Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/google-wer-ist-alphabet-und-wenn-ja-wie-viele-1508-115715.html    Veröffentlicht: 12.08.2015 15:25    Kurz-URL: https://glm.io/115715

Google

Wer ist Alphabet und wenn ja, wie viele?

Kaum ein Lebensbereich, in dem Google nicht präsent ist oder sein will: die künftigen Töchter der Alphabet-Holding, ihre Produkte und Projekte im Überblick.

Das Wort Google steht synonym für die Suche im Netz, doch schon seit vielen Jahren ist das Unternehmen in verschiedenen Branchen tätig. Mit der Gründung der Holding Alphabet und der Eingliederung von Google als eigenständiges, untergeordnetes Unternehmen formalisieren die Firmengründer Larry Page und Sergey Brin die Rolle eines Mischkonzerns.

Der Name Google wird als Unternehmen unter der neuen Leitung von Sundar Pichai weiterhin für die bekanntesten Produkte und Dienste stehen: Die gleichnamige Suchmaschine, die für den Großteil des Umsatzes verantwortlichen Werbenetzwerke Adwords und Adsense, bekannte Produkte wie Google Maps, Drive, Gmail, das mobile Betriebssystem Android, der Play Store sowie Youtube bleiben Bestandteil von Google.

Andere, zum Teil weniger bekannte Sparten und Produkte werden künftig neben Google als weitere Tochtergesellschaften von Alphabet stehen. Aber wer weiß überhaupt noch, in welchen Bereichen Google aktiv ist und welche Pläne das Unternehmen verfolgt? Was ist noch Planung und was ist bereits etabliert? Der folgende Überblick zeigt einen kleinen Teil des künftigen Alphabet-Universums.

Fiber

Wann? Gestartet im Februar 2010

Was? Fiber ist das englische Wort für Glasfaser und genau darum geht es. Mit dem Unternehmen baut Google eigene Glasfasernetze in ausgewählten Städten und bringt den Bewohnern somit besonders schnelles Internet für etwa 80 US-Dollar im Monat. Bis jetzt gibt es Google Fiber in Austin, Kansas City und Provo. Demnächst soll der Ausbau auch in Salt Lake City, San Antonio und Atlanta beginnen. Fiber wird künftig eine eigene Tochtergesellschaft von Alphabet sein. Wieso? Google lebt davon, dass Menschen seine Internetdienste nutzen, ein schnelles Netz ist da natürlich von Vorteil. Gleichzeitig setzt Google die etablierten Netzanbieter unter Druck. Um keine Kunden zu verlieren, müssen sie ebenfalls in ihr Glasfasernetz investieren.

Makani

Wann? Übernommen am 23. Mai 2013

Was? Windenergie muss nicht immer von stationären Windrädern kommen. Das kalifornische Unternehmen Makani will mobile Flugwindkraftwerke errichten, die sich mit der Funktionsweise eines Drachen vergleichen lassen: Eine Turbine kreist in der Luft und leitet die durch Windkraft generierte Energie an eine Bodenstation weiter. Die Technik gibt es schon länger, auch deutsche Unternehmen arbeiten an ähnlichen Lösungen. Makani ist ein Teil der Forschungsabteilung Google X. Wieso? Das Prinzip ist kostengünstiger und flexibler als die Errichtung traditioneller Windräder, zudem profitieren Flugwindkraftwerke vom stärkeren Wind in größerer Höhe. Google hofft offenbar, diese Form der Energiegewinnung für eigene Rechenzentren oder in entlegenen Regionen einsetzen zu können.

Loon

Wann? Gestartet am 14. Juni 2013

Was? Internet aus der Stratosphäre: Im Projekt Loon arbeitet Google an solarbetriebenen Ballons, die in etwa 20 Kilometern Höhe und damit höher als kommerzielle Flugzeuge kreisen. Mit speziellen Antennen können sich Menschen mit den Ballons verbinden, die wiederum untereinander kommunizieren und das Internetsignal von einer weit entfernten Basisstation empfangen. Sri Lanka soll als erstes Land flächendeckend mit den Ballons ausgestattet werden. Loon ist ein Projekt von Google X. Wieso? Wer nicht online ist, kann keine Google-Dienste nutzen. Das Unternehmen versucht deshalb - ebenso wie die Konkurrenz von Facebook - die Offline-Regionen der Welt mittelfristig online zu bringen.

