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Rise of the Tomb Raider im Test

Lara und das ewige Leben im ewigem Eis

Zwei Jahre nach dem Neustart von Tomb Raider wagt sich Lara Croft ins nächste Abenteuer, diesmal auf der Suche nach dem ewigen Leben. Mit im Gepäck sind atemberaubende Actioneinlagen, wieder mehr Rätsel - und eine toll in Szene gesetzte Geschichte.

Der Tod des Vaters war für Lara Croft ein einschneidendes Erlebnis, das nun in Rise of the Tomb Raider im Mittelpunkt steht. Lara will die Forschungen ihres Vaters fortsetzen und macht sich daher auf die Suche nach dem Geheimnis der Unsterblichkeit. Allerdings hat sie dabei Konkurrenz: Die Trinity-Sekte mit einem finsteren Oberschurken als Anführer liefert sich mit Lara einen Wettlauf um die kostbaren Artefakte, der vor allem durchs kalte und an den Lebenskräften zehrende Sibirien führt.

Die Storypassagen sind spannend inszeniert und erinnern, vor allem durch die Szenen im Anwesen der Crofts, erneut stark an Indiana Jones. Allerdings verschenken die Entwickler dabei auch Potenzial: Die Schurken wirken wie aus dem Klischeebuch, und auch der Charakter von Lara hätte angesichts der zahlreichen Filmsequenzen mehr Tiefe bekommen können.

Dafür packt den Spieler das eigentliche Spiel von Beginn an: Bereits beim Prolog im Eis begeistert eine von zahllosen geskripteten Actionsequenzen, die in Sachen Dramatik auch das Potenzial zur Einführungssequenz eines James-Bond-Films hätte - inklusive hereinbrechender Lawinen, abstürzender Wege und gleich mehrfacher Rettungen in allerletzter Sekunde.

Auch wenn der Spieler fortan meist nur laufen, springen und im richtigen Moment die richtige Taste drücken muss, treiben solche Szenen, wie sie nicht selten vorkommen, den Adrenalinspiegel langfristig nach oben. Wer einmal durch einen zusammenbrechenden Stollen gehetzt oder vor aus allen Richtungen einbrechenden Feuersalven geflüchtet ist, wird diese Sequenzen nicht so schnell vergessen.

Im Vergleich zum direkten Vorgänger legt Rise of the Tomb Raider einen größeren Fokus auf einen ausgeglichenen Mix aus Klettern, Action und Rätseln. Lara muss also nicht nur an Vorsprüngen entlanghangeln, sich mit der Axt an Eiswänden hochziehen, an Seilen und Balken schwingen oder gutes Timing beim Sprung von Plattform zu Plattform beweisen.

Stattdessen kann sie auch mal längere Zeit in Ruhe knobeln - insbesondere in den umfangreichen Gruftpassagen. Die Rätsel orientieren sich an Genretypischem: Wasserpegel erhöhen oder absenken, Schalter finden, Wände aufbrechen, an Seilen baumelnde Objekte abschießen und dann benutzen. Richtig herausfordernd ist das alles nicht.

Adventure-Elemente und das Fazit

Der Schwierigkeitsgrad bei den Knobelaufgaben wird auch dadurch gesenkt, dass auf Wunsch angezeigt wird, welche Objekte genutzt werden können. Per Druck auf den rechten Stick ändert sich die Ansicht und nutzbare Gegenstände werden farblich hervorgehoben. Gleichzeitig wird auch vorgegeben, in welche Richtung sich Lara bewegen muss, wo also das nächste Ziel wartet.

Auch Kämpfe spielen wieder eine große Rolle, sowohl gegen gefährliche Tiere in der sibirischen Wildnis als auch gegen die zahlreichen Schergen von Trinity. Der Spieler hat hier allerdings durchaus Wahlmöglichkeiten, wie er vorgeht. Er kann schleichend und aus dem Versteck heraus agieren. Oder er kann die direkte Konfrontation suchen - und dann bestimmen, wann welche Waffe zum Einsatz kommt. Pfeil und Bogen findet Lara im Spielverlauf ebenso wie Schusswaffen und Granaten, womit sich etwa auch Explosionen in den Militärlagern im Wald auslösen lassen.

Rise of the Tomb Raider hat ein Crafting-System, das nicht so komplex ist wie in echten Action-Rollenspielen, aber durchaus Möglichkeiten zur Weiterentwicklung der Ausrüstung bietet. Lara kann Beeren und Holz einsammeln, Tiere erlegen und Vogelnester abschießen, um aus all diesen Gegenständen den Bogen immer weiter auszubauen, Giftpfeile und neue Granaten zu erstellen oder auch an ihrer eigenen Kleidung zu arbeiten.

Die Grafik von Rise of the Tomb Raider ist ein Genuss. Egal, ob Lara durch schweren Schnee stapft, während ihr weitere Flocken ins Gesicht wehen, ob sie die Aussicht auf eine Tempelanlage am anderen Ende einer Schlucht genießt oder mit stimmungsvollen Lichteffekten einer Fackel durch einen Tunnel läuft: Die Entwickler haben ganze Arbeit geleistet und bieten wunderschön anzusehende Szenerien mit zahlreichen Details .

Allerdings mit kleinen Einschränkungen: Die Zwischensequenzen ruckeln auch mal, und gelegentliches Kantenflimmern trübt die prinzipiell wunderschöne Sicht. Dafür ist auch Lara sehr glaubwürdig animiert - und wenn sie sich verletzt und sich frierend zum Feuer im eigenen Lager rettet, leidet der Spieler mit ihr.

Rise of the Tomb Raider erscheint am 13. November 2015 zunächst exklusiv für Xbox One und Xbox 360. Zum Test lag uns nur die One-Version vor - Aussagen zur Xbox-360-Fassung und deren Grafik können wir also keine treffen. Umsetzungen für Windows-PC und die Playstation 4 sollen 2016 folgen. Das Spiel hat eine USK-Freigabe ab 16 Jahren erhalten und kostet etwa 60 Euro.

Fazit

Das zweite Tomb Raider nach dem Serienneustart ist abwechslungsreicher als der Vorgänger. Lara Croft muss deutlich vielfältigere Herausforderungen bewältigen: Geschicklichkeit beim Klettern ist ebenso gefordert wie Denkvermögen beim Knobeln sowie der gekonnte Einsatz des Waffenarsenals bei den Kämpfen. Aber auch umsichtiges und lautloses Vorgehen sowie die Fähigkeit, in der kalten Wildnis zu überleben, gehören mit zum Abenteuer.

Filmreife Inszenierungen machen dabei genauso viel Spaß wie die Schauplätze im Wüstengebiet und im eiskalten Sibirien. Abzüge in der B-Note gibt es vor allem für die Charaktere in der Hintergrundgeschichte, die etwas Tiefgang vermissen lassen, und für einige Nebenmissionen, die sich arg in die Länge ziehen. Auch einige kleine Grafikfehler hätten nicht sein müssen. Das ändert aber wenig daran, dass Rise of the Tomb Raider beste Unterhaltung bietet: laut, rasant und stimmungsvoll.  (tw)


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