Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/googles-neuer-chromecast-im-test-ein-echter-quantensprung-1510-117115.html    Veröffentlicht: 27.10.2015 12:02    Kurz-URL: https://glm.io/117115

Googles neuer Chromecast im Test

Ein echter Quantensprung

Der neue Chromecast von Google unterscheidet sich technisch nur in Nuancen vom Vorgängermodell. Wir haben uns angeschaut, für wen sich die Anschaffung lohnt - und waren überrascht, wie wenig sich in der Praxis geändert hat.

Ein neues Gehäuse und eine verbesserte WLAN-Antenne: Das sind die wesentlichen Neuerungen des Chromecast des Jahres 2015. Dazu gibt es eine überarbeitete App - die aber auch mit dem alten Modell funktioniert. Viele der von Google zur Produktvorstellung beworbenen Verbesserungen sind noch nicht verfügbar. Im Test klären wir, ob nicht mehr Neues für das Gerät selbst nötig wäre.

Während der Chromecast der ersten Generation in einem länglichen, Stick-förmigen Gehäuse untergebracht ist, hat sich Google beim neuen Modell für ein rundes entschieden. Das neue Modell hat ein fest verbundenes Kabel mit HDMI-Stecker, der an Fernseher oder Beamer angeschlossen wird. Bei Bedarf kann der HDMI-Stecker mit einem Magnetmechanismus am Streaming-Puck befestigt werden.

Das Grundprinzip bleibt unverändert: Auch der neue Chromecast erfordert zwingend ein anderes Gerät, um Inhalte abzuspielen, der Puck übernimmt das eigentliche Streaming. Das andere Gerät ist so etwas wie eine Fernbedienung. Möglich sind Smartphones und Tablets mit Android oder iOS sowie Windows- und OS-X-Computer mit installiertem Chrome-Browser. Inhalte aus dem Internet werden dann auf dem Chromecast ausgegeben.

Wenn demnach ein Film per Streaming auf einem Smartphone abgespielt und dann zum Chromecast übergeben wird, läuft die Wiedergabe nicht mehr auf dem Smartphone, sondern auf dem Chromecast. Der Prozessor im Smartphone hat während der Chromecast-Wiedergabe also nicht sonderlich viel zu tun, die Akkubelastung ist gering. Auf dem Smartphone können dabei problemlos andere Aufgaben erledigt werden. Das gleiche Prinzip gilt natürlich auch beim Einsatz eines Tablets oder des Chrome-Browsers.

Alternativ dazu können lokale Inhalte an den Puck gesendet werden, dann wird aus der Fernbedienung ein Zuspielgerät - und ein Smartphone hat deutlich mehr zu tun, die Akkubelastung steigt. Welche Inhalte dann abgespielt werden können, hängt von den jeweiligen Apps ab. Mit der passenden App lassen sich auch Inhalte auf dem Chromecast wiedergeben, die im heimischen Netzwerk abgelegt sind.

Einrichtung funktioniert nicht immer reibungslos

Der neue Chromecast hat nun Dual-Band-WLAN nach 802.11 a/b/g/n/ac, einen Ethernet-Anschluss gibt es weiterhin nicht. Es bleibt also nur der Weg über eine WLAN-Verbindung. Der von Google im Sommer 2015 vorgestellte Chromecast-Ethernet-Adapter wird in Deutschland noch immer nicht angeboten.

Wer mit dem Chromecast der ersten Generation Schwierigkeiten mit der WLAN-Verbindung hat, kann probieren, ob die Dual-Band-Fähigkeit des neuen Modells daran etwas ändert. Da wir auch mit dem Chromecast-Stick in verschiedenen WLAN-Umgebungen keine Probleme hatten, war kein Unterschied zum Nachfolger auszumachen.

Keine einfache Anmeldung an einem anderen WLAN-Netzwerk

Der Chromecast unterstützt noch immer kein WPS, um die Anmeldung am WLAN-Router zu vereinfachen. Ärgerlicherweise merkt sich auch das neue Modell immer nur das zuletzt eingerichtete WLAN-Netzwerk. Denn aufgrund der kompakten Maße eignet sich der Puck eigentlich ideal, um ihn etwa auf Reisen mitzunehmen. Die Einschränkungen bei der WLAN-Verwendung machen das aber alles andere als komfortabel.

Der Ärger beginnt damit, dass der Chromecast-Besitzer erst einmal darauf kommen muss, dass sich der Streaming-Puck erst dann mit einem neuen WLAN-Netzwerk verbindet, wenn er komplett zurückgesetzt wurde. Das geschieht durch langen Druck auf die einzige Taste am Gerät. Unverständlicherweise geht Google in seiner Onlinehilfe auf dieses Problem nicht ein.

Beim Verbinden mit einem WLAN-Netzwerk läuft es auch beim neuen Modell nicht immer rund. Oftmals gibt die betreffende Chromecast-App eine Fehlermeldung aus, und der Einrichtungsvorgang muss wiederholt werden. Hier sollte Google dringend nachbessern und die schon vom alten Chromecast bekannten Probleme endlich beheben.



Überarbeitete Chromecast-App

Als Google den neuen Chromecast vorstellte, wurde mit Fast Play eine Funktion gezeigt, mit der die Wartezeit bis zur Wiedergabe verkürzt werden soll. Bisher wird sie aber auch von der Netflix-App nicht unterstützt, erst Ende des Jahres sollen Apps damit arbeiten. Wir haben mit mehreren verbreiteten Streaming-Apps nachgemessen und waren überrascht, dass sich die Wartezeit bis zum Beginn der Wiedergabe in den meisten Apps kaum verkürzt.

