Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/sky-online-tv-box-im-test-streaming-genuss-ist-was-ganz-anderes-1509-116511.html    Veröffentlicht: 29.09.2015 12:02    Kurz-URL: https://glm.io/116511

Sky Online TV Box im Test

Streaming-Genuss ist was ganz anderes

Der Pay-TV-Anbieter Sky verkauft eine eigene Streamingbox für Sky-Online- und Sky-Snap-Kunden. Im Vergleich zur Konkurrenz wirkt das Produkt aber unausgegoren. Wir waren fassungslos, wie viele Basisfunktionen eines aktuellen Streaminggeräts dem Sky-Produkt fehlen.

Es gibt zwei Ansätze bei Streamingboxen: Sie werden entweder mit oder ohne Bündelung eines passenden Abostreamingdienstes verkauft. So gibt es Googles Nexus Player immer ohne ein solches Abo, während es die Fire-TV-Geräte von Amazon bei Bedarf mit einem Prime-Abo gibt, um den Videostreamingdienst von Amazon zu nutzen. Einen ähnlichen Weg wie Amazon schlägt auch der Pay-TV-Anbieter Sky ein, der mit der Sky Online TV Box ein Gerät speziell für Sky-Online-Kunden anbietet.

Da Sky bisher auf den meisten aktuellen Streaminggeräten und Smart-TV-Betriebssystemen nicht vertreten ist, haben wir uns gezielt die Sky-Box angesehen. Derzeit ist sie für Sky-Kunden eine der wenigen Möglichkeiten, sich dessen Streamingsortiment ins heimische Wohnzimmer zu holen.

Allerdings zeigt unser Test: Eine komfortable Nutzung von Sky Online ist auch mit der Box nicht möglich. Zum Großteil liegt das an der rückständigen Sky Online App, die nicht nur langsam ist, sondern auch einige wichtige Funktionen vermissen lässt. Vor allem die ständigen Abfragen der PIN nerven und vermiesen uns die Nutzung des Dienstes.

Die von Sky in Deutschland angebotene Sky Online TV Box basiert im Wesentlichen auf der in den USA beliebten Streamingbox Roku 3. Der Hersteller Roku hat frühzeitig angefangen, Streamingboxen zu verkaufen und ist damit bereits seit einigen Jahren auf dem Markt. Auf den Roku-Boxen läuft ein auf Linux basierendes Betriebssystem namens Roku OS.

Leider entspricht die Sky-Box nicht in allen Punkten der Roku 3, die vor einem Jahr auf den Markt gekommen ist und dieses Jahr überarbeitet wurde, aber weiterhin als Roku 3 verkauft wird. Wir gehen aufgrund der Modellnummern davon aus, dass die Sky-Box noch auf der ersten Generation der Roku 3 beruht und nicht das überarbeitete Modell verwendet wird. Die von Sky ausgelieferte Box trägt die Modellnummer 4200DE. Dabei dürfte es sich um das 2014er-Modell handeln, das in den USA die Nummer 4200R trägt, während die Neuauflage die Modellnummer 4230R hat.

An der Ausstattung der Box selbst gibt es keine erkennbaren Änderungen zur Roku 3: Neben einem Netzteilanschluss und einer HDMI-Buchse hat die Box einen Ethernet-Anschluss, eine USB-Buchse und einen Steckplatz für Micro-SD-Karten. Die kabellose Verbindung zum Internet ist über WLAN möglich, die Einrichtung ist halbwegs komfortabel. Allerdings gibt es keine WPS-Unterstützung, das WLAN-Kennwort muss also manuell eingegeben werden.

Sky legt nur eine Infrarotfernbedienung bei

Auf der Vorderseite befindet sich ein Infrarotempfänger, so dass die Box über handelsübliche programmierbare Fernbedienungen gesteuert werden kann. Wie bei den Streaminggeräten der Konkurrenz gibt es keinen Ein-Aus-Schalter, das Gerät muss rüde vom Stromnetz getrennt werden, wenn verhindert werden soll, dass es bei Nichtbenutzung Stromkosten verursacht oder zu heiß wird.

