Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/ipad-pro-im-test-das-maler-ipad-1511-117444.html    Veröffentlicht: 13.11.2015 14:58    Kurz-URL: https://glm.io/117444

iPad Pro im Test

Das Maler-iPad

Mit dem iPad Pro hat sich Apple weiter vom alten 10-Zoll-Mantra entfernt und gleichzeitig erstmals einen aktiven Stylus für eines seiner Tablets veröffentlicht. Im Tablet steckt sehr schnelle und topaktuelle Hardware - aber eignet sich das Gerät tatsächlich als Laptop-Ersatz?

Oh, ein Laptop-Display! Angesichts der Größe des iPad Pro mag manchem Käufer dieser Gedanke kommen, wenn er Apples neues iPad auspackt. Apple hat sich mit dem neuen iPad Pro endgültig von der 10-Zoll-Maßgabe verabschiedet: Das iPad Pro ist nicht nur das größte Tablet, das Apple im Angebot hat, auch auf dem Markt gehört es zu den größten - nur wenige haben eine Displaydiagonale von mehr als 12 Zoll.

Gleichzeitig gibt es mit dem Apple Pencil erstmals einen aktiven Stylus. Zwar wird der verstorbene Apple-Chef Setve Jobs mit den Worten zitiert, niemand wolle einen Eingabestift, doch die Zeiten ändern sich, Techniken entwickeln sich weiter. Dass Styli eine gute Sache sind, hat spätestens Microsoft mit seinen Surface-Pro-Tablets bewiesen. Doch Apple wäre nicht Apple, würde es nicht behaupten, alles ganz anders zu machen.


Der Pencil soll völlig anders sein als andere Stifte, die optionale Tastatur natürlich auch. Und zusammen mit der guten Hardware sollen sie das iPad Pro zu einem wahrhaftigen Laptop-Ersatz machen - sagt zumindest Tim Cook. Golem.de hat sich das neue iPad genau angesehen und überprüft, auf wen diese Aussage zutrifft.

Zweimal so groß wie ein iPad Mini

Nachdem wir das iPad Pro aus der Packung genommen haben, müssen wir uns, wie bei anderen großen Tablets auch, erst einmal an die Größe gewöhnen. Ein Display von 12,9 Zoll erfordert natürlich ein merklich größeres Gehäuse als ein 10-Zoll-Tablet wie das iPad Air. Mit 306 x 220 x 7 mm ist das iPad Pro entsprechend groß, das Gewicht liegt bei 723 Gramm. Damit ist Apples neues Tablet definitiv kein Gerät, das man als Nutzer gerne länger in einer Hand halten möchte.

Das IPS-Display des iPad Pro ist größer als das eines Macbooks und fast so groß wie das des kleinsten Macbook Pro (13,3 Zoll). Die Auflösung ist mit 2.732 x 2.048 Pixeln hingegen höher als die des kleinen Macbook Pro, die Pixeldichte von 264 ppi ist höher als beim kleinen und großen Macbook Pro. Diese Pixeldichte ist verglichen mit kleineren Tablets merklich geringer, reicht aber aus, um ein scharfes Bild darzustellen. Beim genaueren Hinsehen sind allerdings bereits Treppeneffekte zu erkennen.

Display ist sehr blickwinkelstabil

Das Display des iPad Pro zeigt einen guten Kontrast sowie natürliche Farben und ist hervorragend blickwinkelstabil - wie bereits bei den iPhones aus diesem und dem vergangenen Jahr sehen Bildschirminhalte aus wie gedruckt. Zeigt das Tablet etwa eine digitale Zeitschrift an und liegt auf dem Tisch, ist es auf den ersten Blick tatsächlich mit einer echten aufgeschlagenen Zeitschrift zu verwechseln.

Präziser Apple Pencil

Auch technisch hat Apple das Display weiterentwickelt. So kann der Bildschirm die Aktualisierungsrate variabel einstellen: Passiert gerade nicht viel auf dem Display, wird die Rate heruntergeregelt. Apple zufolge soll dies die Akkulaufzeit verlängern. Neu gestalten musste der Hersteller den Aufbau des Displays natürlich auch wegen des Apple Pencils, dem ersten aktiven Eingabestift für ein iPad. Der Stylus wird nicht mitgeliefert, er muss separat gekauft werden.


