Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/aeroscraft-ml866-aeros-baut-grosses-transportluftschiff-1509-116303.html    Veröffentlicht: 15.09.2015 07:00    Kurz-URL: https://glm.io/116303

Aeroscraft ML866

Aeros baut großes Transportluftschiff

Das nächste Transportluftschiff ist im Bau: Das US-Unternehmen Worldwide Aeros will ein Starrluftschiff bauen, das schwere Lasten über große Strecken transportieren kann. In fünf Jahren soll es einsatzbereit sein.

Die Giganten kehren zurück: Das US-Unternehmen Worldwide Aeros Corporation will ein Luftschiff bauen, das deutlich größer ist als etwa die neuen Luftschiffe von Zeppelin. Gedacht ist es für den Transport.

Das Aeroscraft ML866 wird ein Starrluftschiff, das bedeutet, es hat innen eine Tragstruktur, über die die Hülle gespannt ist. Der Rumpf sieht ein wenig wie ein gequetschtes Luftschiff aus. ML866 soll eine Nutzlast von 66 Tonnen transportieren. Dafaür soll es in einer Höhe von 3.650 Metern mit einer Reisegeschwindigkeit von 185 km/h unterwegs sein. Die Reichweite beträgt etwa 5.700 Kilometer.

Aeroscraft wird größer als der Airlander

Knapp 170 Meter lang soll das Luftschiff werden. Zum Vergleich: Der halbstarre Zeppelin NT ist 75 Meter lang. Das Hybridluftschiff Airlander 10 misst 92 Meter, der größere Airlander 50, der allerdings noch in der Entwicklung ist, soll knapp 120 Meter lang werden. Die beiden Airlander sind ebenfalls als Transportluftschiffe gedacht: Der kleinere Airlander kann 10 Tonnen zuladen und damit 3.000 Kilometer weit fliegen, der größere Airlander soll 50 Tonnen 3.500 Kilometer weit transportieren können.

Im Vergleich mit den alten Zeppelinen wird aber auch das Aeroscraft noch recht klein ausfallen: Das 1924 fertiggestellte LZ 126, das den Erfolg der Starrluftschiffe in den USA begründete, maß 200 Meter, LZ 129 Hindenburg und LZ 130 Graf Zeppelin II sogar 245 Meter.

Aeroscraft wird größer als der Airlander

Allerdings wird das Aeroscraft ohne große Bodenmannschaft auskommen, wie sie die alten Zeppeline brauchten. Das Luftschiff soll senkrecht starten und landen, wobei es für das Aufsteigen keinen Ballast benötigt, der abgeworfen wird. Auftrieb bekommt das Luftschiff durch Helium, das sich in großen Gaszellen befindet. Soll das Luftschiff landen, wird das Gas aus den Gastanks abgepumpt und komprimiert. So wird der Auftrieb verringert, das Luftschiff sinkt.

Dadurch sei es im Flug leichter als Luft, am Boden hingegen schwerer, erklärt Aeros das Prinzip. Es sei wie ein fliegendes Unterseeboot. Am Boden bewege sich das Aeroscraft auf einem Luftkissen fort - ähnlich wie ein Luftkissenboot.

Der Prototyp ist halb so groß

Aeros hatte angefangen, das Luftschiff für das Projekt der Defense Advanced Research Projects Agency (Darpa) zu entwickeln. Im Zuge des Projekts hat Aeros den Prototypen Pelican gebaut, der mit 80 Metern etwa halb so lang ist wie ML866. Aeros plant noch größer: Das Luftschiff Aeroscraft ML868 soll etwa 235 Meter lang werden und sogar 250 Tonnen transportieren. Die Reichweite soll knapp 9.500 Kilometer betragen - das entspricht etwa der Entfernung von Berlin nach Los Angeles.

Erst kommt aber ML 866. Das Design sei so gut wie fertig, sagt das Unternehmen. Letzte Änderungen sollen noch bis Ende des Jahres möglich sein. Der Bau habe bereits begonnen, so Aeros-Chef Igor Pasternak. Er will in etwa fünf Jahren so weit sein, dass das Luftschiff die Zertifizierung der US-Luftfahrtbehörde Federal Aviation Administration (FAA) hat.  (wp)


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