Probleme mit der WLAN-Verbindung

Zu allem Überfluss passierte es im Test immer mal wieder, dass das Gerät mehrfach vom Stromnetz genommen werden musste. Es kam vor, dass die Sky-Box das vorhandene, eingerichtete WLAN-Netzwerk nicht erkannte, so dass sie nicht verwendet werden konnte. Dann blieb nur: Stecker ziehen. In der Bedienoberfläche gibt es keinen Befehl zum Neustart der Box. Es brauchte oft einen oder mehrere Neustarts, bis die Sky-Box eine WLAN-Verbindung gefunden hatte. Dabei befanden sich die Boxen jeweils nur wenige Meter vom WLAN-Router entfernt. Diese Probleme traten mit zwei verschiedenen WLAN-Routern auf - mit anderen Streaminggeräten hatten wir solche Schwierigkeiten nicht.

Auch an anderer Stelle gab es mit der WLAN-Funktion Probleme: Gelegentlich verlor die Box ohne ersichtlichen Grund die Verbindung zum Internet. Dann war zwar kein Geräteneustart, aber ein Neustart der Sky-App notwendig. Vor allem aufgrund der vielen notwendigen PIN-Eingaben der Sky Online App sorgt das für viel Verdruss. Auch solche Schwierigkeiten kennen wir bei Streaminggeräten anderer Hersteller am gleichen WLAN-Router nicht.

Die Sky-Box hat eine stark abgespeckte Fernbedienung

Anders als in den USA gibt es für Sky-Kunden in Deutschland nur eine stark abgespeckte Fernbedienung für die Sky-Box: Es ist die einfachste Roku-Fernbedienung mit Infrarotsteuerung. Aufgrund der Infrarotfernbedienung muss die Sky-Box zwingend so aufgestellt werden, dass sie Sichtkontakt zur Fernbedienung hat.

Die Originalfernbedienung der Roku 3 ist hier um einiges besser: Es ist eine WLAN-Bedienung, die nicht zwingend zur Box ausgerichtet werden muss. Als Besonderheit hat die Fernbedienung eine Kopfhörerbuchse. Die Sky-Box bietet hingegen kein Bluetooth, so dass sich keine drahtlosen Kopfhörer mit der Box verbinden lassen. An der Box selbst gibt es auch keine Kopfhörerbuchse. Enttäuschenderweise kann der USB-Anschluss nicht einmal für Tastaturen verwendet werden.

Sky unterstützt nicht alle Tasten der Fernbedienung

Die Tasten auf der Sky-Fernbedienung sind halbwegs logisch angeordnet. Die Wiedergabe/Pause- und Spultasten liegen angenehm nah beieinander. Oberhalb des Rückspulknopfes befindet sich eine Replay-Taste, mit der in 7-Sekunden-Schritten zurückgesprungen werden kann. Allerdings wird die Taste von den Sky-Apps nicht unterstützt: Beim Druck auf die Replay-Taste passiert nichts - eine große Enttäuschung.

Daneben gibt es noch eine Optionstaste, und oberhalb des Navigationskreuzes befinden sich eine Zurück- und eine Home-Taste, die den Nutzer immer zurück zum Startbildschirm der Box führen.

Fernbedienungs-Apps verfügbar

Die Roku-3-Fernbedienung hat zusätzlich Direktknöpfe für die Apps von Netflix, Amazon Instant Video, Rdio und Hulu. Weil es diese Apps in Deutschland nicht gibt, nützen einem die Knöpfe hierzulande nichts. Allerdings wäre es sinnvoll gewesen, die beiden vorinstallierten Sky-Apps auf jeweils einen Button zu legen, um die Bedienung zu vereinfachen.

Für die Roku-Boxen aus den USA gibt es eine passende Fernbedienungs-App für Android und iOS, über die das Gerät gesteuert werden kann. Für Deutschland ist die betreffende Roku-App nicht freigegeben, allerdings bieten etliche Drittanbieter entsprechende Lösungen an, um die Box per Smartphone oder Tablet zu steuern. Dazu muss sich das Smartphone oder Tablet im selben Netzwerk wie die Sky-Box befinden.

