Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/iphone-6s-plus-im-test-ein-so-schnelles-smartphone-gab-es-noch-nie-aber-1509-116490.html    Veröffentlicht: 24.09.2015 18:43    Kurz-URL: https://glm.io/116490

iPhone 6S Plus im Test

Ein so schnelles Smartphone gab es noch nie, aber

Apple hat beim neuen iPhone 6S Plus neben besseren Kameras und einem druckempfindlichen 3D-Touch-Display den unglaublich schnellen A9-Prozessor verbaut. Golem.de hat sich im Test angeschaut, was das neue iPhone kann - und ob es ein Pflichtkauf ist oder nicht.

Die beiden neuen iPhones 6S und 6S Plus sind typische S-Updates: Sie sehen ihren Vorgängern zum Verwechseln ähnlich, an der Technik hat Apple allerdings einige Änderungen vorgenommen und sie in vielen Bereichen merklich verbessert. Es gibt eine neue Kamera, einen neuen Prozessor, schnelleres LTE und schnelleres WLAN. Außerdem hat Apple die neue Force-Touch-Funktion in die neuen iPhones eingebaut - hier heißt sie 3D Touch.

Mit der Force-Touch-Technologie, die bei den Macbooks und der Apple Watch zum Einsatz kommt, können Nutzer über verschiedene Druckstufen beim Touchpad beziehungsweise Display unterschiedliche Optionen aufrufen. Die Verwendung bei einem Smartphone bietet sich daher geradezu an.

Wir haben uns das iPhone 6S Plus genau angeschaut und überprüft, wie sich die neue Hardware im Alltag bemerkbar macht. Vom iPhone 6s unterscheidet es sich technisch nur durch den optischen Bildstabilisator und die Größe. Beim Test interessieren uns besonders der neue Prozessor und die 3D-Touch-Bedienung. Letztlich stellt sich die Frage: Lohnt sich der Kauf eines der neuen iPhones?

Display mit 3D Touch

Das Display des iPhone 6S Plus ist wie das des Vorgängers iPhone 6 Plus 5,5 Zoll groß und löst mit 1.920 x 1.080 Pixeln auf. Auch beim neuen Modell gefällt uns der Bildschirm sehr gut: Die Schärfe ist mit 401 ppi hoch genug, die Blickwinkelstabilität ist hervorragend. Wie Huawei zeigt Apple, dass ein gutes Display nicht zwingend eine Auflösung von mehr als 1080p haben muss. Das iPhone 6S hat wie der Vorgänger einen 4,7 Zoll großen Bildschirm.

Der Bildschirm selbst lässt keine Rückschlüsse auf das neue 3D Touch zu - dafür aber das Gewicht und die Ausmaße des iPhone 6S Plus: Mit 192 Gramm ist es 20 Gramm schwerer als das iPhone 6 Plus. Zudem ist es mit 0,2 mm etwas dicker, auch die Kanten sind jeweils um 0,1 mm länger. Das höhere Gewicht ist durchaus spürbar. Wie beim Vorgänger stört uns beim iPhone 6S Plus, dass das Smartphone verglichen mit anderen großformatigen Geräten klobig wirkt. Grund dafür sind die breiten Ränder ober- und unterhalb des Displays.

Höheres Gewicht dank 3D Touch

Ausschlaggebend für das höhere Gewicht und die etwas größeren Ausmaße ist die Technik, die für die Drucksteuerung des Displays nötig ist. Hierzu zählt auch die Taptic Engine, die verschieden starke Vibrationsschläge als Feedback bei der Eingabe gibt. Grundidee der 3D-Touch-Steuerung ist wie beim Macbook und der Apple Watch, durch verschieden starken Druck auf das Display unterschiedliche Aktionen ausführen zu können. Die neuen iPhones erkennen neben der normalen Touch-Eingabe einen leichten und einen starken Druck. Damit lassen sich je nach Anwendung verschiedene zusätzliche Funktionen aufrufen oder Eingaben verkürzen, die bisher mehrere Tipp-Gesten erforderten.

