Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/assassin-s-creed-syndicate-angespielt-willkommen-in-arkham-london-1509-116463.html    Veröffentlicht: 24.09.2015 18:00    Kurz-URL: https://glm.io/116463

Assassin's Creed Syndicate angespielt

Willkommen in Arkham London

Zum ersten Mal können wir uns aussuchen, ob wir in Assassin's Creed als Mann oder Frau töten wollen - und moderne Fortbewegungsmittel und Gadgets haben wir außerdem. Ein völlig neues Spielgefühl stellt sich beim Anspielen von Syndicate jedoch nicht ein.

"Wer London kontrolliert, kontrolliert die Welt": Diese Allmachtsfantasie bringt Schurken, Korruption und somit auch die Templer ins London des Jahres 1868. Von diesem Übel will ein ungleiches Zwillingspaar im Action-Adventure Assassin's Creed Syndicate die britische Hauptstadt befreien: Jacob und Evie Frye. Als motivierte Freiheitskämpfer eilen sie zur Rettung in den Stadtteil Westminster.

Nach ihrer Bahnreise werden die Geschwister direkt am Bahnhof von einem Taschendieb beklaut und in eine Prügelei verwickelt. Doch davon lassen sie sich nicht abschrecken und suchen einen der letzten Assassinen in der Stadt auf: Henry Green. Der agile Rebell mit dem indischen Akzent wird fortan der Mentor von Jacob und Evie.

Die nichtglorreichen Sieben

Nach dem ersten, für die Serie typisch tiefen, aber eleganten Fall in einen Heuballen erklärt Green während eines Rundgangs durch das Viertel, wer die Fäden in London zieht: Crawford Starrick hat die Stadt in seiner Gewalt.

Zu dessen Verbündeten zählen sich die einflussreichsten Männer Londons: Politiker, Industriegiganten, Forscher und klassische Gangster. Insgesamt sind es sieben an der Zahl - wenn man ein Verbrecherpaar, das immer gemeinsam agiert, als einen Gegner zählt. Es ist im Spielverlauf die Aufgabe des Spielers, sie auszuschalten, um schließlich an Starrick zu gelangen. Während unserer Anspielsession gehen wir dem flinken Schurken Rexford Kaylock nach, der dafür berüchtigt ist, von einer Sekunde zur nächsten von der Bildfläche zu verschwinden.

Kutsch- und Bahnfahrten

Für die Fortbewegung in der Großstadt stehen uns nicht nur unsere Füße zur Verfügung. Per Knopfdruck schubsen wir kurzerhand die Kutscher von ihren hölzernen Bänken und lassen uns von Pferden ziehen.

Die Steuerung der Kutschen ist hakelig. Wir sind aber auch eher an die eleganten Supersportwagen aus GTA gewöhnt. Und ganz so leicht ist ein U-Turn mit einer Kutsche eben nicht. Nach etwas Eingewöhnung sind die Gefährte aber eine gerngesehene Alternative, um nicht ständig Häuser hoch und runter laufen zu müssen.

Aus der Illusion, sich im historischen London zu befinden, werden wir jäh gerissen, als es in einer Mission darum geht, mit unserer Kutsche in bester Ben-Hur-Manier Feinde zu rammen - und wir dabei unversehens und höchst unrealistisch Hunderte Passanten überrollen.

Mother Base rollt

Während der folgenden rund 90 Minuten befreien wir Westminster Distrikt für Distrikt durch die Erfüllung altbekannter Standardmissionen. Einmal retten wir Kinder aus einer Industrieanlage, dreimal schalten wir individuelle Ziele mehr oder weniger unbemerkt aus - danach stellen wir Rexford Kaylock auf einer Lokomotive im Showdown.

Nach diesem ersten gewonnen Bandenkrieg schnappen wir uns nicht nur den Enterhaken von Kaylock, den er regelmäßig für sein plötzliches Verschwinden nutzte, sondern auch gleich die Lokomotive, auf der wir unseren Sieg errungen haben.

Die Lok fährt daraufhin im Kreis um die Stadt und wird zum mobilen Assassinen-Hauptquartier, in dem wir im Safe unser regelmäßiges Einkommen einsacken oder unsere Gang aufleveln. Diese steht uns im Kampf zur Seite oder verkauft neue Gegenstände in Shops.

Gute und schlechte Missionen

Der Enterhaken wird fortan unser Lieblingsspielzeug. Mit ihm ziehen wir uns in Windeseile an den hohen Gebäuden empor bis an die Spitze - das Klettern entfällt. Das funktioniert genauso wie in den Batman-Spielen von Rocksteady. Wir zielen auf einen Vorsprung oder eine Turmspitze, und ein Druck auf L1 zieht uns direkt dorthin - genau wie in Batman - Arkham Asylum, Arkham City oder Arkham Knight.

