Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/palette-gear-im-test-geniale-tastaturerweiterung-fuer-kreative-und-gamer-1508-115637.html    Veröffentlicht: 10.08.2015 12:00    Kurz-URL: https://glm.io/115637

Palette Gear im Test

Geniale Tastaturerweiterung für Kreative und Gamer

Mit Palette Gear sollen Fotografen, aber auch Layouter, Spieler und andere Nutzer Software besser bedienen als mit Maus und Tastatur - über magnetisch verbundene Drehregler, Schalter und Schieberegler, die vom Anwender wie ein Puzzle zusammengesteckt werden. Golem.de hat die Erweiterung ausprobiert.

Palette Gear ist eine Tastaturerweiterung, die per USB am Mac oder Windows-Rechner angeschlossen wird. Die rechteckigen Module sind an den Seiten mit Magneten und Kontakten ausgestattet, die es ermöglichen, sie beliebig zu kombinieren. Neben Knöpfen gibt es Schieber und Drehregler.

Basis ist das sogenannte Core-Modul, das mit dem USB-Anschluss ausgerüstet ist, die anderen Module mit Strom versorgt und ihre Befehle übermittelt. Oben auf dem Core-Modul ist ein OLED-Display eingelassen, das den aktuellen Betriebsmodus anzeigen kann. Die dazugehörige Software erlaubt die Konfiguration und die Zuweisung der Module zu den einzelnen Anwendungen, für die es vorkonfigurierte Befehle gibt. Der Benutzer hat hier aber die Freiheit, selbstständig zu bestimmen, welcher Befehl welchem Modul zugeordnet wird.

Leuchtende Hardwaremodule und OLED-Display

Der Zusammenbau ist leicht - der Anwender muss lediglich darauf achten, dass die Module so zusammengesteckt sind, dass Kontakte und Kontaktflächen zueinander ausgerichtet sind. Der Kontakt wird durch LEDs signalisiert, die in den Rändern der einzelnen Module eingelassen sind.

Von Haus aus unterstützt Palette Gear praktisch die gesamte Adobe Suite: Lightroom, Photoshop, Illustrator, After Effects, Indesign und Premiere Pro. Wir haben uns besonders mit Lightroom und Photoshop beschäftigt.

Mit den Drehreglern haben wir die Funktionen Klarheit, Schärfe und Schwarztöne belegt, die Schieberegler sollen Schatten und Belichtung regeln. Die beiden Druckknöpfe steuern die Freistellen- und die Vorher-/nachher-Ansicht. Das lässt sich natürlich jederzeit ändern. Beispielsweise hat es sich beim Bearbeiten großer Datenmengen bewährt, mit einem Druckschalter zum nächsten Bild zu wechseln.

Masken und Ähnliches, die mit dem Pinsel aufgetragen werden, können natürlich nicht mit den Schiebereglern erzeugt werden. Dafür ist die Maus oder gar das Grafiktablett nach wie vor das sinnvollste Werkzeug. Es ist allerdings sehr nützlich, die Pinselgröße mit einem Drehregler von Palette Gear und den Pinsel selbst mit der Maus über die andere Hand zu steuern.

Beliebig konfigurierbare Befehlszuweisungen

Da die Module in der Software auch mit beliebigen Tastenkombinationen belegt werden können, ist die Steuerung praktisch jedes Menübefehls in den Anwendungen möglich. Die Befehle werden pro Anwendung in Profilen abgelegt, wobei auch mehrere Profile für die gleiche App gespeichert werden können. Wenn die Anwendung gewechselt wird, wechselt automatisch die Belegung, was das Arbeiten mit mehreren Anwendungen im Parallelbetrieb deutlich erleichtert.



Zeitersparnis durch Palette Gear in professionellen Umgebungen

Der große Vorteil beim Bearbeiten von Fotos mit Palette Gear ist die hohe Geschwindigkeit, in der Anpassungen möglich sind. Keine Menüs oder langen Mausfahrten sind notwendig, um an die am häufigsten benötigten Funktionen zu gelangen. Vor allem die physische Rückkopplung ist eine große Stärke des Eingabesystems.

Wer will, kann aber neben den Adobe-Produkten auch andere Software mit den Eingabegeräten steuern. Der sogenannte Joystick-Modus erlaubt es, Achsen und Knöpfe eines solchen zu simulieren. Für Flugsimulationen und Ähnliches hat sich indes der Keyboard-Modus bewährt, mit dem beliebige Tastenkürzel auf die Regler gelegt werden können. Für das Online-Flugspiel Warthunder hat sich die Ersatztastatur als gut geeignet erwiesen. Auch als MIDI-Gerätesteuerung lässt sich Palette Gear einsetzen.

Bei der Bedienung ist uns aufgefallen, dass die Schieberegler in manchen Situationen einen kleinen Nachteil haben: Sie lassen sich nicht kurzzeitig deaktivieren. Bei manchen Anwendungen geschieht es unweigerlich, dass der Benutzer zum Beispiel beim Wechsel von einem Foto zum nächsten irgendwann am oberen oder unteren Totpunkt anschlägt. Hier hilft nur der kurzfristige Wechsel zu einer anderen App, um die Schieberegler zurückzufahren.

Weitere Module in Planung

Die Entwickler von Palette Gear, die das System ursprünglich über eine Kickstarter-Kampagne finanzierten, arbeiten dem Vernehmen nach schon an weiteren Modulen wie motorbetriebene Schieberegler und Trackballs. Künftig soll auch für Entwickler der Zugang zur Hardware geschaffen werden, damit sie das System in ihre Software integrieren können.

Wer ein Palette-Gear-System erwirbt, erhält 20 Prozent Rabatt auf den Abopreis des Adobe-Photoshop-Photography-Pakets, das neben Photoshop CC auch Lightroom CC enthält.

Mehrere Versionen zur Auswahl

Die Verarbeitungsqualität ist hoch, die Bedienelemente sind robust ausgelegt und durch den Einsatz von Metall an der Oberfläche wirken sie auch recht edel. Das System wird in mehreren Versionen angeboten: Die Starter-Edition für 200 US-Dollar enthält neben dem immer mitgelieferten Basisbaustein einen Schieberegler, einen Drehregler sowie zwei Knöpfe. Das von uns ausprobierte Expert-Kit hingegen ist mit zwei Schiebereglern und drei Drehreglern sowie zwei Knöpfen die empfehlenswertere Version, kostet aber auch 300 US-Dollar. Auch eine Version mit Holz- statt Aluminiumoberfläche und mit noch mehr Modulen wird angeboten. Ab November 2015 soll ausgeliefert werden.

Fazit

Der modulare Ansatz und die gute Softwareunterstützung zusammen mit den umfangreichen Konfigurationsmöglichkeiten sprechen für den Einsatz von Palette Gear in professionellen Umgebungen, vor allem im Bereich der Bildbearbeitung, der Musikbearbeitung und des Videoschnitts. Auch bei Simulationen lässt sich das System sinnvoll einsetzen. Lediglich die etwas hohen Preise könnten so manchen Interessenten abschrecken.  (ad)


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