Fernbedienungs-Apps von anderen Anbietern

Die Auswahl ist sowohl für Android als auch für iOS groß, und der Nutzer kann die Variante wählen, die ihm am besten gefällt. Ein paar ließen sich mit der Sky-Box nicht verbinden, die meisten waren aber zur Zusammenarbeit mit der Box zu bewegen. Die meisten Fernbedienungs-Apps bilden auch den Startbildschirminhalt nach, so dass sich Sky-App bequem vom Smartphone aus starten lässt.

Einige der Fernbedienungs-Apps ermöglichen auch Tastatureingaben über den Touchscreen. Das ist komfortabler, als die betreffenden Buchstaben oder Zahlen mühsam mit der Fernbedienung auf der auf dem Fernseher eingeblendeten Bildschirmtastatur einzugeben.

Keine Suchfunktion vorhanden

Neben diesen äußerlichen Unterschieden gibt es aber auch einen entscheidenden Unterschied zwischen dem Original und dem Sky-Ableger. Während die Roku-Box eine zentrale Suche bietet, über die Inhalte in allen installierten Streaming-Apps gefunden werden, fehlt diese auf der Sky-Box komplett. Da auch die Sky-Apps keine solche Funktion enthalten, ist es nicht möglich, gezielt nach einzelnen Titeln im Sky-Sortiment zu suchen. Wir waren überrascht, dass eine so wichtige Funktion fehlt. Auch wenn eine Fernbedienungs-App eine Suchfunktion unterstützte, war diese mit der Sky-Box nicht nutzbar.

Keine anderen Streamingdienste für die Sky-Box

Für die Roku 3 stehen in den USA Apps aller wichtigen Videostreaminganbieter bereit. Allerdings ist Roku in Deutschland mit seinen Geräten weiterhin nicht selbst vertreten - und das dürfte der Grund dafür sein, dass die App-Auswahl für die darauf basierende Sky-Box dürftig ausfällt: Es gibt weder die Mediatheken-Apps der deutschen Fernsehsender noch Apps für Amazon Instant Video, Netflix, Maxdome, Watchever oder Google Play Movies. Neben den beiden Sky-Apps gibt es nur noch Apps für Youtube, Vimeo, Vevo, TuneIn und Red-Bull-TV. Sky gibt also bezüglich der Einsatzmöglichkeiten der Box ein trostloses Bild ab.

Vor allem das Fehlen anderer Streamingdienste sehen wir als erheblichen Nachteil der Sky-Box gegenüber Konkurrenzprodukten: Für den Nexus Player und die Fire-TV-Geräte stehen zumindest die wichtigsten Mediatheken und viele Abostreaminganbieter bereit. Der Käufer des Nexus Player ist also keineswegs auf das Sortiment von Play Movies angewiesen, und der Käufer eines Fire-TV-Gerätes muss nicht zwingend Amazons Videostreamingdienst verwenden. Das ist bei der Sky-Box anders, hier stehen nur die Sky Online App sowie die Sky-Snap-App als Abostreamingdienste bereit.

Lästige Wartezeiten bei der Sky Online App

Nicht einmal Sky Go, also der Dienst für Skys Pay-TV-Kunden, wird unterstützt. Alles deutet darauf hin, dass diese Kundengruppe von der Nutzung der Sky-Box gezielt ferngehalten werden soll. Sky vermarktet hier wohl lieber die Zweitkarte für seinen Pay-TV-Anschluss. Zwar gibt Sky nirgendwo explizit an, dass die Box auch für Sky-Go-Kunden geeignet sei, es bleibt aber dennoch ein Ärgernis, dass eine wichtige Kundengruppe wohl bewusst außen vor gelassen wird.

In Anbetracht der Qualität der Sky Online App dürften die Sky-Go-Kunden darüber allerdings gar nicht so enttäuscht sein. Denn mit der Konkurrenz von Amazon und Netflix kann die Sky-App vielfach nicht mithalten. Es fängt schon damit an, dass der Start der App vom sehr übersichtlichen Hauptbildschirm unverhältnismäßig lange dauert, wenn keine besonders schnelle Internetleitung zur Verfügung steht: Zwischen 20 und 25 Sekunden wartet der Anwender, bis die Sky Online App gestartet ist. Bei einer schnellen Internetverbindung verringert sich die Wartezeit auf knapp 15 Sekunden - offenbar werden viele Daten beim Start der App abgerufen. Die auf der Sky-Box installierte Youtube-App ist bereits nach 10 Sekunden einsatzbereit - hier macht sich eine schnellere Internetverbindung nicht bemerkbar.

