Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/zotac-steam-machine-im-test-valve-hat-sich-vorerst-uebernommen-1511-117233.html    Veröffentlicht: 19.11.2015 12:05    Kurz-URL: https://glm.io/117233

Zotac Steam Machine im Test

Valve hat sich vorerst übernommen

Aktuelle Hardware mit 4K-Support plus SteamOS: Die Steam Machine von Zotac ist technisch top. Ältere wie neue Spiele laufen unter dem Linux-Derivat aber meist langsamer als unter Windows 10 und leiden unter forciertem Vsync. Beides dürfte sich künftig ändern.

Vor über dreieinhalb Jahren gab es die ersten Gerüchte über eine Steam-Konsole von Valve, dann wurde sie um gut ein Jahr verschoben. Doch jetzt ist es so weit: Die ersten Steam Machines samt Steam Controller sind im Handel erhältlich. Zusammen sollen sie Konsolen-Feeling ins Wohnzimmer bringen, allerdings anders als eine Playstation 4, eine Xbox One oder ein Windows-PC: Valve setzt auf eine eigene Linux-Distribution namens SteamOS und den Steam Controller. Der dient als Gamepad, kann aber auch zur Steuerung von PC-Spielen verwendet werden, die eigentlich für Maus und Tastatur ausgelegt sind.

Wie gut das klappt, zeigt der Test des Steam Controllers - in diesem Artikel aber geht es um eine Steam Machine, genauer die SN970 von Zotac. Die misst kompakte 210 x 203 x 62 mm und weist damit ein Volumen von 2,6 Litern auf. Zum Vergleich: Die Playstation 4 kommt auf ein Volumen von 4,5 und die Xbox One auf eines von 7,6 Litern. Wie bei der Microsoft-Konsole ist bei Zotacs Steam Machine das Netzteil extern. Es liefert 180 Watt und wird passiv gekühlt.

Die SN970 hat vier HDMI-2.0-Ausgänge, zwei USB-2.0- und drei USB-3.0-Ports, einer davon in Typ-C-Ausführung, und obendrein einen Kartenleser. Die Einrichtung der Steam Machine ist denkbar einfach: Netzteil und gegebenenfalls ein Ethernet-Kabel mit dem Gigabit-Port verbinden, den USB-Dongle des Steam Controllers einstecken und einschalten. Den LED-Ring rund um den Power-Knopf empfinden wir übrigens im dunklen Wohnzimmer als etwas zu grell. Wer möchte, startet die Steam Machine auch per Druck auf den Steam-Button auf dem Controller. Das klappt auch für den Neustart oder das Abschalten.

Puristisches Konsolen-Feeling

Der Boot-Vorgang dauert 47 Sekunden, dann loggt sich die SN970 automatisch in den aktiven Steam-Account ein. Dieser ist bei der Ersteinrichtung neben der ac-WLAN-2x2-Verbindung das Einzige, was der Nutzer einstellen muss. Sind mehrere Accounts gespeichert, wechseln wir per Knopfdruck zwischen diesen. Einmal eingeloggt, landen wir im altbekannten Big Picture Mode, denn: Eine Steam Machine ist anders als eine echte Konsole abseits von einem Webbrowser rein für Spiele - egal ob alleine oder zu mehreren - ausgelegt.

Es gibt keinen Appstore, jegliche Anwendungen wie Netflix oder Spotify fehlen und MP4-Filme von einem USB-Stick können nicht wiedergegeben werden, wohl aber MP3-Musik. Abseits der Spielebibliothek gibt es zudem die Möglichkeit, Soundtracks von gekauften Steam-Titeln abzuspielen, etwa den tollen OST von Trine 2. Alle Spiele müssen heruntergeladen werden, ein Disc-Laufwerk gibt es nicht. Bei Titeln wie Shadow of Mordor (44 GByte) kann das je nach Internetleitung einige Stunden dauern. Ärgerlich: Wir finden anfangs in den Optionen keinen Menüpunkt, der zeigt, wie viel Speicherplatz auf der 1-TByte-HDD der Steam Machine noch frei ist.

