Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/anstoessige-inhalte-apple-loescht-app-ueber-drohnenangriffe-1509-116610.html    Veröffentlicht: 30.09.2015 17:45    Kurz-URL: https://glm.io/116610

Anstößige Inhalte

Apple löscht App über Drohnenangriffe

Eine App, die Informationen über US-Drohnenangriffe verbreitet, ist aus Apples App Store entfernt worden. Sie könnte für einige Nutzer anstößige Inhalte enthalten, rechtfertigt sich das Unternehmen.

Apple hat die App Metadata+ aus seinem App Store entfernt. Das Programm von Entwickler Josh Begley hatte Nutzern Push-Benachrichtigungen über US-Drohnenangriffe geschickt. Apple hatte der App unter ihrem vorherigen Namen Drones+ bereits fünf Mal die Zulassung zum App Store verweigert - wegen "übermäßig grausamer und anstößiger Inhalte".

Die App zeigt Nutzern jedoch keine Bilder von Toten oder andere Dokumentationen von Drohnenangriffen, sondern informiert per kurzem Text über Drohnenangriffe. Die Nachrichten enthalten Informationen über die Anzahl von Toten und Verletzten und manchmal deren Namen oder den Ort des Geschehens.

Begley betreibt auch den Twitter-Account @Dronestream, auf dem er ebenfalls Daten über Drohnenangriffe veröffentlicht. Die Daten stammen vom Bureau of Investigative Journalism in den USA. Bei der Löschung berief Apple sich auf die Nutzungsbedingungen des App Store: "Ihre App enthält Inhalte, die andere Nutzer anstößig finden könnten."

Wer die App schon installiert hat, kann sie weiterhin nutzen

Nutzer, die die App schon installiert haben, sollen sie nach Angaben von Begley auch weiterhin nutzen können. Neuinstallationen über den App Store sind jedoch nicht mehr möglich. Eine weitere App des Künstlers und Programmierers mit dem Namen Ephemeral+ zeichnet ähnliche Daten auf. Weil die App dies jedoch in der Beschreibung nicht so deutlich darstellt, wurde sie bislang nicht von Apple gelöscht.

Apple wird immer wieder dafür kritisiert, dass das Unternehmen Apps mit politischem Anspruch aus dem App Store entferne. Beispiele sind Apps, die über Sweatshops, Kinderarbeit, Menschenhandel oder den Krieg in Syrien berichten. Offensichtlich wendet Apple das Prinzip der Meinungsfreiheit nicht auf Apps an: In einer Stellungnahme teilte der Konzern mit: "Wir behandeln Apps anders als Bücher oder Musik, die wir nicht kuratieren. Wenn du eine Religion kritisieren willst, schreibe ein Buch. Wenn du Sex beschreiben willst, schreibe ein Buch oder einen Song oder baue eine medizinische App." Doch auch bei Büchern im App Store ist die Freiheit nicht grenzenlos. Eine Comic-Auflage von Ulysses wurde von Apple erst freigeschaltet, nachdem eine Nacktzeichnung entfernt wurde.  (hg)


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