Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/youtube-gaming-ausprobiert-kochvideos-inmitten-von-let-s-plays-1508-115643.html    Veröffentlicht: 10.08.2015 09:20    Kurz-URL: https://glm.io/115643

Youtube Gaming ausprobiert

Kochvideos inmitten von Let's Plays

Livestreams stehen bei Googles neuer Videoplattform Youtube Gaming ganz klar im Vordergrund. Eine erste Preview der Android-App ist jetzt verfügbar, die Golem.de ausprobiert hat. Und dabei haben wir so manches Video gefunden, das eigentlich gar nicht hineingehört.

Noch ist die neue Videoplattform Youtube Gaming nicht offiziell gestartet, doch nutzte Google die Gamescom und bewarb den neuen Videodienst mit einer Youtube-Gaming-Bühne, von der auch live gesendet wurde. Der Bedarf für eine solche Plattform ist laut Google groß: Sechs der zehn am meisten betrachteten Youtube-Kanäle in den USA sind welche mit Spielevideos. Und Minecraft war 2014 der zweithäufigste Suchbegriff.

Allerdings hat Google den Livestream-Trend verpasst, Content-Ersteller wechselten zur Streaming-Plattform Twitch, die sich auf Spiele spezialisiert hat. Mit Youtube Gaming will Google hier wieder aufschließen. Und das fällt auch in der Creator-Preview der Android-App Youtube Gaming auf, die wir ausprobiert haben.

Youtube Gaming ist kein neuer Videodienst, sondern eine alternative Benutzeroberfläche für Youtube, auf der nur Inhalte rund um Spiele zu finden sind. Der große Vorteil: Die Plattform verfügt bereits zum Start über ein riesiges Video-on-demand-Archiv mit Let's Plays, Reviews und Gameplay zu, laut Google, mehr als 25.000 Spielen, die bereits auf Youtube hochgeladen wurden.

Dass es sich bei der App bisher noch um eine Vorschauversion handelt, fällt nicht auf. Sie läuft sehr stabil und reagiert sehr schnell. Um die App zu nutzen, muss kein neues Benutzerkonto erstellt werden. Der bisher genutzte Youtube-Account kann zum Anmelden genutzt werden. Nach dem erstmaligen Einloggen werden auch gleich die Youtube-Abos gefiltert und in die App übernommen. Erstmals können - wie auch bei Twitch - Spiele abonniert werden.

Das Design erinnert stark an die normale Youtube-App, sie ist wie auch alle Google-Anwendungen nach dem mit Android 5.0 eingeführten Material-Design gestaltet. Die Startseite ist ein kurzer Feed der abonnierten Kanäle, darauf folgen Empfehlungen, die ein Algorithmus gibt. Die Livestreams befanden sich in unserem Test immer ganz oben und starteten, sofern wir im WLAN waren, automatisch - etwas, das ebenfalls von Twitch bekannt ist.

In einem Reiter befindet sich eine Liste der abonnierten Spiele, aber auch der im Trend liegenden Spiele und der Langzeitfavoriten der Gaming-Community. Für jedes der Spiele gibt es eine eigene Übersicht, in der neben einer kurzen Beschreibung des Spiels nach Rubriken sortierte Videos zu finden sind. Kategorisiert wird etwa nach Let's Plays und Trailern, das steigert die Übersicht der Unmengen an hochgeladenen Videos sehr. Der dritte Reiter listet die abonnierten Kanäle und gibt weitere Empfehlungen.

Kochvideos gibt es trotzdem

Schnell stellte sich in der Nutzung vor allem ein Problem heraus: Anscheinend werden nicht einzelne Videos vom Algorithmus gefiltert, sondern die Kanäle, auf denen sie hochgeladen werden. Wurde auf einem Youtube-Kanal ein Gaming-Video hochgeladen, werden auch alle anderen Videos des Kanals in der App angezeigt. So kam es vor, dass wir bei einer Suche ein Kochvideo inmitten von Let's Plays gefunden haben. Und auch Videos des Golem.de-Youtube-Kanals, die nichts mit Spielen zu tun haben, können über Youtube Gaming abgerufen werden.

Die Streamer fehlen

Um das Livestreaming über Youtube attraktiver zu machen, hat Google die Funktion komplett überarbeitet. Streamer müssen so etwa nicht mehr umständlich im Voraus einen Zeitpunkt angeben, wenn sie streamen wollen. Und auch an anderen Stellen soll das Streamen vereinfacht worden sein. Wir konnten das bisher nicht ausprobieren. Praktisch ist, dass die Livestreams automatisch in ein normales Youtube-Video konvertiert werden und so als Video-on-Demand verfügbar sind. Bei Twitch geht das bisher nur für einen bestimmten Zeitraum, danach wird die Aufnahme gelöscht.

Sperre bei vermeintlichen Urheberrechtsverletzungen

Content-ID wird es auch bei Youtube Gaming geben. Ein Algorithmus sucht auch in Livestreams nach urheberrechtlich geschützten Inhalten. Wurde eine mögliche Übereinstimmung gefunden, wird die Werbung deaktiviert, Werbung zugunsten des Urheberrechtsinhabers geschaltet oder gar der Livestream gesperrt.

Spiele-Streamer auf Twitch kennen das nicht, denn ein solches System gibt es dort nicht. Einzig bei den Video-on-Demands wird nach Urheberrechtsverletzungen gesucht, der Ton wird bei einer Verletzung zeitweise deaktiviert.

Aktuell gibt es noch sehr wenige Streamer, die Plattform ist aber auch nicht offiziell gestartet. Doch auch dann gibt es für Streamer keinen Grund zu wechseln. Aus Gewohnheit werden wohl sowohl Streamer als auch Zuschauer bei Twitch bleiben. Bis auf das Archiv bietet Youtube Gaming kaum Vorteile.

Ein wichtiger Faktor wird die stark wachsende E-Sport-Szene sein, die Turniere für das europäische Publikum fast ausschließlich auf Twitch überträgt. Einzig mit Exklusivverträgen könnte Google die beliebten Streamer und E-Sport-Veranstalter an Youtube Gaming binden. In der Branche wäre das nicht unüblich: Azubu und Hitbox, zwei auf Spiele spezialisierte Livestreaming-Dienste, versuchen so, neben Twitch zu bestehen.

Vorerst nicht in Deutschland

Youtube Gaming wird zuerst in den USA und Großbritannien starten, das merkt man der Creators-Preview auch an: Die App ist in englischer Sprache gehalten, Empfehlungen gibt es bisher nur für englischsprachige Youtuber. Eine Webversion der Plattform wird es zur offiziellen Veröffentlichung geben.

Ein Zeitpunkt für den Deutschlandstart der App ist noch nicht bekannt. Unklar wird auch sein, ob aus Deutschland überhaupt Livestreams gesendet werden dürfen. Laut Rundfunkstaatsvertrag würden Streamer nämlich eine Sendelizenz benötigen.

Fazit

Die Creators-Preview der Youtube-Gaming-Android-App zeigt gut die Stärken der neuen Plattform. Endlich werden Spielevideos auf Youtube sinnvoll kategorisiert und können gut gefunden werden. Die neuen Livestream-Funktionen gefallen uns, bieten gegenüber Twitch aber kaum einen Mehrwert. Und vor allem am Filter-Algorithmus sollte Google arbeiten, noch sind zu viele Videos ohne Gaming-Bezug zu finden.  (sw)


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