Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/drone-masters-berlin-renn-drohnen-ohne-drohnen-rennen-1509-116175.html    Veröffentlicht: 08.09.2015 10:02    Kurz-URL: https://glm.io/116175

Drone Masters Berlin

Renn-Drohnen ohne Drohnen-Rennen

Erst pladderte der Regen, dann pfiff der Wind: Beim ersten Berliner Drohnenrennen Drone Masters mussten die Piloten leider drinnen bleiben. Ein Reinfall war es trotzdem nicht.

Nach einer halben Stunde Diskussion und etlichen Telefonaten stand am Sonntagnachmittag fest: Die ersten Drone Masters Berlin finden nur drinnen statt, das Highlight - das Profirennen - musste abgesagt werden. Wie zum Hohn stiegen am Horizont der Trabrennbahn Karlshorst zwei Drachen in den Himmel. Bei Windböen um 50 km/h sei das Außenrennen nicht absicherbar, so die offizielle Begründung. Und die angetretenen Piloten wussten: Auch der Flug per Videobrille war von der Luftfahrtbehörde nicht genehmigt worden. Dass es trotzdem kaum lange Gesichter gab, lag daran, dass jeder den ehrenamtlichen Einsatz der Organisatoren zu schätzen wusste.

Die Berliner Drone Masters sind keine professionell organisierte Veranstaltung. Aus einer Kneipenidee von Veranstalter und Hobbyflieger Frank Wernecke wurde innerhalb weniger Wochen eine schnell wachsende Facebook-Gruppe. Bald gab es über 50 Anmeldungen, die Presse wurde aufmerksam. Dann kam der erste Rückschlag: Das als Austragungsort favorisierte südliche Tempelhofer Feld war zwar von der Luftfahrtbehörde genehmigt worden, die zuständige Parkverwaltung stellte sich aber quer. Nachdem mit der Trabrennbahn schnell eine Alternative gefunden war, fehlten unter anderem Messgeräte, Hindernisse für den Parcours und Pokale. Zehn Hobbypiloten arbeiteten hinter den Kulissen, um das Rennen dennoch stattfinden zu lassen.

Der Tag der Veranstaltung begann mit stürmischen Böen und Regen. Trotzdem zeigten sich die Organisatoren am Morgen optimistisch, und sie sollten recht behalten - um 14 Uhr klarte es auf, die Sonne schien. Der Wind blieb allerdings. Auf dem improvisierten Parcours zerrten stürmische Böen an Kleidung und Nervenkostüm der Gäste. Dabei waren nicht nur Piloten und Neugierige vor Ort, auch das Fernsehen, Zeitungen und verschiedene Onlinemedien hatten Redakteure und Kamerateams geschickt. Die warteten auf spektakuläre Bilder.

Als Mitveranstalter Frank Wernecke um 16:30 Uhr das Rennen absagen musste, waren die Drone Masters Berlin trotzdem nicht gescheitert. Von den rund 200 angemeldeten Gästen war immerhin die Hälfte gekommen, 25 Piloten wollten sich messen. Beim Drohnenrennen geht es um Geschicklichkeit und Reaktionsvermögen. Die Hindernisse des Parcours müssen so schnell wie möglich durchflogen werden. Die Piloten haben durch die Videobrille den Eindruck, im Copter zu sitzen und können so wesentlich besser manövrieren als beim Sichtflug.

Die Multicopter sind Eigenbauten. Sie basieren zwar oft auf einem ähnlichen Grundgerüst, über die Auswahl der elektronischen Komponenten entscheidet aber der Flieger selbst. So entstehen personalisierte Fluggeräte, die wenig mit den handelsüblichen Coptern gemein haben. Ein weiterer Unterschied: Während der Einsteiger am Sonntag seine Parrot im Park ausführt, schraubt der Profi meist noch daheim. Einen Großteil des Hobbys macht das Basteln und Optimieren aus.



Der Bienenstock für Einsteiger

Am Sonntag kamen, anders als geplant, allerdings vor allem die Anfänger und Fortgeschrittenen auf ihre Kosten. Im Innenraum an der Trabrennbahn, direkt neben dem Pferdewettbüro, war eine kleinere Strecke aufgebaut, sogar eine Zuschauertribüne gab es. Hier wirkte das Turnier eher wie ein Familienfest - in einem großen Bienenstock. Das stetige Summen der Quadcopter war allerdings wesentlich leichter zu ertragen als die musikalische Beschallung vieler Sportveranstaltungen.

Sogar ein paar professionelle Runden mit Videobrille wurden geflogen, aber auch Teilnehmer im Teenageralter konnten an den Hindernissen ihre Geschicklichkeit beweisen. Einige Male drohten die Copter, ein Eigenleben zu entwickeln, und sausten in Richtung Decke davon, sie konnten aber immer wieder eingefangen werden.

Größere Sorgen schienen einige Anwohner zu plagen. Auf der Facebook-Seite wurde darauf hingewiesen, dass die Fluggeräte unbedingt auf der Rennbahn bleiben müssten. Grund: Es gebe von militärischen Drohnen traumatisierte Menschen in der Nähe. Auch Vorbehalte gegen ein mögliches Ausspähen der Privatsphäre wurden am Sonntag zunächst von einigen Gästen geäußert, konnten aber schnell zerstreut werden - die Kameras der Renncopter dienen nur der Orientierung des Piloten.

So entwickelte sich der Wettkampf zu einem Ort des gegenseitigen Kennenlernens. Dass es am Schluss dennoch einen Gewinner gab, war fast schon Nebensache. Ironie der Geschichte: Er kam aus Tempelhof. Vielleicht klappt es ja dort im kommenden Jahr, denn dass es eine Neuauflage geben wird, versteht sich von selbst, wie Frank Wernecke und seine Mitstreiter sagen.  (mwo)


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