Neuer Chromecast bei Google-Apps deutlich schneller

Das neue Modell beginnt zwar einige Sekunden früher mit der Wiedergabe, das macht jedoch in der Praxis keinen großen Unterschied, weil es noch immer recht lange dauert. Nur in Apps von Google selbst bemerkten wir einen signifikanten Geschwindigkeitssprung: So brauchen Youtube und Play Movies auf dem Chromecast der ersten Generation 20 bis 30 Sekunden, bis die Wiedergabe läuft.

In vielen anderen Chromecast-kompatiblen Apps war die Wartezeit auf dem alten Modell ohnehin bereits deutlich kürzer, nach rund 15 Sekunden gibt es dort eine stabile Wiedergabe. Das neue Modell ist mit 10 bis 12 Sekunden im Vergleich nur geringfügig schneller, aber diesen Wert erreicht jetzt auch die Play-Movies-App. Bei Youtube verkürzte sich die Wartezeit bei entsprechend schneller Internetleitung sogar auf sechs Sekunden. Die Bootzeit lag bei beiden Modellen unverändert bei rund 30 Sekunden. Aber noch immer muss sich der Chromecast-Nutzer mit mehreren Sekunden Wartezeit abfinden, bis die Wiedergabe von Streaming-Inhalten auf dem Puck startet.

Neue Chromecast-App auch für das alte Modell

Parallel zum neuen Chromecast hat Google auch die dazugehörige App aktualisiert. Die darin aufgeführten Neuerungen stehen auch dem Chromecast der ersten Generation zur Verfügung. Die versprochene App-übergreifende Suche fehlt bei uns noch - es gab schlicht keine Suche.

Auch das neue Modell bietet wieder einen umschaltbaren Gastmodus, der es erlaubt, dass sich etwa ein Smartphone mit dem Puck verbindet, ohne mit dem betreffenden WLAN-Router verbunden sein zu müssen. Das geht aber nur, wenn das Smartphone anderweitig Zugang zum Internet hat. Daher ist der Gastmodus auch nicht für Geräte nutzbar, die am Ort des Chromecast keinen Internetzugriff haben. Auch nach erfolgreicher Initialisierung des Gastmodus muss das Gerät Verbindung ins Internet haben, um den Gastmodus weiterhin nutzen zu können, auch wenn der gesamte Stream über den Chromecast läuft.

Auch für den Gastmodus muss auf dem Smartphone oder Tablet die Chromecast-App installiert sein. Allerdings wird der Gastzugang nicht etwa über diese App an zentraler Stelle eingerichtet, sondern über die App, mit der Inhalte abgespielt werden sollen. Das empfanden wir als unlogisch, weil sonst die Einrichtung auch in der Chromecast-App vorgenommen wird. Das Abspielen lokaler Inhalte ist im Gastmodus generell nicht möglich.

Verfügbarkeit und Fazit

Für den neuen Chromecast hätten wir uns eine Fernbedienung gewünscht. Das würde die Steuerung von Filmstreaming wesentlich komfortabler gestalten, weil sich Tasten auf einer Fernbedienung im Gegensatz zu einem Touchscreen-Display erfühlen lassen. Immerhin unterstützt auch das neue Modell das HDMI-CEC-Protokoll, so dass sich die Wiedergabe über entsprechende Tasten an der Fernsehfernbedienung steuern lässt. Zumindest das Pausieren sollte mit den meisten Fernsehern funktionieren.

Googles Chromecast der zweiten Generation ist im Handel zum Preis von 39 Euro verfügbar. Neben dem Gerät selbst wird ein USB-Kabel nebst Netzteil mitgeliefert. Wem das alte Modell genügt, kann es derzeit für 25 Euro erwerben - wie lange es den Vorgänger noch geben wird, ist nicht absehbar.

Fazit

Wer bereits den Chromecast der ersten Generation besitzt und damit zufrieden ist, hat keinen Grund, auf den Chromecast-Puck zu wechseln. Die geringfügig höhere Geschwindigkeit beim Cast-Umschalten rechtfertigt keine Neuanschaffung. Wer hingegen beim ersten Modell mit WLAN-Problemen zu kämpfen hat, kann versuchen, ob dies mit dem Puck behoben werden kann. Eine Garantie gibt es dafür allerdings nicht.

Für Film- und Serienstreaming finden wir den Ansatz von Amazons Fire TV Stick komfortabler und angenehmer. Es ist nicht wie beim Chromecast ein weiteres Gerät zur Steuerung notwendig, und der Nutzer kann bei gleichem Preis alles mit der gelungenen Bluetooth-Fernbedienung steuern. Von den Abo-Streaming-Diensten steht auf dem Stick allerdings regulär neben Amazon Prime Video nur Netflix zur Verfügung.

Hier hat der Chromecast mit seinen vielen Chromecast-fähigen Apps einen Vorteil. Allerdings lässt sich Amazons populärer Videodienst damit nicht verwenden, und es ist nicht zu erwarten, dass sich das ändern wird.

Wer bisher keinen Chromecast hat, macht mit dem neuen Modell nichts falsch. Allerdings gibt es unterm Strich viel zu wenige Verbesserungen. Wir hätten uns zumindest WPS-Unterstützung und das problemlose Anmelden an verschiedenen WLAN-Hotspots gewünscht, wenn schon keine Fernbedienung dabei ist. Käufer müssen also nicht zum Puck greifen, sondern können auch den Stick wählen, der derzeit günstig ist.  (ip)


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