Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/staatsanwaltschaft-dresden-warum-kinox-to-weiter-online-ist-1510-117225.html    Veröffentlicht: 30.10.2015 18:13    Kurz-URL: https://glm.io/117225

Staatsanwaltschaft Dresden

Warum Kinox.to weiter online ist

Kinox.to wird weiter aktualisiert, weil die Inhaber des Passworts untergetaucht sind. Der Verteidiger eines der mutmaßlichen Mitbetreiber hat die Plattform heute mit einem Bus verglichen, der Menschen zu einer Videothek fahre, wo sie Filme ansähen.

Im ersten Prozess gegen einen mutmaßlichen Mitbetreiber der illegalen Plattform Kinox.to schweigt der Angeklagte. Sein Mandant werde sich nicht zu den Vorwürfen äußern, sagte Verteidiger Endrik Wilhelm am 30. Oktober 2015 zum Auftakt der Verhandlung am Leipziger Landgericht. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 29 Jahre alten Angeklagten gewerbsmäßige Urheberrechtsverletzung in mehr als 767.000 Fällen vor.

Er soll als technischer Geschäftsführer seit 2011 Kinox.to mitbetrieben haben. Dem Verteidiger zufolge haben zwei Flüchtige die Zugangscodes. Weil den Ermittlern die Passwörter fehlen, ist Kinox.to bis heute am Netz und wird weiter mit neuen Kinofilmen aktualisiert.

Backup: Kinox.to ist ein Klon von Kino.to

Vier Stunden lang verlas der Vertreter der Generalstaatsanwaltschaft die 69 Seiten lange Anklageschrift. Die Dresdner Behörde wirft dem Angeklagten vor, bereits im Kernteam des Kinox.to-Vorgängers Kino.to mitgearbeitet zu haben. Dieses wurde im Juni 2011 abgeschaltet. Der Angeklagte soll eine Sicherheitskopie der Daten beschafft haben. Daraus sei ein Klon des abgeschalteten Portals programmiert worden, hieß es in der Anklage.

Die meisten Beteiligten an Kino.to, darunter der Gründer und der Chefprogrammierer, wurden in Leipzig bereits zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Auch ihnen hatte die Staatsanwaltschaft gewerbsmäßige Urheberrechtsverletzung vorgeworfen.

Der 29-Jährige war vergangenes Jahr festgenommen worden. Seine mutmaßlichen Teamkollegen, die flüchtigen Brüder Kastriot (26) und Kreshnik S. (22), sind laut Staatsanwaltschaft untergetaucht. Sie werden mit internationalem Haftbefehl gesucht. Ihnen werden gewerbsmäßige Urheberrechtsverletzung, Steuerhinterziehung, räuberische Erpressung und Brandstiftung vorgeworfen.

Der Verteidiger beantragte die Aufhebung des Haftbefehls gegen seinen Mandanten. Es sei kein dringender Tatverdacht erkennbar, sagte Wilhelm und begründete das mit der Auffassung, dass Kinox.to nur zu anderen Servern verlinke. "In die echte Welt übertragen wäre Kinox.to ein Bus, der die Menschen zu einer Videothek fährt, wo sie Filme ansehen."

Die Strafkammer entschied zunächst nicht über den Antrag. Der Prozess geht am 3. November weiter (Aktenzeichen: AZ 11 KLs 390 Js 9/15).  (asa)


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