Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/freies-bueropaket-libreoffice-springt-auf-version-5-0-1508-115592.html    Veröffentlicht: 05.08.2015 12:00    Kurz-URL: https://glm.io/115592

Freies Büropaket

Libreoffice springt auf Version 5.0

Libreoffice feiert den Sprung auf die Versionsnummer 5.0. Es gibt zwar einige optische Änderungen und eine neue Windows-Version, die meisten Arbeiten haben die Entwickler aber in die Restrukturierung des Codes gesteckt.

Ein neues bunteres Startzentrum, ein verbessertes Layout und mehr Optionen in der Seitenleiste - das dürften die auffälligsten Änderungen in Libreoffice 5.0 sein. Doch wesentlich wichtiger ist die jetzt weitgehend abgeschlossene Restrukturierung des Codes, sagte Italo Vignoli von der Document Foundation. Sie war letztendlich das erklärte Ziel der etwa 300 Entwickler.

In der 3er-Reihe von Libreoffice kümmerten sich die Entwickler noch um die Übersetzung und um Aufräumarbeiten im Code der freien Bürosuite. Schließlich hatte er sich seit der Übernahme von Star Office und der darauffolgenden Umbenennung in Openoffice durch Sun sowie der anschließenden Übernahme durch Oracle kaum geändert. Die ursprünglichen deutschen Kommentare wurden vom Libreoffice-Team übersetzt und obsolete Codeteile entfernt. Mit dem Sprung auf die Versionsnummer 4.0 waren diese ersten Arbeiten weitgehend abgeschlossen. Es folgte eine fundamentale Refaktorisierung des Codes in der 4er-Reihe, die jetzt weitgehend abgeschlossen ist. Beendet werde sie niemals, sagte Vignoli zu Golem.de.

64-Bit für Windows

Erst die aktuellen Aufräumarbeiten hätten es möglich gemacht, dass Libreoffice endlich in einer 64-Bit-Version für Windows entwickelt werden konnte. Sie läuft wie ihr 32-Bit-Pendant auch unter Windows 10. Dank der beteiligten Red-Hat-Entwickler wurden etliche Fehler beseitigt, die zuvor unter Windows verhältnismäßig viele Abstürze verursacht hatten. Zudem haben die Libreoffice-Entwickler die Engine der Tabellenkalkulation Calc komplett neu geschrieben.

Noch erachten die Libreoffice-Entwickler Version 5.0 aber nicht als stabil. Zwar habe die Einführung von automatisieren Tests nicht nur die Anzahl der Fehler deutlich verringert, sie könnten auch schneller gefunden und korrigiert werden. Dennoch empfiehlt Vignoli Version 5.0 zunächst nur für Early Adopter und Power User. In zwei bis drei Monaten lässt sich Version 5.0 aber auch für die Verwendung im Alltag empfehlen, sagte Vignoli. Bis dahin würden noch unentdeckte Bugs beseitigt. Wer deshalb einen frühen Umstieg scheue, sollte bei Version 4.4.5 bleiben. Die stabilen Versionen tragen die Erweiterung "Still", während die neuen Versionen den Suffix "Fresh" erhalten.

Große Pläne, kleine Änderungen

Der restrukturierte Code ist auch eine Voraussetzung für die zukünftigen Pläne des Libreoffice-Teams. Die jetzt veröffentlichte Android-Version teilt mit der Desktopversion eine gemeinsame Codebasis. Die Android-Variante erlaubt aktuell nur begrenzte Bearbeitungsfunktionen. Sie soll in den kommenden Monaten aber deutlich erweitert werden. Natürlich werde die Android-Variante nicht den Funktionsumfang erhalten, den die Desktopversion bereitstellt, sagte Vignoli. Für viele Funktionen sei die mobile Plattform ungeeignet. Eine Version für iOS sei auch geplant, sie sei aber deutlich schwieriger zu entwickeln als die Version für Android.

Libreoffice geht in die Cloud

Neben den mobilen Versionen arbeitet das Libreoffice-Team jetzt verstärkt an einer Variante für die Cloud. Eine erste Demoversion soll bereits bis Ende 2015 fertig werden. Im Laufe des nächsten Jahres soll die Cloud-Variante für das gemeinschaftliche Arbeiten im Netz ausgebaut werden. Auch diese Version teilt den Code mit der Desktopvariante. Dadurch wird auch die Pflege des Codes deutlich einfacher, etwa das Beseitigen fehlerhafter Referenzen. Die Stabilität der diversen Anwendungen hat nach wie vor oberste Priorität.

Nichtsdestotrotz haben die Entwickler in Version 5.0 zahlreiche Verbesserungen umgesetzt, die sich nicht nur optisch bemerkbar machen. Das Layout der Benutzeroberfläche wurde so verbessert, dass der Anwender eine bessere Übersicht bekommt. Libreoffice 5.0 zeigt beispielsweise die am häufigsten verwendeten Funktionen an. So sind zahlreiche Formatierungsfunktionen aus dem Kontextmenü ausgelagert worden, während Grundfunktionen wie Ausschneiden und Kopieren immer zu sehen sind.

Mehr Platz für Arbeiten

Die Auslagerung von weiteren Funktionen in die bereits bestehende Seitenleiste gibt dem Nutzer dennoch mehr Raum für die Arbeiten an Texten oder Tabellen. Die Liste der Formatvorlagen wird jetzt in dem jeweiligen Schriftbild angezeigt. Außerdem wurde das Zuschneiden eines Bildes deutlich einfacher gestaltet, das lässt sich jetzt komplett per Maus erledigen.

In Calc haben sich die Entwickler hauptsächlich um die Verbesserung der Pivot-Tabellen gekümmert. Mehrere neue Funktionen sorgen für eine höhere Kompatibilität mit Excel. Außerdem wurde die technische Notation um einige wissenschaftliche und numerische Funktionen erweitert.

Auch an der Interoperabilität mit anderen Büroanwendungen wurde weiter gefeilt. So lassen sich Dokumente aus Apple Pages in Writer importieren und Libreoffice kommt besser mit Texten zurecht, die in Microsofts Office 2007 erstellt wurden. Außerdem haben die Entwickler das Startmenü der Bürosuite überarbeitet. Dort lassen sich beispielsweise bereits genutzte Dokumente einzeln entfernen. Insgesamt zeigt sich Libreoffice dort bunter als seine Vorgänger. Dazu trägt auch das neue Iconset Breeze aus KDE bei. Die bestehenden Symbolbibliotheken Sifr und Tango wurden zusätzlich erweitert.

Libreoffice 5.0 steht für Windows, OS X und Linux auf der Webseite des Projekts zum Download bereit. Eine englische Zusammenfassung aller Änderungen zeigt die Docoment Foundation auf.  (jt)


Verwandte Artikel:
Officesuite: Libreoffice 6.0 bringt PGP-Signaturen und bessere Formulare   
(31.01.2018, https://glm.io/132504 )
Bürosoftware: Libreoffice 5.3 rendert besser   
(01.02.2017, https://glm.io/125939 )
Ehemalige Sun-Projekte: Open Source à la Oracle   
(02.01.2017, https://glm.io/125015 )
Projekt Muffin: Libreoffice 5.3 bekommt eine neue Oberfläche   
(22.12.2016, https://glm.io/125216 )
Collabora: Libreoffice mit Langzeit-Support in Mac-Store verfügbar   
(19.06.2015, https://glm.io/114773 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/