Wir können 3D Touch beim iPhone 6S Plus direkt auf dem Hauptbildschirm verwenden: Zahlreiche System-Apps von Apple verwenden es bereits. So können wir die Kamera-App wie bisher per Tipp starten oder eben stärker auf das App-Icon drücken. Dann öffnet sich ein Kontextmenü, das uns direkten Zugriff auf die Frontkamera, den Videomodus, den Slow-Motion-Modus oder die Hauptkamera ermöglicht.

Schneller Zugriff auf App-Funktionen

Ein fester Druck auf das Kalender-Icon zeigt uns den nächsten Termin, auch können wir direkt einen neuen anlegen. Die Mail-App ermöglicht uns auf einen stärkeren Druck hin den Zugang zu bestimmten Posteingängen und der Suche sowie das Erstellen einer neuen E-Mail. Praktisch finden wir die Schnellzugriffe bei der Karten-App: Ohne überhaupt in die Anwendung gehen zu müssen, können wir unseren Standort versenden oder markieren sowie Navigationsanweisungen nach Hause starten.

Der Druck, den wir für die Aktivierung von 3D Touch ausüben müssen, ist stark genug, um nicht mit dem bisherigen langen Druck verwechselt zu werden. Legen wir unseren Finger auf ein App-Icon, ohne Kraft auszuüben, können wir es wie bisher verschieben oder die App löschen. Unterstützt eine App kein Kontextmenü bei ihrem Icon, wird uns dies über einen dreifachen Klopfimpuls signalisiert - und natürlich durch das fehlende Kontextmenü.

3D Touch ist nicht nur auf dem Startbildschirm nutzbar, sondern auch in den Apple-Apps selbst. Ein durchgängig verwendetes System dabei ist Peek und Pop: Hierbei öffnet ein leichter Druck auf ein Element eine Vorschau der dahinterstehenden Links, Nachrichten oder anderen Inhalte. Drücken wir noch fester, öffnet sich das Ziel komplett.

Schneller Überblick mit Peek und Pop

Zum Einsatz kommt Peek und Pop in zahlreichen Systemanwendungen, beispielsweise im Safari-Browser, in der Mail-App, der Notiz- und der Karten-App sowie im Kalender. Immer werden dabei Inhalte auf leichten Druck in einer Vorschau gezeigt, ein stärkeres Durchdrücken öffnet den jeweiligen Inhalt komplett. Nehmen wir hingegen nach Anzeigen der Vorschau den Finger wieder vom Bildschirm, verschwindet sie wieder. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase finden wir dieses System sehr praktisch, da es in vielen Situationen zu weniger Herumgeklicke und dadurch einem schnelleren Workflow führt. Noch interessanter dürfte die Funktion werden, wenn App-Hersteller sie in ihre Anwendungen einbinden.

Aktuell können wir beispielsweise im Browser Links in einer Vorschau und anschließend bei Interesse komplett öffnen. Ist die Vorschau aktiv, öffnet eine Bewegung nach oben ein Menü, über das wir den Link auch in einem neuen Tab öffnen, zur Leseliste hinzufügen oder kopieren können. Natürlich lassen sich Links weiterhin wie gewohnt über ein einfaches Tippen öffnen, ein langes Tippen öffnet das gewohnte Kontextmenü.

In der Mail-App öffnet der druckvolle Tipp Nachrichten in einer Vorschau. Drücken wir weiter durch, wird die Nachricht geöffnet. Nach dem gleichen Prinzip funktioniert das in der Notizen-App mit den eingegebenen Texten. In der Karten-App lässt sich durch festeres Tippen auf verzeichnete Orte ein Kontextmenü öffnen, worüber wir Navigationsanweisungen starten oder die Homepage des Ortes anwählen können. Diese lässt sich dann aber nicht in einer Vorschau öffnen.