Die Festplattenverwaltung wurde erst am 16. November per SteamOS-Update nachgeliefert. Das Betriebssystem prüft im Hintergrund, ob Aktualisierungen verfügbar sind, und informiert den Nutzer mittels einer Einblendung im Big Picture Mode. Nach einem Neustart oder wenn die Steam Machine heruntergefahren wird, aktualisiert sich das System selbstständig wie eine Konsole. Eine manuelle Installation von Treibern ist nicht notwendig.

Welche Spiele auf der Zotac Steam Machine laufen, hängt von mehreren Faktoren ab.

Ausbaufähige Spieleunterstützung

Um überhaupt verfügbar zu sein, muss der jeweilige Titel bei Steam angeboten werden und SteamOS unterstützen. Damit fallen offiziell jegliche Spiele von Blizzard, Electronic Arts und Ubisoft (bis auf Grow Home) weg - etwa Assassin's Creed Syndicate, Diablo 3, Need for Speed oder Star Wars Battlefront.

Einzig eine Installation über das im Hintergrund des Big-Picture-Modus laufende SteamOS und das Hinzufügen in die Steam-Bibliothek sind möglich, dann aber fehlt die Unterstützung des Steam-Controllers. Stattdessen müssen ein Xbox-Pad oder Maus und Tastatur verwendet werden, womit sich der Sinn einer vorkonfigurierten erworbenen Steam Machine quasi erledigt.

Gesetzt den Fall, SteamOS und Steam werden unterstützt, entscheidet schlicht der Umfang der gekauften Spiele, welche vorhanden sind. Bei unserem Account sind das aktuell 70 von 250 Titeln in der Bibliothek. Darunter fallen von Valve portierte Spiele wie Counter-Strike Global Offensive, Dota 2 Reborn, Half-Life 2 samt Episoden, Left 4 Dead 2, Portal 2 und Team Fortress 2.

Hinzu kommen mehr oder minder aktuelle Spiele wie Alien Isolation, Ark Survival Evolved, Awesomenauts, Bioshock Infinite, Borderlands 2, Broken Age, Civ 5 und Civ Beyond Earth, Company of Heroes 2, Dead Island, Defense Grid 2, Dreamfalll Chapters, Dying Light, Empire Total War, der Goat Simulator, Interstellar Marines, Metro Last Light (nur die Redux-Version!), Middle-earth Shadow of Mordor, Natural Selection, Oil Rush, Pillars of Eternity, Serious Sam 3 BFE, Shadowrun Returns, Specs Ops The Line, The Book of Unwritten Tales 2, Torchlight 2 sowie drei Trine-Teile samt Addons. Grid Autosport wird gelistet, wurde aber noch gar nicht veröffentlicht, und für X Rebirth muss erst die Linux-Beta aktiviert und ein 13-MByte-Patch installiert werden.

Eingeschränkt wird diese Auswahl in der Praxis allerdings durch den Steam Controller: Mit viel Masochismus sind alle Titel damit spielbar, da er als Gamepad dient und auch eine Maus-/Tastatursteuerung emulieren kann. Spiele wie Company of Heroes, Dota 2 oder Total War arten somit zu einem Krampf aus. Tatsächlich spielbar sind somit neben den 32 Titeln mit Controllersupport nur wenige der 70 SteamOS-Spiele, beispielsweise Oil Rush oder Civ 5.