Zum Vergleich: Auf dem Fire TV der ersten Generation dauert der Start der Netflix-App bei einer etwas langsameren Internetleitung etwas mehr als 10 Sekunden und rund halb so lange wie der Start der Sky-App auf dem Roku-Gerät. Im Alltag wirken die mehr als 20 Sekunden Wartezeit der Sky-App deutlich länger, als es in Zahlen erscheint, und auch die knapp 15 Sekunden strapazieren die Geduld des Anwenders. Der Käufer erwartet von einer speziell für Sky zertifizierten Box eigentlich gar keine Wartezeiten beim App-Start.

Sky ist die lange Wartezeit offensichtlich durchaus bewusst, denn beim App-Start gibt es einen Hinweis, dass es lange dauern könne, bis die App einsatzbereit sei. Zusätzlich wird die Sky-App immer gleich aus dem Speicher entfernt. Wer also die App verlässt, muss jedes Mal aufs Neue beim Start mit den langen Wartezeiten zurechtkommen. Wenn es Probleme mit der WLAN-Verbindung gibt, ist das besonders ärgerlich, denn die Sky-App beendet sich dann sofort und merkt sich auch nicht die vergangene Abspielposition.

Die Sky-App ist übersichtlich

Wenn die App gestartet ist, erhält der Anwender eine ähnliche Oberfläche, wie sie von der Smartphone- und Tablet-App bekannt ist. In verschiedenen Kategorien kann das Sortiment durchstöbert werden, und im oberen Bereich jeder Kategorie werden besondere Inhalte gesondert hervorgehoben. Die Struktur wirkt übersichtlich und gut angeordnet. Aufgrund der fehlenden Suchfunktion kann es aber vorkommen, dass sich der Nutzer in tief verschachtelten Rubriken verliert. Leider fehlt dann eine Möglichkeit, per Knopfdruck auf die Startseite der Sky-App zu gelangen.

Wenn keine neue Seite geladen werden muss, arbeitet die Sky-App angenehm schnell. Aber beim Öffnen einer Rubrik, der Merkliste oder der Detailseite eines Eintrags dauert es immer mehrere Sekunden, bis der Nutzer weitermachen kann. Unterm Strich macht die App daher einen trägen und nervigen Eindruck.

Wichtige Informationen fehlen auf den Detailseiten

Die Wiedergabetaste auf der Fernbedienung hat auf der Hauptoberfläche keine Funktion. Wenn das anders wäre, könnte die App hier Punkte gutmachen. Dann ließe sich die Filmwiedergabe direkt etwa aus einer Rubrik heraus aufrufen. So könnte das träge Laden der Detailseite umgangen werden.

Ein Klick auf einen Eintrag öffnet eine Detailseite. Von hier aus kann ein Titel in die Merkliste aufgenommen werden. Es wird angezeigt, bis zu welchem Tag der Titel noch verfügbar sein wird. Außerdem gibt es einige Informationen zum Inhalt. Uns fehlte hier eine Information zur Laufzeit, damit wir keinen besonders langen Film beginnen, obwohl dafür nicht genügend Zeit ist. Grundsätzlich hätten wir uns die Texte etwas lesbarer gewünscht, je nach Größe und Abstand zum Fernseher sind die Inhalte nur schwer erkennbar.

Generell gibt es im Sky-Online-Dienst keinerlei Bewertungen, so dass der Nutzer gut informiert sein muss, wenn er im Film- und Serienangebot nicht den Überblick verlieren möchte. Anbieter wie Netflix oder Amazon bieten dagegen Bewertungen und versuchen damit, dem Kunden ein Instrument an die Hand zu geben, mit dem er interessante von weniger spannenden Inhalten unterscheiden kann.

Auch Verweise zu anderen Filmen fehlen komplett, die bei anderen Diensten schon lange eine Selbstverständlichkeit geworden sind. Vor allem bei mehrteiligen Spielfilmen sind solche Verweise eine Erleichterung, wenn der Nutzer nach dem ersten den nächsten Teil anschauen möchte. Sky-Kunden müssen den nächsten Teil erst suchen - und das kann ohne Suchfunktion mit erheblichem Aufwand verbunden sein.

