Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/rise-of-the-tomb-raider-angespielt-lara-croft-und-die-unsterblichkeit-1509-116449.html    Veröffentlicht: 24.09.2015 15:00    Kurz-URL: https://glm.io/116449

Rise of the Tomb Raider angespielt

Lara Croft und die Unsterblichkeit

Teil zwei der Tomb-Raider-Trilogie startet im November 2015 auf der Xbox One etwas früher als auf dem PC und der PS4. Noch früher durften wir drei Stunden das Gamepad in die Hand nehmen und mit Lara Gräber erforschen.

Die Erinnerung an die junge, zitternde und verstörte Lara Croft verblasst, sobald wir Lara in Rise of the Tomb Raider auf der Xbox One sehen. Hier ist sie nicht mehr das jugendliche und unschuldige Abenteuermädel, das 2013 im Tomb-Raider-Reboot von Square Enix in Seenot geriet und um sein Leben kämpfen musste. Eine ausgewachsene Archäologin steht vor uns und will mit unserer Hilfe in Sibirien durch den kniehohen Schnee des Action-Adventures stapfen, um eine vergessene Stadt im ewigen Eis aufzuspüren.

Schnell gehen wir mit den Gedanken von Lara d'accord: "Beweg' Dich, verdammt noch mal", sagt sie, als sie im Schneesturm kaum mehr vorwärtskommt - und spricht uns damit aus der Seele, denn auch uns geht es auf dem schneebedeckten Pass viel zu langsam voran. Durch die bewährte kinoreife Inszenierung hat Rise of the Tomb Raider unsere Aufmerksamkeit im Handumdrehen - toll!

Direkt fällt uns auch ein schönes grafisches Detail auf: Die Spuren, die wir im Schnee hinterlassen, schneien langsam wieder zu. Auch die Lichteffekte, vor allem die Lens Flares, sind noch schicker als im Vorgänger. Die Engine unterstützt jetzt auch globale Lichtberechnung mit Physically Based Rendering und deutlich weichere Schattenverläufe.

Die enorme Weitsicht lädt immer wieder zum Verweilen und Umschauen ein. Ansonsten ähnelt Rise of the Tomb Raider technisch stark der Definitive Edition des Vorgängers auf der aktuellen Konsolengeneration oder dem PC. Das Spiel läuft laut Hersteller mit 30 Bildern pro Sekunde bei einer Auflösung von 1080p.

Temporär eingestreute cineastische Kamerawinkel setzen actionreiche wie atmosphärische Momente sehr schön in Szene - etwa, wenn uns die aus der E3-Präsentation bekannte Lawine ergreift und im ewigen Eis einschließt. Soundeffekte und Animationen sind auf dem gewohnten Spitzenniveau und lassen uns mit Lara leiden, wenn sie sich bei Stürzen die Knochen bricht und nach tiefen Wunden aus Schusswechseln benommen taumelt.

Was bringt das ewige Leben?

Die Handlung befasst sich mit der Frage nach dem ewigen Leben. Den Heiligen Gral konnten wir in Manuskripten und auf Höhlenmalereien bereits entdecken. Laras Vater war geradezu besessen von dem Thema. Parallelen zur Handlung der Indiana-Jones-Filme sind offensichtlich und werden im Spiel mit Flashbacks aus Laras Jugend in Croft Manor vertieft.

Glücklicherweise bedienen sich die Entwickler von Crystal Dynamics aber nicht nur bei den Abenteuern des peitschenden Archäologen, sondern streuen auch viele eigene Ideen ein. So denken wir dann doch nicht allzu häufig an Harrison Ford und konzentrieren uns schnell wieder auf Lara.

Die Bösen sind in Rise of the Tomb Raider die Mitglieder der Gruppierung Trinity. Sie werden angeführt von einem blonden Schurken, der seinen Untergebenen bei Versagen schon mal die Augen mit zwei Daumen ausdrückt. Ob Trinity den Mythen um das ewige Leben und einen mysteriösen Propheten selbst hinterherjagt oder die Geheimnisse beschützen will, konnten wir in den ersten drei Spielstunden Anspielen nicht herausfinden.

Ein paar Änderungen haben die Entwickler am erfolgreichen Konzept vorgenommen. Die optionalen Dungeons und geheimen Gräber sollen in Rise of the Tomb Raider nun zum Teil komplexer und schwieriger als im ersten Teil ausfallen und immer eine kleine Ministory haben.

