Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/moto-g-2015-im-test-gute-kamera-und-keine-angst-vor-wasser-1508-115549.html    Veröffentlicht: 04.08.2015 12:00    Kurz-URL: https://glm.io/115549

Moto G (2015) im Test

Gute Kamera und keine Angst vor Wasser

Bei der dritten Ausgabe des Moto G hat Motorola einiges an der Hardware verbessert: Besonders die Kameraausstattung ist ansprechender als beim Vorgänger. Kann das Smartphone bei einem Preis von 230 Euro wieder als konkurrenzloses Schnäppchen gelten?

Motorola hat neue Smartphones vorgestellt: Neben den beiden neuen Moto-X-Modellen nun auch das dritte Moto G. Trotz einiger Veränderungen bleibt die Hardware des neuen Modells grundsätzlich klar im Mittelklasse-Segment. Golem.de hat sich das Smartphone genau angeschaut - und einen in seiner Preisklasse ernstzunehmende Konkurrenten ausgemacht.

Motorolas positioniert das Moto G als Mittelklasse-Modell zwischen dem Einsteigergerät Moto E und den beiden neuen Moto-X-Smartphones als Top-Geräten. Das Display hat mit einer Diagonale von 5 Zoll und einer Auflösung von 1.280 x 720 Pixeln die gleichen Spezifikationen wie das Moto G des letzten Jahres. Die Pixeldichte liegt dementsprechend unverändert bei 294 ppi, was durchaus ausreicht - auch wenn gerade feine Details nicht äußerst scharf dargestellt werden.

Der Bildschirm wird durch Gorilla Glass 3 vor Kratzern geschützt. Farben stellt das Display natürlich dar, die Blickwinkelstabilität ist für ein Gerät dieser Preisklasse in Ordnung. Die Farben bleiben auch von den Seiten aus betrachtet stabil, die Helligkeit nimmt allerdings etwas ab. Wenig verstehen können wir die Behauptung Motorolas, das Display sei "nahezu randlos" - mit einer Randbreite von 3 mm bis zum Beginn und 4,5 mm bis zum äußeren Rand des Gehäuses ist es das eindeutig nicht.

Bekanntes Design mit wasserfestem Gehäuse

Das allgemeine Design des neuen Moto G ähnelt dem Modell aus dem Jahr 2014. Am oberen Rand im Bereich der Kopfhörerbuchse ist das Gehäuse charakteristisch "eingedellt", die Rückseite des Smartphones ist wieder gewölbt. In Verbindung mit dem geriffelten Rückdeckel liegt das Smartphone gut in der Hand, auch wenn es mit 11,4 mm an der dicksten Stelle nicht gerade dünn ist. An den Rändern ist das Smartphone 7,4 mm dick, die restlichen Ausmaße liegen bei 141,7 x 72 mm.

Das neue Moto G ist anders als seine Vorgänger nach IPX7 vor Wasser geschützt - bis zu 30 Minuten lang soll es in einer Tiefe von maximal einem Meter unbeschadet überstehen. In unseren Tests hat Wasser dem Smartphone nichts ausgemacht, an die empfindlichen Stellen hinter dem abnehmbaren Rückdeckel ist keine Feuchtigkeit gelangt. Mit Gummilippen sind der SIM- und der Micro-SD-Kartensteckplatz sowie eine eigentlich sowieso dicht wirkende Einbuchtung geschützt.

Akku ist nicht wechselbar

Obwohl die Rückseite abnehmbar ist und gegen andersfarbige Deckel getauscht werden kann, ist der 2.470-mAh-Akku nicht ohne weiteres wechselbar. Von der geöffneten Rückseite aus scheint er gar nicht erreichbar zu sein; wir finden hier nur eine durch drei Schrauben gesicherte, kleine Service-Klappe.

Neue Kamera hat 13 Megapixel

Eine weitere prägnante Änderung neben dem neuen Wasserschutz gibt es bei der Kamera: Statt 8 hat sie jetzt 13 Megapixel. Auch die Frontkamera wurde auf 5 Megapixel verbessert. Die Hauptkamera hat unterhalb des Objektivs zwei verschiedenfarbige LED-Fotolichter, die bei Blitzaufnahmen für eine farblich ausgewogenere Beleuchtung sorgen sollen.

Die Kamera-App ist übersichtlich, alle Einstellungen sind nach einem Wisch von links in das Display erreichbar. Als Aufnahmemodi stehen zusätzlich ein Panorama- und ein Nachtmodus zur Verfügung. Bilder werden durch ein Tippen auf den Bildschirm aufgenommen, einen separaten Auslöser hat die App nicht. Eine Extrafunktion ermöglicht es dem Nutzer, die Schärfe und die Belichtung unabhängig voneinander einzustellen.

