Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/kernel-linux-4-3-erscheint-ohne-ext3-treiber-1511-117235.html    Veröffentlicht: 02.11.2015 08:06    Kurz-URL: https://glm.io/117235

Kernel

Linux 4.3 erscheint ohne Ext3-Treiber

Der alte native Treiber für das Dateisystem Ext3 steht nicht mehr in Linux 4.3 bereit, dafür haben die Entwickler den emulierten 16-Bit-Modus behalten. Zudem unterstützen die Grafiktreiber von Intel und AMD die jeweils aktuelle Hardware-Generation der Hersteller, wenn auch teils mit Abstrichen.

Mit dem nun veröffentlichten Linux 4.3 steht der Code des nativen Treibers für das Dateisystem Ext3 endgültig nicht mehr zur Verfügung. Dazu ließ sich Chefentwickler Linus Torvalds in der Entwicklungsphase bestätigen, dass das Dateisystem weiterhin vom Treiber des Nachfolgers Ext4 unterstützt werde. Wegen seiner Robustheit kommt es vielerorts noch immer zum Einsatz, obwohl oder gerade weil es seit 2001 im Einsatz ist. Größter Vorteil gegenüber den noch älteren Vorgängern ist die Journaling-Funktion, bei der Änderungen am Dateisystem als Metadaten festgehalten werden.

Bei der Verwendung des Ext4-Treibers für Ext3-Dateisysteme sollten sich die Festplatten problemlos einhängen lassen. Dabei profitieren diese sogar von neueren Funktionen wie dem verbesserten Algorithmus zur Dateiblockzuweisung, was die Leistung ein wenig steigern sollte. Einige Funktionen von Ext4 erfordern allerdings eine Neuformatierung und können deshalb nicht mit dem alten Dateisystem genutzt werden. Die Vorgehensweise, den neueren Treiber für das ältere Dateisystem zu verwenden, wird inzwischen von den meisten großen Distributionen umgesetzt.

Besseres Trimming

Beim Dateisystem Ext4 dürfen Nutzer jetzt selbst die Größe der zu löschenden Dateifragmente bestimmen. Bislang wurde der Wert anhand der maximalen Obergrenze der Trim-Funktion der jeweiligen SSD (Solid State Disk) bestimmt. Da dieser aber oftmals zu hoch ist, kann es zu erheblichen Verzögerungen beim Trimmen kommen, bei dem ungenutzte oder ungültige Datenblöcke zur späteren Wiederbeschreibung markiert werden. Mit der jetzt beschreibbaren Option discard_max_bytes lässt sich der maximale Wert händisch herabsetzen. Die Entwickler wollen demnächst einen sinnvolleren Standardwert ermitteln.

Beim Dateisystem Btrfs wurde ebenfalls am Trim-Befehl gearbeitet. Die jetzt eingereichten Patches sollen Trimming in einigen ausgefalleneren Szenarien ermöglichen. Zudem wurden Fehler im Raid5- beziehungsweise im Raid6-Code von Btrfs behoben, die auftraten, wenn Geräte aus einem solchen Raid-Verbund entfernt wurden.

Im Treiber für das F2FS-Dateisystem wurde eine neue Funktion eingebaut, über die Anwendungen künftig Aufräumarbeiten anstoßen können. Zudem wurden die Speicherverwaltung und das Zwischenspeichern von Bereichen zusammenhängender Blöcke, den sogenannten Extents, verbessert. Letzteres wird jetzt standardmäßig beim Einbinden des Dateisystems aktiviert.

Schnellerer Start

Zu etwas Aufregung führten Patches, die die Startzeiten von Linux auf x86-Systemen verbessern sollen. Sie optimieren in erster Linie die CPU-Last auf Mehrkernsystemen (Symmetric Multi-Processing, SMP). Neben Aufräumarbeiten am Code wurden mehrere Verzögerungen entfernt, die als überholt gelten. Code-Maintainer Ingo Molnar bittet darum, während der Testphase auf mögliche Auswirkungen zu achten, obwohl seine Tests bislang keine negativen Folgen gezeigt haben.

Grafik und Netzwerk

Im Bereich Grafik erlebte der Treiber von Intel die wohl größten sichtbaren Änderungen. Nach diversen Aufräumarbeiten gilt der Code für Intels Skylake-Reihe jetzt als stabil und wird standardmäßig aktiviert. Allerdings müssen die Linux-Distributionen noch diverse weitere Treiber nachreichen, damit die Unterstützung vollständig funktioniert. Zudem werden die sogenannten Atomic-Mode-Settings unterstützt, die für effizientere automatische Bildschirmauflösungen durch die Kernel-Treiber sorgen sollen. Der Code gilt aber als noch nicht ganz ausgereift und wird erst in späteren Versionen des Treibers standardmäßig aktiviert, wie Entwickler Daniel Vetter in seinem Blog schreibt. Nebenbei wurde auch die Komprimierung des Bildspeichers auf Grafikkarten optimiert.