Alternativ können wir den Enterhaken auch waagerecht spannen und uns dann daran entlanghangeln, um so beispielsweise elegant aus der Luft anzugreifen oder unentdeckt über die Innenhöfe von Dach zu Dach zu kommen. In der bis dahin interessantesten Mission müssen wir auf diese Weise zum Beispiel an den Sicherungskästen von Big Ben herumbasteln. Die befinden sich in den höchsten drei Punkten des ikonischen Gebäudes.

Zusätzliche Erfahrung und Bonus-Geld gibt es nur, wenn wir bei der Vollendung unserer Mission niemals die Höhe von 30 Metern unterschreiten, also schön weit oben bleiben und uns von Turm zu Turm hangeln. Das gelingt nur durch den cleveren Einsatz des neuen Gadgets.

Bitte kein Alarm

Nervig wird es wie schon im Vorgänger Assassin's Creed Unity auch in Syndicate, wenn wir während einer geheimen Tötungsmission entdeckt werden und vielen Gegnern gegenüberstehen. Das Weglaufen, Verstecken und Warten, bis sich die Meute beruhigt hat, zieht sich hin. Und ein Kampf dauert in der Regel sehr lang und ist wohlmöglich am Ende nicht einmal erfolgreich.

Wir wünschen uns daher wie schon beim Vorgänger häufig eine simple "Zurück zum letzten Checkpoint"-Option, wie sie zum Beispiel Tomb Raider bietet. In Syndicate fliegen wir nämlich häufig auch in Situationen auf, wo wir uns in Sicherheit wähnen. Wegen der nach wie vor hakeligen Steuerung zwischen den Passanten, engen Gebäuden oder mehreren Geländern können uns die Wachen doch unverhofft entdecken. Denn die künstliche Intelligenz hat ihre alten Schwächen bei der Wegfindung und rennt plötzlich in uns hinein oder unvorhersehbar durch Objekte hindurch.

Kein Freischwimmer und Fazit

Wer gerne wie in Assassin's Creed Black Flag auf Tauchgang gehen möchte, wird übrigens enttäuscht: Ein Sprung in die Londoner Themse bedeutet den Tod. Warum das so ist? Ende des 19. Jahrhunderts sei der Fluss so verseucht gewesen, dass nicht einmal ein Assassine darin habe überleben können, scherzen die Entwickler. Viel Bewegungsspielraum hätte es in dem Fluss aber sowieso nicht gegeben. Dutzende Schiffe tummeln sich in dem Gewässer. Grafisch ist das geschäftige Treiben auf der Themse der Hingucker schlechthin, ganz egal von welchem Aussichtspunkt der Stadt, sei es Big Ben oder St Paul's Cathedral.

Da Syndicate erstmals zwei Protagonisten hat, können wir in den meisten Missionen frei unseren spielbaren Charakter wählen und über das Hauptmenü wechseln. Beide Helden haben ihren eigenen Fähigkeitenbaum. So kann Jacob zum Profiboxer und Evie zu einer Expertin im Schleichen werden oder umgekehrt. Die gesammelten Erfahrungspunkte werden immer beiden Geschwistern gutgeschrieben.

Assassin's Creed Syndicate soll am 23. Oktober 2015 für den die Xbox One und die Playstation 4 erscheinen. Etwas später soll die PC-Fassung folgen. Wir haben bei einem Event von Ubisoft in London die PS4-Fassung gespielt.

Fazit

London zur Zeit der Industrialisierung ist als Schauplatz interessant und vielfältig. Mit ungebrochener Erkundungsfreude sind wir beim Anspiel-Event auf Big Ben und St Paul's Cathedral geklettert, um den Ausblick über die qualmenden Schornsteine zu genießen. Positiv überrascht hat uns die für ein Assassin's Creed übersichtliche Handlung. Von Abstergo und dem Animus haben wir noch nichts Neues erfahren, wir durften aber auch erst zwei separate Akte anspielen.

Das Gameplay ist in Syndicate flotter als in den Vorgängern. Mit der Kutsche bringen wir die Helden, die Geschwister Frye, stilvoll über die Straßen Londons oder nehmen das mobile Hauptquartier, den Zug. Der Enterhaken gibt uns fast die gleiche Beweglichkeit wie wir sie in Rocksteadys Batman-Spielen der Arkham-Serie genießen. Wäre jetzt noch Leonardo DaVincis Flugmaschine aus Assassin's Creed 2 mit im Spiel, könnte man von fast von den Vorfahren des dunklen Ritters sprechen.

Durch die kaum veränderten Missionsstrukturen spielt sich Syndicate aber auch mit den neuen Gadgets nicht grundlegend anders als die zahlreichen Vorgänger. Die meisten Aufgaben laufen nach dem bekannten Schema ab: Gelange zu Punkt A, benutze Adlerauge, töte Wachen, ohne Alarm auszulösen, befrage oder töte Missionsziel. Daher hatten wir beim Anspielen von Syndicate nicht viel mehr Spaß als mit Black Flag und streckenweise auch den gleichen Frust wie in Unity. Wir sind gespannt, wie sich die Motivationskurve im fertigen Spiel über die komplette Spielzeit entwickeln wird.  (mw)


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