Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/mozilla-firefox-42-erscheint-mit-schutzschild-gegen-tracking-1511-117265.html    Veröffentlicht: 03.11.2015 15:00    Kurz-URL: https://glm.io/117265

Mozilla

Firefox 42 erscheint mit "Schutzschild" gegen Tracking

Der private Modus in Firefox 42 enthält einen Trackingschutz, der laut Firefox-Chef Mark Mayo "alles blocken" soll, was Nutzer verfolgen kann. Die neue Browser-Version vereinfacht den Umgang mit Passwörtern, kann Tabs stumm schalten und bietet einen halb-offiziellen 64-Bit-Build für Windows.

Aus den Rückmeldungen vieler Tester von Alpha- und Nightly-Versionen des Firefox schloss das Entwicklerteam bei Mozilla, dass die Nutzer des Browser sich mehr von dessen privatem Modus erhofften als dieser bisher geboten hatte. Deswegen verfügt die nun veröffentlichte Version 42 über einen automatisch aktivierten Trackingschutz im privaten Modus des Browser. Zu dessen Funktion sagte der Firefox-Chef Mark Mayo im Gespräch mit Golem.de: "Es wird alles geblockt, was von einer fremden Domain geladen wird und in der Lage dazu ist, Profile zum Verfolgen der Nutzer zu erstellen".

Nicht als Werbeblocker gedacht

Damit stehe ein "deutlicher Schutzschild für die Privatsphäre" bereit, "um sich zu verstecken". Blockiert werden von dem Browser dafür etwa eingebundene Analysewerkzeuge, die Schaltflächen für soziale Netzwerke oder auch bestimmte Werbeformate, wobei der Großteil der derzeit im Netz ausgespielten Werbung nicht geladen wird, weil diese Nutzer verfolgt.

Mayo stellte dazu allerdings fest: "Werbenetzwerke, die sich an die Anweisung des Do-Not-Track-Headers halten, werden nicht geblockt". Wie das Unternehmen in der Vergangenheit bereits mehrfach mitgeteilt hat, gehe es nicht darum, jegliche Werbung zu blockieren, sondern die Bedürfnisse der Nutzer zu adressieren. Dementsprechend würden nur Inhalte geblockt, welche die Privatsphäre der Nutzer einschränken.

Für die Technik arbeitet Mozilla mit dem US-Unternehmen Disconnect zusammen, das eigenen Aussagen zufolge "Online-Datenschutz" bietet und seinen Code frei zur Verfügung stellt. Dem Wall Street Journal sagte dessen Geschäftsführer, am liebsten gar keine Werbung blocken zu wollen, da die Einkünfte aus Werbung essenziell für viele Unternehmen seien. Werbung müsse dabei aber nicht die Privatsphäre und Sicherheit der Nutzer verletzen.

Einfach steuerbare Option

Ist die Funktion aktiviert, zeigt der Browser einen kleinen stilisierten Schutzschild neben der URL-Leiste, ähnlich dem bekannten Schloss für HTTPS-Verbindungen. Ein Klick auf das Symbol ermöglicht die Steuerung der Komponente für einzelne Webseiten. Umfassend an- und abgeschaltet werden kann die Option in den Datenschutzeinstellungen des Browsers, das Verhalten lässt sich ebenso in about:config mit den Optionen privacy.trackingprotection.* steuern. Einen Überblick über die herausgefilterten und geblockten Inhalte zeigt der Sicherheitstab der Webkonsole.

Ob der Trackingschutz mittelfristig auch in dem Standardmodus zum Browsen umgesetzt werden wird, ist derzeit noch unklar. "Wir müssen sehen, wie und ob wir über den privaten Modus hinausgehen", kommentierte Mayo. Pläne und Ideen dafür gebe es aber bereits, wie etwa die Möglichkeit, verschiedene Filterlisten zu benutzen oder "besser darzustellen, was passiert".