Die Dauer der Verfügbarkeit eines Titels wird angegeben

Vorbildlich informiert Sky seine Kunden darüber, wie lange ein Titel noch angeschaut werden kann. Allerdings muss Sky noch daran feilen, nicht ab und an Fehlinformationen zu verbreiten. So wurde uns im Test mitgeteilt, dass ein Titel in rund einer Woche auslaufen werde. Nach Erreichen des Datums war die Serie aber weiterhin verfügbar und es wurde ein anderes Ablaufdatum genannt.

Es hat den Anschein, dass hier die Anzeigelogik von Sky noch Schwächen hat. Wenn ein Titel eigentlich aus dem Sortiment genommen werden sollte, sich das aber ändert, gibt es offenbar keine Automatik, die verlängerte Verfügbarkeit anzuzeigen. Stattdessen wird das ursprünglich genannte Ablaufdatum genannt. Das kann Kunden unnötig unter Zeitdruck setzen.

Trotz dieser Schwächen könnten sich Anbieter wie Amazon und Netflix hier eine Scheibe abschneiden. In den Streaming-Apps beider Anbieter gibt es keinerlei Angaben dazu, wann ein Titel nicht mehr im Abo enthalten sein wird. Amazon zeigt diese Informationen zwar in einem Desktop-Browser an, aber auch nur in der Watchlist-Übersicht. Dort wird darauf hingewiesen, wenn ein Titel weniger als 30 Tage verfügbar ist. Netflix schneidet hier noch schlechter ab und liefert diese Daten nicht einmal im Desktop-Browser.

Vorbildlich agiert Sky auch, wenn es um neu hinzugefügtes Material geht. Diese Kategorie zeigt streng chronologisch alle Neuzugänge. Das klingt nach einer Selbstverständlichkeit, wird aber von der Konkurrenz nicht immer beherzigt.

PIN, PIN, PIN - und es nimmt kein Ende

An sich schön gelöst ist auch der Zugriff auf die Merkliste, die nach Druck auf die Optionstaste aufgerufen werden kann. Zunächst erscheint zwar ein Pop-up-Menü, aber mit einem weiteren Klick ist die Merkliste geöffnet. Ärgerlicherweise muss aber jedes Mal beim ersten Aufruf der Merkliste die Sky-Online-PIN eingegeben werden. Das gilt auch, wenn ein Eintrag nur zur Merkliste hinzugefügt werden soll. Beides fanden wir extrem störend; das ist bei anderen Anbietern nicht erforderlich.

Dass die Sky-Online-PIN beim erstmaligen Abspielen von Filmen oder Serien abgefragt wird, ist zwar lästig, wäre aber noch nachzuvollziehen. Aber die von Sky gewählte Umsetzung nervt schnell: Immer wieder wird die PIN zur Altersverifikation abgefragt, wobei das System dahinter nur schwer erkennbar ist. Das Schauen einer Serie wird da leicht nervenaufreibend, weil die PIN bei jeder neuen Folge abgefragt wird.

In der Sky Online App gibt es keine Möglichkeit, die Jugendschutzabfragemodalitäten zu konfigurieren. Bei anderen Anbietern lässt sich das Verhalten bei der Altersverifikation konfigurieren, und die PIN muss nur einmal eingegeben wurden, wenn mehrere Folgen einer Serie am Stück gesehen werden.

Die häufigen PIN-Abfragen wären erträglicher, wenn die Sky-Fernbedienung ein Zahlenfeld hätte. Aber die Box kann nicht einmal mit externen Tastaturen betrieben werden. Etwas vereinfachen lässt sich die Eingabe immerhin, indem eine Roku-Fernbedienungs-App auf einem Smartphone oder Tablet verwendet wird. Allerdings muss der Nutzer hier darauf achten, dass er eine Variante mit Tastatureingaben wählt. Nicht jede der Roku-Fernbedienungs-Apps unterstützt dies.

