Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/aufsteckkamera-dxo-one-im-test-schnapp-steck-klick-1509-116305.html    Veröffentlicht: 15.09.2015 12:01    Kurz-URL: https://glm.io/116305

Aufsteckkamera Dxo One im Test

Ein Klick macht das iPhone zur echten Kamera

Smartphone-Kameras haben den Vorteil, dass man sie immer dabeihat, eignen sich für ernsthafte Fotografie allerdings nur mit Abstrichen bei Schärfe und Rauschverhalten. Dxo bietet als Alternative die ansteckbare Kamera Dxo One an - die für iPhone-Fotografie ein echter Gewinn ist.

Wer ein Smartphone besitzt, hat immer eine Schnappschusskamera dabei. Bei aktuellen Topgeräten ist die Qualität mittlerweile so hoch, dass sich die geschossenen Fotos auch für Ausdrucke oder die digitale Weiterverarbeitung eignen. Einige nehmen sogar Bilder im verlustfreien RAW-Format auf - aufgrund kleiner Bildsensoren und vergleichsweise winziger Optiken können die Bilder aber trotzdem nicht mit denen einer DSLR mithalten.

Auch die aktuellen iPhones sind für ihre guten Fotos bekannt, leiden aber unter den gleichen Problemen - was man bei Ausschnittsvergrößerungen schnell sieht. Apple ist zumindest das Problem der geringen Auflösung beim neuen iPhone 6S und iPhone 6S Plus angegangen - hier haben die Kameras jetzt 12 Megapixel. Auch dies reicht aber nicht für Fotos mit der Qualität einer Mittelklasse-DSLR. Der kleine Sensor führt bei derartig kleinen Bildsensoren sowohl zu stärkerem Bildrauschen bei weniger guten Lichtbedingungen als auch zu wenig Spielraum bei der Gestaltung eines unscharfen Hintergrundes.

Der Hersteller Dxo bietet iPhone- und iPad-Nutzern jetzt die Möglichkeit, diese technischen Schranken zu überwinden und qualitativ hochwertige Fotos machen zu können: Die Ansteckkamera Dxo One wird über den Lightning-Anschluss mit dem Smartphone oder Tablet verbunden, wodurch sich Fotos mit 20,2 Megapixeln im RAW-Format aufnehmen und direkt auf das iPhone spielen lassen. Golem.de hat sie ausgiebig getestet und die Bildqualität mit der des iPhones und einer DSLR verglichen - mit eindeutigen Ergebnissen.

Dxo wirbt damit, dass iPhone-Besitzer mit der Ansteckkamera Bilder in DSLR-Qualität machen könnten. Dass die Bilder mutmaßlich besser als die der in den aktuellen iPhones eingebauten Kameras sind, deutet ein Blick auf die technischen Spezifikationen der Dxo One bereits an: Der BSI-Sensor der Kamera ist 1 Zoll groß. Das verglichen mit Smartphone-Linsen merklich größere Objektiv hat eine Brennweite von 11,9 mm, umgerechnet auf das Kleinbildformat entspricht das 32 mm. Mit einer Anfangsblende von f/1.8 ist das Objektiv sehr lichtempfindlich. Damit sollten sich auch in dunklen Umgebungen Fotos mit geringerem Rauschen als mit der iPhone-Kamera aufnehmen lassen.

Hintergrundunschärfe mit gleichmäßigem Bokeh

Bereits im Sucherbild sieht man der Dxo One an, dass sie dank des größeren Sensors und der größeren Blendenöffnung verglichen mit der iPhone-Kamera einen größeren Spielraum bei der Hintergrundunschärfe hat. Dieser Eindruck bestätigt sich bei Fotos mit Offenblende: Fokussieren wir ein Objekt nahe der Kamera - die Naheinstellungsgrenze beträgt 20 cm -, hat der Hintergrund bei Blende f/1.8 ein schönes, ruhiges Bokeh.