Hauptziel einer eventuellen Umsetzung des Trackingschutzes im Standard-Modus des Browsers müsse es laut Mayo aber sein, zu vermeiden, dass sich das Web für Nutzer schlecht anfühle. Zurzeit blockiert der Trackingschutz auch Schaltflächen von sozialen Netzwerken, die für einige Nutzer aber wichtiger Bestandteil der eigentlichen Webnutzung sind.

Hilfreiche Details zur Bedienung, 64-Bit-Anfänge und Firefox-OS-Simulationen

Zu den Neuigkeiten in Firefox 42 gehört eine nützliche Kleinigkeit, die so ähnlich auch schon bei der Konkurrenz zur Verfügung steht: Ein kleines Lautsprecher-Symbol zeigt nun an, dass in einem Tab Audio-Daten abgespielt werden. Per Klick darauf kann die Ausgabe stumm geschaltet werden.

Darüber hinaus hat das Entwicklerteam weitere Details zur Unterstützung von WebRTC hinzugefügt. So kann nun auch IPv6 für die Verbindungen der Kommunikation genutzt werden. Zusätzlich dazu können Erweiterungen nun besser mit WebRTC umgehen, und Chatanwendungen haben eine bessere Kontrolle darüber, welche Geräte zur Übertragung verwendet werden.

Standardmäßig aktiviert sind nun auch die sogenannten Media Source Extensions (MSE) für HTML5-Videos auf allen Seiten. Zuvor pflegte das Team eine Whitelist, um die Technik zu testen. Mit Hilfe der MSE ist kann unter anderem beim Streaming von Videos deren Bitrate variabel angepasst werden.

Leichterer Umgang mit Passwörtern

Verbessert worden sind auch die Heuristiken zum Speichern von Nutzernamen und Passwörtern. Die Login-Daten können nun außerdem über das Kontextmenü kopiert und eingefügt werden. Um Fehler bei der Eingabe leichter zu korrigieren, kann über das Kontextmenü direkt in die Übersicht der gespeicherten Passwörter gewechselt werden. Diese war bisher etwas versteckt in den Einstellungen zu finden.

In der aktuellen Version des Browsers lassen sich die Logindaten dort nun auch in den entsprechenden Feldern direkt bearbeiten. Zuvor war es lediglich möglich, die Daten zu entfernen und später bei einem Login erneut zu speichern oder diese beim Login von dem Passwortassistenten überschreiben zu lassen. Der Migrationsassistent ermöglicht zudem den Import der Passwörter unter Windows aus Chrome und dem Internet Explorer.

Windows 64-Bit stabil, aber nicht offiziell

In den Archiven von Mozilla findet sich nun auch ein stabiler Build der 64-Bit-Version des Browsers für Windows. Offiziell über die Webseiten verteilt wird dieser aber nicht. Mayo erklärte dieses Vorgehen damit, dass noch nicht alle Erweiterungen gut mit dem 64-Bit-Build laufen. Zumindest das automatisch installierte DRM-Modul von Adobe konnten wir aber problemlos nutzen. Einige kleinere Macken könnten trotzdem noch auftreten.

Ein weiterer Grund für das vorsichtige Ausrollen der 64-Bit-Variante ist Mayo zufolge, dass über einen eventuellen Upgradepfad für Nutzer von 32-Bit auf 64-Bit noch nicht entschieden sei. Überlegt werde etwa, ob eine Zwangsumstellung geschehe, falls ein 64-Bit Windows genutzt wird, oder ob den Anwendern der Wechsel nur empfohlen wird.

Neuerungen für Entwickler

Viele Webentwickler dürften sich über die Möglichkeit freuen, den Quellcode einer Seite in einem Tab anzeigen lassen zu können, statt wie bisher in einem extra Fenster. Zum Debuggen mit Firefox für Android kann nun auch WLAN genutzt werden. Bisher musste das mobile Gerät noch per USB angeschlossen werden.

Deutlich erweitert hat Mozilla außerdem die Simulation von Firefox OS in der WebIDE des Firefox. Damit lassen sich nun verschiedene Referenzgeräte des Betriebssystems simulieren - also Smartphones, Tablets oder auch Fernsehgeräte.

Firefox 42 steht zum Download über die Archiv-Server von Mozilla bereit.  (sg)


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