Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/nvidia-shield-tv-im-test-geforce-now-macht-den-unterschied-1510-116923.html    Veröffentlicht: 20.10.2015 12:13    Kurz-URL: https://glm.io/116923

Nvidia Shield TV im Test

Geforce Now macht den Unterschied

Nvidias Shield TV ist die technisch beste Streamingbox für 4K-Inhalte, die flotteste Android-Konsole und eines von nur drei Geräten, die per Geforce Now aktuelle PC-Titel über das Internet streamen. Es gibt aber auch noch Startschwierigkeiten.

Nvidia-Chef Jen-Hsun Huang war schon immer ein Freund markiger Worte, da machte er beim Shield TV keine Ausnahme: Das Gerät sei die erste Box mit 4K-Unterstützung für Filmestreaming und darin stecke "ein unschlagbar schneller Mobile-Superchip", sagte er bei der Vorstellung von Nvidias Streamingbox im Sommer 2015. "Läuft darauf Crysis?", fragte Huang.

Das tat es, doch viel spannender ist die Möglichkeit, Spiele per Geforce Now über das Internet oder per Gamestream im lokalen WLAN zu streamen - Letzteres sogar in 4K statt 1080p. Beide Dienste sind Shield-exklusiv. Vollmundig spricht Nvidia daher von der besten Android-TV-Box. In Deutschland verkauft Nvidia die Konsole seit dem Start vom Geforce Now Anfang Oktober. Im Test hat sie uns tatsächlich beeindruckt, aber nicht in jedem Punkt.

Das Shield TV selbst ist eine durchaus zierliche Konsole, es misst 210 x 130 mm und ist an der dicksten Stelle 25 mm flach. Das Gewicht liegt bei rund 650 Gramm. Im Inneren steckt der Tegra X1, bei dem es sich um das aktuell schnellste SoC mit ARM-Kernen und Grafikeinheit handelt. Unseren Messwerten zufolge schlägt der Tegra X1 problemlos Apples A8X, erst der A9X des iPad Pro dürfte in ähnliche Regionen kommen. Die Leistung erfordert zwar einen kleinen Lüfter, die Kühlung ist aber im Wohnzimmer unhörbar.

Weitere Ausstattungsmerkmale sind 3 GByte flotter LPDDR4-3200-RAM und 16 GByte interner Flash-Speicher. Davon sind im Auslieferungszustand nach allen Updates allerdings nur gut 7 GByte nutzbar, weswegen Nvidia auch einen Micro-SD-Kartenleser verbaut. Spiele lassen sich darauf entweder direkt installieren oder nachträglich ein wenig umständlich verschieben, was angesichts von auf Android portierten Titeln wie HL2 Episode 2 mit über 4 GByte Größe wichtig ist. Nvidia hat eine eigene Routine programmiert, die Google so nicht anbietet. Wer mehr internen Speicherplatz möchte, muss zur Pro-Version greifen. Darin rotiert eine SSHD mit 500 GByte Magnet- und 8 GByte Flash-Speicher.

Bei den Anschlüssen ist das Shield TV sehr gut ausgestattet: Neben einem Micro-USB-2.0- und zwei USB-3.0-Typ-A-Ports für externe Festplatten oder Peripherie gibt es einen HDMI-2.0-Ausgang, der Ultra-HD bei 60 Hz und HDCP 2.2 für geschützte Inhalte unterstützt. Nach dem neuen Amazon Fire TV ist das Shield TV somit die zweite hierzulande erhältliche 4K-fähige Streamingbox. Der Tegra X1 unterstützt daher auch eine H.265-Decodierung in Hardware. Anders als bei der Konkurrenz verbaut Nvidia zudem einen Gigabit- statt 100-MBit-Ethernet-Port. Hinzu kommen ac-WLAN 2x2, Bluetooth 4.1 und ein Infrarotempfänger.