Mit der Kamera des iPhones können wir nicht so gut Objekte vor einem unruhigen Hintergrund freistellen. Auch kommt die Dxo One mit dunkleren Bereichen bei Tageslichtaufnahmen besser klar als die iPhone-Kamera: Die Schatten saufen deutlich weniger stark ab. Insgesamt wirken die Aufnahmen des iPhones merklich bearbeiteter als die der Dxo One - die Sättigung ist höher, Schatten und Lichter werden aneinander angeglichen. Im direkten Vergleich ist der Bildeindruck der iPhone-Fotos künstlicher, die Dxo-One-Fotos wirken natürlicher.

Hohe Auflösung mit scharfen Details

Bei der Auflösung trennen die beiden Kameras Welten. Das ist bei einer Auflösung von 20 Megapixeln auf einem größeren Sensor gegenüber nur 8 Megapixeln nicht überraschend. Bereits bei leichter Vergrößerung sind Kanten bei Tageslichtaufnahmen bei den Fotos der Dxo One weniger pixelig als beim iPhone, Flächen haben weniger Artefakte. Feine Details sind bei noch stärkerer Vergrößerung wesentlich weniger verwaschen und unscharf.

Auch bei Aufnahmen in schummrigen Lichtverhältnissen erreicht die Dxo One bessere Ergebnisse als das iPhone 6 oder das iPhone 6 Plus: Das Bildrauschen ist deutlich geringer, die Kanten dank der besseren Auflösung ebenfalls schärfer und glatter. Nachtaufnahmen lassen sich mit dem iPhone und der Ansteckkamera in deutlich besserer Qualität erstellen, als es das iPhone alleine vermag - hier zeigen sich die Beschränkungen einer Smartphone-Kamera am deutlichsten.

Die Bildqualität bei Nachtaufnahmen profitiert vom geringen Rauschen und der feineren Schärfe. Dank der sechsblättrigen Blende der Dxo One lassen sich zudem Blendensterne realisieren. Da die Belichtungszeiten manuell gewählt werden können, ist es zudem möglich, auch Blendenreihen aufzunehmen. Mit diesen kann dann beispielsweise in Lightroom ein HDR-Bild erstellt werden, das qualitativ hochwertiger als eine HDR-Aufnahme der iPhone-Kamera ist.

Super-RAW-Format für rauschfreie Aufnahmen

Neben dem RAW-Format bietet Dxo bei seiner Ansteckkamera auch ein Super-RAW-Format an. Hier werden vier RAW-Aufnahmen zu einer einzigen verarbeitet, die besonders rauscharm sein soll. Da die Super-RAW-Aufnahmen jeweils über 160 MByte groß sind, werden sie nur auf der Speicherkarte gesichert - ein daraus gerendertes JPG wird nicht auf das iPhone überspielt.

Mit einer Aufnahme in unserem spärlich beleuchteten Serverraum haben wir den Qualitätsunterschied zwischen RAW- und Super-RAW-Aufnahmen gesucht - und tatsächlich gefunden. Bei starker Vergrößerung sind insbesondere dunkle Bereiche beim normalen RAW merklich verrauschter. Bei Aufnahmen in derartigen Low-Light-Konditionen kann das Super-RAW-Format also wirklich eine qualitative Verbesserung bieten.

Super-RAW-Bilder nur mit spezieller Software zu bearbeiten

Der Preis dafür ist ein leichter Schärfeverlust in feinen Strukturen und der Umstand, dass der Nutzer für die Bearbeitung dieser Dxo-Dateien auf das Programm Dxo Opticspro zurückgreifen muss, das regulär 200 Euro kostet. Zum Verkaufsstart erhalten Nutzer die Anwendung für einen nicht näher genannten Zeitraum kostenlos. Lightroom-Nutzer können in Opticspro geöffnete Super-RAW-Fotos direkt in Lightroom weiterverarbeiten, für Mac-User wird es ein Plugin für die Fotos-Anwendung geben.