Das iPad Pro erkennt den Apple Pencil aktiv, ähnlich wie es bei Microsofts Surface-Pro-Modellen oder Wacom-Tablets der Fall ist. Dementsprechend präzise ist diese Art der Stifteingabe und verschiedene Druckpunkte können erkannt werden. Beim Pencil wird zudem noch der Winkel erkannt, mit dem die Spitze des Stifts auf dem Tablet aufliegt. Das eröffnet gerade im künstlerischen Bereich neue Möglichkeiten, da so mit dem Pencil beispielsweise schraffiert oder unterschiedliche Pinselformen angewendet werden können. Andere aktive Styli können mit dem iPad Pro auch verwendet werden.

Apples Stylus ist gut ausbalanciert

Der Pencil liegt, verglichen mit anderen Stiften von Wacom oder Microsoft, deutlich besser in der Hand, da er ein angenehmes und gut verteiltes Gewicht hat. Er ist glatt und hat keine Knöpfe; auf den ersten Blick könnte man ihn tatsächlich mit einem Bleistift verwechseln. Einen Clip gibt es nicht - das stört zwar einerseits das Gesamtbild des Pencils nicht, führt aber dazu, dass der Stift auf glatten Oberflächen die Tendenz zum Wegrollen hat. Eine Anbringungsmöglichkeit am iPad Pro fehlt.

Einsatzmöglichkeiten für den Pencil sehen wir besonders im künstlerischen Bereich, also bei Zeichnungen, Skizzen, Entwürfen oder auch der Erstellung von 3D-Modellen. Aber auch bei der Fotoretusche macht der Pencil einen guten Job. Als Bedienungselement für die normale Navigation auf dem iPad Pro sieht Apple den Pencil explizit nicht: Nutzer sollen nur zum Stift greifen, wenn sie ihn wirklich benötigen. Im Hauptmenü und in den meisten Apps benötigen wir den Pencil tatsächlich nicht, wir finden die Bedienung mit ihm dort sogar umständlicher als mit dem Finger. Bei den Surface-Pro-Tablets unter Windows 8.1 war das mitunter noch anders.

Auch für Anwendungen wie Videoschnittprogramme brauchen wir den Pencil eigentlich nicht. Adobes mobilen Premiere-Ersatz Clips können wir ebenso gut mit dem Finger bedienen wie Apples eigenes mobiles Schnittprogramm iMovie. Texte handschriftlich mit dem Stift statt über die Tastatur einzugeben, ist auf dem iPad Pro nicht möglich.

30 Minuten Zeichnen in 15 Sekunden

Geladen wird der Pencil über den hinter einer magnetischen Kappe angebrachten Lightning-Anschluss. Innerhalb von einer Stunde soll er voll aufgeladen sein, eine Ladung soll Apple zufolge für eine durchgehende Nutzungszeit von zwölf Stunden ausreichen. Steckt der Nutzer den Stift nur 15 Sekunden an sein iPad Pro, soll dies bereits wieder für 30 Minuten Nutzungszeit reichen. Eine Ladeanzeige hat der Stift nicht. Alternativ können Nutzer den Pencil auch über ein Ladegerät aufladen, ein passender Adapter liegt dem Stylus bei.

Der Apple Pencil ist eine gute Erweiterung für das iPad Pro, allerdings tatsächlich nur für Nutzer, die entsprechende Verwendung dafür haben. Als Fingerersatz in den herkömmlichen Apps benötigen wir den Stylus nicht, und wer nur hin und wieder eine schnelle Notiz machen will, kann durchaus weiterhin den Finger verwenden. Gerade im künstlerischen Bereich hingegen bringt der Pencil in Verbindung mit guten Zeichen- und Retuschierprogrammen eine Menge: Der Stift ist sehr präzise und reagiert fein auf unterschiedliche Druckstufen und den Eingabewinkel. Damit kann er mehr als der Stift des Surface Pro 3.