Ausgeliefert wird das Shield TV mit einem 40-W-Netzteil, einem HDMI- und einem USB-Kabel (Typ A auf Micro-B), mit dem der Controller aufgeladen wird. Ebenfalls mitgeliefert werden drei kostenlose Monate Geforce Now - so nennt Nvidia mittlerweile den einst als Grid vorgestellten Spiele-Streaming-Dienst. Er ist zusammen mit der lokalen Gamestream-Option das definitive Alleinstellungsmerkmal von Shield TV.

Im Test funktioniert das überarbeitete Gamestream in 4K mit 5.1-Sound gut. Der neue Dienst Geforce Now beeindruckt uns, hat aber noch kleine Probleme.

Hohe Bildqualität und geringe Latenz beim Online-Spiele-Streaming

Gamestream ist altbekannt, die Funktion unterstützte schon das Shield Portable von 2013: Auf einem mit einer Geforce-Grafikkarte ausgestatteten Windows-PC wird ein Spiel gestartet und über die Geforce-Experience-Software per lokalem WLAN oder Ethernet zu einem Shield-Gerät gestreamt, das an einen Fernseher oder Projektor angeschlossen ist. Ein typisches Szenario ist der Gaming-PC im Arbeitszimmer und der Smart-TV samt einem Shield-Modell im Wohnzimmer.

Grundlegend ähnelt Gamestream also stark Valves Steam In-Home Streaming, was mit einem Linux-, Mac- oder Windows-PCs funktioniert.

Neu ist seit vergangener Woche, dass die Early-Access-Betaversion von Geforce Experience das Bild und den Ton von PC-Titeln mit Ultra-HD-Auflösung bei 60 Bildern pro Sekunde sowie sechs Soundkanälen statt in 1080p60 und Stereo übertragen kann. Im Kurztest mit controllertauglichen Titeln wie Trine 3 klappte das problemlos. Im direkten Vergleich zum Steam In-Home Streaming, also jeweils im 1080p-Modus, empfanden wir Gamestream als genauso gut. Keine der zwei Streaminglösungen hat einen signifikanten Vorteil, was bei der Übertragung eines H.264-Streams plus Sound wenig überrascht.

Abomodell für alle und Vollpreistitel optional

Apropos Trine 3: Das ist einer von sieben kaufbaren Titeln, die online statt lokal per Geforce Now gespielt werden können. Das ist Nvidias Spiele-Streaming-Dienst exklusiv für Shield-Geräte, der rund anderthalb Jahre als offene Beta unter dem Namen Grid lief. Geforce Now unterscheidet zwischen Kauftiteln und einem Abomodell mit einer Vielzahl an Spielen.

Gegen Geld sind neben Trine 3 die Redux-Version von Metro 2033, zwei Saint-Row-Teile, Resident Evil Revelations 2, Moto GP 15 und The Witcher 3 erhältlich. Die Preise liegen bei 15 bis 55 Euro, bei den meisten Angeboten liefert Nvidia jedoch einen GoG- oder Steam-Key mit. Demnächst sollen Mad Max, Metro Last Light Redux und Shadow of Mordor folgen.

Umgekehrt klappt das übrigens nicht: Wer The Witcher 3 bei GoG kauft, erhält keine Lizenz für Geforce Now. Das bietet dafür ein Abomodell, zu dessen Umfang Titel wie Alan Wake, mehrere Batman-Teile (Arkham Asylum, Arkham City und Arkham Origin), Darksiders, Dirt Showdown, Grid 2, Homefront, Orcs Must Die, viele Lego-Titel inklusive Der Hobbit (aber ohne Jurassic World), Psychonauts, Street Fighter X Tekken, The Vanishing of Ethan Carter oder The Walking Dead Season One zählen.