Unterschiedlich starkes Klopfen

Das haptische Feedback der 3D-Touch-Funktion unterscheidet merklich zwischen leichtem und starkem Druck - wie beim Macbook ist das durch ein stoßartiges Vibrieren der Taptic Engine erzeugte Klopfen unterschiedlich stark. Das Klopfen wird an der Unterseite des iPhones ausgegeben, nicht über den Bildschirm. Liegen die neuen Geräte auf einem Tisch, bekommen wir vom haptischen Feedback kaum etwas mit.

Die Fotos-App verwendet Peek und Pop zur Vorschau und Anzeige. Allerdings wird 3D Touch hier noch für eine weitere Funktion genutzt: zum Anzeigen der "Live Photos" genannten Kurzfilmchen. Die neue 12-Megapixel-Kamera im iPhone 6S und iPhone 6S Plus nimmt standardmäßig nicht nur ein statisches Foto auf, sondern jeweils 1,5 Sekunden vor und nach dem eigentlichen Auslösevorgang. Die so entstehenden Filmchen werden in der Fotos-App und beim Exportieren als normale Fotos angezeigt.

Live Photos bringen Bewegung ins Bild

Drücken wir aber stärker auf ein geöffnetes Foto, spielt das iPhone das Live Photo ab. Erfunden hat Apple diese Funktion nicht: HTC etwa hat bei seinem ersten HTC One eine vergleichbare Funktion eingeführt, diese aber noch mit automatisierten Bearbeitungsmöglichkeiten versehen. So ließen sich ohne viel Aufwand witzige kleine Filmchen aus Fotos und kurzen Videosequenzen anfertigen.

Etwas Derartiges gibt es bei den neuen iPhones zumindest aktuell nicht. Wir finden die Live Photos kaum sinnvoll, da sie nur in wenigen Fällen zu den Ergebnissen führen, die Apple während der Vorstellung gezeigt hat. Im Normalfall bewegen sich Personen vor einer Kamera nicht, wenn ein Foto von ihnen gemacht wird; dementsprechend statisch und langweilig dürften die meisten Live Photos solcher Situationen sein. Und ob es im Nachhinein einen großen Unterschied macht, sich ein schönes Foto eines Wasserfalls anzusehen oder ein möglicherweise verwackeltes dreisekündiges Filmchen, ist fraglich. Wer die Funktion nicht verwenden möchte, kann sie einfach deaktivieren.

12 statt 8 Megapixel

Die Auflösung der Kamera selbst hat Apple nach mehreren iPhone-Versionen schließlich erhöht: Statt 8 Megapixel haben die Kameras der neuen iPhones jetzt 12 Megapixel. Aufgrund einer Abschirmung der Pixel sollen die mit den neuen Modellen gemachten Bilder so rauschfrei sein wie die Fotos der Vorgängermodelle. Einen optischen Bildstabilisator hat weiterhin nur das iPhone 6S Plus. Auch schauen bei beiden neuen iPhones die Kameras wieder ein gutes Stück aus dem Gehäuse aus dem 7.000er-Aluminium hervor.

Im direkten Vergleich sehen wir auf den ersten Blick keinen nennenswerten Unterschied zwischen der Bildqualität des iPhone 6S Plus und der des iPhone 6 Plus. Erst bei genauerem Hinsehen fällt auf, dass die Schatten beim neuen Modell etwas heller sind - dies ist aber tatsächlich nur sehr schwer zu sehen und eigentlich kaum bemerkenswert. Die Grundschärfe wirkt ebenfalls auf den ersten Blick gleich. Erst bei stärkerer Vergrößerung wird sichtbar, dass die feinen Details beim iPhone 6S Plus besser dargestellt werden. Das ist bei Kanten und Schriften sichtbar, fällt aber wirklich erst bei sehr starker Vergrößerung auf. Auch wirken Flächen beim iPhone 6S Plus im Tageslicht weniger verrauscht als beim iPhone 6 Plus.