Schneller A9X-Prozessor und 4 GByte Arbeitsspeicher

Dank der technischen Ausstattung des iPad Pro sind aufwendige Grafikprogramme oder Spiele kein Problem für das Tablet. Als SoC kommt der neue A9X mit zwei Kernen zum Einsatz, eine kräftigere Version des im iPhone 6S und iPhone 6S Plus verbauten A9. Dessen CPU-Kerne sollen die des im iPad Air verbauten A8X mit drei Kernen um den Faktor 1,8 schlagen, die neue Grafikeinheit soll doppelt so flott sein wie die bisherige. Zudem will Apple die Anbindung an den 4 GByte großen Arbeitsspeicher und an den 32 oder 128 GByte großen Flash-Speicher verdoppelt haben.


Mit dieser Ausstattung konnten wir bei keiner App Ruckler feststellen, auch mehrere geöffnete Anwendungen stellen das iPad Pro nicht vor Probleme. Ohne Schwierigkeiten lassen sich etwa mehrere 4K-Filme in iMovie bearbeiten. Die Leistungsfähigkeit des Prozessors und der Grafikeinheit wird auch von den Benchmark-Ergebnissen unterstrichen: Im Geräte-Benchmark Geekbench 3 erzielt das iPad Pro einen Single-Wert von 3.155 Punkten - ein unglaublich hoher Wert, verglichen mit den Einzelkernergebnissen anderer Prozessoren. Der Snapdragon 810 etwa kommt kalt gemessen im Nexus 6P auf 1.347 Zähler, was bisher als ein hoher Wert galt.

Bestergebnisse in den Benchmark-Tests

Auch im Grafik-Benchmark 3DMark erreicht das iPad Pro einen bisher von uns noch nicht bei einem Mobilgerät gemessenen Wert: Mit 33.024 Punkten liegt das neue Apple-Tablet über 7.500 Zähler über dem Nexus 6P mit seinem Snapdragon 810. Mit der Prozessorausstattung sollte das iPad Pro auf längere Zeit über genügend Reserven für anspruchsvolle Anwendungen verfügen.

Auch die restliche Hardware des iPad Pro bietet im Grunde keinen Anlass für Kritik: Das Tablet unterstützt WLAN nach 802.11a/b/g/n und ac, Bluetooth läuft in der Version 4.2. Wahlweise gibt es das iPad Pro auch mit zusätzlichem LTE-Modul, das 20 Frequenzbänder unterstützt. Wie die letzten iPads und iPhones verfügt auch das iPad Pro über einen im Home-Button untergebrachten Fingerabdrucksensor. Der eingebaute Akku hat eine Kapazität von 38,5 Wh und soll Apple zufolge für 10 Stunden gemischter Nutzung reichen. Ein Video können wir nur knapp 4,5 Stunden lang anschauen - kein guter Wert. Bei alltäglicher Nutzung kommen wir mit dem iPad Pro hingegen auf eine Akkulaufzeit von gut zwei Tagen.

Auf der Rückseite ist eine 8-Megapixel-Kamera eingebaut, die Frontkamera hat eine Auflösung von 1,2 Megapixeln. Da Fotoaufnahmen mit einem Tablet sowieso recht albern sind und erst recht mit einem 13-Zoll-Gerät, stört uns die Auflösung der Hauptkamera nicht; sie macht ausreichend gute Fotos. Angesichts der Tatsache, dass wir mit dem iPad Pro problemlos mehrere 4K-Videos auf einmal verarbeiten können, hätten wir allerdings eine entsprechende mögliche Videoauflösung gut gefunden. Die Kamera kann jedoch nur maximal 1080p-Videos aufnehmen.

Vier Lautsprecher für satten Klang

Das iPad Pro hat als erstes iPad vier Lautsprecher. Diese sorgen für einen voluminösen Klang, der besonders bei Filmen, Serien und Spielen Spaß macht. Egal, wie herum der Nutzer das Tablet hält, der Stereoeffekt wird immer beibehalten - das iPad Pro ordnet die richtigen Kanäle automatisch den passenden Lautsprechern zu. Die beiden unteren Lautsprecher sind dabei immer basslastiger als die beiden oberen.

