Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/forza-motorsport-6-im-test-grandioses-rennspiel-komplettpaket-1509-116240.html    Veröffentlicht: 10.09.2015 13:00    Kurz-URL: https://glm.io/116240

Forza Motorsport 6 im Test

Grandioses Rennspiel-Komplettpaket

Selten waren Regen und Dunkelheit so schön wie in Forza Motorsport 6: Das Rennspiel für die Xbox One bringt neue Witterungs- und Nachtfahrten - und hebt so das ohnehin schon umfangreiche Rennspielpaket auf ein noch höheres Level.

Diesmal hat das Entwicklerteam geklotzt. Beim letzten Forza musste sich Turn 10 Studios noch den Vorwurf gefallen lassen, "nur" ein gelungenes Rennspiel produziert zu haben. Jetzt legt Forza Motorsport 6 sowohl bei den Spieloptionen als auch bei Strecken und Fahrzeugen spürbar zu. Mehr als 450 unterschiedliche Vehikel gibt es - allesamt wunderschön anzuschauen, aus allen Winkeln zu bewundern und jedes mit ganz eigenen Fahreigenschaften.

Das Angebot reicht vom kompakten Kleinwagen über SUVs und Oldtimer bis hin zu Touren- und Supersportwagen. Die Markenpalettereicht von Ford, Mazda und VW über Volvo, BMW und Audi bis hin zu Ferrari und Bugatti.

Auch bei den Kursen kommt so schnell keine Langeweile auf. Ob in Spa, in Monza oder am Nürburgring, in den Alpen, in den USA oder in Südamerika: Die Kombination aus bekannten Echtweltpisten und fantasievoll gestalteten neuen Kursen ist rundum gelungen. Vor allem, da jetzt nicht nur bei strahlendem Sonnenschein, sondern auch unter widrigen Bedingungen gefahren wird: In strömendem Regen bilden sich Pfützen auf der Strecke, ein Rutschen von der Piste und wildes Aquaplaning sind die Folge - schick in Szene gesetzt durch glaubwürdig wirkende optische und akustische Wassereffekte.

Alternativ kann auch nachts gerast werden. Die Dunkelheit schränkt die Sicht ein, das Fahren fühlt sich ungewohnt an und ist sehr atmosphärisch. Allerdings: Es gibt keine dynamischen Wetter- und Lichtwechsel, jedes Rennen wird im gleichen Modus gestartet und beendet. Außerdem ist nicht jeder Kurs in einer Regen- und Nachtvariante verfügbar.

Könner können die Fahrhilfen abschalten

Wie kompliziert die neuen Rahmenbedingungen werden, hängt vom Können des Spielers, vor allem aber von seinen bevorzugten Einstellungen ab. Wie gehabt können Anfänger alle verfügbaren Fahrhilfen aktivieren und sind dann nahezu ungefährdet unterwegs. Experten deaktivieren natürlich alle Hilfsprogramme wie Bremsunterstützung, ABS und Ideallinie und schrauben dafür das verfügbare Schadensmodell hoch - mit den dann durchaus dramatischen Folgen bei einem Crash, bis hin zum erforderlichen Neustart der Partie nach Motorschaden.

Alle genannten Optionen lassen sich im freien Spiel praktisch von Beginn an ausprobieren. Natürlich wartet Forza 6 aber auch wieder mit einem Karrieremodus auf, der das Potenzial hat, über Wochen hinweg zu motivieren. Zunächst wartet eine Einführungsrunde auf einem schmalen Stadtkurs in Brasilien, dann folgen drei Qualifikationsrennen, bevor es in die umfangreichen fünf Rennstaffeln mit ihren jeweils untergeordneten Serien geht.

Im Karrieremodus auf das Podest

Wie üblich beginnt der Spieler hier in kleinen Karossen und muss sich durch Erfolge Erfahrungspunkte, Geld und damit dann auch Neuzugänge für die Garage verdienen. Allerdings ist der Ablauf sehr linear - in vorgegebenen Rennen muss ein Plätzchen auf dem Podest erklommen werden, mit der Zeit werden immer wieder neue Rennklassen mit einzelnen Serien freigeschaltet, in denen dann erneut um die Topplatzierung gerast wird.

Witzig: Levelaufstiege werden mit einer kleinen Lotterie belohnt, in der auf Knopfdruck Preise wie Autos, Geld, aber auch Mods warten. Letzteres sind Modifikationen, die vor den Rennen ausgewählt werden können und bessere Fahreigenschaften, bessere Startplatzierungen oder besondere Herausforderungen nach sich ziehen. Das resultiert dann wiederum in höheren Belohnungen bei Fahrerfolgen. Übrigens: Die Mods und alle anderen Extras sind tatsächlich nur durch Ingame-Credits, aber nicht durch den Einsatz von Echtgeld wie im Vorgänger freischaltbar.

