Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/until-dawn-angespielt-das-horrorhaus-der-toedlichen-entscheidungen-1507-115192.html    Veröffentlicht: 13.07.2015 12:00    Kurz-URL: https://glm.io/115192

Until Dawn angespielt

Das Horrorhaus der tödlichen Entscheidungen

Spannender Thriller ohne Tote oder Splatter-Shocker ohne Überlebende: In Until Dawn entscheidet das der Spieler. Golem.de konnte das auf mehrere Durchgänge angelegte Abenteuer anspielen, das mit viel Aufwand auf der Playstation 4 inszeniert wurde.

Wir steuern Sam seit ein paar Minuten, und auf uns wirkt die junge und hübsche Frau sehr sympathisch - wir möchten nicht, dass sie stirbt! Nun stehen wir mit ihr in Until Dawn aber vor einer eigentlich banalen Entscheidung: Wir können sie "schnell" oder "sicher" über eine Mauer hüpfen lassen. Eigentlich glauben wir nicht, dass die Entwickler des britischen Studios Supermassive Games so gemein sind, Sam hinter der Wand etwa in eine Grube voller Klingen stürzen zu lassen. Also gehen wir das Risiko ein und wählen "schnell" - und halten gespannt die Luft an.

Der Grund für unsere Furcht: Anders als Sam wissen wir, dass es in Until Dawn einen mutmaßlich verrückten Mörder gibt. Der hat vor einem Jahr bereits zwei gute Bekannte von Sam umgebracht - nur weiß sie auch das nicht. Damals hatten sich zehn weibliche und männliche Freunde in einem Ferienanwesen getroffen. Zwei davon sind dabei ums Leben gekommen. Nun treffen sich die restlichen acht in dem düsteren Anwesen erneut, um gemeinsam der beiden vermeintlichen Unfalltoten zu gedenken - und um ein bisschen Spaß zu haben.

Auf den ersten Blick erinnert das Spielprinzip von Until Dawn an Abenteuer wie Life is Strange (zum Test) oder die Werke von Telltale. Es gibt aber einen signifikanten Unterschied: Die oft banal wirkenden Entscheidungen des Spielers haben wesentlich größere Auswirkungen auf die Handlung. In Until Dawn sollen wir alle acht Protagonisten überleben lassen können - oder alle sterben einen mehr oder weniger qualvollen Tod.

Manuell anlegbare Speicherstände oder eine Zurückspulfunktion gibt es absichtlich nicht - wer tot ist, soll tot bleiben. Stattdessen soll man nach den Vorstellungen der Entwickler die rund neun bis zehn Stunden lange Kampagne mehrfach durchspielen. Die soll sich auf Basis unserer Entscheidungen aber nicht nur hinsichtlich der Zahl der Tode unterscheiden - auch die allgemeine Stimmung unter den Freunden kann stark variieren.

Wer mag, kann gezielt eine eher friedliche Atmosphäre schaffen - oder die acht Freunde vom ersten Moment an so manipulieren, dass sie sich fast gegeneinander an die Kehle gehen. Beispielsweise konnten wir durch eine Wahl zwischen zwei Optionen einfach dafür sorgen, dass einer der Kameraden durch ein Fernglas zusieht, wie seine Freundin ihren ehemaligen Liebhaber umarmt. Ein, zwei weitere "fiese" Entscheidungen und eine halbe Stunde später wurden wir Zeuge von einem heftigen Streit mit wüsten Beleidigungen.

Wüster Streit im Freundeskreis

Das hat zumindest bei uns auch deswegen Eindruck hinterlassen, weil das Programm wenig Rücksicht auf zarte Gemüter nimmt - "Bitch" war in der englischen Originalversion noch eines der harmloseren Schimpfwörter. Außerdem ist Until Dawn sehr aufwendig in Szene gesetzt: Gesichter und Bewegungen stammen allesamt von US-Serienschauspielern, Schnitte und Kameraführung wirken extrem professionell. Lediglich die Grafik etwa des Ferienhauses und des düsteren, sehr großen Parks kann da nicht ganz mithalten.

Die Steuerung war beim Anspielen unkompliziert - sehr viel mehr als ein paar Schritte in die richtige Richtung gehen oder eine von mehreren Optionen auswählen können wir in Until Dawn aber auch gar nicht machen. Welcher der acht Freunde gerade im Mittelpunkt steht, bestimmt das Drehbuch.

Ein paar interessante Details sorgen dennoch für etwas mehr Spieltiefe als in ähnlichen Titeln: So können wir fast jederzeit einen Charakterbogen aufrufen, der uns für jede Figur zu Eigenschaften wie Ehrlichkeit oder Glaubwürdigkeit einen Wert angibt, den wir durch unsere Entscheidungen beeinflussen können.

Zum anderen gibt es Totems: Wenn wir die finden, sehen wir in einer kurzen Vision einen Ausblick auf eine besonders furchtbare Todesgefahr. Beispielsweise zeigt uns eine Animation, wie einer der Freunde in einem Flammenmeer verbrennt. Da wissen wir schon, dass wir in ein paar Augenblicken mit einem Feuerzeug und einer Spraydose ein vereistes Türschloss auftauen sollten. Wird das schiefgehen? Oder wollen wir vielleicht sogar, dass es schiefgeht - und wie stellen wir das an?

Den (mutmaßlichen!) Massenmörder lernen wir übrigens schon kurz nach dem Start sehr persönlich kennen. Das Programm zeigt eine Person immer wieder in kurzen, interaktiven Therapiesitzungen. Allerdings sehen wir sie von hinten und können nur den Schirm einer Baseballmütze sowie eine behandschuhte Hand erkennen...

Mit der Hand treffen wir dabei übrigens in einer Art Minipsychotest eine Reihe weiterer Entscheidungen: Wir bekennen, ob uns Clowns oder Zombies, Männer oder Frauen, Menschenmassen oder die Einsamkeit mehr Angst einjagen. Das Programm baut auch diese Entscheidungen subtil in die Handlung ein - eine plötzlich in der Dunkelheit leuchtende Clownsmaske ist da nur die offensichtlichste Version.

Until Dawn erscheint nach aktueller Planung am 26. August 2015 für die Playstation 4. Auf dem Datenträger befindet sich laut Sony neben der deutschen Tonspur auch die exzellent gesprochene englische Originalfassung, die wir bei unserem Anspielen gehört haben. Laut Sony erscheint das Programm ohne inhaltliche Schnitte mit einer USK-Freigabe "ab 18".

Nachtrag vom 13. Juli 2015, 17:43 Uhr

Wir haben die Angaben zur Altersfreigabe ganz zum Schluss des Artikels aktualisiert.  (ps)


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