Wing

Wann? 2011

Was? Wenn Amazon in Zukunft Waren per Drohne ausliefern möchte, will Google nicht außen vor sein. Unter dem Projektnamen Wing arbeitet das Unternehmen bereits seit mehreren Jahren an eigenen Fluggeräten. Die Erfolge sind allerdings überschaubar, wie Astro Teller, der Chef von Google X, kürzlich zugeben musste. Demnach sei das erste Design von Wing nicht zufriedenstellend gewesen und man überarbeite die Drohne jetzt komplett. Das Projekt wird vor allem von Google-Gründer Sergey Brin vorangetrieben. Wieso? Ursprünglich war Wing vor allem zur Lieferung von Hilfsgütern in Krisengebiete gedacht. Mittlerweile ist denkbar, dass auch Google es ähnlich wie Amazon auch für Warenlieferungen nutzen und mit Google Express verknüpfen will.

Sidewalk Labs

Wann? Juni 2015

Was? Sidewalk Labs ist eines der jüngsten von Google gegründeten Unternehmen. Der Fokus liegt auf der Errichtung sogenannter Smart Citys, also vernetzter Städte, die neue Technologien aus dem Kommunikations-, Energie- und Verkehrssektor verwenden. Das erste Projekt nennt sich Intersection: Nach der Übernahme von LinkNYC will Sidewalk Labs ab dem kommenden Herbst rund 10.000 Wi-Fi-Spots in New York City errichten. Wie die New York Times berichtet, soll Sidewalk Labs eine Tochtergesellschaft von Alphabet werden.

Wieso? Auch hier geht es darum, möglichst viele Menschen mit einem Internetzugang zu versorgen.

Kontaktlinsen, Altersforschung und Finanzen

Calico

Wann? 18. September 2013

Was? Wer den Tod schon nicht besiegen kann, kann zumindest versuchen, das Altern zu verlangsamen. Genau das versucht Calico (California Life Company). Details sind rar, aber offenbar forscht Calico in einer eigenen Einrichtung an der Behandlung neurodegenerativer Erkrankungen wie Alzheimer sowie an neuen Therapiemöglichkeiten für altersbedingte Leiden. Auch Calico soll eine eigene Tochtergesellschaft von Alphabet werden.

Wieso? Calico ist das Unternehmen, das am wenigsten mit den klassischen Geschäftszweigen von Google zu tun hat. Allerdings möchte Google längst nicht mehr nur "die Informationen der Welt organisieren", wie das offizielle Unternehmensziel einst lautete, sondern auch "das Leben der Menschen verbessern". So sagt es CEO Larry Page mittlerweile. Auch ein persönlicher Hintergrund ist denkbar: Die Mutter von Sergey Brin ist an Parkinson erkrankt und hat ihm, wie er sagt, die entsprechende Genmutation vererbt, die ihn selbst zum Risikopatienten im höheren Alter macht.

Google Contact Lenses

Wann? 16. Januar 2014

Was? Für Menschen mit Diabetes ist es mühsam, immerzu ihren Blutzuckerwert zu überprüfen. Google arbeitet deshalb an einer neuen Form einer Kontaktlinse, die den Wert permanent und schmerzlos über die Tränenflüssigkeit der Träger misst. Eine Antenne, dünner als ein Haar, ist in die Linse integriert und sendet die Informationen per RFID an ein entsprechendes Empfangsgerät, das wiederum auch als Energiequelle der Linse dient. Vor kurzem hat Google ein entsprechendes Patent erhalten, zudem kooperiert das Unternehmen mit dem Pharmaunternehmen Novartis.

Wieso? Sergey Brin sagt, dass die "Miniaturisierung der Elektronik" die Lebensqualität der Menschen verbessern werde. Eine nichtinvasive Messung des Blutzuckers wäre zudem ein potenzieller Milliardenmarkt.