Oil Rush erfordert aufgrund seiner Spielmechanik nur wenige Eingaben neben der Maus, weswegen er per Steam Controller gut bedienbar ist. Civ 5 steuert sich zwar behäbig und die erste Stunde etwas hakelig, dann geht es aber. Erschwerend kommt hinzu, dass der Sitzabstand und die Größe des Fernsehers passen müssen, damit die Darstellung der Benutzeroberfläche nicht zu klein ausfällt. Viele Titel bieten keine Skalierung der Bildschirmelemente an, selbst solche, die es auch für Konsole gibt. Borderlands 2 ist eine der löblichen Ausnahmen. Was uns hingegen sehr gut gefällt: Einen Xbox-360-Controller erkennt SteamOS direkt. Somit sind lokale Multiplayer- oder Coop-Sessions auf einer Steam Machine theoretisch kein Problem.

Bei Trine 2 klappt das super, bei Trine 3 kommen wir aber nicht über das Hauptmenü hinaus: Dort muss auf Start geklickt oder die Enter-Taste gedrückt werden, was sich mit dem Steam Controller emulieren lässt. Anschließend wird der aber nicht mehr als Gamepad erkannt, auch der Xbox-Controller verweigert den Dienst. Selbst nachdem wir in den Einstellungen die Steuerung auf den Xbox-Controller geändert und einen zweiten angeschlossen haben, ist Trine 3 nicht spielbar. Der Steam Controller bleibt zudem weiterhin ingame nutzlos, wir können aber damit das Spiel beenden. Bei weiteren Versuchen hängt sich das System auf und fragt nach einem Neustart.

Schauen wir uns an, wie Spiele auf dem Zotac-System mit SteamOS unter OpenGL laufen und inwiefern sich Framerates sowie Bildqualität von der unter Windows 10 x64 mit Direct3D unterscheiden.

Die Leistung plus Vsync-Ärger

Als Grafiktreiber für SteamOS verwenden wir den zum Testzeitpunkt aktuellen Geforce 352.55 vom 14. Oktober 2015, Betatreiber wie den zwei Tage älteren Geforce 358.09 installiert Valve nicht. In den Release Notes der Betaversion findet sich ohnehin kein Hinweis auf Optimierungen für Spiele, die wir auf der Zotac Steam Machine getestet haben. Als Treiber für Windows 10 nutzen wir den Geforce Ready Driver 358.91 mit WHQL-Zertifizierung, Nvidia hat diesen Geforce-Treiber am 9. November 2015 veröffentlicht.

Grundlegend eignet sich die Zotac Steam Machine gut für Spiele: Die Kombination aus Core i5-6400T mit vier Skylake-Kernen (2,2 Basis- bis 2,8 GHz Turbo-Takt), 8 GByte RAM und einer Geforce GTX 970M mit 3 GByte Videospeicher reicht unserer Erfahrung nach unter Windows aus, um die meisten Titel in der fernsehertypischen 1080p-Auflösung mit hohen Details mit 60 Bildern pro Sekunde zu spielen. Das gilt allerdings nur für die Direct3D-Schnittstelle, unter SteamOS wird hingegen OpenGL verwendet. Dazu ein paar Informationen, was OpenGL kann und was nicht. Die Schnittstelle unterstützt seit OpenGL 4.0 genauso wie D3D11 Tessellation, weswegen uns nicht klar ist, warum Metro Last Light Redux darauf unter SteamOS verzichtet. Theoretisch sollte die gleiche Bildqualität erreichbar sein wie unter Windows und Direct3D. So fehlt in Metro die Tessellation, in Bioshock Infinite lässt sich die AMD-Version der Tiefenunschärfe (Diffuse Depth of Field) nicht einschalten, wohl aber die Umgebungslichtverdeckung HDAO.

In den anderen getesteten Spielen können wir keine Unterschiede ausmachen, zumindest optisch. Bei der Leistung hingegen holt SteamOS mit OpenGL im Mittel deutlich weniger Geschwindigkeit aus der Hardware heraus als Windows 10 mit Direct3D, was wir zum Vergleich installiert haben. Bioshock Infinite läuft mit Ultra-Details zwar mit 43 fps durchaus flüssig, die D3D3-Variante hingegen liefert 92 fps. Auch Company Of Heroes 2 rendert unter SteamOS nur etwa die Hälfte der Bilder pro Sekunde, selbst mit minimalen Einstellungen reicht es gerade einmal für 34 fps und für ruckelige 14 fps mit maximalen Details.