Sky Online merkt sich nicht immer die Wiedergabeposition

Die Sky Online App merkt sich nicht immer zuverlässig die Wiedergabeposition. Ein System dahinter ist für uns nicht erkennbar. Mal klappt es, mal nicht. Und selbst, wenn es klappt, ist die Funktion eigentlich nutzlos: Denn sobald die Sky Online App verlassen wird, ist die Wiedergabeposition auch bei den Titeln vergessen, bei denen es funktioniert hat. Der Nutzer muss sich also sicherheitshalber immer die letzte Wiedergabeposition merken. Solche Unzulänglichkeiten kennen wir von konkurrierenden Streamingdiensten nicht.

Beim Spulen fehlten uns Vorschaubilder, um sich im Film oder in der Serie zu orientieren. Der Nutzer sieht beim Spulen nur einen Fortschrittsbalken. Auch hier ist die Konkurrenz Sky wieder mehrere Schritte voraus.

Keine Wiedergabe in der Liste der zuletzt gesehenen Titel

Absurd wird es auch in der Liste der zuletzt gesehenen Titel: Die App kennt eine solche Übersicht, sie ist aber weitgehend nutzlos, denn daraus lässt sich grundsätzlich keine Wiedergabe beginnen. Beim Versuch, einen Titel aus der Liste abzuspielen, wird der Kunde mit einer Fehlermeldung überrascht. Klar und deutlich gibt Sky an, dass die Liste gar nicht dafür gedacht sei, Titel abzuspielen. Aufgrund der fehlenden Suchfunktion empfiehlt es sich daher, jeden Titel vorm Anschauen in die Merkliste zu packen, damit er bei Problemen ohne viel Aufwand wiedergefunden werden kann.



Serien schauen macht mit Sky Online keinen Spaß

Generell ist das Schauen von Fernsehserien mit der Sky Online App kein Genuss: Wer beispielsweise mit der App über mehrere Tage eine Serie anschaut, muss sich genau merken, welche Folge er zuletzt gesehen hat und dann die nächste händisch heraussuchen. Die Konkurrenz ist hier schon mehrere Schritte weiter: Sie bietet meist einen Aktuell-Bereich, in dem die zuletzt gesehenen Inhalte erscheinen. Darüber kann eine angefangen Serie unkompliziert weitergeschaut werden.

Merkliste für Filme gut, für Serien schlecht

Auch die Merklisten-Funktion hat es in sich. Positiv hervorzuheben ist, dass Filme und Serien in zwei getrennten Bereichen abgelegt werden. Das erleichtert die Übersicht. Andere Anbieter dürfen das gerne übernehmen. Wenn ein Eintrag aus der Merkliste entfernt wurde, dauert es auch einige Sekunden, bis der Eintrag tatsächlich weg ist. Auch das trägt dazu bei, dass die App insgesamt träge wirkt.

Die Merkliste für TV-Serien ist nutzlos

Leider ist die Serien-Merkliste so vermurkst, dass die Funktion an Nutzlosigkeit nicht mehr zu überbieten ist. Sobald eine Serienstaffel zur Merkliste hinzugefügt wird, landet jede einzelne Folge als ein Eintrag in der Merkliste. Eine Serienstaffel mit 24 Folgen führt also zu 24 Einträgen in der Merkliste. Zu allem Überfluss wird der Titel der Serie nirgendwo genannt, weder in der Merklisten- noch in der Detailansicht. Nicht einmal mit dem Beginn der Wiedergabe erfährt der Nutzer den Titel der Serie, wenn er nicht zufällig gerade eingeblendet wird. Die Sky-Einblendung zeigt nur Episodennummer und Titel der Folge.

Wer also nicht genau weiß, welche Serien er in die Merkliste gepackt hat, verliert ganz schnell den Überblick. Die sonderbare Staffelablage ist ein weiterer Grund dafür, dass es nicht ratsam ist, mehr als eine Serienstaffel in der Merkliste abzulegen. Der Zweck einer Merkliste wird also völlig verfehlt.

Statt einer ganzen Staffel kann auch nur eine bestimmte Folge einer Serie in der Merkliste abgelegt werden. Das sorgt zwar dafür, dass die Liste nicht mit allen Serienepisoden zugemüllt wird, eine vernünftige Orientierung ist aber weiterhin ausgeschlossen, weil die Betitelung der Serien fehlt. Und einige andere Besonderheiten der Sky-App machen diesen Plan auch wieder zunichte.