Google Ventures/Google Capital

Wann? 2009/2013

Was? Mit Ventures und Capital agieren künftig die beiden Risikokapitalgesellschaften Googles als unabhängige Unternehmen innerhalb von Alphabet. Während sich Ventures vor allem mit der Finanzierung von Startups beschäftigt, investiert Capital in bereits etablierte Unternehmen. Über 300 Startups hat Google seit 2009 unterstützt, darunter bekannte Namen wie Uber, die Software Slack, die Blogging-Plattform Medium oder das Biotechnologieunternehmen 23andMe.

Wieso? Startups mit Startkapital zu versorgen, ist ein Weg, um früh Interesse an neuen Technologien, Ideen und Personal zu zeigen. In einigen Fällen wie dem Automatisierungsunternehmen Nest war Google zunächst Kapitalgeber, bevor es die Firma komplett übernahm.

Google Adwords

Wann? 23.10.2000

Was? Hinter Adwords steckt Googles zentrales Werbenetzwerk, das zielgerichtete Anzeigen in der Suchmaschine oder auf externen Websites auf Basis der Sucheingaben oder vorbestimmter Schlagworte anzeigt: Wer etwa auf Google nach einem Sportgeschäft oder einem indischen Restaurant sucht, bekommt in vielen Fällen ein Angebot aus seiner Nähe angezeigt. Wer die entsprechende Anzeige anklickt, belohnt Google dadurch mit Kleinstbeträgen, die sich aber in der Summe rechnen.

Wieso? Adwords ist, gemeinsam mit Adsense, die mit Abstand größte Einnahmequelle. 2014 lagen die Werbeeinahmen von Google bei 59 Milliarden US-Dollar.

Selbstfahrende Autos, ein Lieferservice und smarte Thermostate

Nest Labs

Wann? Übernommen am 14. Februar 2014

Was? Nicht nur die smarte Stadt, sondern auch das smarte Eigenheim steht auf Googles To-do-Liste. Die Übernahme von Nest Labs Anfang 2014 war Googles bis dato größte Übernahme in dieser Branche. Das Unternehmen stellt unter anderem vernetzte Rauchmelder und Thermostate her: Die merken sich die Vorlieben ihrer Nutzer und steuern das Eigenheim anhand dieser Informationen automatisch - die Anbindung ans Internet gibt es auf Wunsch obendrein. Wieso? Verwaltungsratschef Eric Schmidt sprach bereits 2012 vom "voll vernetzten Wohnraum" und spielte damit natürlich auf das Internet der Dinge an. Die Thermostate von Nest und ihre Sensoren sind ein Weg für Google, in die Eigenheime der Menschen zu kommen und Daten zu sammeln.

Google Express

Wann? 2013

Was? Google versucht seit jeher, Firmen mit potenziellen Kunden zusammenzubringen. Mit Google Express (ehemals Google Express Shopping) hat der Konzern die Idee um einen Lieferdienst erweitert: In ausgewählten US-Städten können die Kunden online einkaufen und bekommen die Waren noch am selben Tag zugestellt, inklusive Lebensmitteln. Google Express arbeitet dafür sowohl mit überregionalen Händlern und Ketten als auch mit lokalen Geschäften zusammen.

Wieso? Google Express ist zum einen eine Konkurrenz zu Amazons Prime Lieferservice. Wie Eric Schmidt sagte, zählt Amazon zu Googles größten Konkurrenten. Zum anderen möchte Google damit noch aktiver in den Onlinehandel eingreifen.

Google Auto

Wann? 2011

Was? Wie neue Dokumente belegen, hat Google bereits 2011 eine eigenständige Tochterfirma namens Google Auto LLC gegründet. Dass das Unternehmen schon länger an fahrerlosen Autos arbeitet, ist dagegen kein Geheimnis. Seit Juni dieses Jahres testet Google die putzigen (oder hässlichen - je nach Geschmack) Kleinwagen in der Öffentlichkeit, für Aufsehen sorgten seitdem auch einige kleinere Unfälle, die aber allesamt fremdverschuldet waren. Wieso? Selbstfahrende Autos sind aus vielerlei Sicht lukrativ für Google. Autos sind ein sehr persönlicher Gegenstand, sie integrieren nahezu nahtlos Produkte wie Maps oder Navigation und entwickelte Patente und Techniken lassen sich möglicherweise später an andere Autobauer lizenzieren.