Eine echte Kopfnuss war das optionale Dungeon, den wir während des Anspielens entdeckten, zwar noch nicht. Das wird aber dem Spielbeginn geschuldet sein. Die im ewigen Eis verschollene Galeone war zwar schön anzusehen, aber ein einfaches Physikrätsel genügte, um an unseren Schatz zu kommen. Wir sind gespannt, ob die späteren Neben-Aufgaben knackiger werden.

Mehr Handarbeit und Ressourcen

Im Vorgänger gab es nur Schrott als übergreifendes Gut zu sammeln, jetzt bricht Lara auch einzelne Äste von kleinen Bäumen für eine Feuerstelle oder sammelt Beeren, Knochen, Schnüre und was ihr noch so in die Hände fällt einzeln auf. Das bedeutet, dass das Crafting-System in Rise of the Tomb Raider deutlich komplexer ausfällt und wir viel Kleinkram im Menü finden.

Anleitungen für den Bau der verschiedenen Waffen und Gadgets müssen nicht gesucht werden. Dennoch geht der Titel in diesem Bereich einen deutlichen Schritt in Richtung von The Witcher 3 oder Skyrim, ohne deren komplexe Systeme annähernd zu erreichen. Zum authentischen Gefühl beim Überlebenskampf in der Wildnis trägt dieses neue System aber bei. Das Gleiche gilt für Laras Shopping-Freude: Mit versteckten Münzen kann sie bei verschiedenen NPCs auch Objekte einkaufen.



Sprachen lernen mit Lara und Fazit



An verschiedenen Stellen im Spiel findet Lara Monolithen. Deren Inschriften lassen sich nur entschlüsseln, wenn Lara ihre Sprachkenntnisse hochlevelt. Das tut sie, wenn der Spieler den linken Analogstick (L3 statt wie im Vorgänger L1) drückt und mit dem Überlebensinstinkt auf Spurensuche geht.

Nach der Betrachtung von ein paar Höhlenmalereien hat sich die Croft an ihre Linguistik-Kenntnisse erinnert und kann die Schriften an den Monolithen lesen. Das ist nicht besonders logisch, fasziniert aber trotzdem durch atmosphärische Kommentare der Protagonistin und den einen oder anderen erklärten Mythos. Entschlüsselte Monolithen bringen Lara spezifische Upgrades oder geben Auskunft über die GPS-Daten versteckter Objekte auf der Karte.

Als die drei Stunden mit Lara Croft auf Microsofts Anspiel-Event in London vorbei sind, stellen wir fest, dass wir uns nur an einem Detail etwas gestört haben, das wir bereits aus dem Vorgänger kennen: Die Modelle der gegnerischen NPCs sind nicht besonders vielfältig. So haben wir "diesen einen Gegner, der so aussieht wie Solid Snake aus Metal Gear Solid" allein in den ersten paar Stunden schon über zwanzigmal besiegt.

Aber es gibt auch Positives über die Gegner zu berichten. Im Vorgänger wussten die Feinde jederzeit auf magische Weise, wo sich Lara befand, und attackierten sie selbst in Deckung. Im neuen Teil kann sich Lara wieder verstecken, auch nachdem sie einen Alarm ausgelöst hat. Dadurch machen die Schleichelemente nun deutlich mehr Spaß.

Rise of The Tomb Raider soll am 13. November 2015 für die Xbox One erscheinen. Anfang 2016 soll die Veröffentlichung auf dem PC folgen, später im Jahr auch die auf der Playstation 4.

Fazit

Nach den ersten drei Stunden Anspielen hätten wir Rise of the Tomb Raider am liebsten direkt in die Tasche gesteckt und zu Hause weitergespielt. Der Spielbeginn ist mit seiner typisch mystischen Handlung à la Indiana Jones überaus fesselnd inszeniert und wirkt absolut ausgereift.

Die angespielte Xbox-One-Version läuft in Full-HD-Auflösung stabil bei 30 Bildern pro Sekunde und sieht vor allem durch die überarbeiteten Lichteffekte spektakulärer und atmosphärischer aus als der Vorgänger. Daher können wir darüber hinwegsehen, dass im November noch keine 4K-Auflösung oder eine noch detailliertere Haarpracht zur Verfügung stehen wird.

Die spielerischen Neuerungen wie das erweiterte Crafting-System und die Verbesserungen bei der künstlichen Intelligenz der Gegner sind sehr vielversprechend, und über mehr Archäologen-Flair bei der Story beschweren wir uns sicher nicht.

Wenn der Rest des Spiels genauso gut ist wie der Anfang, war Microsofts Entscheidung klug, das Spiel für eine gewisse Zeit exklusiv für die Xbox One einzukaufen. Denn damit hätte das Unternehmen einen sehr attraktiven Alleinstellungstitel im Weihnachtsgeschäft.  (mw)


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