Die Valve-eigenen Spiele Dota 2 und Half-Life 2 Episode hingegen zeigen, dass es am Entwicklerstudio liegt, das Spiel auf die OpenGL-Schnittstelle anzupassen. Dann laufen die Titel genauso flüssig wie unter Windows mit Direct3D oder gar etwas besser, wie Metro Last Light Redux demonstriert. Die weiteren Spiele - Shadow Of Mordor, Serious Sam 3 BFE und Trine 3 - hingegen laufen unter SteamOS sehr viel schlechter und zeigen eine nervige Eigenart von SteamOS, die wir Valve als Plattformentwickler und den Spielestudios ankreiden. SteamOS wird mit aktivierter vertikaler Synchronisation ausgeliefert, die im Big-Picture-Modus nicht deaktiviert werden kann. Das klappt nur über den Umweg auf den Linux-Desktop, den normale Nutzer allerdings nie zu Gesicht bekommen. Grundsätzlich spricht nichts gegen eingeschaltetes Vsync, da es ein unschönes Zerreißen des Bildes (Tearing) verhindert. Daher ist Vsync sinnvoll und bei den meisten Spielen auf Konsolen schlicht Standard.

Sofern ein Spiel aber bei Vsync kein Triple-, sondern nur Double-Buffering zur Bildberechnung nutzt, leidet die Leistung teils massiv: Während bei einer Dreifachpufferung ein zusätzlicher Buffer verwendet wird, sind es bei doppelter Pufferung nur zwei. Schafft die Grafikkarte bei einem 60-Hz-Display mehr als 60 fps, ist das kein Problem. Liefert sie aber weniger Bilder pro Sekunde, bricht die Framerate auf 30 oder gar 20 fps ein.

Shadow Of Mordor und Serious Sam 3 BFE schwanken daher ständig zwischen fixen 30 und 60 Bildern pro Sekunde, was eine saubere Steuerung der Spielfigur oder ein präzises Zielen mit dem Fadenkreuz deutlich erschwert. Valve sollte für künftige Portierungen von Spielen für SteamOS oder generell OpenGL darauf achten, dass die Entwickler doch bitte Triple-Buffering implementieren.

Eine Lösung bei Shadow Of Mordor und Trine 3 ist es, die Bildrate im Grafikmenü auf 30 fps zu begrenzen - bei Serious Sam klappt das nicht. Kurioses Detail: Dirt Showdown stürzt unter Windows 10m reproduzierbar ab, unter Windows 8.1 ebenfalls. Wir tippen auf Probleme mit der Skylake-CPU.

Sparsamer als eine aktuelle Konsole

Alle von uns vorgenommenen Benchmarks haben wir in 1.920 x 1.080 Pixeln angefertigt. An der Zotac Steam Machine sind jedoch vier HDMI-2.0-Ausgänge verbaut, mit denen ein Ultra-HD-Bildschirm mit 3.840 x 2.160 Pixeln bei 60 Hz angesprochen werden kann. Wir haben das mit einem Dell Professional P2415Q ausprobiert: SteamOS selbst mit der 4K-Auflösung ist kein Problem, wenngleich die Big-Picture-Oberfläche ausgehend von 1080p hochskaliert wird. Die meisten Spiele jedoch stürzen sofort ab, nachdem wir sie gestartet haben - noch vor dem Grafikmenü. Eine Ausnahme ist Alien Isolation, das in 3.840 x 2.160 Pixeln mit maximalen Details mit 30 fps passabel spielbar war.