Einen optischen Zoom hat die Dxo One nicht. Möchten wir einen Bildausschnitt bei der Aufnahme vergrößern, können wir lediglich einen digitalen Zoom einsetzen. Zwar hat die Auflösung der Ansteckkamera durchaus genügend Reserven, um digital vergrößern zu können, ein Verlust der Bildqualität ist aber zu beobachten - egal in welchem Aufnahmeformat.

Dxo schlägt sich gut im Vergleich mit Canon 5D Mark III

Wohlwissend, dass die Dxo trotz der Angaben des Herstellers nicht mit dem Sensor und der Optik einer professionellen DSLR mithalten kann, haben wir deren Fotos auch mit denen einer Canon 5D Mark III mit 24-105 mm 1:4.0 L-Objektiv verglichen. Dabei schafft es die Dxo One durchaus, nahe an die Qualität der Canon heranzukommen - auch wenn es natürlich immer noch starke Unterschiede bei der Hintergrundunschärfe und dem Rauschverhalten gibt. Die 5D Mark III erzeugt mit der von uns genutzten Optik einen weitaus schöneren Hintergrund. Uns hat die Qualität der Dxo-Aufnahmen im direkten Vergleich dennoch gefallen und durchaus überrascht.

Die Bildqualität der Dxo One überzeugt also - aber wie sieht es mit der Bedienung aus? Die Aufsteckkamera passt problemlos in die Innenfläche einer normal großen Hand, mit einer Größe von 66,8 x 46,8 x 23,9 mm und einem Gewicht von 110 Gramm lässt sie sich bequem in der Jackentasche verstauen. Das Objektiv mit sechs Linsenelementen ragt um ungefähr 2,2 mm aus dem Gehäuse hervor.

Schnelle Verbindung mit dem iPhone

Gestartet wird die Dxo One, indem die Schutzklappe vor dem Objektiv heruntergezogen wird. Dann ist die Kamera sofort betriebsbereit und kann auch ohne Verbindung mit dem iPhone verwendet werden. Über einen kleinen OLED-Screen auf der Rückseite kann der Nutzer zwischen Foto- und Videomodus umschalten; zudem werden Informationen wie der Akkustand, der Bildaufzeichnungsmodus und der verbleibende Speicherplatz angezeigt. Unterhalb des Displays befindet sich eine Klappe, hinter der der Steckplatz für die Micro-SD-Karte und ein Micro-USB-Anschluss verborgen sind. Über diesen wird die Kamera aufgeladen, auch Bilder lassen sich über ein USB-Kabel auf einen PC übertragen.

Einstellungen vornehmen kann der Nutzer an der Kamera selbst nicht, auch Bilder lassen sich nicht auf dem kleinen Display betrachten. Das alles geht erst, wenn die Kamera mit dem iPhone verbunden ist. Dafür muss der Lightning-Connector ausgeklappt werden, wofür die Schutzklappe noch ein Stück weiter bewegt werden muss. Praktischerweise integriert Dxo die Anleitung der Kamera direkt in die Verpackung, das Gerät ist also schnell in Betrieb genommen. Ist der Connector ausgeklappt, muss die Dxo One nur noch an das iPhone gesteckt werden. Die Verbindung ist stabil; wird allerdings ein iPhone 6 Plus verwendet, sollten Nutzer die Konstruktion nicht nur an der Ansteckkamera festhalten. Ausgeschaltet wird die Kamera, indem die Schutzklappe wieder geschlossen wird; der Verbindungsstecker kann wieder eingeklappt werden, wenn die Klappe erneut nach unten gezogen wird.

Dxo-App startet bei Verbindung mit der Kamera

Wird die Kamera zum ersten Mal mit einem iPhone verbunden, wird der Nutzer aufgefordert, sich die Dxo-One-App im Appstore herunterzuladen. Über diese lässt sich die Kamera steuern - die normale Kamera-App von iOS erkennt die Ansteckkamera nicht. Ist die App installiert, öffnet sie sich fortan immer dann, wenn die Kamera angeschlossen wird. Das dauert bei uns ungefähr zwei Sekunden und funktioniert nur, wenn das iPhone angeschaltet und entsperrt ist - im Standby-Modus passiert nichts. Das ist schade, würde der Start der App inklusive Aufwecken des iPhones den Aufnahmevorgang doch sehr beschleunigen. Die Kamera kann auch andersherum eingesteckt werden, um Selbstporträts zu machen.