Wie aber funktioniert Geforce Now? Nvidia hat weltweit Serverfarmen mit Tesla-Grafikkarten auf Basis der Kepler-Architektur, offenbar Grid-K2-Modelle (PDF), stehen. Beim ersten Start von Geforce Now wird die Internetverbindung zu den Servern geprüft, die Anforderungen lesen sich wie folgt: 10 MBit pro Sekunde sollten es mindestens sein, für 1.280 x 720 Pixel bei 30 Bildern pro Sekunde empfiehlt Nvidia 20 MBit pro Sekunde und für 1.920 x 1.080 Bildpunkte bei einer Bildrate von 60 fps rät der Hersteller zu 50 MBit pro Sekunde. Höhere Auflösungen werden aktuell nicht angeboten, andere Spiele-Streaming-Dienste wie Sonys Playstation Now liefern ohnehin nur 720p30.

Aus Frankfurt ins Wohnzimmer streamen

In Frankfurt am Main steht die europäische Serverfarm, die hierzulande die Daten für Geforce Now liefert. The Witcher 3 samt Patch v1.10 werden nicht zeitintensiv heruntergeladen und installiert - das sind zusammen 32 GByte -, sondern das Spiel wird schlicht in der Cloud gestartet. Das klappt bei allen Spielen in deutlich unter einer Minute - kein Vergleich zu beispielsweise den Ladezeiten einiger Titel auf den aktuellen Konsolen oder der theoretischen Downloaddauer von rund anderthalb Stunden bei 32 GByte mit 50 MBit pro Sekunde.

Bei jedem Geforce-Now-Spiel steht dabei, wie es gerendert wird: The Witcher 3 wird maximal in 1080p30 dargestellt, die meisten anderen Titel in bis zu 1080p60. Das gilt theoretisch auch für Trine 3, mit unserer 150-MBit/s-Leitung wurde es aber nur als 720p60 ausgegeben. Wer möchte, blendet ingame ein kleines Overlay ein, das die aktuelle Auflösung und die Bilder pro Sekunde anzeigt. Grundsätzlich liegt der Fokus auf der Framerate, ein Street Fighter X Tekken wird also nicht auf 1080p30 herabgeschaltet, sondern auf 720p60, dann auf 540p60 und schlussendlich noch die Bitrate gesenkt.

Grundsätzlich empfinden wir die Bildqualität als beeindruckend gut, ein Unterschied zur PC-Version ist wenn überhaupt erst in der Bewegung und im direkten Vergleich erkennbar. Bedingt durch die 1080p-Auflösung und die Kompression sieht The Witcher 3 teils einen Tick besser aus und spielt sich flüssiger als auf der Playstation 4 (1080p30) oder auf der Xbox One (900p30 bis 1080p30), da die angelieferte Framerate stabiler ist als auf den Konsolen.

Die Frage nach der Eingabeverzögerung beantwortete der Test mit Street Fighter X Tekken: Ja, der Input-Lag ist vorhanden, ungeachtet dessen haben wir mit Yoshimitsu jedes Mal Heihachi verprügelt. Auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad gegen die künstliche Intelligenz versteht sich.

Geforce Now hat noch Startschwierigkeiten

Nach der ersten Begeisterung über die technische Umsetzung von Geforce Now fallen uns eine Vielzahl kleiner Ungereimtheiten auf: Ein Blick über den Teich beispielsweise zeigt, dass in Nordamerika das Abonnement nur 8 US-Dollar kostet und einige Spiele mehr umfasst, beispielsweise das exzellente Borderlands. Das Portfolio ist laut Nvidia an die IP gekoppelt, weswegen hierzulande indizierte Titel wie Dead Island fehlen.

Ursprünglich sind wir davon ausgegangen, dass Nvidia nur angepasste Spiele streamt, das ist aber nicht der Fall. Wo bei Trine 3 das Grafikmenü fehlt, ist es bei The Witcher 3 voll integriert. Wer allerdings auf die Idee kommt, die mittleren bis hohen Einstellungen zu maximieren und dann noch die Haar- sowie Fellsimulation Hairworks anschaltet, bei dem ruckelt der Hexer übel. Das Spiel setzt die Einstellungen jedoch bei jedem Neustart auf mittlere bis hohe Einstellungen zurück. In Spielen wie Grid Autosport ist sogar der integrierte Benchmark vorhanden, der jedes Mal andere Werte ausspuckt. Vorher flimmert ein Trailer für Intels HD Graphics durchs Bild. Kurios wirken zudem Einblendungen von PC-Tasten oder die Frage, ob wir das Spiel beenden und zum Windows-Desktop zurückkehren möchten. Das sind allerdings durchaus Kleinigkeiten, die Nvidia beheben dürfte.

