Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/staatsanwaltschaft-zalando-liefert-1-000-unbezahlte-pakete-aus-1510-116702.html    Veröffentlicht: 06.10.2015 07:37    Kurz-URL: https://glm.io/116702

Staatsanwaltschaft

Zalando liefert 1.000 unbezahlte Pakete aus

Fast 1.000 Bestellungen auf Rechnung an ähnliche Adressen, ohne dass jemals bezahlt wurde. Doch Zalando hat immer weiter geliefert: hochwertige Schuhe, Kleidung und Koffer.

Zalando hat ein Jahr lang Pakete in eine saarländische Flüchtlingsunterkunft geschickt, obwohl keines davon je bezahlt wurde. Das berichtet das Handelsblatt unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft Saarbrücken. Demnach schickte Zalando von Juni 2014 bis Juni 2015 insgesamt 962 Bestellungen auf Rechnung im Gesamtwert von 181.188 Euro in den Ort Lebach.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Betrugs. Fast alle Lieferungen gingen in die saarländische Landeswohnsiedlung Lebach.

Die Tatverdächtigen sollen hochwertige Schuhe, Kleidung und Koffer bestellt haben. 59 der mutmaßlichen Täter sollen Deutschland bereits verlassen haben. "Zalando kommentiert generell keine Betrugsfälle", erklärte das Unternehmen auf Nachfrage des Handelsblatts.

Kauf auf Rechnung stark ausgeweitet

Um mehr Kunden zu gewinnen, hatte Zalando Ende 2014 seine Zahlungsbedingungen gelockert und damit auch Betrüger angezogen. Im zweiten Quartal des Jahres 2015 wurde deswegen eine Wertberichtigung über 18,5 Millionen Euro fällig, die zu einem Rückgang des Betriebsergebnisses im zweiten Quartal um fünf auf 30 Millionen Euro führte. "Das Problem ist jetzt gelöst", sagte Vorstandsmitglied Rubin Ritter dem Handelsblatt im August 2015.

Das Unternehmen kontrolliere die Onlinebestellungen wieder genauer und biete weniger Kunden den Kauf auf Rechnung an.

Die Wettbewerbszentrale hatte Zalando kürzlich abgemahnt, weil das Unternehmen mit vermeintlich knappen Warenbeständen zum Kauf animiert hatte. In mehreren Fällen konnten sie als Testkäufer mehr Kleidungsstücke bestellen, als nach Angaben des Shops verfügbar waren. Zalando bestritt, dass es sich bei den Angaben um einen psychologischen Trick handelte.  (asa)


Verwandte Artikel:
Marketing: Zalando ersetzt Beschäftigte durch Algorithmen   
(09.03.2018, https://glm.io/133259 )
JD.com: Chinesischer Onlinehändler testet große Lieferdrohne   
(31.08.2017, https://glm.io/129788 )
Betrug: Cuphead-Klon schafft es in den App Store   
(19.12.2017, https://glm.io/131751 )
Fake Filmstreaming: Verbraucherschützer warnen vor betrügerischen Angeboten   
(13.12.2017, https://glm.io/131637 )
Enigma ICO: Kryptowährungshacker erbeuten halbe Million US-Dollar   
(22.08.2017, https://glm.io/129621 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/