Kein bequemer Wechsel zu einer weiteren Folge einer Serie

Während der Nutzer bei anderen Anbietern am Ende einer Serienfolge manuell zur nächsten Folge springen kann oder die nächste Folge sogar automatisch startet, bietet Sky keine vergleichbare Funktion. Da in der Detailseite auch keine Verweise zu ähnlichen Titeln aufgeführt werden, ist es nicht möglich, von der Detailseite aus zur nächsten Folge zu springen. Das bedeutet: Wer nur eine Folge einer Serie in die Merkliste packt, muss sich jedes Mal die nächsten Folge erstöbern.

Unglücklich gelöst ist auch die nicht abschaltbare Einblendung, wenn die Pause-Taste betätigt wird. Die Einblendung erscheint immer am unteren Bildrand und überdeckt dort befindliche Untertitel. Auch andere Dienste blenden Informationen am unteren Bildrand ein, hieven aber die Untertitel nach oben, damit der Zuschauer sie auch im Pausebetrieb lesen kann.

Sky Online punktet mit aktuellen Inhalten

Der Sky-Dienst lässt auch Zusatzinformationen zu Filmen oder Serien vermissen. Während Amazon mit X-Ray und Google mit Infokarten weitere Informationen zu Schauspielern anzeigt, die gerade zu sehen sind, gibt es eine solche Funktion im Sky-Dienst nicht. Wer diese Funktion gewohnt ist, vermisst sie schnell.

Sky-Online-Kunden können erfreulicherweise direkt aus der App auch auf das Sortiment von Sky Snap zugreifen. Es gibt auf der Box zwar eine separate Snap-App, aber Sky-Online-Kunden können die App links liegen lassen. Denn wer das Snap-Angebot in der Sky Online App verwaltet, hat eine zentrale Merkliste zur Verfügung. Etwas unglücklich werden die Snap-Inhalte in eigenen Rubriken abgelegt. Wer also einen bestimmten Film oder eine Serie sucht, muss erst im Sortiment von Sky Online stöbern und danach im Snap-Sortiment.

Das Portfolio von Snap ist in der Regel weniger aktuell als das von Sky Online. So finden sich bei Snap viele Serienklassiker, die es auch bei anderen Streamingaboanbietern gibt. Das hat den charmanten Vorteil, dass Sky-Online-Kunden dafür nicht noch zusätzlich einen anderen Streamingabodienst buchen müssen.

Aktuelle Filme und Serien bei Sky Online

Sky Online profitiert derzeit davon, dass die meisten neuen Spielfilme und auch viele aktuelle Serien zuerst dort und erst deutlich später bei anderen Streamingabodiensten erscheinen. Wer also möglichst frühzeitig aktuelle Spielfilme und Serien im Streamingverfahren sehen möchte, kommt derzeit in Deutschland an Sky Online nicht vorbei.

Bei Filmen ist keine Änderung in Sicht, aber im Bereich der Fernsehserien beginnt bereits ein kleiner Umschwung. Amazon und Netflix zeigen ihre Eigenproduktionen natürlich nur in ihren Abodiensten, wo sie zuerst zu sehen sind. Mit Fear The Walking Dead ist es Amazon kürzlich gelungen, sich die deutschen Erstausstrahlungsreche des Ablegers von The Walking Dead zu sichern.

All das setzt aber das passende Sky-Abo voraus, das mit 20 Euro im Monat entsprechend teuer ist. Im 10-Euro-Paket erhält der Kunde deutlich weniger, und die Vorzüge von Sky schwinden im Vergleich zu Amazon und Netflix immer weiter. Aber wem die Sky-Online-Inhalte wichtig sind, der wird sich wohl damit arrangieren müssen oder einen Pay-TV-Vertrag mit Sky schließen.

Livesender ohne vernünftige Informationen

Neben dem Katalog von Sky Online und Sky Snap stehen als Besonderheit auch viele Sky-Sender zum Liveschauen zur Verfügung. Bei diesen kann die Wiedergabe pausiert werden, und der Nutzer kann spulen. Allerdings fehlt beim Spulen der von den Kataloginhalten bekannte Spulbalken, und auch Zeitangaben erscheinen nicht. Der Nutzer hat also keine Möglichkeit, sich beim Spulen zu orientieren. Beim Schauen von Serien wird der Titel angezeigt, aber weder die betreffende Staffel noch der Titel der Folge.