Geringe Leistungsaufnahme vor allem mit Vsync

Die in der Zotac Steam Machine verbaute Hardware benötigt im Betrieb vergleichsweise wenig Energie: Nach dem Einschalten sind es beim Navigieren in unserer Steam-Bibliothek nur 34 Watt, weniger als die Hälfte dessen, was eine Playstation 4 auf dem Dashboard an Leistung aufnimmt und etwa 20 Watt unter den Werten einer Xbox One. In Spielen zieht die Steam Machine mehr Strom aus dem Netz. Wir messen im Auslieferungszustand mit eingeschalteter vertikaler Synchronisation zwischen 51 (Half-Life 2 Episode 2) und 91 Watt (Metro Last Light Redux). Eine Playstation 4 erreicht bis zu 145 und eine Xbox One bis zu 115 Watt. Diese Werte schafft die Zotac Steam Machine nicht einmal mit abgeschaltetem Vsync mit mehr als 60 fps. Interessant ist die Lautheit des Systems, denn im Leerlauf drehen die beiden verbauten Lüfter nahezu lautlos. Die Festplatte hingegen hören wir abends im Wohnzimmer, wenn wir nahe an die Steam Machine herangehen. Unter Last in Metro Last Light Redux bei aktivierter vertikaler Synchronisation drehen die zwei Propeller nach einer Viertelstunde wahrnehmbar. Aus einem Sitzabstand von gut zwei Metern oder wenn Spieleton läuft, geht das Lüfterrauschen jedoch völlig unter. Uns erscheint die SN970 leiser als eine Xbox One.

Ein Blick unter den Deckel der Steam Machine offenbart das Kühlprinzip: Der Prozessor, der Grafikchip und der Videospeicher werden von Kupferplatten und Heatpipes bedeckt. Die gesockelte CPU und die fest verlötete GPU nutzen eigene Lamellenblöcke mit je einem Radiallüfter, der die Abwärme ins Freie pustet. Wer möchte, kann den Kühler des Skylake-Chips abnehmen und den Prozessor durch ein anderes 35-Watt-Modell austauschen. Ein Core i7-6700T (2,8 bis 3,6 GHz) etwa taktet deutlich höher als der verbaute Core i5-6400T (2,2 bis 2,8 GHz). Beim Umbau verfällt jedoch die Herstellergarantie.

Offiziell gestattet hingegen ist die Erweiterung des Arbeitsspeichers, da Zotac nur einen der beiden Slots mit einem 8-GByte-Modul bestückt hat. Zudem kann die 2,5-Zoll-Festplatte gegen ein größeres Modell oder gegen ein Flash-Drive ausgetauscht und optional eine Sata-SSD im M.2-Format verbaut werden.

Ein Blick auf das Linux dahinter

Wie erwähnt, sollten Nutzer zunächst nichts davon mitbekommen, dass auf der Steam Machine eine Linux-Distribution als Betriebssystem zum Einsatz kommt. Schließlich ist allein der Big Picture Modus als Standard-GUI verfügbar. Valve erlaubt in den Einstellungen aber auch, den sogenannten Desktopmodus zu aktivieren. Daraufhin ist dann über das Menü ein Wechsel in die Gnome-Shell möglich. Ganz eilige Konsolenfreaks können per Strg+Alt+F-Taste auch direkt in eines der virtuellen Terminals wechseln.

Debian Jessie als Unterbau

Bei einem Wechsel auf den Desktop wird der Bildschirm kurz schwarz, schließlich steht die Oberfläche von Gnome 3.14 bereit. Darin lassen sich direkt einige vorinstallierte Anwendungen nutzen, dazu gehören natürlich die Optionen des Desktops, der Dateimanager Nautilus, der Videoplayer Totem oder auch der Browser Iceweasel, eine von Debian umbenannte Version des Firefox.