Militärroboter, Satelliten und VR-Filme

Skybox

Wann? Übernommen am 1. August 2014

Was? Skybox Imaging hat sich auf hochauflösende Satellitenbilder spezialisiert. Bis zum Jahr 2018 will Skybox 24 kleine Satelliten in der Erdumlaufbahn positionieren, die in der Lage sein sollen, die komplette Erde zweimal am Tag komplett zu fotografieren. Das soll mit einer so hohen Auflösung geschehen, dass es prinzipiell möglich ist, einzelne Autos oder Schiffscontainer zu verfolgen. 500 Millionen US-Dollar hat sich Google die Übernahme vergangenes Jahr kosten lassen. Wieso? Für Google sind nicht bloß die Satellitenaufnahmen interessant, die möglicherweise anschließend in Produkte wie Earth oder Maps integriert werden. Skybox arbeitet auch an Software, die Satellitenbilder automatisch auswertet. Es geht also, einmal mehr, um neue Daten.

Boston Dynamics

Wann? Übernommen am 13. Dezember 2013

Was? Drohnen, Ballons und Drachen hat Google bereits - da dürfen auch Roboter nicht im Portfolio fehlen. Mit der Übernahme von Boston Dynamics hat sich Google die Dienste eines der weltweit führenden Robotikunternehmen gesichert. Bekannt wurde Boston Dynamics vor allem durch leicht gruselige Militärroboter mit den Namen Littledog, Cheetah und Fleaman, die sich nicht so einfach umtreten lassen. Geleitet wird das Unternehmen, das zu Google X gehört, von Android-Erfinder Andy Rubin. Wieso? Insider glauben, Google arbeite mit dem Fachwissen von Boston Dynamics eher nicht an humanoiden Robotern für den Consumer. Vielmehr wolle das Unternehmen den Bereich der Automatisierung stärken, etwa in den eigenen Fabriken.

Jump

Wann? Juli 2015

Was? Der Kartonbausatz Cardboard, der zusammen mit einem Smartphone zur kostengünstigen Virtual-Reality-Brille wird, schien wenig mehr als ein Gimmick zu sein. Aber Google arbeitet wie viele andere Unternehmen an weiteren VR-Lösungen. Das auf der diesjährigen Entwicklerkonferenz I/O vorgestellte Gestell Jump dient gewissermaßen als ein Ökosystem für VR-Filmemacher. Gemeinsam mit Gopro entwickelt Google das Kameragestell, die Aufnahmen werden anschließend in einer neuen Software zusammengefügt und über neue Youtube-Funktionen - und Cardboard - ausgespielt. Wieso? Die virtuelle Realität soll auch auf Youtube stattfinden. Google versucht deshalb schon früh, interessierten Filmemacher die passende Technik zur Produktion von Inhalten an die Hand zu geben.

Deepmind

Wann? Übernommen am 26. Januar 2014

Was? Eine künstliche Intelligenz, die Videospiele lernen kann. Damit ist Deepmind zwar noch nicht komplett beschrieben, aber zumindest ein bisschen. Ein britisches Forscherteam hat seiner KI beigebracht, diverse Atari-Spiele selbstständig zu erlernen. Das soll nur der Anfang sein, in Zukunft möchten die Forscher noch weitere Anwendungsfälle schaffen, die Aufschlüsse darüber geben, wie Intelligenz und neuronale Netzwerke entstehen und wie diese sich in selbstlernende Algorithmen umwandeln lassen.

Wieso? Eine künstliche Intelligenz besteht aus Daten und Algorithmen - beides kann und hat Google. Und manchmal sorgen neuronale Netzwerke für wirklich schöne Bilder.  (zeit-ek)


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