Im Zuge des in Linux 4.2 eingereichten neuen Amdgpu-Treibers wurde für den kommenden Linux-Kernel erster Code integriert, der AMDs neuen Grafikchip R9 Fury unterstützen soll. Allerdings muss auch dessen Unterstützung manuell aktiviert werden, weil sich bislang die Geschwindigkeitsstufe nicht anpassen lässt und die 3D-Funktionen nicht ausreichend umgesetzt werden können. Die von den Nouveau-Entwicklern für Linux 4.3 angekündigten großen Änderungen betreffen in erster Linie eine grundlegende Umgestaltung und Optimierung des Codes. Sie sollen die Basis für künftige Verbesserungen liefern.

IPv6 standardmäßig aktiv

IPv6 wird jetzt standardmäßig im Linux-Kernel aktiviert, da sich der Nachfolger des IPv4-Netzwerkprotokolls inzwischen weitgehend etabliert hat und immer mehr Verbreitung findet, wie Entwickler Tom Herbert in dem Changelog schreibt. Unterstützung für IPv6 gibt es unter Linux allerdings schon seit Jahren. Wenig dokumentiert ist der von Thomas Graf integrierte sogenannte Lightweight Tunnel. Das neue Netzwerkprotokoll soll laut Changelog die einfache Kapselung des Datenverkehrs in virtuellen Netzwerken ermöglichen und so etwa virtuelle Ports von Open vSwitch (OVS) als native Netzwerkgeräte darstellen können. Nebenbei erhielt das OVS-Subsystem ein neues Modul, über welches das virtuelle Netzwerk auf die Verbindungsanalysewerkzeuge des Kernels zugreifen kann.

Mit den sogenannten Ambient Capabilities soll es künftig möglich sein, spezifische Root-Rechte an Anwendungen zu übergeben, die als einfacher Benutzer gestartet werden. Entwickler Andy Lutomirski führte dazu eine fünfte Capabilities-Maske ein, über die der Kernel die Rechte eines Prozesses prüft, die sogenannte Ambient Mask. So können beispielsweise Benutzerrechte an ansonsten privilegierte Anwendungen vererbt werden, etwa Netzwerkdienste. Bestehende Sicherheitsbarrieren wie Setuid oder Setgid ließen sich aber dadurch nicht aushebeln, schreibt Lutomirski in seiner ausführlichen Beschreibung des Patches. Ein Artikel bei LWN erklärt zudem die Evolution und die Problematik der Neuerung.

VM86 bleibt, Kdbus ist noch nicht dabei

Diskussionen gab es über die Entfernung des virtuellen 8086-Modus (VM86). Nachdem sich zahlreiche Entwickler dagegen ausgesprochen hatten, entschied Torvalds, die Funktion beizubehalten. VM86 stellt einen 16-Bit-Modus zur Verfügung. Ähnlich funktionierte diese Emulation, die früher für 386-Prozessoren entwickelt wurde, noch unter Windows 95, 98 und ME. Sie erlaubt, Real-Mode-Anwendungen unter einem Protected-Mode-Betriebssystem zu verwenden. Grund für die Entfernung des Codes sind vor allem Sicherheitsbedenken. Torvalds schlug jetzt vor, den Parameter für die Speicheradressierung so zu setzen, dass VM86 standardmäßig unbrauchbar werde. Die meisten Distributionen haben ohnehin selbst höhere Werte gesetzt. Auswirkungen auf Dosemu sollen die Änderungen aber nicht haben.

Wieder nicht in die aktuelle Linux-Version aufgenommen wurde die umstrittene Interprozesskommunikation Kdbus. Die genauen Gründe dafür sind nicht bekannt. Vergangene Woche kündigte der Kernel-Maintainer von Fedora Josh Boyer jedoch an, Kdbus aus dem experimentellen Rawhide-Zweig der Distribution zu entfernen. Mit diesem Schritt beruft sich Boyer auf die Entwickler von Kdbus, welche die Technik wohl noch einmal einer größeren Umgestaltung unterziehen wollen.

Der Quellcode von Linux 4.3 kann auf der Webseite kernel.org heruntergeladen werden.  (jt)


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