Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/smartwatches-auf-der-ifa-es-geht-rund-1509-116172.html    Veröffentlicht: 08.09.2015 12:03    Kurz-URL: https://glm.io/116172

Smartwatches auf der Ifa

Es geht rund

Samsung hat eine, Huawei auch, Motorola sowieso - so langsam droht der Nutzer bei den Smartwatches die Übersicht zu verlieren: Auf der Ifa haben wieder einige Hersteller neue Uhren vorgestellt. Golem.de zeigt die interessantesten Modelle.

Ob nun wirklich innovative Technik gezeigt wird oder nicht - ein spannendes Event war auf der Ifa immer sicher: die Neuvorstellung von Samsungs neuem Topsmartphone. In diesem Jahr hat der Hersteller die Messebesucher jedoch enttäuscht und seine neuen Geräte Galaxy S6 Edge Plus und Galaxy Note 5 schon zwei Wochen früher vorgestellt. Einen Trost gab es aber: Samsung zeigte in einem anderen Bereich Innovatives, nämlich bei den Smartwatches.

Auch von anderen Herstellern gab es Neuankündigungen, auch bereits angekündigte Uhren wurden zum ersten Mal der Öffentlichkeit gezeigt. Golem.de hat sich die interessantesten Smartwatches angesehen und sie bewertet. Dabei zeigt sich: Immer mehr Hersteller setzen auf runde Uhren, aber nicht allen gelingt die Umsetzung gleich gut.

Samsung Gear S2 mit drehbarer Lünette

So hat beispielsweise Samsung mit der Gear S2 seine erste runde Smartwatch auf der Ifa gezeigt - vorgestellt wurde die Uhr kurz vor der Messe. Die Grundversion der Gear S2 ist vom Design her eher unauffällig: Das Aluminiumgehäuse hat kaum Kanten und ist gut verarbeitet. Zusätzlich ist die Uhr auch in einer Classic-Variante erhältlich, die mehr einem klassischen Chronographen ähnelt. Beide Modelle sind für eine Smartwatch verhältnismäßig klein und dünn, sie wirken dementsprechend unauffällig am Handgelenk.

Beide Gear-S2-Modelle haben eine drehbare Lünette um das runde Display, mit der Nutzer durch die Menüs des Tizen-Betriebssystems navigieren können. Das erleichtert die Bedienung ungemein - bisher setzt kaum ein Hersteller auf ein derartiges externes Bedienelement neben dem Touchscreen. Zu nennen sind hier Apple mit der Apple Watch und ihrer drehbaren Krone, sowie Pebble mit seinen komplett ohne Touchscreen auskommenden Uhren.

Die Gear S2 zählt dank der drehbaren Lünette und der Kompaktheit für uns zu den spannendsten neuen Smartwatches der Ifa 2015. Verglichen mit der Krone der Apple Watch sehen wir in dem drehbaren Ring um das Display einen größeren Nutzen. Bislang ist noch nicht bekannt, wie viel die Uhr kosten wird.

Bei Motorola bleibt das Display angeschnitten

Eine weitere neue runde Smartwatch hat Motorola mit der neuen Moto 360 präsentiert. Der mittlerweile zu Lenovo gehörende Hersteller zeigte seine neue Uhr gleich in zwei Größen sowie einer für Sportler gedachten Variante mit GPS-Empfänger. Das große Modell soll Motorola zufolge für Herren, das kleine Modell für Damen sein - vom Aussehen her unterscheiden sich die Uhren nicht. Alle werden mit Android Wear als Betriebssystem ausgeliefert.

Wir finden bereits das kleine Modell mit 42 mm Durchmesser viel zu groß, vom 46-mm-Modell ganz zu schweigen. Zwar konnte Motorola den Rahmen etwas kleiner gestalten, insgesamt wirkt die Uhr aber immer noch sehr klobig. Dazu trägt auch die Dicke bei, die nicht unerheblich ist.

Wie bei der ersten Moto 360 hat auch das neue Modell einen deutlich sichtbaren schwarzen Bereich am unteren Bildschirmrand. Dieser ist laut Motorola für die Unterbringung der Technik unabdingbar, ansonsten wäre die Uhr noch größer. Wir finden auch beim neuen Modell dieses abgeschnittene Display nicht schön, da es den Gesamteindruck doch stört.

Insgesamt halten wir die neue Moto 360 vom Aussehen her für zu nah dran an der ersten Version der Uhr. Zwar hat Motorola die Technik im Inneren verbessert, klobig ist die Moto 360 aber immer noch. Für zierliche oder sogar normal große Handgelenke sind beide Größenvarianten der Smartwatch nichts. Für Sportler spannend könnte die Sport-Variante sein, zu der es noch keinen Preis gibt. Die Standardmodelle der Moto 360 sollen ab 300 Euro kosten und ab dem 15. September 2015 vorbestellbar sein.

