Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/sarah-sharp-respektlosigkeit-der-kernel-community-fuehrt-zu-ruecktritt-1510-116696.html    Veröffentlicht: 05.10.2015 17:57    Kurz-URL: https://glm.io/116696

Sarah Sharp

Respektlosigkeit der Kernel-Community führt zu Rücktritt

Sarah Sharp hat ihre Arbeiten am Linux-Kernel niedergelegt. Sie vermisse den nötigen persönlichen Respekt im Umgang miteinander und sie habe nicht mehr die Kraft, an einer Verbesserung mitzuwirken. Sie ist nicht die erste Person, die öffentlich die Zusammenarbeit mit der Kernel-Community kritisiert.

Im Lauf des vergangenen Jahres habe sie sich von ihren bisherigen Arbeiten am Linux-Kernel zurückgezogen, schreibt Sarah Sharp in ihrem Blog. Als Grund für ihren Rückzug gibt sie mangelnden persönlichen Respekt im Umgang innerhalb der Community an.

Sie könne nicht mit Menschen zusammenarbeiten, die einerseits Neuankömmlinge zu Beiträgen ermutigten, andererseits aber argumentierten, dass es Maintainern erlaubt sein müsse "abscheuliche Worte auszuspeien". Zudem wolle sie nicht professionell mit Personen zusammenarbeiten müssen, die mit "subtilen sexistischen oder homophoben Witzen davonkommen".

Sie fühle sich "hilflos in einer Community, die einen 'Code of Conflict' habe, der kein inakzeptables Verhalten aufführt, und die nicht den Biss hat, diese Regeln durchzusetzen". Dass es diese Regeln seit Anfang dieses Jahres überhaupt gibt, ist dem Einsatz von Sharp und anderen, wie etwa Matthew Garrett, zu verdanken. Im Vergleich zu anderen Projekten ist er tatsächlich wenig aussagekräftig und doch muss er für die Kernel-Community als Errungenschaft angesehen werden.

"Schroff, gemein, brutal"

Wegen der Kombination aus technischer Exzellenz, überlasteten Maintainern und unterschiedlichen kulturellen und sozialen Normen seien die Entwickler oft "schroff, gemein oder brutal, um ihren Job erledigt zu bekommen", schreibt Sharp. Diese Art der Kommunikation funktioniere für sie nicht. Sie erwarte, dass andere sie auf technische und soziale Fehler hinwiesen - aber eben auf eine Art, die sie als Person nicht "zerreiße".

Mit ihrem Blogeintrag möchte Sharp ihre Trauer um die Community ausdrücken, die sie nun verlässt. Auch stimme es sie traurig, wenn jemand ihr für ihr Engagement für bessere Normen danke, da sie dies inzwischen aufgegeben habe. Ihr fehle die notwendige "mentale Energie" dafür.

Kritik an Community seit Langem bekannt

Sharp, die keine Schuldzuweisungen an einzelne Personen macht, ist nicht die einzige, die sich über einen sehr schlechten Umgang innerhalb der Community beschwert hat. So rechnete etwa Lennart Poettering bereits mit der gesamten Linux-Community ab.

Er schrieb dabei führenden Kernel-Entwicklern, allen voran Linus Torvalds, eine wichtige Rolle zu. Der Kernel-Chef sei wegen seines harschen Umgangs mit anderen ein sehr schlechtes Vorbild, so Poettering. Er kommentierte den Umgang mitunter gar als "hasserfüllt". Die Linux-Community werde zudem von "westlichen, weißen, heterosexuellen Männern in ihren Dreißigern und Vierzigern" dominiert. In diese Beschreibung passe auch Poettering selbst sehr gut. Er glaube deshalb, dass die Situation für Minderheiten oder Menschen aus anderen Kulturen demzufolge wesentlich schlimmer sein müsse.

Rückkehr bleibt möglich

Sharp hat bereits im Mai 2014 die Pflege des USB-3.0-Host-Controller-Treibers abgegeben. Es folgte das Ende der Koordination des Outreachy-Programms für den Kernel. Ihre Mitgliedschaft im technischen Beratungsgremium der Linux Foundation werde sie ebenfalls aufgeben.

Sollte sich der Umgang in der Community irgendwann wieder bessern, könne sie sich vorstellen, zur Kernel-Community zurückzukehren. Sie habe noch eine jahrzehntelange Karriere vor sich und könne warten. Zunächst werde sie sich aber einer freundlicheren Umgebung zuwenden. Zurzeit arbeite sie am Userspace-Grafikstack.  (sg)


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