Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/news/spieleentwicklung-free-to-play-ist-das-beste-geschaeftsmodell-fuer-e-sport-1507-114986.html    Veröffentlicht: 06.07.2015 09:05    Kurz-URL: https://glm.io/114986

Spieleentwicklung

"Free-to-Play ist das beste Geschäftsmodell für E-Sport"

Free-to-Play-Spiele seien die besseren E-Sport-Titel, findet Branchenveteran Jens Hilgers. Im Gespräch mit Golem.de erklärt er, was ein gutes E-Sport-Spiel ausmacht, und warum Activision mit Call of Duty den falschen Weg geht.

League of Legends, Counter-Strike: Global Offensive und Dota 2 sind laut Raptr-Statistik die am meisten gespielten Titel des Monats Mai 2015. Und sie sind allesamt erfolgreiche E-Sport-Spiele. Deswegen versuchen immer mehr Entwicklerstudios, Spiele für den stark wachsenden E-Sport-Markt zu entwickeln. Free-to-Play sei da das beste Geschäftsmodell, erklärt Jens Hilgers, unter anderem Gründer von Turtle Entertainment und ehemaliger Giga-TV-CEO, im Gespräch mit Golem.de. Wir haben mit ihm auf der ESL One in Frankfurt über die Entwicklung von E-Sport-Spielen gesprochen und nach Gründen für deren Erfolg gesucht.

"Von Anfang an sollte dem Entwickler klar sein: Dieses Spiel wird ein E-Sport-Titel werden", betont Hilgers gleich zu Beginn des Gesprächs. Nur so könne ein Spiel erfolgreich sein. "Entwickler können nicht einfach mal hier und mal da einen E-Sport-Bestandteil wie einen Spectator-Modus hinzufügen. So wird das Spiel gnadenlos in der E-Sport-Szene untergehen."

Spiele müssten, um eine Chance zu haben, auf allen Prinzipien des E-Sports basieren: Entwickler sollten auf eine ausgewogene Game-Balance und eine gewisse strategische Tiefe des kompetitiven Multiplayers achten, was von vielen Entwicklern aber unterschätzt werde. Wichtig seien eine für Zuschauer angenehme Spielzeit zwischen 20 und 40 Minuten, ein Spectator-Modus mit zahlreichen Optionen, ein gutes Matchmaking-System und vor allem zuverlässige Anti-Cheat-Maßnahmen. "Es sind bereits viele Spiele daran gescheitert, dass nur einer der Aspekte von den Entwicklern vernachlässigt wurde", sagt Hilgers.

Patches bergen meist neue Herausforderungen

Um sich in der Szene langfristig zu etablieren, müssten sich die Spiele aber auch weiterentwickeln und verändern. "Eine massive Unterstützung seitens der Entwickler auch nach dem Release des Spiels ist sehr wichtig", erklärt Hilgers. Die Game-Balance müsse mit Patches immer weiter optimiert werden. Und auch neue Spielelemente seien wichtig, um die Profi-Spieler vor neue Herausforderungen zu stellen und das Geschehen damit auch für die Zuschauer spannender zu gestalten.

Hervorragend findet Hilgers League of Legends und Dota 2. So hat sich etwa nach dem letzten Dota-2-Patch einiges für die E-Sportler geändert: Die überwiegend von asiatischen Teams genutzte Spielweise mit zwei Supportern und drei Carrys ist seit dem Update nicht mehr so wirkungsvoll - neue Taktiken setzten sich durch.

Am besten lasse sich eine solche kontinuierliche Entwicklung umsetzen, wenn auf Free-to-Play als Geschäftsmodell für das Spiel gesetzt werde. "Free-to-Play bedeutet nämlich: Ich habe ein Spiel, das verändere ich mit der Zeit und monetarisiere es eher nach hinten raus", sagt Jens Hilgers. "Free-to-Play-Spiele leben davon, immer wieder neue Inhalte zu integrieren und motivieren den Spieler langfristig."

Call of Duty hat großes Potenzial

Klassische Retail-Spiele hätten es eher schwer. So versucht etwa Activision, spätestens mit dem Release von Advanced Warfare das Call-of-Duty-Franchise im E-Sport zu etablieren - in den USA klappt das ganz gut, unter den klassischen E-Sport-Enthusiasten findet es aber kaum Beachtung.

"Activision macht in letzter Zeit einiges richtig, so richtig durchsetzen wird es sich mit dem aktuellen Geschäftsmodell aber nicht. Mit Call of Duty hat Activision die Herausforderung, dass es ein jährlich erscheinendes Franchise ist - so etwas ist nicht richtig E-Sport-kompatibel", sagt Hilgers. Der Shooter sei zu kurzlebig: Die Fortsetzungen seien immer ein neues Spiel, auch wenn sie den Vorgängern stark ähnelten. Das sei eine zu große Umstellung für Spieler und Zuschauer. "Sollte Activision sein Geschäftsmodell anpassen, hat Call of Duty ein riesiges Potenzial. Bis dahin sehe ich aber die meisten Free-to-Play-Titel im Vorteil."  (sw)


Verwandte Artikel:
Mobile Games: Apple setzt Gewinnwahrscheinlichkeit bei Lootboxen durch   
(09.03.2018, https://glm.io/133254 )
Super Smash Bros: Nintendo schickt Mario und Link in den Ring   
(09.03.2018, https://glm.io/133243 )
Deutscher Computerspielpreis 2018: Beste deutsche Games nominiert   
(06.03.2018, https://glm.io/133168 )
Deutscher Entwicklerpreis 2014 Summit: Das dreifache Balancing für den E-Sport   
(19.12.2014, https://glm.io/111281 )
Turtle-Entertainment-Übernahme: MTG Media investiert 78 Millionen Euro in E-Sport   
(01.07.2015, https://glm.io/114974 )

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/