Smart Keyboard mit gutem Anschlag

Dank der Größe des Displays ist die Bildschirmtastatur des iPad Pro fast so groß wie eine echte Tastatur - inklusive aller Sonder- und Satzzeichen. Wem das nicht reicht, der kann das optional erhältliche Smart Cover verwenden: Dieses kombiniert eine Schutzhülle mit einer vollwertigen Tastatur. Damit bietet Apple jetzt auch eine eigene Tastatur für ein iPad an. Nutzer von iPads benötigen jetzt also keine Tastaturen von Fremdherstellern mehr, um zu können, was mit Microsofts Surface-Pro-Tablets von Anfang an möglich war.


Wir konnten das Smart Keyboard kurz bei Apple ausprobieren, ein Testmuster für einen ausführlichen Test gab es noch nicht. Daher fällt unser Test diesbezüglich etwas kürzer aus und entspricht eher einem ersten Eindruck.

Tastatur und Cover in einem

Das Smart Keyboard sieht auf den ersten Blick aus wie ein herkömmliches Smart Cover, das zu zwei Dritteln etwas zu dick geraten ist. Hier drunter verbirgt sich die Tastatur, die im zugeklappten Zustand anders als bei den Surface-Pro-Tablets nicht direkt auf dem Display aufliegt. Stattdessen liegt sie mit der Rückseite nach unten auf dem Bildschirm, die Tastaturoberseite wird vom Cover verdeckt. Angeschlossen wird sie über den dreipoligen Smart Connector, drei Pins, die an der linken langen Kante des iPad Pro eingebaut sind. Diese übertragen Daten und Strom gleichzeitig - separat aufgeladen werden muss die Tastatur also nicht.

Das Smart Keyboard entspricht von der Größe her der Tastatur eines Laptops mit 13-Zoll-Display, ein Touchpad hat sie nicht. Die Tasten stecken unter einem beschichteten Stoff, der sich über die gesamte Oberfläche der Tastatur erstreckt - verschüttete Getränke sollen ihr dementsprechend nicht schaden. Vom Tippgefühl her kommt das Smart Keyboard einer "echten" Tastatur deutlich näher als die Tastatur des Surface Pro 3. Das liegt neben der passenden Größe auch daran, dass der Switch der Tasten vom Macbook 12 stammt. Der Anschlag ist aber weniger gedämpft als beim Macbook, was uns ganz gut gefällt.

Aufstellwinkel nicht variabel

So gut wir das Tippgefühl samt von App zu App verschiedenen Shortcuts finden, einen Nachteil hat das Smart Keyboard, der uns wirklich stört: Ist das iPad Pro mit der Tastatur verbunden und über die drei Flügel des Covers aufgestellt, lässt sich der Aufstellwinkel des Tablets nicht ändern. Das liegt am Mechanismus, der dem der normalen Smart Cover entspricht: Auch dort lässt sich der Winkel nicht ändern.

Sitzen wir an einem Schreibtisch, ist das nicht weiter dramatisch; sobald wir das Tablet aber etwa auf einem tieferen Tisch abstellen - beispielsweise einem Couchtisch - stimmt der Winkel nicht mehr. Wir haben dann das Bedürfnis, das Tablet wie den Bildschirm eines Laptops weiter nach hinten zu biegen, was hier allerdings nicht geht. Microsoft hatte dieses Problem bei seinen ersten Surface-Tablets ebenfalls, konnte es mittlerweile aber durch verstellbare Ständer lösen.

Wackelig auf dem Schoß

Ein weiteres Surface-Problem betrifft ebenfalls das iPad Pro: So sicher die Smart-Keyboard-Kombination auf einem Tisch ist, so wackelig ist sie auf dem Schoß. Bauartbedingt fehlt der Konstruktion einfach die Stabilität eines Laptops, weshalb auch beim iPad Pro der Schoßeinsatz zur Wackelpartie wird. Daran kann der Nutzer nichts ändern, Tim Cooks Vision des Laptop-Ersatzes rückt für uns angesichts dieses Umstandes allerdings bereits etwas in die Ferne.