Kein Multiplayer, aber mit Cloud-Funktion

Anderes Thema: Der Spiele-Streaming-Dienst unterstützt aktuell keinen Mehrspieler-Modus über das Internet. Dirt Showdown möchte sich vergeblich in Steam einloggen, beim hierzulande nicht verfügbaren Borderlands etwa fragt das Spiel für den Multiplayer nach den Accountdaten für Gamespy, dabei wurde die Plattform bereits im Frühjahr 2014 eingestellt. In den Menüs von unter anderem Dirt Showdown, Grid Autosport, den Lego-Titeln, Sacred Citadel, Street Fighter X Tekken und Trine 3 haben wir nicht funktionierende Mehrspieler-Modi gefunden. Was hingegen mit einem zweiten Controller wunderbar funktioniert, ist der lokale Splitscreen-Modus in Beat'em Ups oder Rennspielen.

Nvidia sollte die guten Beziehungen spielen lassen und mit den Studios und den Publishern daran arbeiten, die entsprechenden Menüpunkte per Patch zu entfernen, da einem Shield-TV-Käufer eventuell nicht klar ist, dass Geforce Now derzeit auf eine Single-Player-Spielerfahrung ausgelegt ist. Zudem dürfte nicht jedem bewusst sein, dass beispielsweise trotz Steam-Codes für Trine 3 die Spielstände nicht synchronisiert werden, da es sich hierbei schlicht um unterschiedliche und nicht kompatible Plattformen handelt.

Wer Origin oder Steam verwendet, kann die Spielstände vieler Titel in der Cloud lagern und hat darauf Zugriff mit jedem Rechner, auf dem die Clients installiert sind. Das funktioniert wie erwartet auch bei Geforce Now: Wir haben uns testweise mit dem gleichen Google-Account auf dem Shield Portable wie auf dem Shield TV angemeldet und konnten in The Witcher 3 unser letztes Savegame laden. Spielstände von Geforce Now sind noch nicht auf GoG oder Steam übertragbar, Nvidia arbeitet allerdings laut eigener Aussage daran.

Shield-exklusive Android-Portierungen

Abseits von Gamestream und Geforce Now laufen auf den Shield-Geräten alle Android-Titel, die per Gamepad steuerbar sind. Im Shield Hub bietet Nvidia zudem speziell optimierte Versionen oder exklusive Android-Portierungen an. Das Jump 'n' Run Juju von Flying Wild Hog (Hard Reset) wird - ein passender Bildschirm vorausgesetzt - nativ in 4K gerendert, den Klassiker Half-Life 2 Episode 2 stellt das Shield TV butterweich in 1080p60 dar.

Android TV hat weiterhin Macken

Seit dem Test des Nexus Players hat sich an Android TV einiges zum Besseren gewandelt. Viele Ärgernisse gibt es allerdings weiter.

Zunächst zum Positiven: Der Play Store unter Android TV listet deutlich mehr Apps als bisher, auch die Sortierung gefällt uns gut und erleichtert das Auffinden passender Inhalte. Allerdings gibt es weiterhin für die Android-TV-Plattform weniger Inhalte als etwa für Android-Smartphones und -Tablets.

