abhilfe, der Samsung NVMe Driver Installer funktioniert auch mit dem PM951-Modell im Surface.

Abgesehen von diesem kleinen Problem liest das verbaute Solid State Drive ziemlich flott. Wir erreichen Transferraten von bis zu 1.500 MByte pro Sekunde. Die Schreibrate fällt mit bis zu 300 MByte pro Sekunde eher gering aus, hier wäre eine SM951-NVMe die bessere Wahl gewesen. Ärgerlich: In den US-Versionen des Surface Pro 4 steckt eine schnellere 256-GByte-SSD.

Daten gelangen mittels eines USB-3.0-Ports in Typ-A-Bauweise oder per Micro-SD-Kartenleser auf das Tablet, zudem hat Microsoft ac-WLAN 2x2 verbaut. Was weiterhin fehlt, ist ein LTE-Modem. Selbst optional bietet Microsoft keines an.

Type Cover, Verfügbarkeit und Fazit

Microsoft bietet für das Surface Pro 4 ein neues Type Cover an, das abwärtskompatibel zum Surface Pro 3 ist. Das aktuelle Type Cover verfügt über ein 40 Prozent größeres Clickpack, da Microsoft die Tastatur weiter nach oben geschoben hat - auf diese Idee hätte Redmond ja schon früher kommen können. Die Glasoberfläche ist sehr gleitfreudig, alle Eingaben werden präzise umgesetzt.

Die optional mehrstufig beleuchtete Tastatur weist die gleichen Maße wie bisher auf, die einzelnen Tasten aber sind geschrumpft und weisen nun die typischen Chiclet-Abstände auf. Das Tippgefühl ist vor allem mit abgewinkeltem statt flach liegendem Type Cover viel besser als zuvor, da Microsoft es steifer gestaltet hat. Selbst längere Texte wie dieser Test hier gehen angenehm von der Hand. Auf dem Schoß ist ein Surface Pro 4 mit Tastatur aber weiterhin eine Zumutung. Kurioses Detail: Bei unserem Type Cover ist die Beschriftung der beiden spitzen Klammern vertauscht, worauf wir in der Code-Ansicht unseres CMS beim manuellen Eintippen eines HTML-Codes aufmerksam wurden.

Verfügbarkeit

Microsoft verkauft das Surface Pro 4 in sechs Varianten. Die kleinste für 1.000 Euro nutzt einen passiv gekühlten Core M3 mit 4 GByte RAM und 128 GByte Flash-Speicher. Für 100 Euro Aufpreis verbaut Microsoft den schnelleren Core i5-6300 samt Lüfter. Sinnvoller ist das 1.450 Euro teure Modell mit Core i5, 8 GByte RAM und einer 256-GByte-SSD. In weiteren Modellen stecken ein Core i7-6650U mit flotter Iris statt HD Graphics, bis zu 16 GByte Arbeits- und bis zu 512 GByte Flash-Speicher. Der Preis liegt bei bis zu 2.450 Euro, ein Surface Pro 4 mit optionalem LTE-Modem gibt es nicht. Das neue Typ Cover, also die ansteckbare Tastatur, muss für 150 Euro zusätzlich erworben werden. Der Stift hingegen ist im Lieferumfang enthalten.

Fazit

Uns gefällt das Surface Pro 4 gut: Microsoft hat die Besonderheiten des Tablets weiter verbessert, um sinnvolle Neuerungen wie Windows Hello ergänzt und ist die meisten Kritikpunkte am Vorgänger, beispielsweise die Anstecktastatur, angegangen. An den prinzipiellen Vor- wie Nachteilen der Surface-Reihe ändert das aber nichts.

Maße und Gewicht des Surface Pro 4 entsprechen fast denen des letzten Modells, das Display aber löst dank schmaleren Rahmens höher auf und leuchtet auf Wunsch sehr hell. Das bekannte 3:2-Seitenverhältnis ist angenehm und die Touch-Funktion auch im Notebook-Betrieb wie gehabt oft nützlich. Die neue Option, sich per Windows Hello genannter Gesichtserkennung einzuloggen, finden wir klasse.

Der neue Skylake-Prozessor samt Speed Shifting und die überarbeitete Kühlung sorgen für messbar mehr Leistung, zudem kompensiert die gestiegene Effizienz die leicht reduzierte Akkukapazität. Die Laufzeit des Surface Pro 4 beträgt fünf (Redaktionsalltag) bis zehn (720p-Video) Stunden, also deutlich weniger als ein gutes Ultrabook. Das neue Type Cover hat ein viel größeres Clickpad als bisher und dank überarbeiteter Tasten ist das Tippgefühl weitaus besser.

Wen die Idee des Surface Pro 4 anspricht, der erhält mit dem von uns getesteten i5-Modell ein sehr gutes Tablet mit Tastatur. Aber: Wir möchten uns noch die günstigste Version mit dem Core M3 und 4 GByte RAM anschauen, die zwar weniger Leistung bietet, aber eine sehr viel längere Akkulaufzeit als die i5/i7-Varianten aufweisen soll.  (ms)


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