Die Kamera-App der Dxo One ist standardmäßig auf Automatik eingestellt. Wie andere Kameras stellt die Dxo One hier alle Optionen selbst ein, der Nutzer kann lediglich eine Belichtungskorrektur in Drittelschritten vornehmen sowie den Blitz oder den Selbstauslöser hinzuschalten. Als Blitz wird das LED-Licht des angeschlossenen iPhones verwendet. Fokussiert wird die Kamera entweder über einen Fingertipp auf dem Display des angeschlossenen iPhones oder mit Hilfe des Auslöseknopfes. Drücken wir ihn halb durch, fokussiert die Kamera, ein weiterer Druck löst die Aufnahme aus.

Automatik, Szenenmodi und halbautomatische Modi

Neben dem Automatikmodus stehen noch vier Szenenmodi zur Verfügung: eine Sportautomatik, ein Porträtmodus, ein Landschaftsmodus und ein Nachtmodus. Ambitioniertere Fotografen - und für diese ist die Dxo One ja durchaus gedacht - dürften die Programmautomatik, die halbautomatischen Modi und den manuellen Modus am interessantesten finden. Die verschiedenen Modi sind direkt über eine Schaltfläche der Kamera-App erreichbar.

Die Funktionsweise der Automatiken entspricht der herkömmlicher Kameras: Die Programmautomatik arbeitet von der Belichtung ähnlich wie die Vollautomatik, die ermittelten Zeitblendenkombinationen können aber geshiftet werden - wie es Nutzer auch von Spiegelreflexkameras gewohnt sind. Zusätzlich stehen neben der Belichtungskorrektur zahlreiche weitere Optionen bereit: Nutzer können am linken Rand der Kamera-App den ISO-Wert, die Art der Belichtungsmessung, den Fokusmodus und den Weißabgleich einstellen.

Manueller Fokus mit Scharfstellhilfe

So lässt sich der Fokus von der standardmäßig eingestellten einzelnen Scharfstellung auf einen kontinuierlichen und einen komplett manuellen Fokus umstellen. Der manuelle Fokus hat uns äußerst gut gefallen: Die Schärfe wird über eine Leiste am linken Bildrand des Vorschaubildes auf dem iPhone eingestellt, während des Fokussierens erscheint in der Mitte des Sucherbildes ein Quadrat mit einer Ausschnittsvergrößerung. Hier lässt sich der Fokus ziemlich genau kontrollieren. Etwas schade ist, dass der Ausschnitt immer in der Mitte ist. Möchten wir etwa ein Objekt scharf stellen, das sich nicht in der Bildmitte befindet, müssen wir das vor der Bildkomposition erledigen.

Die Blenden- und Zeitautomatiken bieten dieselben Einstellungen, nur dass hier jeweils die Zeit oder die Blende als Vorgabe gewählt wird. Im manuellen Modus werden beide Werte manuell eingestellt, als Orientierung dient eine kleine Leiste am unteren Bildschirmrand, die Über- und Unterbelichtungen visualisiert. Der Zeitenbereich geht von 1/8000 Sekunde bis zu 15 Sekunden, der Blendenbereich von f/1.8 bis f/11. Der ISO-Wert kann zwischen 100 und 51.200 eingestellt werden.

Kleines OLED-Display zeigt Informationen an

Am OLED-Display der Dxo One werden die gewählten Einstellungen der einzelnen Aufnahmemodi beziehungsweise ein passendes Piktogramm des Szenenmodus angezeigt. Die Anzeige dient lediglich der Information, Einstellungen können hier nicht vorgenommen werden.