Die meisten Streaming-Abo-Anbieter fehlen

Wer also beim Stichwort Android TV auf ein reichhaltiges App-Angebot hofft, wird noch immer enttäuscht. So hat sich bezüglich der Versorgung mit Apps von Streaming-Abo-Anbietern nicht viel geändert: Weiterhin unterstützt nur Netflix die Android-TV-Plattform vollständig. Mit einem Kniff kann zwar die Watchever-App auf das Shield TV installiert werden, das war es dann aber auch schon. Dazu muss sich der Anwender mit dem Google-Konto am Rechner im Browser anmelden, mit dem auch das Shield TV verbunden ist. Dann lässt sich die Watchever-App über den Browser aufspielen.

Damit die so aufgespielte App verwendet werden kann, wird eine Maus oder ein Touchpad benötigt. Denn es hat seinen Grund, dass Google die Watchever-App nicht regulär im Android-TV-Play-Store anbietet. Sie lässt sich nämlich nicht vernünftig mit der Fernbedienung steuern. Wer aber unbedingt Watchever auf dem Shield TV verwenden möchte, hat so immerhin die Möglichkeit.

Diese Option fehlt für Dienste wie Sky Go, Sky Online oder Maxdome. Über die Play-Store-Webseite lassen sich besagte Android-Apps nicht auf dem Shield TV installieren. Die Instant-Video-App fehlt ebenfalls im Play Store, kann aber auf Smartphones und Tablets über Amazons App-Shop installiert werden. Diese Möglichkeit fehlt beim Shield TV, Amazons App-Shop listet die Video-App nicht auf. Eine manuelle Installation der App gelang zwar, das Ergebnis war aber nur ein Absturz der App, sobald versucht wurde, ein Video abzuspielen.

Von Amazons Fire-TV-Geräten hat Google die Unsitte übernommen, dass unter Android TV generell keine Apps auf dem Startbildschirm erscheinen, die am offiziellen App-Shop vorbei installiert wurden. Damit eine solche App gestartet werden kann, muss die App-Übersicht in den Einstellungen bemüht werden. Das ist unbequem und wie auch bei Fire OS gibt es eigentlich keinen Grund, weshalb es ambitionierten Anwendern so schwer gemacht wird, Apps zu nutzen, die es nicht regulär im jeweiligen Shop gibt.

Auch auf dem Shield TV ist kein Browser vorinstalliert, über die Play-Store-Webseite lässt sich aber etwa Chrome aufspielen, um so im Wohnzimmer durch das Internet surfen zu können. Die Browser sind allerdings nicht an eine Nutzung mit Fernbedienung oder Controller angepasst.

Keine manuelle App-Sortierung

Auf dem Android-TV-Hauptbildschirm werden wie bisher alle installierten Apps angezeigt, eine manuelle Sortierung gibt es hier nicht. Das erschwert die Bedienung und der Nutzer ist viel mit Suchen beschäftigt, weil sich die App-Liste selbsttätig immer wieder umsortiert. Es hat also keinen Sinn, sich die Position einer bestimmten App zu merken, sie ist im Zweifelsfalls bis zum nächsten Aufruf woanders gelandet.

Der Empfehlungsbereich auf dem Android-TV-Hauptbildschirm kann im Falle des Shield TV über die Einstellungen konfiguriert werden. Hier kann festgelegt werden, welche App dort Inhalte anzeigen soll. Arte und die 7TV-App unterstützen diesen Bereich, aber die übrigen Mediatheken von ARD und ZDF nicht. Nach welchem Muster Inhalte empfohlen werden, blieb aber weiterhin unklar, so dass wir mit den Empfehlungen in der Regel nicht viel anfangen können - zumal auch Netflix bislang keine Daten dafür liefert.

Apropos Netflix: Die App bleibt ähnlich wie beim neuen Fire TV erfreulicherweise recht lange im Speicher. Hier dürften sich die vergleichsweise üppigen 3 GByte Arbeitsspeicher positiv auswirken; Googles Nexus Player hat etwa nur 1 GByte Arbeitsspeicher. Wenn der Nutzer auf dem Shield TV also zwischendurch in eine andere App wechselt, ist Netflix beim Klick auf das App-Icon sofort wieder einsatzbereit. Ansonsten sind auch beim Shield TV einige Sekunden Wartezeit einzukalkulieren, bis die Netflix-App gestartet ist.