Gut bei Tag, weniger gut im Dunkeln

Von der Schärfe her ist die Bildqualität vergleichbar mit der des Huawei P8: Feine Details sind nicht ganz so detailliert wie etwa bei der Kamera des Galaxy S6 von Samsung, allgemein ist der Bildeindruck bei Tageslichtaufnahmen aber gut. Allerdings fällt uns auf, dass der automatische Weißabgleich oft einen Grünstich verursacht.

Bei Aufnahmen in schummerigen Umgebungen hingegen überzeugt die Kamera des neuen Moto G weniger. Dann sind die Bilder schnell verrauscht und zeigen Artefakte. Die Stärke der neuen Kamera des Moto G liegt eindeutig bei Tageslichtaufnahmen, auch wenn uns ein paar mehr Aufnahmemodi gefallen hätten.

Videos kann das Moto G in Full HD aufzeichnen, ein Slow-Motion-Modus nimmt mit 60 fps bei einer 720p-Auflösung auf. 4K-Aufnahmen beherrscht das Moto G nicht, was angesichts des Preises aber auch völlig in Ordnung ist. Die Frontkamera hat 5 Megapixel, das vorige Modell hatte hier nur 2 Megapixel. Dementsprechend sehen Selbstporträts jetzt deutlich besser aus. Für passende Beleuchtung sorgt der Bildschirm, der sich bei Frontkameraaufnahmen weiß einfärbt und als Hilfslicht fungiert.

Snapdragon 410 und 1 oder 2 GByte RAM

Als Prozessor kommt im neuen Moto G ein Snapdragon 410 zum Einsatz. Dieser 64-Bit-Prozessor mit vier Kernen hat mit einer Taktrate von 1,4 GHz etwas mehr Leistung als der in den beiden vorigen Moto Gs verwendete Snapdragon 400, ist aber weiterhin eindeutig auf leichtere Tätigkeiten ausgerichtet. Zusammen mit dem 1 GByte großen Arbeitsspeicher unseres Testgerätes mit 8 GByte Flash-Speicher reicht die Ausstattung problemlos für alltägliche Anwendungen wie Surfen, E-Mails abfragen, Musik hören oder auch Videos schauen.

Bei anspruchsvolleren Anwendungen kann es hingegen stellenweise bei der Leistung eng werden. So können wir beispielsweise das Rennspiel Riptide GP2 in den Standardeinstellungen mit etwas heruntergeregelten Grafikdetails durchaus spielen; bei vollen Details hingegen fängt das Spiel stark an zu ruckeln.

Wer etwas mehr Reserven haben möchte, kann zur Moto-G-Variante mit 16 GByte Flash-Speicher greifen: Hier gibt es 2 GByte Arbeitsspeicher, was bei mehreren geöffneten Anwendungen zu einer flüssigeren Benutzungserfahrung führen sollte. Insgesamt eignet sich aber auch das kleine Moto G gut für Nutzer, die weniger Wert auf grafisch anspruchsvolle Spiele legen - zumal aufgrund des kleinen Speichers eh kaum umfangreiche Anwendungen installiert werden können. Immerhin haben beide Modelle einen Steckplatz für Micro-SD-Karten bis zu einer Größe von 32 GByte.

LTE-Unterstützung und Android 5.1.1

Das neue Moto G unterstützt Quad-Band-GSM, UMTS und LTE - ein separates LTE-Modell ist also anders als beim Vorgänger nicht mehr nötig. WLAN beherrscht das Smartphone nach 802.11b/g/n, also nur auf der Frequenz 2,4 GHz. Bluetooth läuft in der Version 4.0 LE, ein GPS-Empfänger mit Glonass- und Beidou-Unterstützung ist eingebaut. Auf einen NFC-Chip muss der Nutzer verzichten.

Ausgeliefert wird das Moto G mit Android in der Version 5.1.1 - und ist damit eines der ersten Smartphones, das die aktuelle Android-Version bereits ab Werk hat. Auch mit Lenovo als Eigentümer der Mobilsparte von Motorola gibt es weiterhin kaum Anpassungen an der Nutzeroberfläche - sie sieht fast aus wie ein pures Lollipop von Google. Dementsprechend findet sich links neben dem Hauptbildschirm auch Google Now, falls der Nutzer es verwendet.