Kein Laptop dank iOS

Noch ausschlaggebender dafür, dass das iPad Pro einen Laptop nicht ganz ersetzen kann, ist jedoch die Software. Ausgeliefert wird das iPad Pro mit iOS 9, das auf dem Tablet auch wie erwartet gute Dienste leistet. Wie bereits erwähnt, läuft es flüssig, und fast alle Apps lassen sich wie gewohnt zuverlässig mit dem Finger steuern. Zudem kommt die Multitasking-Funktion von iOS 9 auf dem iPad Pro richtig zur Geltung: Wischen wir bei der Benutzung einer App von rechts in das Display, können wir eine weitere Anwendung öffnen.


Die Trennlinie lässt sich verschieben, worüber sich die Platzverhältnisse der beiden Apps bestimmen lassen. Praktisch ist die Multitasking-Option beispielsweise beim Schreiben einer E-Mail, in die Informationen einer Internetseite oder anderen Quellen eingebaut werden sollen. Generell können wir uns viele Situationen im Produktivitätsbereich vorstellen, wo diese Funktion hilfreich ist.

iOS limitiert den Nutzer ab einem gewissen Zeitpunkt

Dennoch - iOS 9.1 ist ein mobiles Betriebssystem. Das bedeutet, dass es früher oder später die ihm eigenen Limitierungen aufzeigt. E-Mails schreiben, Videos gucken, im Internet surfen oder ein Foto mit Lightroom Mobile bearbeiten: Das kann das iPad Pro sehr gut. Sobald allerdings eine etwas professionellere oder auch nur intensivere Beschäftigung mit Aufgabenbereichen wie Bildbearbeitung, Videoschnitt oder auch CAD-Programmen erforderlich ist, erreicht das neue iPad seine Grenzen. So sehr beispielsweise Adobe mittlerweile seine Produktpalette mit App-Versionen seiner Anwendungen auf mobile Geräte angepasst hat: Ein Photoshop Fix ist kein Photoshop CC 2015, ein Adobe Clip ist kein Premiere, und ein iMovie ist kein Final Cut Pro. Beim Videoschnitt dürften Nutzer zudem mit maximal 128 GByte Flash-Speicher schnell Platzprobleme bekommen.

Auch im Bereich der CAD-Software gibt es Apps für iOS, aber auch hier dürften professionelle Nutzer eher auf das von ihrem "richtigen" Rechner gewohnte Programm zugreifen wollen. Das iPad Pro eignet sich im professionellen Bereich unserer Meinung nach eher als Zweitgerät, wenn etwa unterwegs schnell ein Filmprojekt zusammengeschnitten werden soll, um einen ersten Eindruck zu erhalten. Da auch Macbooks mittlerweile sehr flach, leicht und ausdauernd sind, bleibt natürlich die Frage offen, weshalb man nicht gleich ein solches Gerät nutzen sollte.

Gut für kreative Nutzer

Tim Cook hat im Gespräch mit dem britischen Telegraph erwähnt, dass das iPad Pro besonders im kreativen Bereich und bei Musik- und Filmkonsumenten einen Laptop ersetzen könne. Im gestalterischen Bereich - Zeichnungen, Skizzen und Malerei - stimmen wir dem Apple-Chef durchaus zu. Hier kommen dem Gerät die Touch-Steuerung und der gut reagierende Pencil zugute, die ein Cutter oder CAD-Programmierer schlicht nicht benötigt.

Bereits bei den Musik- und Filmkonsumenten kommen wir allerdings ins Grübeln: Brauche ich zum Musikhören ein iPad Pro? Wir denken nicht. Möchte ich mir auf einem Tablet einen Film ansehen? Zur Not ja, aber eigentlich finden wir einen Fernseher besser. Und unterwegs reicht uns zugegebenermaßen auch ein 10-Zoll-Tablet oder ein 13-Zoll-Notebook, an das wir einen Kopfhörer anschließen.

Das iPad Pro hat das "Pro" im Namen, aber Tim Cook selbst schränkt diesen professionellen Anspruch dem Telegraph zufolge bereits auf die beiden einzigen Nutzergruppen ein, die tatsächlich von den Funktionen des neuen iPads profitieren: Kreative und Filmliebhaber, die unterwegs möglichst einen großen Bildschirm vor sich haben wollen - wobei die zweite Gruppe für uns auch nur halb zählt. Wer in anderen Bereichen wirklich professionell mit dem neuen iPad arbeiten will, steht früher oder später vor dem gleichen Problem wie bei bisherigen iPads: dem Betriebssystem. Dazu kommt noch die Tastaturkonstruktion, die im Grunde nur auf Tischen stabil ist.