Seit dem Test des Nexus Players wurde eine Neustart-Option in die Bedienungsoberfläche eingebunden, so dass nicht mehr zwingend der Stecker gezogen werden muss, falls ein Geräteneustart gewünscht ist. Es bleibt aber ärgerlich, dass auch Nvidia dem Shield-TV keinen Ein-Aus-Schalter verpasst hat. Wer nicht möchte, dass das Gerät dauerhaft läuft, sollte eine schaltbare Steckerleiste dazwischenschalten, damit nicht jedes Mal der Stecker gezogen werden muss.

Passabler Gaming-Controller, aber enttäuschende Fernbedienung

Bedient wird die Android-TV-Oberfläche mit dem mitgelieferten Shield-Controller, der zudem als Spielesteuerung fungiert. Der Controller ist nicht neu, sondern vom Shield Tablet bekannt. An den positiven wie negativen Aspekten hat sich daher nichts geändert: Der Shield-Controller arbeitet nicht per Bluetooth, sondern mit Wifi Direct, was eine einfachere Kopplung, größere Reichweite und vor allem mehr Bandbreite ermöglicht. Für Splitscreen-Spielspaß können so mehrere Gamepads mit dem Shield-TV verbunden werden.

Für kleine und mittelgroße Hände empfinden wir die bauchigen Griffstücke des Shield-Controllers als zu wuchtig. Das ist aber Geschmackssache, denn die grundlegende Ergonomie passt, da sich Nvidia am Xbox-Pad orientiert. Am Controller befindet sich ein kombinierter Kopfhörer-Mikrofon-Anschluss, der beispielsweise für Twitch-Streaming verwendet werden kann. Zudem verbaut Nvidia ein dediziertes Mikrofon zur Sprachsteuerung.

Etwas nervig sind die Touchpads in der Mitte des Controllers, wir bevorzugen eine haptische Rückmeldung. Die Analog-Sticks, das D-Pad und die Schulterknöpfe dürften ein bisschen straffer sein. Das vergleichsweise hohe Gewicht ist dem fest verbauten Akku geschuldet, zu schwer ist der Shield-Controller aber nicht.

Enttäuschende Bluetooth-Fernbedienung

Die als Zubehör von Nvidia angebotene Bluetooth-Fernbedienung ist für das Anschauen von Filmen und Serien konzipiert. Dank Bluetooth-Technik ist kein Sichtkontakt zum Shield TV erforderlich. Mit der Nvidia-Fernbedienung stießen wir auf die gleichen Probleme wie bei der Nexus-Player-Fernbedienung - und es wurde noch schlimmer.

Das Nvidia-Modell hat anders als die Nexus-Player-Fernbedienung nicht einmal eine Pause-Taste. Zum Pausieren der Wiedergabe muss die Betätigungstaste im Navigationsbereich verwendet werden - und zwar vielfach zweimal. In vielen Apps blendet sich nach dem ersten Klick erst einmal ein Bildschirmmenü ein, auf dem die Pause-Funktion vorausgewählt ist. Erst nach einem weiteren Klick pausiert die Wiedergabe dann, das ist ausgesprochen unpraktisch.

Erfreulicherweise halten sich nicht alle Android-TV-Apps an dieses Bedienungskonzept aus Play-Movies- und Youtube-App. So lassen sich Streams etwa in Netflix, in der ZDF-Mediathek und der Sport1-App auch pausieren, indem die Mitteltaste nur einmal betätigt wird. Diese Bedienungslogik gilt natürlich auch direkt für den Spielecontroller: Falls die App es nicht ermöglicht, muss zum Pausieren doppelt gedrückt werden.