Dass Steam OS auf Debian basiert, ist bekannt. Das auf der Steam Machine installierte Steam OS 2.0 baut auf dem aktuellen Debian 8 alias Jessie samt Systemd auf. Die offensichtlichste Änderung von Steam OS gegenüber Jessie ist die Verwendung eines neueren Linux-Kernels. Valve setzt auf den aktuellen Langzeitkernel 4.1 mit einigen wenigen eigenen Änderungen.

So sind etwa Patches für die bessere Unterstützung verschiedener Gamepads eingepflegt. Das Kernel-Paket wird von der Open-Source-Unternehmensberatung Collabora betreut. Wie bei Debian üblich, lassen sich die Anpassungen leicht im dazugehörigen Quellpaket finden. Den freien Grafikstack hat das Team im Vergleich zu Jessie ebenfalls aktualisiert. Zudem werden die proprietären Videotreiber von Nvidia und AMD mit dem System ausgeliefert.

Das erst in diesem Jahr entwickelte Linux-Werkzeug zum Aktualisieren der Firmware eines Rechners ist ebenfalls vorinstalliert. So kann Valve nicht nur ein Update des Steam-Clients und des Betriebssystem anstoßen, sondern auch des UEFI, falls der Hardwarehersteller die noch recht neue Technik unterstützt.

Wem der Funktionsumfang des SteamOS-Desktops nicht reicht, der kann auch die Debian-Paketarchive nachträglich hinzufügen. Dabei könnte es unter Umständen jedoch zu einigen Schwierigkeiten mit den zusätzlich installierten Anwendungen kommen. Im Prinzip sollten die meisten Pakete aus Debian aber problemlos installiert werden können.

Zwei Benutzer ohne Passwort

Das gesamte System lässt sich wie gewohnt auch per Terminal nutzen und erkunden. Der Big Picture Mode wird von dem Nutzer steam ausgeführt. Der Desktopmodus von Steam OS läuft in einem Nutzeraccount mit dem Namen desktop. Für beide Nutzer sind keine Passwörter gesetzt. Sämtliche Spieledateien werden ausschließlich in dem Home-Verzeichnis von Steam gespeichert. Die Rechteverwaltung, wie zum Beispiel den Abgleich, welcher der im Big-Picture-Modus angelegten Nutzer welches Spiele besitzt und nutzen darf, übernimmt dabei der Steam-Client.

Der Desktopaccount kann genutzt werden, um per sudo Admin-Rechte zu erhalten. Dazu muss allerdings zuerst mit dem Befehl passwd ein Passwort gesetzt werden. Dies sollte auch unbedingt geschehen, sonst könnten sich Freunde und Familie mit Zugang zu der Steam Machine einen derben Scherz erlauben und das Steam OS übernehmen oder auch sabotieren. Für Besitzer der Steam Machine ist der Root-Account aber auch sehr hilfreich, da sich so einige Veränderungen vornehmen lassen.

VSync im Treiber abschalten

Bei unserer Steam Machine lässt sich dank des Root-Accounts dann auch sehr leicht das Werkzeug zum Einstellen des proprietären Nvidia-Treibers nachinstallieren. Damit lässt sich dann die VSync-Funktion in dem Treiber deaktivieren, um eventuell höhere Bildwiederholraten bei den Spielen zu bekommen.

Das Überschreiben dieser Option aus den Spielen heraus funktioniert dabei aber nicht immer. Dass das Paket mit dem Namen "nvidia-settings" nicht von vornherein installiert ist, erscheint seltsam. Immerhin ist dies doch ein Standardwerkzeug für die Nutzer des proprietären Nvidia-Treibers.

Leichte Unterschiede beim Big-Picture-Modus

Unabhängig von der Treiberoptimierung verhilft der Root-Account aber auch zu weiteren Möglichkeiten. So kann zum Beispiel schnell das immer im Hintergrund laufende Steam über das Terminal beendet werden. Diese Aktion ist so von Valve aber eigentlich überhaupt nicht vorgesehen, was sich auch daran zeigt, dass unser Monitor dabei schwarz wird und erst aus- und wieder eingeschaltet werden muss, um den Desktop weiter nutzen zu können.