Als wenn all das nicht schon ärgerlich genug wäre, gibt es keine vollständige Programmübersicht in Form einer digitalen Fernsehzeitschrift. Der Kunde erfährt nur, welche Sendungen derzeit laufen. Er kann sich aber über die Box nicht informieren, wann etwa ein bestimmter Film oder eine bestimmte Serie läuft, um diese dann sehen zu können.

Im Unterschied zu vielen Streaminggeräten der Konkurrenz ist der Sky-Player mit einem ordentlichen Mediaplayer ausgestattet, um lokale Inhalte abzuspielen. Als kleines Ärgernis fielen Darstellungsfehler bei der Anzeige der Videolaufzeit auf.

Verfügbarkeit und Fazit

Die Sky Online TV Box wird für 70 Euro verkauft. Ohne ein Sky-Online-Konto ist die Box so gut wie nutzlos. Somit kommen nochmal monatliche Kosten von mindestens 10 Euro dazu. Wem das Starterpaket nicht ausreicht, der muss für das anders ausgestattete Filmpaket 20 Euro pro Monat bezahlen. Wer beide Pakete nutzen möchte, ist mit 30 Euro im Monat dabei.

Fazit

Es hat den Anschein, als habe sich Sky mit der Sky Online TV Box Mühe gegeben, ein Produkt auf den Markt zu bringen, das den Kunden ohne viel Mühe zur Verzweiflung treiben kann. Es ist schier unfassbar, wie viel die Box nicht kann und welche Funktionen ihr fehlen. Eine besondere Enttäuschung ist die bescheidene App-Auswahl: Die Box ist eigentlich nur für die Sky-Online-Nutzung zu gebrauchen. Nicht einmal Sky-Go-Kunden können sie verwenden.

Das Fehlen aller übrigen wichtigen deutschen Streaminganbieter einschließlich der Mediatheken-Apps aller deutschen Fernsehsender ist schon fast dreist. Zwar verspricht Sky dem Kunden tatsächlich keine weiteren Dienste, aber die Sky-Box ist die einzige aktuelle auf dem Markt, die mit so wenigen Diensten verwendet werden kann.

Die unkomfortable Sky Online App macht wenig Freude bei der Benutzung. Vor allem die vielen lästigen PIN-Abfragen gehen dem Nutzer schnell auf die Nerven. Vergleichbares muten andere große Anbieter ihren Kunden nicht zu. Sehr ärgerlich ist auch, dass sich die App nicht zuverlässig die letzte Wiedergabeposition merkt und diese immer vergisst, wenn die App beendet wurde. Es hat den Anschein, dass Sky seinen Kunden bloß nichts bieten möchte, was auch nur den Hauch von Komfort erahnen lässt.

Lästig ist auch, dass es keine Suchfunktion gibt. Und bei einer modernen Streamingbox hätten wir eine Fernbedienung mit WLAN oder Bluetooth statt einer Infrarot-Fernbedienung erwartet. Die komplett nutzlose Serien-Merkliste fällt dann schon fast nicht mehr ins Gewicht. Gleiches gilt für die immer wieder auftretenden Wartezeiten innerhalb der App.

Es bleibt zu konstatieren, dass die Sky Online TV Box einzig und allein für den Sky-Online-Dienst einigermaßen tauglich ist. Und das ist der einzige Pluspunkt an der Box: Mit Sky Online erhalten Kunden deutlich früher als bei den konkurrierenden Abodiensten Zugriff auf neue Filme und Serien. Allerdings kommt dennoch aus den genannten Gründen bei der Nutzung der App keine Freude auf, der Käufer muss eine hohe Frusttoleranz aufbringen.

Sky hätte die eigenen Ressourcen besser in die Weiterentwicklung der rückständigen Streaming-App aus dem eigenen Hause stecken sollen. Mit der lieblos zusammengestellten Box lassen sich keine Kunden begeistern, die jemals ein halbwegs aktuelles Konkurrenzgerät zu Gesicht bekommen haben.  (ip)


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