Huawei Watch im Hochpreissegment

Äußerlich auf den ersten Blick der neuen Moto 360 sehr ähnlich ist die Huawei Watch: Auch der chinesische Hersteller setzt auf ein klassisches rundes Design, schafft es aber, das Display nicht anschneiden zu müssen. Das sieht bereits auf den ersten Blick in unseren Augen merklich besser aus.

Die Huawei Watch misst 42 mm im Durchmesser, ist dementsprechend so groß wie das Damenmodell der neuen Moto 360 und entsprechend klobig an zierlichen Handgelenken. Auch bei der Dicke tendiert die Huawei Watch eher in Richtung Moto 360 als in Richtung der Samsung Gear S2.

Huawei positioniert seine erste Smartwatch eher im hochpreisigen Segment: Die günstigste Variante mit Edelstahlgehäuse und Lederarmband soll 400 Euro kosten. Die Watch Elite mit goldenem Edelstahlgehäuse und goldener Gliederkette kostet 800 Euro und ist damit das teuerste Modell. Ausgeliefert werden alle Varianten mit Android Wear, der Verkauf soll am 23. September 2015 starten.

Wir finden die Huawei Watch, ähnlich wie die Moto 360, etwas zu klobig und für eine Android-Wear-Smartwatch etwas teuer. Dafür ist die Uhr zwar gut verarbeitet, bietet uns aber insgesamt etwas zu wenige Extras.

Asus bringt den Preisbrecher

Den preislichen Gegenpol zu Huawei setzt Asus mit der auf der Ifa 2015 vorgestellten neuen Zenwatch 2: Ab 150 Euro soll Asus' zweite Smartwatch kosten, der Verkauf soll im Oktober 2015 beginnen. Mit einem derartigen Preis liegt die Uhr deutlich unter denen der Konkurrenz.

Die Zenwatch 2 ist nicht rund, sondern vom Design her an das erste Zenwatch-Modell angelehnt, das auf der Ifa 2014 vorgestellt wurde. Die Zenwatch 2 soll in zwei Größen erhältlich sein: mit einem 1,63 Zoll großen Display sowie mit einem kleineren 1,45-Zoll-Bildschirm. Auch hier finden wir beide Varianten deutlich größer und klobiger, als es herkömmliche Uhren sind - oder die Samsung Gear S2. Wie die erste Zenwatch kommt auch das neue Modell mit Android Wear als Betriebssystem.

Fazit

Die großen Hersteller scheinen Gefallen an runden Smartwatches zu finden - zählen wir noch LG mit seinen mittlerweile runden Modellen hinzu, fehlt eigentlich nur noch Sony mit einer runden Smartwatch. Für Fans klassischer Uhren ist das erfreulich, kommen diese doch meist auch mit rundem Ziffernblatt. Auf uns wirken runde Smartwatches ein Stück edler als ihre eckigen Pendants.

Von den auf der Ifa gezeigten Modellen hat uns die Gear S2 am besten gefallen - allerdings nehmen wir an, dass Samsungs neue Smartwatch nicht allzu günstig sein wird. Mit der Zenwatch 2 hat Asus einen Preis angesetzt, der der Uhr zum Erfolg verhelfen könnte: Für viele Nutzer sind Smartwatches immer noch eher ein Produkt, das man nicht wirklich braucht, und für das man dementsprechend nicht allzu viel Geld ausgeben will. Bei einem Preis von 150 Euro und längerfristig sogar darunter dürfte die Hemmschwelle für einen Kauf für viele Interessenten eher zu überwinden sein.

Vor diesem Hintergrund könnte Huawei mit den teuren Editionen seiner Huawei Watch Probleme bekommen: Zwar sind die Uhren sehr gut verarbeitet, 400 Euro und mehr halten wir für eine Android-Wear-Smartwatch aber für zu viel.

Motorola hat es in unseren Augen versäumt, die Kritikpunkte Klobigkeit und abgeschnittenes Display zu beseitigen. Dass runde Smartwatches ohne schwarzen Streifen am unteren Bildschirmrand möglich sind, zeigt Huawei mit seiner gleich großen Huawei Watch. Interessant für Sportler könnte die Sport-Version werden, bisher ist allerdings zu diesem Modell noch kein Preis bekannt.

Alles in allem ist bei den Herstellern offenbar noch kein Ende bei den Smartwatches in Sicht - im Gegenteil: Die meisten versicherten uns, dass man in diesem Segment noch Raum für weiteres Wachstum sehe. Aus unserer Sicht sind längerfristig eher Uhren mit interessanten Funktionen oder Bedienkonzepten oder Smartwatches mit einem niedrigen Preis interessant. Vor diesem Hintergrund halten wir die Gear S2 von Samsung und die Zenwatch 2 für die spannendsten neuen Smartwatches der Ifa 2015.  (tk)


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