Kleine Extrafunktionen

Einige zusätzliche Funktionen und Apps gibt es aber doch: So kann der Nutzer beispielsweise durch Schütteln des Smartphones die Taschenlampe ein- und ausschalten. Ein zweimaliges Drehen des Smartphones ruft die Kamera auf. Wer diese Gesten nicht benötigt, kann sie auch deaktivieren.

Zusätzlich vorinstalliert Motorola die bereits von früheren Moto-Smartphones bekannten Apps Migrate und Moto. Mit Migrate können Inhalte eines früheren Smartphones auf das Moto G gespielt werden. Moto ist die Einstellungs-App für Motorola-Funktionen wie Regeln oder die Info-Funktion im Standby-Betrieb. Verschiedene Regeln ermöglichen es dem Nutzer, das Moto G bestimmte Aktionen selbstständig ausführen zu lassen. So kann das Smartphone etwa automatisch stumm geschaltet werden, wenn der Arbeitsplatz erreicht wird.

Praktisch ist auch beim neuen Moto G die Benachrichtigungsfunktion auf dem Standby-Display. Dabei werden dem Nutzer neue Nachrichten kurz auf dem Display angezeigt, ohne dass das Smartphone aus dem Schlafzustand geweckt werden muss. Auch beim Anheben des Gerätes blendet das Smartphone kurz die Uhrzeit und eventuelle Benachrichtigungen ein. Den Sprachassistenten Moto Assist hat Motorola auf dem Moto G nicht vorinstalliert; er dürfte den teureren Moto-X-Modellen vorbehalten sein. Wer das Moto G mit Sprachkommandos verwenden will, muss sich mit Google Now begnügen.

Gute Akkulaufzeit

Die Laufzeit des neuen Moto G macht mit dem 2.470-mAh-Akku in unserem Test einen guten Eindruck. Einen 1080p-Film können wir bei voller Helligkeit über sieben Stunden lang anschauen, bis der Akku leer ist - ein guter Wert. Bei normaler Nutzung kommen wir mit dem Smartphone relativ problemlos auf anderthalb Tage.

Verfügbarkeit und Fazit

Das neue Moto G ist in der Version mit 8 GByte Flash-Speicher und 1 GByte RAM für 230 Euro im Onlinehandel erhältlich. In Motorolas Moto Maker kostet das Smartphone in der günstigsten Variante 250 Euro. Die größere Version mit 16 GByte Flash-Speicher und 2 GByte RAM ist nur im Moto Maker erhältlich, aktuell aber nicht verfügbar. Sie kostet 280 Euro.

Fazit

Mit dem dritten Moto G ist Motorola wieder ein gutes Mittelklasse-Smartphone gelungen - denn ein Einsteigergerät ist es angesichts des Moto E nicht mehr. Motorola hat einige wichtige Details wie die Kamera verbessert und neue Funktionen hinzugefügt. Besonders der Wasserschutz ist hervorzuheben - eine praktische Neuerung, die manchen Nutzer vor Ärger bewahren dürfte.

Manches andere hat Motorola beibehalten - etwa die Größe und Auflösung des Displays. Das ist allerdings auch nicht problematisch, ein HD-Display ist dieser Preisklasse durchaus angemessen. Beim Prozessor gab es zwar eine Änderung, die sich auf die Leistungsfähigkeit im Alltag allerdings nur bedingt auswirkt.

Dass Motorola eine 13-Megapixel-Kamera in das neue Moto G verbaut hat, ist durchaus lobenswert - häufig gibt es in dieser Preisklasse nur Kameras mit geringerer Auflösung. Bei schlechten Lichtverhältnissen sind die Fähigkeiten des Sensors allerdings begrenzt.

Etwas schade finden wir, dass Motorola das neue Moto G in der günstigen Version nur mit 8 GByte Flash-Speicher ausliefert. Zieht man hier den Platz ab, den das Android-System selbst braucht, bleibt nicht mehr viel übrig. Zwar können Micro-SD-Karten verwendet werden, wer sich allerdings etwa bei Spotify Lieder für die Offline-Nutzung speichert, dürfte recht schnell Probleme bekommen.

In der Preisklasse bis 230 Euro könnte das Moto G - anders als seine Vorgänger - einen ernstzunehmenden Konkurrenten bekommen: Samsungs neues Galaxy J5 ist dem Moto G äußerst ähnlich, was Prozessor, Display-Größe und -Auflösung betrifft. Das Galaxy J5 hat allerdings einen besseren Akku, mehr Arbeitsspeicher und einen Frontblitz - ist dafür aber nicht wasserfest. Dennoch, mit einem Preis von aktuell knapp über 200 Euro gibt es im Gegensatz zu den ersten beiden Moto Gs diesmal eine starke Alternative.  (tk)


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