Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0101/11561.html    Veröffentlicht: 06.01.2001 19:26    Kurz-URL: https://glm.io/11561

CES: Bill Gates zeigt die Xbox

Microsoft-Spielekonsole als Highlight der Computermesse CES in Las Vegas

Auf der Computermesse CES in Las Vegas zeigte Bill Gates das erste Mal eine funktionsfähige Xbox mit Controllern in Aktion und nannte die endgültigen technischen Details der vielversprechenden Spielekonsole. Die Konkurrenz, bestehend aus Sony (PlayStation 2), Nintendo (Gamecube) und Sega (Dreamcast) kann sich warm anziehen, denn für die Ende des Jahres in den USA und Anfang 2002 in Deutschland auf den Markt kommende Spielekonsole hat Microsoft ein ordentliches Marketing-Feuerwerk in Aussicht gestellt.

Xbox - ab 2002 in Europa
Xbox - ab 2002 in Europa
Gezeigt wurden von Gates zwei Spiele auf einem Xbox-Development-Kit, das allerdings nur ca. 20 Prozent der Leistung bot, die Microsoft für die fertige Konsole in Aussicht gestellt hat. Demonstriert wurden die 3D-Action-Adventure "Oddworld: Munch's Oddysee", die exklusiv für Xbox erscheinende dritte Auflage der beliebten Oddworld-Serie, sowie das "Malice". Letzteres soll dieselbe Rendering-Technik wie bei den Toy-Story-Filmen nutzen.

Screenshot OddWorld
Screenshot OddWorld
Erste technische Details zur Xbox hatte Bill Gates bereits im März 2000 auf der Games Developer Conference (GDC) genannt und schon einige Technologiedemos gezeigt. Im Laufe des letzten Jahres wurden allerdings beim eingesetzten Pentium III (ursprünglich 600 MHz) noch einige Steigerungen der Taktfrequenz bekannt, was in Anbetracht der rasanten technischen Entwicklung bei der Prozessor-Fertigung jedoch nicht weiter verwunderlich ist.

Die endgültigen technischen Daten der Xbox sehen nun wie folgt aus: Bei den Force-Feedback-Controllern scheint sich Microsoft besondere Mühe gegeben zu haben: Der mitgelieferte Controller verfügt über ein 8-Wege-Steuerkreuz (D-Pad), zwei analoge Joysticks, zwei analoge Zeigefinger-Trigger und sechs bunte, analoge Feuerknöpfe, die auch auf die Stärke eines Drucks reagieren, zwei Slots für Memory Cards und andere Zusatzgeräte. Zusätzlich verfügt der Controller über ein ca. 3 Meter langes Kabel, mit dem der Spieler alle Bewegungsfreiheit hat und die Konsole "bequem von seinem Lieblingssessel aus" kontrollieren kann, so Microsoft.

Das endgültige Xbox-Design
Das endgültige Xbox-Design
Während die technischen Daten recht beachtlich klingen und zumindest auf visuell beeindruckende Spieletitel hoffen lassen, dürfte das heute erstmals öffentlich gezeigte Gehäuse-Design mit seinem leuchtenden Logo nicht bei jedem auf Gegenliebe stoßen. Bei der ersten Präsentation im März 2000 wurde ein erstes spielerisches Gehäusedesign in Form eines silbernen X gezeigt, offenbar hat man sich nun jedoch für ein praktischeres, besser kühlbares boxförmiges schwarzes Gehäuse entschieden, das einem Raumbefeuchter oder einer Dunstabzugshaube ähnelt. Doch Gehäuseformen sind schon immer eine Geschmacksfrage gewesen, mit beißender Kritik wurde beispielsweise auch das PlayStation-2-Design bedacht.

Screenshot Malice
Screenshot Malice
Ob die Gehäuseform nun optisch zum heimischen Surroundsound-System passt oder die Grafikleistung der Konsole x-mal höher als die der Konkurrenz sein wird ist eher zweitrangig, wenn es um die Frage nach der verfügbaren Software geht. Jede Hardware ist schließlich immer nur so gut wie die erhältlichen Spiele. Während sich Sony hier weder bei der PS2-Markteinführung in Japan (März 2000) noch in den USA und Europa (je 24. November) mit Ruhm bekleckert hat, vor allem weil die Spieleentwickler erst recht spät mit ordentlichen Entwickler-Kits versorgt wurden und die komplexe Hardware erst gemeistert werden muss, scheint es bei Microsoft anders zu werden. Der Hauptgrund dafür ist, dass die meisten Entwickler mit Windows und DirectX bereits vertraut sind, die Einarbeitungszeit damit recht gering ist und selbst zum Launchdatum veröffentlichte Spiele die Hardware bereits besser ausreizen können.

Erste Entwicklerkits liefert Microsoft bereits seit August 2000 aus, im Nobember kamen dann noch einmal neue hinzu, begleitet durch ein Programm zur Unterstützung von unabhängigen Spieleentwicklern, die noch keinen Publisher gefunden, jedoch vielversprechende Titel in Arbeit haben. Bei den großen Spieleentwicklern und -publishern hat Microsoft - seine eigene, erfolgreiche Games Division eingeschlossen - bereits alles für die Xbox zusammengetrommelt, was Rang und Namen hat. Dazu zählen auch einige, die sich bisher hauptsächlich um Windows-PCs oder ausschließlich um Konkurrenz-Spielekonsolen gekümmert haben, letzteres trifft z.B. auf Konami zu. Insgesamt sollen über 200 Spieleentwickler für die Xbox Spiele entwickeln. Damit darf man mit aufregenden, hochqualitativen Spielen gleich zur Markteinführung rechnen.

Ob Microsoft mit der Xbox jedoch die Marktführerschaft vom Arbeits- auf das Wohnzimmer ausweiten kann, wird sich erst zeigen, wenn alle Widersacher auf dem Markt sind. Sowohl das nun massiv zum Online-Spiel drängende Sega Dreamcast, die nun weltweit mit Einschränkungen verfügbare Sony PlayStation 2, als auch Nintendos noch 2001 auf den Markt kommender Gamecube bieten alle ihre Vor- und Nachteile für die verschiedenen Altersgruppen. Während Xbox und PS2 auch in anderen Unterhaltungsbereichen wildern und beispielsweise als DVD-Player einsetzbar sind, konzentrieren sich die Dreamcast und der Gamecube ausschließlich aufs Spielen. Welche Konsole in den nächsten Jahren erfolgreich sein wird, ist jetzt noch nicht abzusehen. Eines zumindest ist sicher: Der Konsolenmarkt wird 2002/2003 turbulent und heiß umkämpft sein, was für den Kunden nur gut ist, sofern er sich für das System seiner Wahl entscheiden kann und nicht ratlos vor der großen Auswahl verharrt...  (ck)


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