Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/studie-zusammenhang-zwischen-empathie-und-internetsucht-1510-116625.html    Veröffentlicht: 01.10.2015 11:46    Kurz-URL: https://glm.io/116625

Studie

Zusammenhang zwischen Empathie und Internetsucht

Wer über eine eher niedrig ausgeprägte Empathie verfügt, ist eher anfällig für Onlinesucht - oder umgekehrt: Zu diesem Ergebnis kommen Forscher der Universität Ulm. Sie haben in ihrer Studie auch kulturelle Einflüsse berücksichtigt.

Es gibt einen Zusammenhang zwischen der Fähigkeit zum Mitgefühl und problematischer Internetnutzung: Das wollen Wissenschaftler der Universitäten Bonn und Ulm herausgefunden haben. Dabei haben sie auch berücksichtigt, wie sehr das Problem der Onlinesucht durch die Kultur beeinflusst wird. "Problematische Internetnutzung tritt vor allem in asiatischen Ländern auf. In Südkorea sind sogar Menschen gestorben, nachdem sie beispielsweise mehrfach 50 Stunden ohne Unterbrechung online 'gezockt' haben", sagt Professor Christian Montag. "Aber auch in westlichen Kulturkreisen nimmt das Problem zu."

Montag ist Leiter der Abteilung für Molekulare Psychologie an der Uni Ulm und Senior-Autor der Studie. Mit seinen Kollegen hat er in Deutschland und China die Internetgewohnheiten und die Empathie von rund 640 Studierenden erfasst. Sie wurden unter anderem danach gefragt, wie gut sie Gemütszustände ihrer Mitmenschen einschätzen und deren Reaktionen vorhersagen können. Im Internetsucht-Fragebogen sollten die Teilnehmer beispielsweise Angaben dazu machen, ob sie verheimlichen, wie lange sie im Internet sind oder was sie online machen.

Die Selbstauskünfte der Studierenden hätten gezeigt, dass der Zusammenhang zwischen Mitgefühl und Internetnutzung erstaunlich deutlich sei. "Er tritt unabhängig von Alter, Kultur und Geschlecht auf. Denn obwohl sich die Stichproben hinsichtlich Alter und Geschlechtsverteilung signifikant unterscheiden, ist der Effekt auch nach Bereinigung der Ausgangsunterschiede durchgängig vorhanden", so Melchers.

Allerdings: Laut Montag ist der Zusammenhang ein Henne-Ei-Problem. "Senkt übermäßige Nutzung von Onlinemedien die Empathie-Fähigkeit, oder führt andersherum mangelndes Mitgefühl zu Internetsucht?" Die aktuelle Studie könne diese Frage nicht final beantworten. Angesichts der negativen Auswirkungen von exzessiver Onlineübernutzung - sozialer Isolation und gesundheitliche Risiken - sieht Montag die Notwendigkeit weiterer Forschung.  (ps)


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