In schummriger Beleuchtung hingegen schneidet die Kamera des neuen iPhones hinsichtlich des Rauschens schlechter ab als die der Vorgänger mit geringerer Auflösung: In der Vergrößerung sind deutlich mehr Artefakte sichtbar, Kanten und feine Details sind viel verrauschter. Apples angekündigte Pixelisolierung scheint ihre Grenzen zu haben.

Aufgrund der Ähnlichkeit der Bildqualität zum iPhone 6 Plus und weil die Unterschiede nur bei starker Vergrößerung sichtbar sind, ändert sich unser Urteil bei der Bildqualität im Vergleich mit aktuellen Konkurrenzmodellen nicht. Das iPhone 6S Plus kann verglichen mit dem Galaxy S6 von Samsung objektiv betrachtet einfach nicht mithalten. Das betrifft besonders die Detailschärfe, die Artefakte, die Farbintensität und den Weißabgleich.

Vergleich mit dem Galaxy S6

Vergrößern wir ein Tageslichtfoto des Galaxy S6, so fällt im direkten Vergleich mit dem entsprechenden Bild des iPhone 6S Plus die bessere Schärfe, ein höherer Detailgrad und ein geringeres Rauschen auf. Feine Strukturen werden daher insgesamt besser dargestellt, was sich auch ohne Vergrößerung auf den gesamten Bildeindruck auswirkt. Diesen beeinflusst zudem der Weißabgleich, der uns beim iPhone 6 S Plus stellenweise etwas zu grünstichig ist.

Bei Aufnahmen in schummriger Beleuchtung zeigt das iPhone 6 S Plus zwar stärkere Artefakte, dafür finden wir die Schärfe insgesamt besser als beim Galaxy S6. Von der Belichtung und den Farben her gefällt uns aber auch hier das Ergebnis des Samsung-Smartphones besser.

Dass Apples iPhone-Kameras wie auch bei den vergangenen Modellen bezüglich der Auflösung unter denen der Topgeräte der Konkurrenz liegen, muss an sich nichts bedeuten. Bisher gehörte es zu Apples Stärken, dass Nutzer ohne viele Kenntnisse gut belichtete, farblich ansprechende Fotos produzieren konnten. Dies wurde durch eine wirklich gute Belichtungsautomatik und einen guten HDR-Modus erreicht. Mittlerweile ist aber klar zu sagen, dass dies kein Alleinstellungsmerkmal von Apple mehr ist: Die meisten anderen Hersteller haben hier gleichgezogen und bieten ihren Nutzern ebenso einfach gute Fotos.

Fotos des Galaxy S6 sind besser

Zusammen mit einer höheren Auflösung macht etwa das für unseren Vergleich hinzugezogene Galaxy S6 schlicht bessere Fotos als das iPhone 6S Plus. Die Bilder des iPhones sind natürlich trotzdem immer noch recht gut, die bessere Smartphone-Kamera hat allerdings Samsung. Daran ändern für uns auch die neuen Live Photos nichts. Auch verglichen mit den Bildergebnissen der vorigen 6er-Modelle sehen wir tatsächlich nur wenige Unterschiede bei der Bildqualität der Hauptkamera des iPhone 6S Plus.

Schönere Selbstporträts und 4K-Videos

Anders sieht das bei der Facetime-Kamera aus, also der Kamera auf der Vorderseite: Statt 1,2 Megapixel wie die Vorgängermodelle haben die neuen iPhones hier 5 Megapixel. Das führt zu merklich schärferen, detaillierteren und weniger verwaschenen Bildern. Bei der anhaltenden Beliebtheit von Selbstporträts ist die Erhöhung der Auflösung der Frontkamera ein längst überfälliger Schritt.