Dann lässt sich aber auch der gewohnte Desktopclient von Steam starten. Damit lassen sich in die Spiele integrierte Benchmarks per Parameter starten. Ein anschließender Wechsel in den Big Picture Mode offenbart, dass die Standardoberfläche für die Steam Machine angepasst worden ist. So gibt es im Auslieferungszustand keinerlei Informationen über die Auflösung und die Oberfläche kann nur rudimentär auf die höchstmögliche Größe des Displays skaliert werden.

Der von uns über den beschriebenen Umweg gestartete Big-Picture-Modus zeigt jedoch wie gewohnt die Bildwiederholrate und auch die tatsächliche Auflösung. Falls der Monitor diese unterstützt, lässt sich hier auch deutlich über 1080p hinausgehen. In der Oberfläche, die direkt nach dem Booten erscheint, ist dies aber nicht möglich.

Verfügbarkeit und Fazit

Zotac verkauft die Steam Machine SN970 für 1.100 Euro mit vorinstalliertem SteamOS und inklusive eines Steam Controllers. Die Herstellergarantie beträgt zwei und nach einer Registrierung beim Hersteller fünf Jahre. Die einzige Alternative zur Steam Machine von Zotac ist aktuell die von Alienware, die Alpha genannte Version mit Windows haben wir im Februar 2015 getestet. Grundsätzlich kann sich aber jeder seine eigene Steam Machine bauen und SteamOS als Betriebssystem aufspielen oder schlicht Windows installieren und mit dem Steam Big Picture Mode und dem Steam Controller nutzen.

Fazit

Der Test der Steam Machine von Zotac besteht aus zwei Teilen, zu denen wir uns abschließend äußern möchten: dem SN970 genannten System aus technischer Sicht und der darauf laufenden SteamOS-Plattform samt Steam Controller. Die Zotac Steam Machine ist ein flotter Minirechner, der leise und stromsparend arbeitet. Die Leistung des vierkernigen Skylake-Prozessors und der Grafikeinheit Geforce GTX 970M samt 8 GByte RAM reicht aus, um nahezu alle aktuellen Titel in 1080p mit maximalen Details und über 30 fps zu spielen. Oft genügt die Geschwindigkeit auch für 60 Bilder pro Sekunde oder hochwertige Kantenglättungsmodi. Kurz: Eine Playstation 4 oder Xbox One liefern eine geringere Bildqualität und weniger Spieleleistung.

Deutlich zwiespältiger sehen wir Valves SteamOS, denn gerade wegen der guten Idee, ein angepasstes Linux als Basis zu nehmen, leidet die Plattform unter diversen Einschränkungen. Das beginnt bei der viel geringeren (AAA-)Spieleauswahl verglichen mit Steam unter Windows, der oft niedrigeren Geschwindigkeit durch nicht auf die OpenGL-Schnittstelle optimierte Games sowie forciertem Vsync und endet beim generellen Fehlen von Apps wie Netflix. Gut gefallen uns die automatischen Updates wie bei einer Konsole und die Besonderheit des anpassbaren Steam Controllers, mit dem einige Spiele steuerbar sind, für die es sonst Maus und Tastatur bräuchte.

Noch ist die Zeit nicht reif für SteamOS, die nächsten Monate aber könnten die Plattform auf Augenhöhe mit Windows bringen. Hierzu dürfte die neue Vulkan-Schnittstelle ihren Teil beitragen, sofern sie von Entwicklern verwendet wird und zugleich Engine wie Spiel dafür angepasst werden. Bis dahin ist ein Windows-System mit Steam im Big Picture Mode noch die bessere Wahl, zugegeben aber mit einem höheren Wartungsaufwand verbunden.

Daher unsere Bitte an Valve: Macht den Studios mal Dampf!  (ms)


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