Das Einstellungsmenü erreicht der Nutzer über die Modiauswahl. Hier lassen sich analog wie bei DSLRs bestimmte Maximalwerte setzen, etwa bei der ISO-Zahl oder der Auslösegeschwindigkeit. Die Beschränkung des ISO-Wertes ist sinnvoll, um ein starkes Bildrauschen aufgrund automatischer ISO-Wahl zu verhindern: Auf diese Weise werden der Kamera zu hohe ISO-Werte quasi verboten.

Auch die Einblendedauer eines aufgenommenen Fotos kann eingestellt werden, außerdem wie und wo Fotos und Videos gespeichert werden. Standardmäßig werden im RAW-Modus die unkomprimierten RAW-Dateien auf der Speicherkarte der Kamera abgelegt, während eine JPG-Version des Fotos direkt auf das iPhone gespielt wird. So können Bilder sofort geteilt werden, ohne viel Datenvolumen zu verbrauchen. Die knapp über 40 MByte großen RAW-Fotos hingegen lassen sich später an einem PC bearbeiten. Alternativ kann der Nutzer auch alle Bilder nur auf der Speicherkarte ablegen, was Platz auf dem Smartphone spart.

Schnelle Übertragung der Fotos an das iPhone

Die Übertragung der Bilder an das iPhone nach der Aufnahme dauert ungefähr eine Sekunde - und ist damit wesentlich schneller als etwa bei Sonys Ansteckkamera QX10. Diese verwendet als Übertragungsmittel WLAN. Die Dxo One versendet die JPGs über den Lightning-Anschluss, der eine erheblich schnellere Übertragungsrate ermöglicht. Die Dxo-Bilder werden direkt in der Fotos-App angezeigt. Von hier aus können Nutzer sie wie die mit der iPhone-Kamera selbst aufgenommenen Bilder einfach bearbeiten oder weiterverschicken.

Videos lassen sich mit der Dxo in maximal 1080p bei einer Framerate von 30 fps aufzeichnen - 4K beherrscht die Kamera nicht. Ein elektronischer Bildstabilisator ist eingebaut, auf einen optischen hat Dxo verzichtet. Ein zweiter Aufnahmemodus nimmt Zeitlupenvideos mit 120 fps und einer Auflösung von 720p auf. Videos lassen sich generell nur auf der Karte speichern, entsprechend werden sie nicht in der Fotos-App von iOS angezeigt, sondern nur in der Dxo-Anwendung.

Noch keine Serienbildaufnahmen möglich

Die Dxo One ist bequem zu bedienen, wenngleich manche von anderen Kameras oder auch der Kamera-App des iPhones genutzten Funktionen noch fehlen. So soll etwa eine Serienbildfunktion erst mit einem Update nachgereicht werden; aktuell können nur Einzelbilder und Videos gemacht werden. Auch Zeitraffer- oder HDR-Aufnahmen sind nicht möglich, wobei ein HDR-Modus bei professioneller Bildbearbeitung im Grunde nicht nötig ist: Hier werden Fotografen eher eine Belichtungsreihe machen, aus denen später ein HDR-Bild erstellt wird. Alternativ lässt sich auch ein einzelnes RAW-Foto im Dynamikumfang bearbeiten.

Die Akkulaufzeit des Dxo One soll dem Hersteller zufolge zwei bis drei Stunden Dauereinsatz bieten, eine verhältnismäßig kurze Zeit. Wir können diesen Zeitraum bestätigen, wird die Kamera allerdings nur hin und wieder verwendet, hält sie bei uns problemlos einen Tag lang. Dxo selbst sieht seine Ansteckkamera eher als Ergänzung zur iPhone-Kamera - Schnappschüsse sollen die Nutzer weiterhin mit ihrem Smartphone machen, nur für ernsthafte Fotografie soll die One herausgeholt werden. Wer die Kamera dennoch häufiger benutzen will, kann sie während der Benutzung über den Micro-USB-Anschluss aufladen.