Wie auch der Nexus-Player-Fernbedienung fehlen dem Nvidia-Modell Spultasten. Und die meisten Streaming-Apps erlauben kein Spulen mit den Navigationstasten. Oft muss der Nutzer in einem Bildschirmmenü zum gewünschten Spulknopf navigieren und kann dann erst das Spulen auslösen. Einige der wenigen Ausnahmen ist die Netflix-App, in der ohne solche unpraktischen Verrenkungen gespult werden kann.

Das führt dann wieder dazu, dass das Gerät abhängig von der App anders bedient wird, die Bedienungslogik wird inkonsistent. Das bleibt auch mit dem Shield TV ein Dauerärgernis von Android TV. Aufgrund der genannten Einschränkungen bringt Nvidias Bluetooth-Fernbedienung keinen nennenswerten Komfortbeginn im Vergleich zum Spielecontroller.

Die Fernbedienung ist ungewöhnlich dünn, das wird durch den Einsatz eines fest verbauten Akkus erreicht. Wenn also der Akku leer ist, muss dieser erst geladen werden, bevor die Fernbedienung weiter verwendet werden kann. Hier halten wir Batterien für die praktischere Lösung, ein simpler Austausch genügt und nach ein paar Sekunden ist die Fernbedienung wieder einsatzbereit.

Verfügbarkeit und Fazit

Nvidia verkauft das Shield TV mit 16 GByte Flash-Speicher und Micro-SD-Kartenleser für 200 Euro. Im Preis inbegriffen sind ein WLAN-Controller und drei Monate Geforce Now im Abo, danach kostet der Dienst 10 Euro pro Monat. Für 300 Euro gibt es das Shield TV auch als Pro-Version mit interner 500-GByte-Festplatte. Die optionale Bluetooth-Fernbedienung kostet einmalig 55 Euro extra, der Ständer, um die Box hochkant zu betreiben, weitere 35 Euro.

Fazit

Das Shield ist dank Tegra-X1-Chip extrem schnell und mit viel RAM ausgestattet, wodurch die Oberfläche sehr flott reagiert und Apps lange im Speicher gehalten werden. Zudem berechnet Shield TV jegliche Android-Spiele flüssig, Juju sogar in 4K-Auflösung. Obendrein bietet Nvidia exklusive Titel wie Doom 3 in der BFG-Edition, Half-Life Episode 2 oder Portal an.

Allerdings leidet das Shield TV ein bisschen unter Android TV. Seit dem Test des Nexus Players hat sich das App-Angebot zwar erhöht, aber weiterhin fehlen die meisten großen Streaming-Abo-Anbieter für den deutschen Markt; regulär ist nur Netflix verfügbar. Die von Nvidia beworbene 4K-Wiedergabe funktioniert einzig in Youtube und der Netflix-App, denn Googles Play Movies bietet schlicht noch keine 4K-Inhalte.

Die als Zubehör angebotene Bluetooth-Fernbedienung fanden wir enttäuschend. Vor allem das Fehlen von Pause- und Spultasten ist nicht nachvollziehbar, zumal sie teuer ist. Am bekannten Shield-Controller gibt es bis auf die Touch-Eingaben wenig zu meckern, er dient als Steuerung für Gamestream und Geforce Now.

Letzteres ist das Alleinstellungsmerkmal von Shield TV: Per Geforce Now werden PC-Spiele wie The Witcher 3 in 1080p-Auflösung über das Internet gestreamt. Das klappt technisch einwandfrei und sieht beeindruckend aus, wie viele neuen Produkte hat Geforce Now aber noch Startschwierigkeiten. Bisher gibt es keinen Online-Multiplayer und nur wenige Topspiele, bei einigen Titeln wurde das Grafikmenü nicht entfernt und es werden PC-Tasten eingeblendet.

Ungeachtet dessen gibt Shield TV einen Vorgeschmack auf die Zukunft des Spielestreamings, den Erstversuch empfinden wir als gelungen: Die extrem kurzen Ladezeiten, die gute Bildqualität und eine geringe Latenz überzeugen, die Auswahl an Spielen dürfte schnell steigen.  (ms)


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