Erwähnenswert ist zudem die Möglichkeit, mit der Hauptkamera jetzt auch 4K-Videos aufzunehmen. Erfreulicherweise wird die Rückseite unseres iPhone 6S Plus auch bei einer zehnminütigen 4K-Aufnahme nicht nennenswert warm; andere Hersteller wie etwa Sony haben hier mehr Probleme. Wie bei den vorigen iPhones können Zeitlupenvideos mit bis zu 240 fps bei einer Auflösung von 720p aufgenommen werden.

Konkurrenzlos schneller Prozessor

Neben der Kamera und dem 3D-Touch-Display ist die dritte wichtige Neuerung bei den neuen iPhones der A9-Prozessor. Das verbesserte 64-Bit-SoC hat zwei Kerne und soll Apple zufolge eine um 70 Prozent höhere CPU-Leistung als der A8-Prozessor des iPhone 6 und iPhone 6 Plus haben. Die GPU-Geschwindigkeit soll um 90 Prozent gestiegen sein.

Ein Blick auf die Benchmark-Ergebnisse zeigt, dass der A9 tatsächlich der aktuell stärkste Prozessor im Mobilbereich ist: Im Geekbench 3 erreicht das iPhone 6S Plus einen Single-Wert von 2.519 Punkten, das iPhone 6 Plus schafft 1.600 Zähler. Zum Vergleich: Der Snapdragon 810 von Qualcomm erreicht im abgekühlten Zustand in Sonys Xperia Z4 Tablet 1.252 Punkte, also nur die Hälfte des iPhone 6S Plus. Der in den Galaxy-S6-Modellen von Samsung verbaute Exynos 7420 schafft 1.504 Punkte. Im Multi-Test kommt das neue große iPhone auf 4.345 Zähler.

Auch die Grafikleistung des neuen iPhones liegt weit über der der Konkurrenz: Im Icestorm-Unlimited-Test des 3DMark liegt das iPhone 6S Plus bei 27.977 Punkten. Hier lohnt der Blick auf das Einzelergebnis der GPU: Mit 42.238 Zählern erreicht der A9 hier einen extrem hohen Wert. Zum Vergleich: Der Snapdragon 810, wieder im Xperia Z4 Tablet, schafft insgesamt 23.868 Punkte, 35.368 Zähler bei der GPU. Der Exynos 7420 kommt auf 22.192 Punkte, 23.784 bei der GPU.

Sehr starke Grafikeinheit

Auch die Ergebnisse im Grafik-Test GFX Bench sprechen für die Qualität der verbauten GPU - der jüngst veröffentlichte Die-Shot des SoC lässt auf eine PowerVR GT7600 schließen. Im T-Rex-Test erreicht das iPhone 6S Plus einen Offscreen-Wert von 80 fps, über 25 fps mehr als das Xperia Z4 Tablet und über 34 fps mehr als das iPhone 6 Plus und das Galaxy S6. Im anspruchsvolleren Manhattan-Test schafft das neue iPhone 40 fps, 15 fps mehr als das Xperia Z4 Tablet und 16 fps mehr als das Galaxy S6. Das iPhone 6 Plus des vergangenen Jahres erreicht hier 20 fps.

Im Alltag macht sich der neue A9-Chip unter anderem beim App-Start bemerkbar: Verglichen mit dem Vorgängermodell öffnet das iPhone 6S Plus Anwendungen schneller, wenngleich der Unterschied nur im direkten Vergleich wirklich bemerkbar ist. Zusammen mit dem jetzt 2 GByte großen Arbeitsspeicher dürfte zudem das Multitasking besser sein. Auch hier merken wir allerdings bei alltäglicher Benutzung keine großen Unterschiede zum iPhone 6 Plus. Aktuelle, grafisch anspruchsvolle Spiele laufen auf dem neuen iPhone genauso flüssig wie auf den Vorgängermodellen.