Verfügbarkeit und Fazit

Die Aufsteckkamera Dxo One wird bereits in den USA verkauft, nach Deutschland soll sie im Oktober 2015 kommen. Geplant ist ein Verkauf sowohl über die Internetseite des Herstellers als auch über den Fachhandel. Der Preis liegt bei 600 Euro. Für eine kurze Zeit nach Verkaufsstart sollen Käufer die Lizenzen der Bearbeitungsprogramme Opticspro und Filmpack kostenlos erhalten. Regulär kosten die Anwendungen 200 und 130 Euro.

Die Kamera ist offiziell mit den iPhones 5, 5S, 5C, 6 und 6 Plus kompatibel - die neuen iPhones 6S und 6S Plus werden sicherlich auch unterstützt werden. Bei den Tablets kann die Ansteckkamera mit den iPads Air, Air 2, Mini 2, Mini 3 und dem iPad der vierten Generation genutzt werden. Voraussetzung bei allen Geräten ist iOS in der Version 8 oder höher.

Fazit

Dxo ist mit der One eine kompakte und leistungsstarke Kamera gelungen, die einen tatsächlichen Qualitätsgewinn für iPhone-Fotos darstellt. Sie ist in allen Belangen der im iPhone eingebauten Kamera überlegen - fairerweise muss man allerdings sagen, dass dank der technischen Spezifikationen der Dxo One auch ein Galaxy S6 qualitativ nicht mit der Ansteckkamera mithalten kann.

Die Bilder der Dxo One kommen überraschend nah an die Qualität einer 5D Mark III von Canon heran - ohne die Profikamera einholen zu können. Canons Kamera ist aufgrund des größeren Sensors und der besseren Optik letztlich nicht zu übertreffen: Die Hintergrundunschärfe ist schöner, das Bildrauschen geringer. Die Kamera des im Test verwendeten iPhone 6 Plus hingegen macht bezüglich Auflösung und Detailreichtum merklich schlechtere Aufnahmen als die Dxo One, hat dafür aber Funktionen wie Serienbildaufnahmen und eine HDR-Funktion.

Wenn es schnell gehen muss, bekommt der Nutzer in Situationen mit starken Dynamikunterschieden damit erst einmal bessere Bilder als mit der Dxo One, deren Bilder hier eine Nachbearbeitung erfordern - eben wie bei der 5D Mark III auch. Das bearbeitete finale Bild der Dxo One hingegen ist ohne Zweifel weitaus besser. Überrascht hat uns der Super-RAW-Modus, der tatsächlich besonders bei Aufnahmen in schwierigen dunklen Lichtsituationen ein saubereres Bild als der normale RAW-Modus liefert.

Anders als etwa die separate Smartphone-Kamera von Sony verbindet sich die Dxo One direkt per Lightning-Anschluss mit dem iPhone. Das führt zum einen zu einer hohen Datenübertragungsrate, zum anderen zu einer angenehmen Art der Benutzung: Das iPhone fungiert als schwenkbares Display. Nachteil dieses Aufbaus ist, dass anders als bei der Sony-Kamera das iPhone und die Dxo One nicht an verschiedenen Orten aufgebaut werden können - ohne die Steckverbindung wird das Sucherbild nicht auf das iPhone übertragen.

Kritikpunkte sind für uns der fehlende optische Zoom und ein fehlender Stativanschluss. Die Dxo lässt sich auch ohne Anschluss an ein iPhone verwenden, was sie als unauffällige Kamera für einen zusätzlichen Blickwinkel bei Filmaufnahmen prädestinieren würde, wenn wir sie ohne Hilfsmittel auf ein Stativ schrauben könnten.

Die gute Bildqualität, die robuste Verarbeitung und die schnelle Kommunikation zwischen Kamera und iPhone machen die Dxo One zu einem idealen Zusatzgerät für ernsthafte Fotografen, die ein iPhone besitzen. Leider ist die Ansteckkamera zumindest zum Verkaufsstart noch sehr teuer: Bei einem Preis von 600 Euro könnte sich der eine oder andere Interessent mit dem Kauf schwertun.  (tk)


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