Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/black-ops-3-im-test-elitekrieger-in-der-baller-matrix-1511-117333.html    Veröffentlicht: 06.11.2015 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/117333

Black Ops 3 im Test

Elitekrieger in der Baller-Matrix

2015 ist für Call of Duty das Jahr der Kampagne: Einzelspieler erleben in Black Ops 3 die aufwendigsten und längsten Missionen seit langem. Dazu kommen die typischen Multiplayergefechte - und als Überraschung gibt es dann mehr Kämpfe gegen Untote als erwartet.

"Oh nein! Die Datenträger, sie sind weg!": Unsere computergesteuerte Kameradin ist fassungslos. Gerade noch war sie an Kämpfen mit Dutzenden von Toten beteiligt. Nun steht sie in einer Zwischensequenz von Black Ops 3 in einem Raum voller Leichen mit Folterspuren. Das große Entsetzen packt sie aber erst angesichts des Datendiebstahls. Auch wenn diese Stelle unfreiwillig ein bisschen komisch wirkt: Dass die Soldaten in der Zukunft auf Daten und andere Arten von modernster Technologie angewiesen sind, ist offensichtlich.

Die Kampagne des jüngsten Call of Duty spielt in den Jahren 2054 bis 2065. Das Zukunftsszenario ist schuld daran, dass der Hauptfigur gleich nach der ersten Mission von einem herzlosen Roboter vor laufender (Ego-)Kamera ein paar Gliedmaßen ausgerissen werden. Bei der anschließenden Operation bekommen wir dann neben Hightech-Prothesen auch einen Chip ins Gehirn implantiert. Durch den sind wir noch enger mit anderen Soldaten verbunden und können außerdem wie im Film Matrix in virtuelle Welten eintauchen.

Von diesen Möglichkeiten macht Black Ops 3 regen Gebrauch. So friert beim Training immer wieder die Umgebung ein, während uns ein Ausbilder ein paar Details zum Kampf und zur Weltlage erklärt. Außerdem können wir auf Knopfdruck einen taktischen Modus aktivieren, in dem wir Gegner orange markiert sehen - und zwar per Gehirn-Verlinkung auch dann, wenn sie nur im Visier eines unserer Mitstreiter sind.

Dank der technologischen Entwicklung gibt es außerdem einige an Zauberei oder Jedi-Kraft erinnernde Spezialfähigkeiten. Etwa die Fernsteuerung von Drohnen oder Robotern per Gedankenkraft sowie einen Nano-Schwarm, der sich auf Gegner in der Nähe stürzt und diese zu Tode piesackt. Diese Extras stehen allerdings nur gelegentlich zur Verfügung.

Die elf Missionen der Kampagne spielen vor allem in Ägypten, Singapur und Zürich - ortstypische Eigenheiten oder Gebäude sind leider noch weniger zu erkennen als in den Vorgängern. Trotzdem sind die Einsätze spannend und abwechslungsreich in Szene gesetzt. Es gibt Verfolgungsjagden per Kampfpanzer, einen Abstecher in einem Jet und einen Abschnitt, während dem ein Orkan und eine Sturmflut einen Großteil der Umgebung zerstören.

Die Missionen sind länger als in den Vorgängern, so dass die Kampagne auf eine Spielzeit von um die zehn bis elf Stunden kommt. Wer im höchsten der fünf zu Anfang bereitstehenden Schwierigkeitsgrade antritt, kann noch ein oder zwei Stunden dazuzählen - zumal zwar die meisten, aber nicht alle der Checkpoints fair gesetzt sind.

Unterschlupf statt Sandbox

Die Levels sind etwas offener als in den Vorgängern, aber ein echtes Sandbox-Gefühl haben wir dennoch nicht verspürt. Es gibt etwas größere Areale, und gelegentlich können wir uns für einen Weg linksherum oder rechtsherum entscheiden - allerdings sagt uns dann meist einer der KI-Mitstreiter an derartigen Stellen vorsorglich, dass alle Strecken zum Ziel führen. Die Entwickler von Black Ops 3 achten offensichtlich extrem darauf, der Kundschaft ganz genau mitzuteilen, was jeweils zu tun ist.

Neu in der Kampagne ist ein Unterschlupf. In den Räumlichkeiten dürfen wir uns vor den meisten Einsätzen schon mal vorbereiten und etwa neue Waffen oder Spezialfähigkeiten in einer Art Simulator ausprobieren. Dort können wir übrigens auch unser Geschlecht ändern: In Black Ops 3 dürfen wir zwischen den Missionen bestimmen, ob unser Alter Ego eine Elitesoldatin oder ein Elitesoldat ist.

Kleiner Vorteil bei der Wahl eines weiblichen Charakters: Ihre Stimme ist beim Funken besser von der ihrer meist männlichen Kollegen zu unterscheiden, was das Einordnen von Befehlen und der Story etwas einfacher macht. Sehr wichtig ist das allerdings nur selten, denn die Haupthandlung rund um verfeindete Machtblöcke und eine aus 54 Mitgliedern bestehende Geheimorganisation namens Immortals ist - typisch Call of Duty - wenig spannend und teils verwirrend in Szene gesetzt.

Wer mag, kann übrigens direkt zum Start der Kampagne jede Mission direkt aufrufen - was sich das Programm immerhin mit einigen Rückfragen ausdrücklich bestätigen lässt. Sinn dahinter ist wohl vor allem, dass Spieler im Koopmodus ihre Lieblingseinsätze in jedem Fall auswählen können. Denn das ist eine der vielen Neuerungen von Black Ops 3: Ähnlich wie in Halo 5 dürfen Spieler mit bis zu drei Onlinekumpels in der Kampagne zusammen antreten.