Die Leistung des A9 sollte auch hinsichtlich einer längeren Nutzung des Smartphones betrachtet werden: Der neue Chip dürfte für die kommenden Jahre genügend Rechenleistung für anspruchsvolle Anwendungen bieten. Wer sich eines der neuen iPhones kauft, sollte angesichts der hohen Leistungsreserven für längere Zeit versorgt sein. Dies kann auch hinsichtlich der Spieleentwicklung ein nicht unerheblicher Punkt sein.

Schnelles LTE und schnelles WLAN

Ebenfalls eher eine langfristige Option ist die Unterstützung von LTE Advanced mit Übertragungsraten von bis zu 300 MBit/s. Bisher bietet lediglich die Deutsche Telekom einen entsprechenden Tarif, der die Datenrate ausnutzt. Auch bei den weiteren drahtlosen Verbindungen verfügen die beiden neuen iPhones mit über das Beste, was aktuell verfügbar ist: WLAN wird nach 802.11ac mit MIMO und mit Übertragungsraten von bis zu 866 MBit/s unterstützt, Bluetooth läuft in der Version 4.2.

Der Akku des iPhone 6S Plus soll von der Nennladung her kleiner sein als der des Vorgängermodells: 2.750 anstelle von 2.915 mAh. Dies hat Macrumors unter Bezugnahme auf eine taiwanische Internetseite berichtet, die ein Foto des Akkus zeigte; offizielle Angaben zur Nennladung macht Apple nicht. In unserem Videotest konnte das iPhone 6S Plus ein 1080p-Video 7,5 Stunden lang abspielen. Im Alltag hält das Smartphone bei durchschnittlicher Nutzung nicht mehr als einen Tag lang durch. Schauen wir sehr häufig auf das iPhone, verwenden Videodienste wie Youtube und spielen ab und zu auch ein Spiel, müssen wir das Gerät spätestens am frühen Abend wieder laden.

Verfügbarkeit und Fazit

Die beiden neuen iPhones sind zum Verkaufsstart am 25. September 2015 etwas teurer, als es ihre direkten Vorgängermodelle zum Marktstart waren: Das iPhone 6S kostet in der günstigsten Variante mit 16 GByte Speicher 740 Euro, mit 64 GByte Speicher 850 Euro und mit 128 GByte Speicher 960 Euro. Das iPhone 6S Plus kostet mit 16 GByte Speicher 850 Euro, mit 64 GByte Speicher 960 Euro und mit 128 GByte Speicher 1.070 Euro.

Gleichzeitig hat Apple die Preise des iPhone 6 und des iPhone 6 Plus gesenkt: Das iPhone 6 ist jetzt mit 16 GByte Speicher für 630 Euro zu bekommen, die 64-GByte-Version kostet 740 Euro. Vorher haben die Modelle jeweils 700 und 800 Euro gekostet. Das 128-GByte-Modell wird von Apple nicht mehr verkauft. Das iPhone 6 Plus kostet mit 16 GByte Speicher jetzt 740 Euro, mit 64 GByte Speicher 850 Euro. Auch hier gibt es keine 128-GByte-Variante mehr.

Bezüglich der Speichergrößen sei darauf hingewiesen, dass die 4K-Videofunktion der neuen iPhones den Speicher der 16-GByte-Modelle binnen Minuten füllt. Wer also vorhat, öfter auch längere Videos im hochauflösenden Format aufzunehmen, sollte mindestens die 64-GByte-Variante nehmen. Selbst wenn die Videos nach der Aufnahme direkt vom iPhone auf einen Rechner kopiert werden, sind bei den 16-GByte-Modellen aufgrund der Speichergröße Grenzen bei der Länge der Aufnahme gegeben.

Fazit

Meilenstein oder nicht Meilenstein - Apple muss sich wie jeder andere Hersteller bei einer Vorstellung eines Topgerätes an dieser Frage messen lassen. Die S-Modelle sind bei den iPhones allerdings klassischerweise eher technische Verbesserungen der Vorgänger als bahnbrechend neue Modelle, was auch am unveränderten Design ersichtlich ist. Auf den ersten Blick fällt es hier leicht zu sagen: Apple hat doch nix verändert.

