Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/mission-e-der-porsche-wird-elektrisch-1509-116359.html    Veröffentlicht: 16.09.2015 17:32    Kurz-URL: https://glm.io/116359

Mission E

Der Porsche wird elektrisch

Porsche kann auch elektrisch: Der Zuffenhausener Sportwagenhersteller stellt auf der IAA ein Konzeptauto mit Elektroantrieb vor. Die Technik stammt zum Teil aus dem Rennsport.

Er ist schnittig, er ist elektrisch - und er ist ein Porsche: Auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt stellt der Sportwagenhersteller erstmals ein komplett elektrisches Auto vor: den Mission E (Halle 3.0 Stand A12).

Mit der Konzeptstudie wolle das Unternehmen aus Zuffenhausen zeigen, wie Elektromobilität in Zukunft aussehen könne, sagt Porsche-Mitarbeiter Tim Bravo im Gespräch mit Golem.de. Deshalb sei in dem Auto auch Technik verbaut, die derzeit kommerziell noch nicht verfügbar ist.

Das Auto schafft die Nordschleife in weniger als 8 Minuten

Sportliche Leistung und große Reichweite seien wichtige Kriterien für ein Elektroauto aus dem Hause Porsche. Das Auto hat zwei Elektromotoren - einen an jeder Achse, was einen Allradantrieb ermöglicht. Zusammen haben sie eine Leistung von 440 kW (über 600 PS). Sie beschleunigen das Auto in 3,5 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h. Nach etwa 12 Sekunden sind 200 km/h erreicht, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei über 250 km/h. Eine Runde auf der knapp 21 Kilometer langen, legendären Nordschleife des Nürburgrings schafft das Auto in weniger als 8 Minuten.

Die Reichweite gibt Porsche mit 500 Kilometern an - wobei diese explizit auf eine sportliche Fahrweise ausgelegt ist. Es soll relativ schnell gehen, den Akku aufzuladen: Das Auto hat eine Schnellladefunktion, die es ermöglicht, den Akku in 15 Minuten zu 80 Prozent zu laden - das entspricht einer Reichweite von 400 Kilometern.

Der Akku kann drahtlos geladen werden

Geladen wird drahtlos per Induktion oder per Kabel. Hierbei setzt Porsche erstmals eine Spannung von 800 Volt ein - bisher wird mit 400 geladen. Vorteil ist laut Porsche unter anderem eine kürzere Ladezeit. Für die Reichweitenverlängerung sorgen auch die beiden Motoren, die beim Bremsen kinetische Energie in elektrische wandeln.

Die schick geformte Karosserie des Mission E besteht aus Stahl, aber auch aus den Leichtbaumaterialien Aluminium und kohlefaserverstärkten Kunststoff. Der Lithium-Ionen-Akku ist in den Unterboden integriert. Das sorgt für einen niedrigen Schwerpunkt des Autos, was sich positiv auf die Fahreigenschaften auswirkt.

Die Insassen nehmen auf Schalensitzen Platz

Extravagant ist der Innenraum: Das Auto ist ein Viersitzer, Fahrer und Passagiere setzen sich auf Einzelsitze, die Rennschalensitzen nachempfunden sind. Eingestiegen wird durch vier Türen, wobei die Türen auf einer Seite jeweils gegenläufig geöffnet werden. So kommt das Auto ohne B-Säule aus. Die Mittelkonsole setzt direkt unter dem Armaturenbrett an und ist unten offen.

Statt konventioneller Instrumente hat das Auto ein gebogenes Display aus organischen Leuchtdioden (Organic Light Emitting Diode, OLED), das in fünf Instrumente unterteilt ist. Die steuert der Fahrer zum Teil mit den Augen: Schaut er auf ein Instrument, erkennt eine Kamera die Blickrichtung und aktiviert es. Mit Tasten am Lenkrad kann der Fahrer dann in dem Menü navigieren.

Porsche baut Hybridautos für Straße und Rennstrecke

Bisher hat Porsche nur Plugin-Hybride gebaut wie etwa den Supersportwagen 918 Spyder oder den Panamera. Hinzu kommt der Hybrid-Le-Mans-Prototyp (LMP-H) 919 Hybrid, mit dem Porsche dieses Jahr das 24-Stunden-Rennen von Le Mans gewonnen hat.

Dessen Motoren ähneln denen des Mission E. Durch die Erfahrungen mit dem 919 Hybrid habe der Elektrosportwagen so schnell entwickelt werden können, erzählt Bravo. Die Rennsportler wiederum hätten seinerzeit von der Serie profitiert: Der 919 Hybrid wäre ohne die Erfahrungen aus der Entwicklung des 918 Spyder nicht so schnell erfolgreich gewesen.

Der Antrieb der Zukunft sei elektrisch, sagt Bravo, davon sei Porsche überzeugt. Bis das Unternehmen einen Serien-E-Sportwagen auf den Markt bringe, werde es aber noch einige Jahre dauern. Dafür müsse die entsprechende Infrastruktur wie 800-Volt-Ladestationen bereitstehen. Außerdem müssten die Akkus noch verbessert werden.  (wp)


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