Verfügbarkeit und Fazit

Das iPad Pro kostet mit 32 GByte Speicher ohne LTE-Modul 900 Euro, die 128-GByte-Version ohne Mobilfunkmodem 1.080 Euro. Wer das Tablet mit LTE-Modem haben möchte, bekommt es ausschließlich mit 128 GByte Flash-Speicher und muss dafür 1.230 Euro zahlen.


Das Smart Keyboard soll innerhalb der nächsten Wochen verfügbar sein, es kostet zusätzlich 180 Euro. Der Apple Pencil ist für 110 Euro zu haben.

Fazit

Das iPad Pro ist zweifellos das aktuell leistungsfähigste Tablet auf dem Markt. Der verbaute A9X-Prozessor ist beinahe schon unverschämt schnell, die Konkurrenz im Mobilbereich kann hier nicht mithalten. Das Ergebnis ist ein absolut flüssig laufendes, schnelles Tablet, das auch mit rechenintensiven Anwendungen keinerlei Probleme hat.

Mit seinem 12,9 Zoll großen Display ist das iPad Pro sehr groß, für manche vielleicht zu groß. Die Vorteile des großen und sehr guten Displays liegen beispielsweise in einer guten Übersicht beim Browsen, dem Betrachten von Fotos und Videos und natürlich im App-Bereich.

Wer gerne zeichnet oder malt, wird die Genauigkeit, Druckempfindlichkeit und Winkelabhängigkeit des Apple Pencils zu schätzen wissen. Auch bei Fotobearbeitungen kann die feine Spitze des Stylus hilfreich sein. Wer keine künstlerische Ader hat, benötigt den Pencil hingegen eigentlich nicht.

Das Smart Keyboard ist hervorragend verarbeitet und eine sinnvolle Ergänzung für alle, die auch unterwegs schnell einen etwas längeren Text komfortabel schreiben wollen. Das Tippgefühl ist weitaus besser als bei Microsofts aktuellen Surface-Tastaturen. Ärgerlich sind der auf eine Einstellung limitierte Aufstellwinkel und das konstruktionsbedingte Wackeln auf dem Schoß.

Insgesamt ist das iPad Pro ein hervorragendes Tablet - aber ist es denn auch ein Laptop-Ersatz oder nicht? Wer nur surfen und E-Mails schreiben möchte, braucht tatsächlich keinen Laptop, sondern wäre mit dem iPad Pro glücklich. Die Frage ist nur: Warum sollte derjenige so viel Geld für ein iPad Pro ausgeben? Ein normales iPad Air ist günstiger und für diese Zwecke ebenso gut, und für den Preis des iPad Pro mit 128 GByte Speicher sind bereits hervorragende Business-Laptops erhältlich.

Bleiben die professionellen Nutzer. Hier sehen wir - wie Tim Cook selbst - den Fokus bei den Kreativen, die den Pencil verwenden können. Abseits davon werden professionelle Nutzer früher oder später an die Grenzen von iOS stoßen, das wegen seiner zugrundeliegenden Programmierung schlicht keine richtig professionellen, vollständigen Programme wiedergeben kann. Für Cutter, CAD-Programmierer und Fotografen wird das iPad Pro unserer Meinung nach immer nur ein Zweitgerät bleiben und kein vollwertiger Ersatz für ein Macbook Pro oder einen anderen leistungsstarken Laptop. Auch Kreative können je nach Workflow mit den Limitierungen von iOS zu kämpfen haben.

Microsoft hatte mit seinen Surface-Tablets das gleiche Problem: Die Geräte waren leicht und portabel, konnten aber keine x86-Anwendungen wiedergeben. Mit der Etablierung der Pro-Modelle mit vollwertigem Windows wurde dieses Problem beseitigt - ob Apple einen derartigen Schritt in Zukunft auch wagen wird, bleibt abzuwarten.

Nachtrag vom 23. November 2015, 15:13 Uhr

Mittlerweile haben wir unsere Akkutests abgeschlossen. Der Text wurde entsprechend ergänzt.  (tk)


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