Ganz so einfach ist es letztlich aber nicht: Besonders beim Prozessor hat Apple bei den neuen iPhones erneut Maßstäbe gesetzt. Der A9-Chip ist wieder das schnellste Mobile-SoC am Markt, und zwar diesmal mit deutlichem Abstand zum aktuell besten Qualcomm-Modell Snapdragon 810. Das Problem ist, dass viele Nutzer davon im Alltag wenig mitbekommen dürften. Bereits das iPhone 6 und das iPhone 6 Plus haben mit dem A8 einen guten Prozessor, der für alltägliche Aufgaben mehr als ausreicht. Die Verbesserung des Multitaskings und der Systemgeschwindigkeit können wir nur im direkten Vergleich erkennen. Das ändert natürlich nichts an der eigentlichen Leistungsfähigkeit des Chips.

Die neue Kamera hingegen überzeugt uns insbesondere im Vergleich mit denen der aktuellen Topsmartphones von Samsung nicht. Zwar hat Apple die Anzahl der Megapixel erhöht, die Qualitätsunterschiede zu den 8-Megapixel-Kameras der Vorgänger-iPhones sind aber tatsächlich nur minimal. Im direkten Vergleich empfinden wir die Fotos eines Galaxy S6 von Samsung in nahezu allen Situationen als besser. Die neue Live-Photos-Funktion ist zum einen nicht grundsätzlich neu, zum anderen im Alltag wenig nützlich.

Die 3D-Touch-Funktion hat uns hingegen sehr gut gefallen. Dank der verschiedenen Druckpunkte lassen sich viele alltägliche Wege des Fingers über das Display tatsächlich verkürzen - wenn man sich erst einmal an das neue Bedienungskonzept gewöhnt hat. Hier wird es noch interessanter, wenn weitere App-Hersteller die Funktion in ihre Anwendungen integrieren.

Ein unbedingter "Game Changer" ist 3D Touch aber nicht: Die Funktion allein macht die neuen iPhones nicht unwiderstehlich - ebenso wenig die Kamera. Das kann sich bei 3D Touch aber durchaus in Zukunft ändern, je nachdem, wie viele App-Hersteller die Funktion wie gut einbinden werden. Wer aktuell ein iPhone 6 oder 6 Plus besitzt, der sollte auch mit dem A8-Chip noch mindestens bis zum nächsten iPhone gut versorgt sein.

Wer mit dem Gedanken spielt, sich ein Topsmartphone zu kaufen, gegenüber dem Hersteller und dem Betriebssystem offen ist und auf eine sehr gute Kamera Wert legt, findet bei aktuellen Geräten von LG oder Samsung unserer Meinung nach bessere Alternativen. Diese bieten zwar bei den Messwerten weniger starke Prozessoren, im Alltag kommt dies beim Großteil der Anwendungen allerdings nicht zum Tragen. Dafür sind sie deutlich günstiger: So kostet das LG G4 mit braunem Ledercover aktuell in der 32-GByte-Version 425 Euro. Das Galaxy S6 ist mit 32 GByte Speicher ab 450 Euro zu haben.

Für Nutzer älterer iPhones, die bei iOS bleiben wollen, sind die neuen Modelle hingegen schon interessanter. Wer allerdings nicht unbedingt 3D Touch benötigt, sollte durchaus auch die 6er-Modelle in Betracht ziehen: Sie sind gerade im Preis gesunken und bieten bei der Kameraqualität eine ähnliche Leistung. Zwar ist der Chip nominal schwächer, im Alltag dürften viele Nutzer dies aber kaum bemerken.

Nachtrag vom 28. September 2015, 14:19 Uhr

Mittlerweile haben wir unseren Akkutest durchgeführt und den Text entsprechend erweitert.  (tk)


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