Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/es-wird-einmal-gewesen-sein-microsofts-zune-wird-komplett-eingestellt-1509-116369.html    Veröffentlicht: 17.09.2015 11:53    Kurz-URL: https://glm.io/116369

Es wird einmal gewesen sein ...

Microsofts Zune wird komplett eingestellt

Microsoft beendet seinen Versuch, mit einer modernen Windows-Software, zahlreichen Hardware-MP3-Playern und einem Online-Musik-Dienst eine Konkurrenz zu Apples iTunes aufzubauen. Käufer von DRM-Inhalten müssen mit Einschränkungen der Rechte an ihrer Musik rechnen.

Die Zune-Dienste sind tot: Microsoft stellt den Onlinemusikdienst Mitte November 2015 ein. Musik kann dann via Zune endgültig nicht mehr heruntergeladen werden, auch die Lizenzverwaltung wird beendet. Die Hardware kann aber weiter eingesetzt und mit der Zune-Software synchronisiert werden.

Mit dem Ende des Zune-Dienstes gehen dem Anwender von Zune-Hardware seine Lizenzen verloren. Die legal erworbenen Rechte für die Musik lassen sich nicht mehr erneut aktivieren, wie aus den Zune-FAQ hervorgeht. Für die Verwendung auf Zune-Hardware ist das allerdings notwendig.

Sonderlich erfolgreich war das Zune-Projekt von Microsoft nicht. Die Abspielgeräte schafften es nicht einmal nach Deutschland. Microsoft konzentrierte sich überwiegend auf den US-Markt. Dort gab es zwar hin und wieder Meldungen, die nach Erfolg klangen: ausverkaufte Geräte, Lieferschwierigkeiten. Doch die waren offenbar schlicht darauf zurückzuführen, dass zu wenig Geräte produziert worden waren. Als Konsequenz wurden bereits 2011 die Zune-Hardware-Player eingestellt

Falsche Entscheidungen machten aus dem vielversprechenden Zune-Projekt einen Flop

Dabei waren die Geräte gar nicht so schlecht. Als wir im Jahr 2009 den Zune HD-Player testeten, zeigte sich bereits, wo Microsoft damit hinwollte: Es war der Prototyp für das zukünftige Windows-Phone-Smartphone. Die Bedienung war rasant und die Oberfläche angenehm aufgeräumt im Vergleich zu den damaligen Angeboten von Microsoft. Selbst bei der Verpackung nahm sich Microsoft Apple zum Vorbild und reduzierte sie auf das Nötigste. Dazu gab es einen aufgeräumten und modernen Softwareplayer im Kachel-Look. Microsoft nutzte diese Optik später für Windows 8.

Doch Microsoft machte große Fehler bei dem Versuch, eine iPod-Konkurrenz aufzubauen. Nicht nur war die Hardware nur regional verfügbar, selbst die Software wurde kaum propagiert. Noch heute ist der altbacken wirkende Windows Media Player Teil von Windows 10. Die Zune-Software aus dem Jahr 2009 hingegen ist von der Bedienung her viel angenehmer, muss aber getrennt installiert werden. Ein großer Fehler war zudem der Aufbau der Spieleunterstützung. Schon damals konnte Microsoft Spiele-Apps anbieten, doch Spieleentwickler durften kaum auf die Hardwareressourcen zugreifen. Nur Microsofts wenige Eigenentwicklungen waren damit grafisch anspruchsvoll. Die Plattform wurde nie richtig geöffnet und auch nicht mit anderen Diensten verknüpft.

Vieles aus dem kommerziellen Zune-Experiment wurde aber weiterverwendet und stand als Vorbild für andere Entwicklungen, die Microsoft starten konnte - wenn auch später als die Konkurrenz. Damit bleibt Zune indirekt auch weiterhin Bestandteil vieler Microsoft-Produkte. So gesehen war Zune ein erfolgreiches Forschungsprojekt, aber ein kommerzieller Flop.

Nachtrag vom 20. September 2015, 20:54 Uhr

Ursprünglich hieß es in der Meldung, basierend auf offiziellen FAQ im Knowledge-Base-Bereich von Microsoft, dass DRM-Rechte verloren gehen. Ergänzende FAQ stellen nun aber klar, dass die Rechte auf andere Dienste migriert werden. Besitzern von Zune-Hardware hilft das jedoch nicht, da diese nur mit dem Zune-DRM zusammenarbeiten und den Lizenzstatus periodisch überprüfen. Das Problem lässt sich mit dem Kauf neuer Hardware oder dem Kauf von DRM-freier Musik umgehen, die sich weiterhin mit der Zune-Hardware synchronisieren lässt. Basierend auf diesen Informationen wurde der Artikel überarbeitet. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.  (ase)


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