Nett: Wer die Kampagne durchgespielt hat, kann sie in einem sechsten, ebenfalls neuen Alptraum-Modus mit Zombies statt Robotern oder Soldaten ein zweites Mal durchspielen. Die vom Programm vorgeschlagene Abfolge der Missionen ist dann anders - die von einer weiblichen Stimme erzählte neue Handlung ergibt trotzdem halbwegs Sinn.

Für Fans des Untoten-Szenarios - eines der Markenzeichen des diesmal zuständigen Entwicklerstudios Treyarch - gibt es außerdem eine in einem Film-noir-Szenario angesiedelte Minikampagne namens Shadow of Evil. Die ist mit allerlei mehr oder weniger lustigen Gags wie Kaugummikugel-Geschossen oder der Verwandlung in ein Tentakelmonster in Szene gesetzt und ebenfalls für bis zu vier Spieler gleichzeitig ausgelegt.

Dazu kommt natürlich noch der gewohnt umfangreiche Multiplayermodus mit Team Deathmatch, Uplink, Capture the Flag und mehr. Elemente wie das Pick-10-System hat Treyarch beibehalten, größte Neuerung sind die Spezialisten - letztlich steckt dahinter ein Klassensystem mit leicht übernatürlich anmutenden Spezialfähigkeiten wie partieller Unverwundbarkeit, Blitzen und Energiewellen. Im Multiplayermodus wie in der Kampagne können wir übrigens ein paar neue Bewegungsmöglichkeiten verwenden, etwa das Laufen an Wänden, was ziemlich gut umgesetzt ist.

Fehler im System und das Fazit

Zum Test lag uns die momentan aktuellste Version 1.02 für die Playstation 4 vor. Die Fassung hatte in den Menüs mit kleineren Fehlern zu kämpfen. Mal wollte das Programm partout nur im Lokalen Modus starten, und der eigentlich mögliche Splitscreen ließ sich gar nicht nutzen. Außerdem gibt es in einigen Menüs keine Möglichkeit, auf den Bildschirm davor zurückzukehren - Profis wie Treyarch sollte so etwas eigentlich nicht passieren. In den Missionen oder Multiplayergefechten selbst sind uns aber keine Fehler aufgefallen.

Black Ops 3 ist für Windows-PC, Xbox 360 und One sowie für Playstation 3 und 4 erhältlich. Alle Versionen kosten um die 60 Euro. Vom Kauf der Fassung für die alte Konsolengeneration (Xbox 360 und Playstation 3) raten wir allerdings ab, weil dort die Kampagne fehlt. PC-Spieler haben dafür langfristig Vorteile: Laut Activision sollen Nutzer wohl Anfang 2016 die Möglichkeit bekommen, Multiplayerkarten und Spielmodi selbst zu erstellen. Zudem sollen Unranked-Dedicated-Server-Dateien integriert werden, so dass Spieler modifizierte Inhalte spielen können, wo sie wollen. Auch ein Unranked-Server-Browser soll noch bereitgestellt werden.

Der Season Pass kostet 50 Euro, er soll vier Downloaderweiterungen mit Multiplayerinhalten enthalten, darunter Neuauflagen beliebter Maps aus World of War und früheren Black Ops. Die DLCs sind für die Playstation 4 zuerst verfügbar, für Xbox 360 und PS3 hingegen gar nicht. Black Ops 3 erscheint in Deutschland aufwendig lokalisiert, inhaltliche Änderungen gegenüber dem US-Original gibt es laut Activision keine. Die USK hat eine Altersfreigabe ab 18 Jahren erteilt.

Fazit

Wer sich seit Jahren darüber beschwert, dass sich die Entwickler von Call of Duty so stark auf die Multiplayermodi konzentrieren, für den dürfte Black Ops 3 ein kleines Freudenfest wert sein. Die Missionen sind nicht nur lang und umfangreich, sondern vor allem gut. Zwar wirken die Umgebungen nur minimal offener als die Schlauchlevel der vergangenen Serienteile. Aber immerhin, ein bisschen freier fühlt sich das Ganze schon an.

Vor allem aber bietet die Kampagne auch erfahrenen Elitesoldaten zumindest im ersten Durchgang viele Überraschungen und Wow-Momente, wenn Naturkatastrophen im Kampfgebiet toben und ganze Häuser einstürzen. Sogar die Hintergrundgeschichte wartet mit ein paar spannenden Details und Überlegungen rund um Technologie auf - eine inhaltlich nachvollziehbare Handlung oder gar spannende Figuren bietet sie aber wieder nicht.

Der Multiplayermodus ist trotz ein paar Neuerungen ähnlich gut wie in den vergangenen Jahren, der Zombiemodus allein schon aufgrund seines Umfangs viel besser. An alle, die immer wieder neu überlegen, ob sie Call of Duty eine Chance geben sollen: Bei Black Ops 3 lohnt es sich, allerdings nur mit neuen Konsolen oder dem PC. Von der Fassung für die alte Generation sollten Spieler die Finger lassen.  (ps)


Verwandte Artikel:
Call of Duty WW2 im Test: Der Zweite Weltkrieg als Ballerbude   
(06.11.2017, https://glm.io/130974 )
Call of Duty: Black Ops 2 wohl bestverkauftes Spiel 2012   
(26.11.2012, https://glm.io/95924 )
Metal Gear Survive im Test: Himmelfahrtskommando ohne Solid Snake   
(23.02.2018, https://glm.io/132956 )
Call of Duty: Black Ops 3 erscheint ungeschnitten und mit Originalsprache   
(01.10.2015, https://glm.io/116618 )
Action: Black Ops 4 und The Division 2 angekündigt   
(09.03.2018, https://glm.io/133235 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/