Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/adblock-plus-gremium-soll-ueber-unaufdringliche-werbung-entscheiden-1509-116608.html    Veröffentlicht: 30.09.2015 16:37    Kurz-URL: https://glm.io/116608

Adblock Plus

Gremium soll über unaufdringliche Werbung entscheiden

Wegen ihres Werbeblockers Adblock Plus wird die Eyeo GmbH von der Werbewirtschaft stark angefeindet. Nun zieht sich die Firma aus der Kontrolle über die akzeptierte Werbung zurück.

Der Werbeblocker Adblock Plus will im kommenden Jahr die Kontrolle über die akzeptierte Werbung abgeben. Die sogenannte Acceptable Ads Initiative werde in Kürze durch ein neues, unabhängiges Gremium geleitet, teilte die Eyeo GmbH, die Firma hinter Adblock Plus, am Mittwoch in Köln mit. Derzeit würden Vertreter aus der Werbeindustrie, von Verlagshäusern sowie Nutzer als mögliche Mitglieder eingeladen, sagte eine Sprecherin auf Anfrage von Golem.de. Das neue Gremium werde die alleinige Kontrolle über die aktualisierten Kriterien bekommen und ebenfalls überprüfen, ob diese auch eingehalten würden.

Webseiten können sich um eine Aufnahme in die sogenannte Whitelist bewerben, wenn sie die Kriterien für akzeptable Werbung erfüllen. Die Nutzer legten dabei die Kriterien fest und könnten im Forum Vorschlägen für die Whitelist widersprechen. Bislang hatte Adblock Plus aber das letzte Wort. Dazu sagte Mitbegründer Till Faida nun: "Allerdings sind wir ein Werbeblocker, was längerfristig nicht mit der wichtigen Rolle bei der stetigen Pflege der Kriterien korrespondiert." Durch neue Formen der Online-Werbung müssten auch die Kriterien aktualisiert werden.

Zahlungen an Eyeo sollen weitergehen

Nicht betroffen davon ist aber die Arbeit der Eyeo GmbH, die sich um das Whitelisting der Anzeigen kümmert. Aktuell seien etwa 700 Verlage und Webseiten auf der Liste mit den akzeptierten Anzeigen. 90 Prozent davon erhielten diesen Service kostenfrei. Lediglich zehn Prozent, die großen Unternehmen, zahlten eine "Aufwandsentschädigung". Weiterhin werde Adblock Plus ein Forum betreiben, in dem alle Anzeigen auf der Whitelist veröffentlicht und diskutiert werden könnten.

Wie viel Geld die Eyeo GmbH von den etwa 70 großen Firmen erhält, ist aber unklar. Gerüchten zufolge soll alleine Google 25 Millionen Dollar gezahlt haben. Werbefirmen bezeichneten das Geschäftsmodell von Eyeo daher als "moderne Wegelagerei" und Behinderung der Vermarkter. Vor Gericht hat Adblock Plus bislang aber noch jeden Prozess gewonnen - zuletzt am Dienstag vor dem Landgericht Köln gegen den Axel-Springer-Verlag.  (fg)


Verwandte Artikel:
Micropayment: Eine Erweiterung, sie alle zu flattern   
(24.10.2017, https://glm.io/130786 )
Urheberrecht: Easylist muss Anti-Adblocker-Domain entfernen   
(15.08.2017, https://glm.io/129494 )
Datenrate: Verbraucherschützer verklagen 1&1 wegen LTE   
(01.02.2018, https://glm.io/132536 )
Cloud Made in Germany: Verschlüsselter Cloudspeicher bei GMX und Web.de gestartet   
(27.11.2017, https://glm.io/131354 )
Gegen Geldauflage: Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungen gegen Eyeo ein   
(02.06.2017, https://glm.io/128187 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/