Beispiele für die Mods sind eine dauerhaft aktivierte Cockpit-Sicht, eine abgeschaltete Ideallinie und Veränderungen im Grip. Manche dieser Mods sind nur einmal verwendbar, andere können dauerhaft immer wieder vor jedem Start ausgerüstet werden. Mit der im Spiel verdienten Währung können auch immer wieder neue Mod-Pakete erworben werden, die Auswirkungen auf das Spielgeschehen sind aber eher marginal. Die meisten Spieler dürften nach dem ersten Ausprobieren auf die Mod-Nutzung größtenteils verzichten.

Eine zusätzliche Auflockerung der Karriere sind sogenannte Showcase-Events mit speziellen Fahrzeugen und Aufgaben. Auch hier kann der Spieler nicht wählen, sondern muss vorgegebene Aufgaben lösen, die aber von Parcour-Aufgaben bis hin zu Duellen gegen Top-Gear-Fahrer reichen. Schade: Der Karrieremodus motiviert immens mit seinen Belohnungen und der Möglichkeit, immer neue Fahrzeuge zu erwerben, zu lackieren und dann auszuprobieren, bei der Präsentation lässt er aber viel Potenzial neben der Strecke liegen: Vor dem Start und nach der Zieleinfahrt ist die Inszenierung eher nüchtern.

Schöne Grafikeffekte auf Fahrzeugen und Strecken

Ansonsten glänzt Forza Motorsport 6 mit unzähligen Details wie Sandpartikeln, Dunst oder sich brechenden Sonnenstrahlen und wunderschönen Strecken- und Fahrzeugmomenten. Dazu kommen Spiegelungen und dergleichen mehr. Das Rennspiel zeigt eindrucksvoll, wozu die Xbox One fähig ist.

Trotzdem wirken einige Strecken etwas steril. Trotz Feuerwerks am Nachthimmel oder im Wind flatternder Fahnen sehen einige Umgebungen etwas zu perfekt und glatt aus. Die Soundkulisse allerdings überzeugt: Wer sich an den Geräuschen von Motoren erfreut, bekommt hier unterschiedlichste Varianten geboten. Einziges und von Forza durchaus bekanntes Manko: Die Ladezeiten sind wieder einmal erheblich.

Andere Fahrer und das Fazit

Fahrtechnisch ist Forza 6 eine Klasse für sich. Natürlich werden Simulationsexperten immer noch Momente finden, in denen sie sich mehr Realismus wünschen, prinzipiell gibt es aber kaum ein Rennspiel, das ähnlich fordernd und detailreich das Fahrerlebnis spürbar macht. Vom Verhalten der Reifen über die Einstellungen der Bremsen bis hin zum Kollisionsverhalten macht der Titel jedes einzelne Fahrzeug wirklich fühlbar.

Aber nicht nur im eigenen Fahrzeug, sondern auch bei anderen Fahrern ist die Technik erstklassig. Forza 6 wartet wieder mit den aus dem Vorgänger bekannten Drivataren auf - also KI-Kontrahenten, die die Fahrweise realer Mitspieler simulieren sollen. Das gelingt erstaunlich gut, vor allem, weil die Konkurrenz höchst unterschiedliche Fahrstile zu bieten hat. Aggressive, ständig drängelnde Raser sind ebenso unterwegs wie hochgradig konzentrierte, auf die Ideallinie zielende Fahrer, die dann trotzdem zu einem überraschenden Manöver ansetzen - oder eben auch einen Fahrfehler nicht vermeiden können.

Der Onlinemodus stand zum Testzeitpunkt noch nicht in vollem Umfang zur Verfügung, Testfahrten machten aber einen guten Eindruck. Forza 6 will durch mehrere Ligen und ein realistisches Einschätzen der jeweiligen Fahrkünste dafür sorgen, dass für jeden Spieler auf unterschiedlichem Niveau geeignete Herausforderungen bereitstehen.

Forza Motorsport 6 erscheint am 18. September 2015 exklusiv für die Xbox One und kostet etwa 60 Euro; auf Xbox Live gibt es eine rund 13 GByte große spielbare Demo. Das Spiel ist von der USK ohne Alterseinschränkung freigegeben worden.

Fazit

Meckern geht immer - etwa über den linearen Karrieremodus mit seinen teils etwas nüchternen Zwischensequenzen oder die Tatsache, dass sich Tag und Nacht oder Regen nicht während eines Rennens ändern. Allerdings sind das nur Details in einem ansonsten grandiosen Rennspiel: Forza 6 sieht herausragend aus, bietet Einsteigern ebenso Herausforderungen wie Rennspielfanatikern und sorgt mit seinem Umfang dafür, dass in den nächsten Monaten kaum Zeit bleiben wird für andere Titel.

Wer eine Xbox One besitzt und gerne virtuell Gas gibt, kommt nicht um den Titel herum! Aber auch für Spieler, die noch nicht sicher sind, ob die Anschaffung der Konsole lohnt, kann der Titel den entscheidenden Impuls geben.  (tw)


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